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LESERBRIEF – Handwerk ist keine zweite Wahl, Handwerker werden wir weiterhin brauchen

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Wer glaubt, Handwerk sei etwas für Menschen, die es in der Schule nicht geschafft haben, hat vom Handwerk wenig verstanden. Handwerk ist keine zweite Wahl.

Nicht jeder muss studieren. Und jemand ist ganz sicher nicht dümmer, nur weil er sich für eine praktische Ausbildung und einen handwerklichen Beruf entscheidet.

Ich bin selbst Handwerker und seit vielen Jahren in diesem Bereich tätig. Ich weiß, was es bedeutet, jeden Tag auf der Baustelle zu stehen.

Ein guter Handwerker braucht Fachwissen, Erfahrung und Geschick. Er muss mitdenken, Probleme erkennen und Lösungen finden. Und diese Lösung muss am Ende auch wirklich funktionieren.

Trotzdem habe ich manchmal das Gefühl, dass jungen Menschen vermittelt wird: Wenn du gut in der Schule bist, musst du möglichst lange zur Schule gehen und anschließend studieren.

Warum eigentlich?

Wir brauchen genauso dringend gute Dachdecker, Zimmerer, Schreiner, Elektriker, Installateure, Maurer, Mechaniker, Bäcker, Metzger und viele andere Fachkräfte.

Diese Menschen bauen unsere Häuser, reparieren unsere Autos, installieren Heizungen, legen Stromleitungen, backen unser Brot, sorgen für gute Lebensmittel und halten einen großen Teil unserer Wirtschaft am Laufen.

Und noch etwas wird in Zukunft immer wichtiger:

KI kann mittlerweile unglaublich viel und wird viele Berufe verändern.

Aber KI steigt nicht morgens aufs Dach. Sie baut kein Fenster ein. Sie repariert keine Heizung, backt kein Brot und sie saniert auch kein Haus.

Das Handwerk wird sich verändern und moderne Technik wird uns unterstützen. Aber gute Handwerker werden wir weiterhin brauchen.

Deshalb sollten wir auch in unseren Schulen wieder stärker zeigen, dass der technische und berufliche Unterricht eine echte Zukunft bietet.

Ein junger Mensch, der sich für das Handwerk entscheidet, hat es nicht „nur“ zum Handwerker geschafft.

Er hat einen Beruf gelernt, den unsere Gesellschaft dringend braucht.

Und darauf darf man auch stolz sein.

16.09.2026 Marco Hoffmann, Hüllscheid, 4760 Büllingen

21 Antworten auf “LESERBRIEF – Handwerk ist keine zweite Wahl, Handwerker werden wir weiterhin brauchen”

  1. Sparwasser

    Ich fürchte, dass sich die Handy-Generation weder die Hände dreckig machen noch bis 70 in einem körperlichen schweren Beruf arbeiten will. Viele wollen nur mit dem Handy daddeln oder Influencer werden. Ausnahmen bestätigen die Regel.

  2. Hugo Egon Bernhard von Sinnen

    Im Moment ist es tatsächlich noch die Chance für junge Leute, gutes Geld zu verdienen.
    Es gibt zwar schon Häuser aus dem 3D Drucker und diese Bauweise wird sich auch noch stark und verbessert durchsetzen, so dass immer weniger Handwerker benötigt werden.
    Aber bei der Sanierung ist der Handwerker tatsächlich noch gefragt und wahrscheinlich auch noch zwei Jahrzehnte, bis der humanoide Roboter, diesen Job auch übernommen haben wird.
    Während andere schon lange ihre bedingungsloses Grundeinkommen erhalten werden, mit dem sie es sich nicht leisten werden können, ein Pferd zu reiten, wird der Handwerker noch lange den 4 x 4 Chinesischen SUV fahren, mit 500 Pferdchen.

  3. Ich würde ebenfalls jedem Jugendlichen empfehlen, eine handwerkliche Ausbildung ernsthaft in Betracht zu ziehen. Niemand kann die Entwicklungen der kommenden Zeit präzise vorhersehen. Ich bin davon überzeugt, dass klassische administrative Tätigkeiten (bis hin zu Übersetzern und ähnlichen Aufgaben) durch weitere KI-Entwicklungen bedeutend wegfallen bzw. auf ein Minimum reduziert werden. Ebenso werden die staatlich alimentierten Stellen in nicht wesentlichen Aufgabenbereichen über Kurz oder Lang (eher kurz) bedeutend beschnitten.

    Die These, dass man über ein Studium grundsätzlich einen höheren Lebensstandard erreichen kann, stimmt m.E. schon seit einiger Zeit nicht mehr. Das war ohnehin eine Entwicklung, die irgendwann ihr Ende findet. KI beschleunigt diesen Paradigmenwechsel nur.

  4. Alters Hein

    Handwerker wird es immer geben und vielen Dank, dass Sie sich für ein Handwerk entschieden haben. Aber als alter Mann habe ich folgende Frage: liegt es wirklich an den jungen Kerlen, kein Handwerk erlernen zu wollen, weil sie sich dabei die Hände schmutzig machen? Oder liegt es daran, dass die Mädchen keinen Bock auf einen Handwerker haben und lieber einen Arzt heiraten möchten?

  5. Krisenmanagement

    Die KI und Roboter können in Zukunft nicht alle handwerklichen Tätigkeiten ersetzen. Bürotätigkeiten, Verwaltungsjobs… werden durch die KI ersetzt. Es gibt immer noch Lehrkräfte, die den Endruck vermitteln, das oberste Ziel ist es ihre Schüler in ein Studium zu bringen. Viele dieser sogenannten akademischen Berufe werden in Zukunft ersetzt durch die KI.
    Dieses Etagendenken ist einfach nicht mehr zeitgemäss. Unsere aufgeblasenen Verwaltungen sitzen voll mit Menschen, die ein Studium absolviert haben. Gehaltsunterschiede sollten auch der Vergangenheit angehören.
    Mittlerweile muss man froh und dankbar sein, wenn man spezielle Handwerker findet.
    Handwerk ist einfach keine zweite Wahl. Ich bin stolz auf meine Söhne, die im Handwerk und in der Landwirtschaft tätig sind.
    Nur ein Thema muss auch Vivant in den Bildungsausschüssen thematisieren. Wie sollen die zukünftigen Schulabgänger ein Handwerk ausüben? Grundlegende Fähigkeiten können die Schüler der DG nicht mehr nachweisen. Rechnen, Schreiben und Lesen standen nicht mehr auf der Prioritätenliste der DG Bildungsminister. Man hechelte jedem Bildungstrend aus Deutschland hinterher. Man vermied die Zusammenarbeit mit den Belgischen Akteuren im Schulwesen. Welche Möglichkeiten haben zum Beispiel Quereinsteiger im Handwerk? Gibt es entsprechende Angebote im Abendkursbereich? In Flandern gibt es die CVO’s, die gezielt Handwerkskurse anbieten. Dort gibt es sogar für die Mangelberufe sogar spezielle Programme. Was gibt es in der DG?
    Die Jugend kann nichts für die verfehlte Entwicklung in unserer Region.

  6. Peter Müller

    Handwerk hat Goldenen Boden. Das stimmt immer noch. Aber nur wer nicht zu faul ist zu abeiten. Ich weiss aus Erfahrung das Handwerker alle ein sehr gutes Leben führen. Mit Stundenlöhne von 25 bis 40.00 Euro pro Stunde schwarz, verdienen sie sich eine Goldene Nase. Dickes Auto, Eigentum, Urlaub, alles kein Problem. Das Problem ist, dass man keinen Handwerker findet, egal ob Offiziell oder schwarz, weil die alle ihre Terminbücher voll haben.

  7. Nicht zu vergessen, auch im „Handwerk“ steigen die Anforderungen permanent. Schon eine moderne Gastherme ist mit Internetanschluss und Software ausgestattet, da muss der „Handwerker“ über spezielle Kenntnisse verfügen. Der KFZ „Mechatroniker“ muss heute ein technisches Wissen vorweisen was vor 40 Jahren noch nahe an Ingenieurstätigkeit heran reichte. Selbst eine Baugrube ausbaggern geht heute nur noch mittels GPS Steuerung im Bagger…. Handwerker sind keine „Berufe für schwache Schüler“ sondern für Spezialisten die sich ein Arbeitsleben lang an den technischen Fortschritt anpassen müssen. Da beginnt aber das Problem, viele sind damit überfordert und wenn ich die PISA Ergebnisse sehe ahne ich schlimmes, auch und gerade für Handwerkerberufe. Es fehlen dort weniger die Anzahl Kandidaten sondern die, die diese Berufe noch ausüben können….

    • @Dax: 👍. Der Fehler wird in gewissen Schulen gemacht: das Studium wird immer als einziger Weg beschrieben zur „geistigen Elite“ zu gehören, unabhängig davon was überhaupt studiert wird. Ein Abschluss in Soziologie, Kunstgeschichte, Philosophie, Ökotrophologie usw ist zwar hübsch, ernährt aber kaum den Titelinhaber und ist nur bedingt nützlich für die Gesellschaft. Der Bäcker von nebenan, wenn es ihn denn noch gibt, der KFZ-Mechaniker oder der Mensch der unseren Abfall wegholt verdienen mehr gesellschaftliche Achtung und den Klaaf einiger Lehrpersonen an selbsternannten Eliteschulen gehört verboten.
      Anstatt jeden durchs Abi boxen zu wollen sollte die zukünftige „Elite“ zuerst intensiver durchforstet werden. Eine Aufwertung, innerhalb der Schulen, der nichtakademischen Berufe ist absolut notwendig.

  8. Maschinenbauer

    Dem was Herr Hoffmann schreibt kann ich zu 100% zustimmen!

    Hinzufügen möchte ich noch dass das Handwerk keineswegs bedeuten muss sein ganzes Leben schwere körperliche Arbeit zu verrichten.
    In vielen Handwerksberufen hat der technische Fortschritt die körperliche Arbeit sehr erleichtert und sogar ersetzt, aber umso mehr muss der Mensch der die Maschinen und Anlagen bedient qualifiziert sein!
    Ich bin sicher dass KI, genau wie auch schon vorher anderen Technologien, zum Beispiel CNC, CAD, oder CAM, die meisten Handwerksberufe verändern wird, aber ganz bestimmt wird der qualifizierte Handwerker nicht überflüssig werden.
    Meine Erfahrung hat mir gezeigt dass gerade auch in den Entwicklungsabteilungen die Leute welche mehrere Jahre in der Fertigung gearbeitet, und ihr „Handwerk“ von der Pike auf erlernt haben, immer wissen worüber gesprochen wird. Und immer auch wissen was geht und was nicht geht!

  9. Akademiker

    Ich habe studiert und bin einer der unbeliebten Akademiker – meinen Kindern rate ich aber schon heute sich gut zu überlegen, ob sie nicht einen handwerklichen Beruf erlernen wollen. Ich gebe dem Leserbriefverfasser zu 100% recht und hoffe, dass wir Akademiker auch zukünftig auf fähige Handwerker zurückgreifen können, die sich um unser Dach etc. kümmern.

  10. Liegt der Irrtum nicht schon in der Behauptung, „nicht Jeder muss studieren“ ?
    Ein Handwerk erlernen, mit allen Regeln und Verpflichtungen, die die Asübung des Berufes mit sich bringt, soll kein Studium sein?

    Zumindest als Selbstständiger braucht der Handwerker mehr als „nur“ die Kenntnisse seines Handwerks.
    Unzählige Regelungen respektieren, Verpflichtungen erfüllen, Erklärungen abgeben und Berechnungen erstellen. Wenn da was nicht stimmt, wird das Monatsende zum Chaos.
    Egal wie gut die Arbeit auch sein mag.

  11. Der Patriot

    Fakt ist dass es ganau anderherum ist, wer in die Administrative / Beamtenlaufbahn / Politik geht ist nicht die hellste Leuchte am Himmel !

    Jeder Handwerker hat mehr als diese arbeitscheuen Luschen drauf !

  12. François

    In einem wäre Herrn Hoffmann womöglich bald zu widersprechen. Wenn die Entwicklung von fernsteuerbaren „Waldos“ in Form humanoider „Handhabungsautomaten“ (a.k.a. Roboter) noch ein wenig weitergeht, wird vielleicht demnächst einer von denen einem auch „aufs Dach steigen“, während der Dachdeckergeselle oder -meister von unten nur noch Anweisungen gibt, während er mit dem VR-Helm sieht, was der Roboter oben aufnimmt. Man muß ja nur die Munitionsträger im Ukrainekrieg anschauen oder die Reparaturroboter in 80 m Wassertiefe, um sich ohne große Phantasie auszumalen, wohin die Reise geht, deren Zug längst losgefahren ist:
    Ich habe unlängst auf einer Baustelle einen Hydraulikbagger gesehen, in dem der Operateur wie in einem Cockpit saß und mit einem Joystick und zwei Fußpedalen das Gerät dirigierte und mit dem anderen Joystick in der andern Hand dessen Arm, der aus einem Magazin sich eine Grabschaufel, einen Meißel oder eine Rüttelplatte mechanisch und hydraulisch „anclipste“ und dann loslegte, daß das ganze Terrain vibrierte. Mikrobeben,autour sozusagen Wer mit so einem Gerät operiert, das die Investitions-$$ der Baufirma wieder hereinwirtschaften muß, der kann sich keine Klopse leisten. Er muß zwar keine sphärische Geometrie studiert haben, aber er darf sich keinesfalls vertun und muß seine Auftragszeichnungen sicher und genau lesen und verstehen. Das dürfte exemplarisch für viele Handwerksberufe werden.

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