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Franz von Assisi seit 800 Jahren tot und noch immer ein Star

Die Basilika San Francesco in Assisi: Der Gründer des Franziskanerordens starb vor 800 Jahren (3. Oktober). Papst Leo XIV. hat deshalb ein "Franziskus-Jahr" ausgerufen. Foto: Shutterstock

Seit 800 Jahren ist er tot. Doch in seiner Heimatstadt begegnet man dem Bettelheiligen überall. Die katholische Kirche hat für ihn ein Jubeljahr ausgerufen. Und auch vom Staat gibt es einen Bonus.

Auf der Via San Francesco im mittelitalienischen Städtchen Assisi steht eine Gestalt im braunen Kittel in Gesellschaft einer weißen Taube – das Ebenbild des Heiligen Franziskus. Man könnte meinen, das sei ein Denkmal, eine der vielen Erinnerungen an den bekanntesten Sohn der Stadt. Bis die Figur plötzlich zwinkert – also doch ein echter Mensch.

22.09.2026, Italien, Assisi: Eine Figur des Heiligen Franz von Assisi liegt beim Eremo delle Carceri, dem einstigen Rückzugsort des Heiligen Franz von Assisi. Der Gründer des Franziskanerordens starb vor 800 Jahren. Foto: Malin Wunderlich/dpa

So ist das in der 27.500-Einwohner-Gemeinde in Umbrien, drei Autostunden von Rom: Man kann Franz von Assisi nicht entkommen. Viele verdienen gutes Geld daran, neben Straßenkünstlern auch die Besitzer von Geschäften und Hotels. Die Stadt zieht Pilger und Touristen gleichermaßen an. Vergangenes Jahr waren nach offiziellen Angaben 1,7 Millionen Übernachtungsgäste zu Besuch. Samt Tagesbesuchern waren es schätzungsweise sogar fünf Millionen.

Der Gründer des Franziskanerordens (1181/82-1226) starb, wenn man den Aufzeichnungen glauben darf, vor genau 800 Jahren am Abend des 3. Oktober. Nach kirchlicher Zählung gehört der Abend zum Folgetag. Daher gilt der 4. Oktober als Todestag. Franziskus – auf Deutsch auch nur Franz genannt – gehört zu den prominentesten Heiligen der katholischen Kirche. Seine Heimat mit der Basilika San Francesco, wo er begraben liegt, ist eines der beliebtesten Pilgerziele der Welt.

Zum 800. Todestag hat Papst Leo XIV. ein „Franziskus-Jahr“ ausgerufen. Das lockt noch mehr Leute an: Allein im Februar und März kamen 400.000. Damals gab es zum ersten Mal seit all den Jahrhunderten seine sterblichen Überreste zu sehen.

22.09.2026, Italien, Assisi: Eine sogenannte lebende Statue, die den Heiligen Franz von Assisi darstellt, steht in der Innenstadt von Assisi. Foto: Malin Wunderlich/dpa

Aber der Bettelheilige wird nicht nur von der Kirche gefeiert: Die Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hat den 4. Oktober zum landesweiten Feiertag erklärt, auch für künftige Zeiten. Manche bringen das damit in Zusammenhang, dass nächstes Jahr in Italien gewählt wird, möglicherweise im Oktober.

In dem katholischen geprägten Land war der 4. Oktober schon einmal Feiertag: zwischen 1958 und 1977. Dann wurde das abgeschafft. Meloni begründet die Rückkehr zu alten Gebräuchen damit, dass Franziskus ein von allen geliebter Heiliger sei, in dem sich das gesamte Volk wiedererkenne. „Der Nationalfeiertag wird Anlass sein, einen außergewöhnlichen Mann zu feiern und uns jedes Jahr daran zu erinnern, wer wir sind und was uns im Innersten verbindet.“

Was bedeutet das Jubeljahr für das Städtchen? „Ich habe Franziskus alles zu verdanken“, sagt der Künstler Antonio Minzolini, der seine Bilder in einem eigenen Geschäft in der Innenstadt verkauft. „Für mich ist er nach Jesus und der Gottesmutter Maria der wichtigste Heilige.“ Auch andere Geschäftsleuten freuen sich über die Besucher aus aller Welt. Laura Ferreti, Verkäuferin in einer Eisdiele, sagt aber: „Natürlich ist es für uns auch anstrengend.“ Prompt muss sie die nächsten Kunden bedienen – viel Zeit zum Erzählen ist nicht.

06.08.2026, Italien, Assisi: Papst Leo XIV. begrüßt die Gläubigen vor Beginn einer Messe in der Basilika Santa Maria degli Angeli. Das Kirchenoberhaupt trifft sich in Assisi mit Jugendlichen, die am „GO! Franziskanisches Jugendtreffen 2026“ teilnehmen. Foto: Vatican Media/IPA via ZUMA Press/dpa

Franziskus gilt als Symbolfigur des friedlichen Zusammenlebens. Dabei zog er als junger Mann in den Krieg zwischen seiner Heimatstadt und dem Nachbarort Perugia, etwa 30 Kilometer weiter. Auch die enthaltsame Lebensweise wurde ihm nicht in die Wiege gelegt: Er war Sohn eines wohlhabenden Tuchhändlers.

Der Wendepunkt in seinem Leben kam der Überlieferung zufolge durch eine Vision: Francesco soll in einer zerfallenen Kirche Gottes Stimme vernommen haben: „Geh und baue mein Haus wieder auf.“ Das verstand Franziskus zunächst wörtlich. Er begann, verfallene Kirchen wiederaufzubauen. Dann jedoch sei ihm klargeworden, dass die Botschaft im übertragenen Sinne gemeint sei. Er entledigte sich allem Weltlichen und wurde Bettelprediger.

Seine Lebensweise zog viele an. So wuchs seine Anhängerschaft. 1209 reiste Franz mit seinen Gefährten zu Papst Innozenz III. nach Rom, wo seine Gemeinschaft anerkannt wurde. Der Orden der Franziskaner existiert bis heute. (dpa)

HINWEIS – „Franz von Assisi – Mythos und Wirklichkeit“ ist Thema des Monats in den Stadt- und Pfarrbibliotheken Eupen St. Nikolaus und St. Josef.

Zum 800. Todestag des herrlichen heiligen Franziskus

du bist mir der liebste von den heiligen männern
denn deine kirchen stürmen keinen himmel
du singst lob wenn umbrische morgen dämmern
und über assisi der glocken heiteres gebimmel

im urwald unserer städte singst du marienlieder
wie brassens und joan baez nur zärtlichkeit
wenn der schnee fällt blüht bei dir der flieder
und wenn die sonne steigt hat es geschneit

ich weiss die armen haben keine stimme
dein gutes herz ihr einzig vaterland
sie stehn am rand und trinken aus der rinne
und essen schnell aus deiner hand

du trägst die wunden wie generäle orden
und bettest dich zum sterben still im staub
da liegst du weich und frei von allen sorgen
auf blüten blumen und auf goldnem laub

freddy derwahl
nach einem holzschnitt von anton wendling in der garnstock-kirche

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