Der frühere belgische Nationalspieler und langjährige Anderlecht-Profi Olivier Deschacht sorgt wegen einiger abfälliger Äußerungen über den Frauenfußball für Empörung.
Auslöser ist ein Ausschnitt aus dem Podcast „Ongefilterd“, in dem Deschacht und weitere Teilnehmer über die Chancen der Frauenmannschaft von OH Leuven in der Champions League sprechen.
Deschacht erklärte zunächst sinngemäß, dass er Frauenfußball nicht anschaue. Wörtlich wurde er mit der Aussage zitiert: „Ich kann da nicht hinschauen. Bei allem Respekt, aber ich verfolge es nicht.“ Im weiteren Verlauf des Gesprächs wurde der Ton spöttischer. Auf einen Vergleich des Moderators Angel Redondo mit der Schauspielerin Sydney Sweeney reagierte Deschacht ebenfalls entsprechend; gerade diese Passage und das anschließende Gelächter sorgten für Empörung.

25.02.2016, Griechenland, Athen: Olivier Deschacht (im Vordergrund) in einem Spiel der Europa League mit dem RSC Anderlecht bei Olympiakos im Duell mit Ideye Brown. Foto: Shutterstock
Die Kritik richtet sich nicht allein dagegen, dass Deschacht persönlich keinen Frauenfußball sehen möchte. Mehrere Kritiker beanstanden vor allem die Art und den Kontext, in dem über die Spielerinnen gesprochen wurde.
Die belgische Nationalspielerin Tessa Wullaert reagierte in sozialen Medien kritisch. Auch die Moderatorinnen Flo Windey und Linde Merckpoel äußerten sich deutlich. Windey bezeichnete den Ausschnitt als abwertend und als Zeichen mangelnden Respekts gegenüber Fußballerinnen. Die Torhüterin und Sporza-Analystin Riet Maes kritisierte insbesondere das Gelächter und erklärte, sie habe zunächst positiv gefunden, dass Frauenfußball überhaupt Thema des Podcasts gewesen sei.
Indes vertraten nicht alle Teilnehmer des Podcasts dieselbe Haltung wie Deschacht. Stijn Stijnen, jetzt nur noch Technischer Direktor von Zweitligist Patro Eisden, sowie die ehemaligen Nationalspieler Thomas Buffel und Radja Nainggolan äußerten sich viel positiver zum Thema Frauenfußball.

31.10.2023, Belgien, Leuven: Das Team der Red Flames, wie die belgischen Nationalspielerinnen genannt werden. Foto: Belga
Leuven-Trainer Ster Habibzadeh sagte nach dem Champions-League-Spiel gegen Paris SG, nicht jeder müsse Frauenfußball verfolgen. Man soll aber respektvoll darüber sprechen. Die Mannschaft brauche Menschen und Unterstützung, die den Frauenfußball „nach oben“ bringen und nicht nach unten ziehen.
Auch Torhüterin Louise Seynaeve äußerte sich nach der Partie. Sie bezeichnete die Vorgänge als enttäuschend, wollte ihnen aber nicht zu viel Aufmerksamkeit geben.
Deschacht selbst bestritt, dass er den Frauenfußball oder Fußballerinnen grundsätzlich respektlos behandelt habe. Gegenüber belgischen Medien erklärte er, er verstehe die heftige Reaktion nicht. Er habe lediglich gesagt, dass er Frauenfußball nicht gerne schaue. Als Vergleich nannte er andere Sportarten und Fernsehsendungen, die er ebenfalls nicht einschalte. (cre)