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Außenseiter Brandon McNulty ist Rad-Weltmeister – Amerikaner düpiert sämtliche Favoriten in Montreal

27.09.2026, Kanada, Montreal: Brandon McNulty (USA) umarmt seine Frau Summer nach seinem Sieg im Straßenrennen der Elite-Männer. Foto: Graham Hughes/The Canadian Press/AP/dpa

Nach einem 273 km langen Rennen voller Spannung und Überraschungen hat sich der Außenseiter Brandon McNulty Außenseiter durchgesetzt und wurde am Sonntag in Montreal Straßenrad-Weltmeister.

Außenseiter Brandon McNulty schlug auf der Avenue de Parc erst vor Freude auf den Lenker, hielt dann ungläubig die Hände vor das Gesicht: In einem der spektakulärsten Rennen der WM-Geschichte schockte der 28-Jährige sämtliche Favoriten und fuhr als erster US-Amerikaner seit Lance Armstrong ins Regenbogen-Trikot.

Silber sicherte sich nach 273,4 knüppelharten Kilometern der Australier Michael Matthews vor dem Niederländer Mathieu van der Poel.

27.09.2026, Kanada, Montreal: Brandon McNulty (USA) jubelt nach seinem Sieg im Straßenrennen der Elite-Männer. Foto: Robin Van Lonkhuijsen/ANP/dpa

Etwa 33 Kilometer vor dem Ziel trat McNulty – übrigens Teamkollege des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogacar – entscheidend an. Die im Vorfeld hoch gehandelten Paul Seixas, Isaac Del Toro und Remco Evenepoel reagierten erst gar nicht – und dann zu spät. Als zuvor letzter Amerikaner hatte der wegen Dopings lebenslang gesperrte Armstrong 1993 in Oslo gewonnen.

Der Überraschungssieger war nach seinem Coup sprachlos: „Ich weiß gar nicht, was los ist“, sagte der völlig entkräftete McNulty nach dem Rennen. „Ich bin gestorben“, umschrieb er die letzten harten 33 Kilometer seiner Solo-Fahrt.

– Pogacar nimmt Abschied vom Trikot: Einen Tag vor dem Rennen hatte sich Titelverteidiger Pogacar via Instagram gemeldet. Erstmals nach seinem schweren Sturz vor einem Monat saß der Tour-Sieger wieder auf dem Rad und führte noch einmal sein Weltmeister-Trikot aus. „Der erste Tag zurück, der letzte Tag mit dem Regenbogen“, schrieb der Slowene in Anspielung auf das Jersey.

27.09.2026, Kanada, Montreal: Sieger Brandon McNulty (M, USA), Michael Matthews (l, Australien) und Mathieu van der Poel aus den Niederlanden stehen auf dem Podium nach dem Straßenrennen der Elite-Männer. Foto: Graham Hughes/The Canadian Press/AP/dpa

Die Jagd auf das Regenbogen-Trikot begann wie erwartet mit der Bildung einer Ausreißergruppe. Der Vorsprung wuchs zwar auf fast neun Minuten, doch schmolz nach und nach dahin, als es auf den 13-mal zu bewältigenden Rundkurs am Mont Royal ging.

Pro Runde waren 269 Höhenmeter zu bewältigen, der härteste von drei Anstiegen führte auf den Hausberg von Montreal.

Das Eintagesrennen war vor zwei Wochen von Del Toro im Sprint gegen Seixas gewonnen worden. Evenepoel hatte dort als Fünfter nicht vollends überzeugt. Frankreich übernahm die Kontrolle des Rennens, die Mannschaft stellte sich ganz in den Dienst von Seixas. Der 20-Jährige war aus dem Favoritenkreis der Fahrer mit dem schwächsten Sprint, er musste es aus einem schweren Rennen also mit einer Solo-Attacke versuchen.

– Van der Poel sorgt für Chaos: Mit der Kontrolle war es 90 Kilometer vor dem Ziel vorbei. Dann sorgte Ex-Weltmeister Mathieu van der Poel mit einer Attacke für das von ihm gewünschte harte Rennen. Mit seinem belgischen Erzrivalen Wout van Aert, dem US-Amerikaner Quinn Simmons und Primoz Roglic bildete der Niederländer eine enorm starke Gruppe.

So mussten Seixas und Del Toro in der Verfolgung die Initiative ergreifen. Van der Poel und Co. wurden 34 Kilometer vor dem Ziel gestellt – und das Finale war eröffnet. (dpa)

10 Antworten auf “Außenseiter Brandon McNulty ist Rad-Weltmeister – Amerikaner düpiert sämtliche Favoriten in Montreal”

  1. Eine große Enttäuschung. Das wohl schlechteste WM Radrennen der Belgier seit ueber 20 Jahre.Remco und Wout wurden bei jeder Attacke abgehängt. Hut ab dagegen vor MVDP und den Amerikanern.

    • Nun gut, Profiradsport ist nun mal kein Sandkasten. Remco und Wout haben toll gekämpft, die Strategie umgesetzt, am Ende war die Tagesform halt nicht gut genug. Vielleicht nächstes Jahr.
      Jedenfalls besser als einer der 5% besser ist als alle und selbst an einem schlechten Tag noch alle in Grund und Boden fährt. Das ist nicht sonderlich spannend. Faszinierend vielleicht… Aber gestern habe ich echt 3 Stunden lang gebannt alles verfolgt, gehofft, gebangt, wurde enttäuscht… es war großartig.
      Der Sieger war am Ende etwas enttäuschend (in meinen Augen, aber fragen sie mal einen Amerikaner), aber das Rennen war klasse…

  2. Das beste Rennen seit Jahren. Was kann Radsport schön sein, wenn nicht einer 5 % besser ist als alle anderen. Im Prinzip hätte jeder aus den Top 10 gewinnen können. Schade dass die Belgier keinen Sahnetag erwischt hatten.

    • Der Alte

      Gebe Ihnen Recht was die Spannung (theoretisch) anbelangt. Allerdings sind die Rennen in den Nationalformationen (WM, EM) aus der Zeit gefallen. Beim RTBF Co-Kommentator und Radsportveteranen Gerard Bullens wurde dem Druck der Profi-Mannschaften wie UAE auf die Fahrer Ausdruck verliehen, Hauptmoderator und Fernsehjournalist Rodrigo Benkens schickte diese Aussage allerdings (hatte man anderes erwartet?) ins Aus. Die schöne Scheinwelt des Profisports muss unbedingt verteidigt werden.

      • Wieso Scheinwelt? Das weiß doch jeder, dass Del Toro seinen Teamkollegen McNulty nicht holen geht. Das wissen die anderen Fahrer auch und wenn sie nicht hinterher fahren wollen, dann ist das halt so. Es waren noch genügend andere Fahrer in der Verfolgergruppe dabei, die alle nicht bei UAE oder Team USA fuhren, keiner hat sich gerührt, selber schuld…

        Wissen sie, wer am traurigsten mit der ganzen Situation ist? Jorgensen. Der hatte nämlich scheinbar die Beine, um selber zu gewinnen, durfte aber nicht fahren. Das ist wahrscheinlich das grösste Pech, wenn man weiß, man hätte gewinnen können, durfte aber nicht. Radsport in Perfektion. Es siegen halt nicht immer die besten Beine. Strategie ist mehr als 50% beim Radsport.

        Bei der WM gibt es immer eine sehr spezielle Dynamik aus Nationalteams und Sponsorenteams. Das war schon immer so und wird auch immer so bleiben. Das macht den Sport nur noch interessanter. Ein Uninformierter mag das Befremdlich finden, gehört aber zur Radsport-WM zum alltäglichen Strategie 1×1 und das schon seit mehr als 50 Jahren. Das war schon zu Zeiten von Merckx und Maertens so. Die waren zwar beide Belgier, gönnten sich gegenseitig aber nicht mal den Dreck unter den Nägeln. Da sind heutige Zeiten zivilisiert… Evenepoel und Van Aert haben ja tatsächlich einigermaßen gut zusammen gearbeitet.

        • Der Alte

          Für Sie als Radsportinteressierter mag das Basiswissen sein. Der Durchschnittliche Zuschauer glaubt das, was der Reporter sagt und das, was nicht sagt besteht nicht. Es ging dem Rodrigo also sehr wohl darum einen Schein aufrecht zu erhalten, wahrscheinlich auch um morgen nicht von der UCI und den Profiteams „geschnitten “ zu werden.

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