Topnews

Challenger Pro League startet: Kein VAR, wohl aber ein „Football Video Support“ [Fragen und Antworten]

Schiedsrichter Wim Smet schaut sich eine strittige Szene in einem Spiel der Jupiler Pro League an einem Bildschirm am Spielfeldrand genauer an. Foto: Belga

Den VAR, wie man ihn in der Jupiler Pro League und bei internationalen Wettbewerben kennt, gab es letzte Saison in der Challenger Pro League nicht. Dafür gibt es ab der Saison 2026/2027, die heute Abend beginnt (die AS Eupen empfängt am Samstag um 16 Uhr Jong Genk), den „Football Video Support“ (FVS). Man spricht auch von einem „VAR light“.

Die abgespeckte Form von Video-Überprüfung strittiger oder zweifelhafter Spielszenen kommt zum ersten Mal in Belgien zum Einsatz. Der „Football Video Support“ ist ein Überprüfungssystem, mit dem Schiedsrichter spielentscheidende Situationen noch einmal ansehen können. Im Gegensatz zum VAR greift das System nicht automatisch ein. Nur der Cheftrainer kann eine Überprüfung beantragen.

Dies ist bei vier Arten von Situationen möglich: bei Toren, Elfmetersituationen; direkten Roten Karten sowie bei einer Karte, die dem falschen Spieler gezeigt wurde.

12.07.2017, Belgien, Eupen: Die Schiedsrichter informieren sich im Kehrweg-Stadion vor Beginn des Testspiels der AS Eupen gegen Bundesligist Borussia Mönchengladbach über die Technik des Videobeweises. Foto: Edgar Hungs

Nach einem Antrag sieht sich der Schiedsrichter die Aufnahmen in der „Referee Review Area“ (RRA) an, die sich an der Seitenlinie des Spielfeldes befindet, und trifft dann die endgültige Entscheidung. Zum besseren Verständnis des „Football Video Support“ (FVS) nachfolgend Fragen & Antworten:

– Wie beantragt ein Trainer eine Überprüfung?

Jeder Cheftrainer verfügt beim Anpfiff über zwei „Challenges“. Die Beantragung einer Überprüfung erfolgt in drei Schritten: Der Trainer macht mit dem Finger eine kreisende Bewegung in der Luft, dann übergibt er dem vierten Offiziellen eine Überprüfungskarte und gibt an, um welche Kategorie und welchen konkreten Vorfall es sich handelt. Sobald die Überprüfungskarte abgegeben wurde, kann der Antrag nicht mehr zurückgezogen werden.

– Was passiert danach?

Der vierte Offizielle informiert den Schiedsrichter. Ist der Ball noch im Spiel? Dann lässt der Schiedsrichter das Spiel zunächst weiterlaufen, bis es unterbrochen werden kann. Anschließend sichtet er die Aufnahmen in der „Referee Review Area“. Ein Review-Operator stellt die verfügbaren Kameraaufnahmen aus verschiedenen Blickwinkeln und in unterschiedlichen Geschwindigkeiten bereit.

Letztendlich trifft der Schiedsrichter selbst die Entscheidung, ob er bei seiner ursprünglichen Einschätzung bleibt oder sein Urteil ändert.

AS-Coach Felice Mazzù an der Seitenlinie beim Spiel der AS Eupen gegen den RFC Seraing. Nur der Cheftrainer kann offiziell eine Überprüfung beantragen.

– Wann behält man einen Challenge?

Das hängt vom Ergebnis der Überprüfung ab. Ändert der Schiedsrichter seine Entscheidung, dann behält der Trainer seinen Challenge. Bleibt die ursprüngliche Entscheidung bestehen, dann verliert die Mannschaft einen Challenge. Bei Spielen mit Verlängerung erhält jede Mannschaft einen zusätzlichen Challenge.

– Kann auch ein Spieler eine Überprüfung beantragen?

Nein. Nur der Cheftrainer kann offiziell eine Überprüfung beantragen. Spieler dürfen ihrem Trainer jedoch mitteilen, dass sie der Meinung sind, eine Spielszene solle überprüft werden.

– Kann ein Abseits erkannt werden?

Ja. Die Kameras ermöglichen es, eine Abseitslinie zu ziehen. Diese Linie wird dann manuell vom Review-Operator gezogen. Dies geschieht bei einem Tor, auch wenn dieses bereits vom Linienrichter aberkannt wurde. In anderen Situationen, in denen ein Abseits Auswirkungen haben kann, wie beispielsweise bei einem Elfmeter oder einer Roten Karte, muss der Cheftrainer eine Überprüfung beantragen.

– Welche Bilder werden verwendet?

Für den „Football Video Support“ werden zwei Kameras eingesetzt, die auf Höhe der Strafraumgrenzen aufgestellt sind. Auch die festen Kamerabilder für die Fernsehübertragung können in einer Überprüfungsphase verwendet werden. Ein „Review Operator“, der von einem separaten Raum neben dem Spielfeld aus arbeitet, wählt die relevanten Bilder für den Schiedsrichter aus.

Auch beim „Football Video Support“ trifft die letzte Entscheidung immer der Schiedsrichter. Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

– Was muss man sonst noch zum „Football Video Support“ wissen?

Während einer Überprüfung gelten einige klare Vereinbarungen: Der Schiedsrichter trifft selbst die endgültige Entscheidung. Es gibt keine zeitliche Begrenzung für eine Überprüfung. Spieler und Betreuer dürfen den Schiedsrichter nicht beeinflussen. Die „Referee Review Area“ darf nicht betreten werden. Wer dies dennoch tut, erhält eine Gelbe Karte.

Einige Entscheidungen können nicht mehr geändert werden, sobald das Spiel wieder aufgenommen wurde. Nur bei Identitätsverwechslung, gewalttätigem Verhalten, Spucken, Beißen oder anderem schwerwiegenden regelwidrigen Verhalten kann eine Ausnahme gemacht werden.

– Was passiert, wenn die Technik ausfällt?

Bei einem technischen Problem oder wenn der Review-Operator die Bilder nicht bereitstellen kann, wird das Spiel einfach ohne „Football Video Support“ weitergespielt. Der Cheftrainer und der Kapitän beider Mannschaften werden darüber informiert. Eine technische Störung hat keinen Einfluss auf das Endergebnis des Spiels. (proleague.be/cre)

HINWEIS – Über den VAR allgemein und den ausschließlich in der Challenger Pro League eingeführten „Football Video Support“ (FVS) sprach OD mit dem ehemaligen Eupener Top-Schiedsrichter Jean-François Crucke. Das Interview erscheint auf OD zu einem späteren Zeitpunkt.

Antworten

Impressum Datenschutzerklärung
Desktop Version anfordern