Neue Saison, alter Streit: In der Jupiler Pro League gab es am Wochenende zum Thema Videobeweis VAR heftige Diskussionen, während in der Challenger Pro League erstmals der „Football Video Support“ zum Einsatz kam, der gelegentlich auch als „VAR light“ bezeichnet wird.
Der „Football Video Support“ (FVS) ist ein Überprüfungssystem, mit dem Schiedsrichter spielentscheidende Situationen noch einmal ansehen können. Im Gegensatz zum VAR greift das System nicht automatisch ein. Nur der Cheftrainer kann eine Überprüfung beantragen (siehe dazu auch Artikel unten).
Über den erstmals in der Challenger Pro League eingesetzten „Football Video Support“ (FVS) sprach „Ostbelgien Direkt“ mit dem ehemaligen Eupener Top-Schiedsrichter Jean-François Crucke.
„Die ersten sieben Spiele mit dem FVS in der Challenger Pro League sind am vergangenen Wochenende über die Bühne gegangen. Und man darf wohl sagen, dass nicht alle von diesem System begeistert waren – und ich würde auch behaupten: durchaus zu Recht“, so Crucke.
„Es gab einige Kinderkrankheiten, die unbedingt behoben werden müssen, damit der Spielfluss nicht unnötig gestört wird. Auch die Vorgaben und das genaue Vorgehen hätten vor Beginn der Meisterschaft besser erklärt werden können“, fügt der ehemalige Top-Schiedsrichter hinzu. So seien beispielsweise viele – ob Spieler, Trainer oder Zuschauer – überrascht gewesen, dass jedes Tor vom vierten Offiziellen per Video überprüft wurde. „Der Techniker am Schalthebel hatte offenbar noch nicht die nötige Erfahrung, um die entsprechenden Szenen schnell zu finden und auf die Anweisungen der Schiedsrichter beziehungsweise des vierten Offiziellen unmittelbar zu reagieren.“
Laut Crucke hatten auch die meisten Schiedsrichter und vierten Offiziellen noch wenig Erfahrung mit der neuen Videoassistenz und wollten verständlicherweise „alles richtig“ machen. Dadurch hätten die Überprüfungen manchmal (viel zu) lange gedauert.
Crucke: „Auch bei den Trainern herrschte teilweise Unverständnis darüber, warum das Spiel zunächst weiterlief und nicht sofort unterbrochen wurde. Hier fehlte einigen ebenfalls noch die Erfahrung mit dem Ablauf und der Verwendung der TV-Bilder.“
Schlussendlich jedoch wertete Crucke die getroffenen Entscheidungen als „nachvollziehbar“, was dem Fußball zweifellos zugutekomme. „Gleichzeitig darf man nicht vergessen, dass manche Entscheidungen auch künftig für Gesprächsstoff sorgen werden – das gehört wohl zum Fußball dazu.“
Crucke glaubt, dass der FVS einen deutlichen Vorteil bringen könne, wenn die bestehenden Kinderkrankheiten behoben und alle Beteiligten mit dem System besser vertraut seien. „Zumindest hoffe ich das.“ (cre)
Zum Thema siehe auch folgenden Artikel auf OD:
