Flandern galt lange als eine der großen europäischen Erfolgsgeschichten in Sachen Bildung. Vor rund 20 Jahren gehörten die flämischen Schüler noch zur internationalen Spitze. Doch dieser Vorsprung ist inzwischen weitgehend geschmolzen. Die neuen PISA-Ergebnisse zeigen einen Rückgang der Leistungen.
Die PISA-Studie zeichnet für viele Bildungssysteme weltweit ein eher ernüchterndes Bild. Die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) hat für die Erhebung 2025 die Kompetenzen von 15-Jährigen in zahlreichen Ländern und Volkswirtschaften untersucht.
Im Mittelpunkt standen diesmal die Naturwissenschaften, daneben wurden erneut die Leistungen in Mathematik und Lesen erfasst. In zahlreichen Ländern geraten die schulischen Leistungen, insbesondere bei den grundlegenden Kompetenzen, zunehmend unter Druck.

Unterlagen zur PISA-Studie 2025. Die PISA-Studie zeichnet für viele Bildungssysteme weltweit ein eher ernüchterndes Bild. Foto: Christoph Soeder/dpa
Zwar liegt Flandern beim Lesen, in Mathematik und in den Naturwissenschaften weiterhin über dem europäischen Durchschnitt. Doch die Entwicklung gibt Anlass zur Sorge: Die Zahl der Spitzenleistungen nimmt ab, während gleichzeitig immer mehr Schüler nur schwache Ergebnisse erzielen.
Selbst leistungsstärkere und sozial besser gestellte Jugendliche sind von diesem Trend betroffen. Besonders dramatisch ist die Lage im berufsbildenden Unterricht: Dort können nach den neuen Ergebnissen drei Viertel der 15-Jährigen nicht einmal einen einfachen Informationsprospekt lesen und verstehen. „Die Zahlen sind nicht gut, wir werden sie nicht schöner reden“, erklärte die flämische Bildungsministerin Zuhal Demir (N-VA).
Damit rückt die neue PISA-Studie auch das belgische Bildungssystem insgesamt in ein anderes Licht. Der internationale Leistungsrückgang betrifft längst nicht nur schwächere Bildungssysteme. Auch Flandern, das innerhalb Belgiens traditionell deutlich besser abschneidet als die französischsprachige Gemeinschaft, hat in den vergangenen Jahren erheblich an Boden verloren.
Die Französische Gemeinschaft (oder Föderation Walloniw-Brüssel) erreicht bei den PISA-Tests erstmals den Durchschnitt der OECD-Länder. Allerdings nicht, weil sich ihre Ergebnisse verbessert hätten, sondern weil ihre Leistungen weniger stark zurückgegangen sind als jene anderer Bildungssysteme. Der Abstand zu Flandern bleibt dennoch beträchtlich.
Wie die Deutschsprachige Gemeinschaft im Vergleich abschneidet, wird sich erst am Mittwoch zeigen. Dann stellt Unterrichtsminister Jérôme Franssen (CSP) die PISA-Ergebnisse für Ostbelgien vor.
Deutschland hat nach den aktuellen Ergebnissen seine bislang schwächsten PISA-Werte erreicht. Die Leistungen in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften liegen auf dem niedrigsten Niveau seit Beginn der PISA-Erhebungen.
Frankreich bewegt sich weiterhin eher im internationalen Mittelfeld und kämpft – wie viele andere europäische Länder – mit sinkenden Leistungen und einem weiterhin starken Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg.
Die Niederlande gehören dagegen traditionell zu den stärkeren europäischen Bildungssystemen, auch wenn die Entwicklung in den einzelnen Kompetenzbereichen unterschiedlich ausfällt.
Zu den positiven europäischen Ausnahmen zählen insbesondere Estland und England, die im internationalen Vergleich weiterhin sehr gut abschneiden.
An der Weltspitze dominieren erneut vor allem asiatische Bildungssysteme. Singapur gehört in allen zentralen Bereichen zur absoluten Spitzengruppe und erzielt insbesondere beim Lesen hervorragende Ergebnisse. Auch andere ostasiatische Staaten und Volkswirtschaften liegen bei Mathematik und Naturwissenschaften deutlich vor vielen europäischen Ländern. In Europa bleibt Estland eines der erfolgreichsten Bildungssysteme. (cre)
