Politik

Diskussion ums Eupener Capitol: Soll man es erhalten oder nicht?

Das ehemalige Capitol an der Neustraße. Foto: OD

Neben den vorgesehen Tagesordungspunkten der Sitzung des Eupener Stadtrats am Montag (siehe Artikel anbei) wurde kurzfristig eine Interpellation des Stadtratsmitglieds Hubert Streicher (CSP) das Thema des Abends. Dabei ging es um die geplante Schließung des Eupener Kultsaals Capitol.

Streicher gab an, dass es schade sei, das „fertige Projekt“ Capitol zu stürzen, nachdem in der Haushaltsdebatte im Januar zu diesem Thema sehr widersprüchliche Äußerungen gemacht worden seien. „Ein Wegfall des Capitol bringt das ganze Konzept der Kulturmeile zum Fallen!“ Das würde auch die verbesserte Infrastruktur der Schulen nicht auffangen können. Streicher führte an, dass die Eupener das Capitol mit seinem architektonischen Charme behalten wollten. „Sie sprechen stets von Transparenz und Bürgernähe. Dann machen wir doch eine Bürgerbefragung dazu.“

Ankauf durch die Stadt nicht rechtens?

Kulturschöffe Alfred Evers (PFF) hatte indes schon eine vorbereitete Stellungnahme parat. „Ihre Behauptungen sind meilenweit von der Realität entfernt“, warf er Streicher vor. Darauf folgend rezitierte er die politische Entwicklung in Sachen Capitol seit 2003.

Kultur- und Finanzschöffe Fred Evers (links) rechtfertigte den Stopp des Capitol-Projekts. Foto: Jannis Mattar

Kultur- und Finanzschöffe Fred Evers (links) rechtfertigte den Stopp des Capitol-Projekts. Foto: Jannis Mattar

Demzufolge sei der Ankauf des Kulturhauses durch die Stadt damals nicht rechtens gewesen. Denn obwohl eine Zufahrt über das Gelände des Super Partner GB laut mehreren Gutachten „unerlässlich“ sei und in Verhandlungen mit dem Eigentümer nie eine Einigung über das Nutzungsrecht erzielt werden konnte, wurde der Kauf getätigt. „Man hat aus Verzweiflung sogar versucht, eine Enteignung zu erreichen, aber das hat nicht funktioniert. Von friedlichen Verhandlungen kann da absolut keine Rede sein.“ Unter diesen Voraussetzungen sei das Projekt der Kulturmeile schlichtweg nicht aufrecht zu erhalten, so Evers.

PFF und SPplus vertraten Evers‘ Ansicht und bestätigten, dass man sich seit jeher gegen das Projekt in dieser Form ausgesprochen habe und das Capitol so nicht realisierbar sei.

CSP: Finanzieller Aspekt nicht der wahre Grund

Die CSP war mit diesen Einwänden allerdings nicht einverstanden. „Herr Evers, da waren viele Halbwahrheiten bei“, so Gerd Völl. Die Eigentümerin habe ihm kürzlich ihre Verhandlungsbereitschaft signalisiert. Und den Eupenern liege das Projekt am Herzen.“ Der finanzielle Aspekt sei zudem kaum der Grund, weswegen sich die Mehrheit gegen das Capitol ausgesprochen habe. „Sie lassen es nur zu Gunsten Ihrer eigenen Projekte fallen.“

Der CSP-Stadtverordnete Hubert Streicher (hier bei seiner Vereidigung). Foto: Gerd Comouth

Der CSP-Stadtverordnete Hubert Streicher (hier bei seiner Vereidigung). Foto: Gerd Comouth

Hubert Streicher fügte hinzu: „Man lässt einfach eins nach dem anderen hops gehen.“

Auch der ehemalige Bürgermeister Elmar Keutgen nahm für die CSP Stellung: „Sie verzichten auf 75% Subsidien, weil Sie sich nicht die Zeit nehmen wollen, weiter zu verhandeln.“

Dies sei laut Evers jedoch wenig sinnvoll. „Sie haben acht Jahre ohne Resultate verhandelt. Und da sollen wir das in 1-2 Monaten schaffen?“ Man habe in dieser Angelegenheit Rechtsbruch begangen. Zudem sei schlichtweg kein Geld für die Finanzierung da – und folglich sei nichts zu machen.

Evers kündigte jedoch an, dass man in Zukunft einen Kostenvoranschlag einholen wolle.

JANNIS MATTAR

 

10 Antworten auf “Diskussion ums Eupener Capitol: Soll man es erhalten oder nicht?”

  1. sollte die neue Mehrheit Rückgrad besitzen,dann sollte sie das Volk über das Capitol entscheiden lassen,und nicht einen
    Machtbesesennen nicht abdankenden Altbürgermeister Evers.
    Das Capitol ist der einzige vernünftige Saal in Eupen wo Vereine Ihre Feste abhalten konnten,und dafür auch bezahlten.
    Der alte Schlachthof ist in keinster Weise dafür zu gebrauchen und hätte besser abgerißen werden sollen,mit dem Geld hätte man das Capitol sehr gut Restaurieren können.
    Aber Macht kennt keine Grenzen

    • Ketteniser

      Da bin ich genau der gleichen Meinung ! Das Capitol ist defintiv ein Bestandteil Eupens und soll es auch weiterhin bleiben !
      Alternativ könnte man zusätzlich noch die angedachten Kinosäle des Eupen Plaza einirichten und als Veranstaltungssaal funktionstüchtig machen. Wenn ich mich Recht erinnere, war das doch Altbürgermeister Evers der das Projekt ATC mit aller Macht durchgedrückt hat.
      Und was ist jetzt daraus geworden? Die damalige PFF-Regierung hat es doch verschlafen, die Innenstadt seinerzeit neu zu beleben und hat stattdessen eine neue Geisterstadt in der Stadt gebaut…
      Die CSP musste und hat sich an die Renovierung der Innenstadt gegeben und erntet jetzt nur Missgunst. Ich würde mal gerne die Eupener hören, wenn sich in den letzten Jahren in Eupen nichts getan hätte, dann wäre es auch nicht gut gewesen.
      Wüde mich mal interssieren, wie die neue Mehrheit dazu steht …

    • wiechert brigitte

      ja ich bin dafür dass das capitol in eupen bestehen bleibt
      es ist ein teil von eupen wo man noch party und karnaval feiern kann
      es war schon in meiner jugend ein cooler party treff für konzerte

  2. Zappel Bosch

    Noch ’n Kostenvoranschlag? Reißt es ab und (oder) verkauft die Baustelle (oder das Ganze) ggf. einem Pivatinteressenten zum innerstädtischen Wohnungsbau (sofern sich einer darauf einlässt) und baut einen kostengünstigen Veranstaltungssaal hinter dem Schlachthof. Das dürfte auch sicherer sein, was die Einhaltung des Kostenrahmens betrifft… Das mit dem Capitol habe ich von Anfang an als eine Fehlentwicklung „gegeißelt“ (s. entspr. Leserbriefe).
    Es ist m.E. lobenswert, dass das PFF-Ecolo-SP-Kollegium so emsig sparen möchte, haben doch 2 von 3 der Parteien die hohe Verschuldung der DG mit 2-3 „Prunk-Projekten“ mit verschuldet… Aus Erfahrung klug geworden? Von den Erfahrungen mit den hohen Funktions-Subventionierungen des Triangel verschreckt (290.000.- seitens der DG, 120.000.- seitens der Stadt St.Vith)?

  3. Abreißen !

    Wer in letzter Zeit nochmal im Capitol war wird gesehen haben, dass es in und an diesem Saal nichts gibt, was erhaltenswert wäre. Dies ist ein staubiger alter Schuppen.
    Der Schlachthof bietet sowohl architektonisch als auch logistisch viel mehr Möglichkeiten, wenn man ihn mit einem größeren Saal ergänzen könnte.
    Was das ATC betrifft kann ich nicht verstehen, dass diese Einkaufswüste nicht längst dahingehend geprüft wurde, ob sie sich für öffentliche Veranstaltungen eignet. Wie groß sind die hier brachliegenden Kinosäale z.B. ? Das ATC wird man nur mit einem Mix aus kommerzieller, kultureller, Horeca und öffentlicher Nutzung belegen und attraktiv gestalten können. Das Gebäude mit Geschäften auszulasten war und ist in einer Stadt wie Eupen einfach nicht möglich. Worauf warten die Verantwortlichen eigentlich ?

  4. Arnold Schwarzenegger

    Es sieht ja wohl so aus, daß viele Projekte der Stadt Eupen Federn lassen mussten, weil die AS ganz schnell ein Stadion brauchte!
    Warum fragen die Gemeindeverantwortlichen nicht mal den Herrn Ministerpräsidenten, ob er den Emir von Katar nicht bitten kann, auch in die DG und ihre Projekte zu investieren? Die Anfrage könnte er dann ja mit einer Auslandsreise kombinieren…! ;-)

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