Durften die Menschen nach den Rauch- und Ascheniederschlägen des Vennbrandes Obst und Gemüse aus ihren Gärten noch essen? War das Trinkwasser sicher? Und weshalb erreichten genauere Gesundheitsinformationen die betroffenen Ortschaften erst mit Verzögerung?
Die deutschsprachige Regionalabgeordnete Christine Mauel (MR-PFF) verfolgt diese Fragen seit Beginn der Krise und brachte sie erneut in die heutige Debatte des Wallonischen Parlaments ein.
Anlass war unter anderem eine Anfrage der Verbraucherschutzzentrale, der ostbelgischen Anlaufstelle für Verbraucherfragen. Mauel suchte die bereits von der Wallonie und der AVIQ veröffentlichten Empfehlungen heraus und leitete sie am 4. September an die Verbraucherschutzzentrale weiter.
Für Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten galt demnach:
• Obst und Gemüse vor dem Verzehr gründlich mit Wasser waschen;
• Wurzel- und Knollengemüse schälen;
• unverpackte Lebensmittel entsorgen, wenn sie unmittelbar Asche oder Ruß ausgesetzt waren.

20.08.2026, Belgien, Sourbrodt: Rauch steigt aus dem Torfboden im Hohen Venn
an vielen Stellen auf. Eine riesige verbrannte Fläche ist im Naturschutzgebiet zu sehen. (Luftaufnahme mit einer Drohne) Foto: Christoph Reichwein/dpa
„Diese praktischen Informationen konnte ich der Verbraucherschutzzentrale schnell zukommen lassen. Offen blieb jedoch, auf welcher wissenschaftlichen Bewertung sie beruhten und ob Untersuchungen vor Ort vorgesehen waren. Genau diese Fragen habe ich im Parlament weiterverfolgt“, erklärt Mauel.
Die Antwort von Gesundheits- und Umweltminister Yves Coppieters ist zunächst beruhigend: Die abgelagerten Aschemengen werden als zu gering eingeschätzt, um die Böden erheblich zu verunreinigen. Eine mögliche Belastung von Gartenerzeugnissen wäre demnach vor allem durch direkte Ablagerungen aus der Luft entstanden und nicht durch eine Aufnahme von Schadstoffen aus dem Boden.
Im Rahmen des weiteren Umweltmonitorings sollen nach Angaben des Ministers auch Bodenproben genommen werden. Die Einzelheiten und Ergebnisse liegen noch nicht vor. Mauel fordert, dass diese anschließend unmittelbar und auch auf Deutsch an die Bevölkerung und die Verbraucherschutzzentrale weitergegeben werden.
Auch die bisherigen Ergebnisse zum Trinkwasser sind beruhigend: Es wurden weder eine Verschlechterung der Wasserqualität noch Überschreitungen gesundheitlicher Grenzwerte festgestellt. Wegen möglicher zeitverzögerter Einträge wird die verstärkte Überwachung dennoch bis Ende 2026 fortgesetzt.

18.08.2026, Belgien, Sourbrodt: Rausch schwebt über der verbrannten Landschaft in der Nähe des Signal de Botrange am Ort des Brandes im Naturschutzgebiet Hohes Venn. Die Bekämpfung des Waldbrandes ist wegen des torfhaltigen Bodens in dem Naturschutzgebiet besonders schwierig. Foto: Bruno Fahy/Belga/dpa
Deutliche Worte fand der Minister zur Rauchbelastung: „Es gibt keinen guten Rauch. Rauch ist per Definition schlecht.“ Wer sich unter einer Rauchfahne befindet, soll die Belastung meiden, ins Haus gehen, Türen und Fenster schließen und gegebenenfalls die Lüftung ausschalten.
Der Minister räumte zugleich ein, dass die genaueren Informationen über die Risiken durch Feinstaub und Kohlenmonoxid am Sonntag, dem 16. August, schneller bei der Bevölkerung hätten ankommen müssen. Die detaillierten Gesundheitsinformationen und die FFP2-Masken erreichten das betroffene Gebiet ab Montag.
„Ich erkenne die außergewöhnliche Arbeit der Feuerwehr, des DNF, des Zivilschutzes, der Gemeinden, der Landwirte, der Freiwilligen und aller beteiligten Dienste ausdrücklich an. Während der Krise wurden Lösungen gefunden und die Systeme angepasst. Ehrlichkeit bedeutet aber auch, die festgestellte Verzögerung anzuerkennen und daraus verbindliche Konsequenzen zu ziehen“, betont Mauel.
Das bisherige Warnsystem bewertet die Luftqualität hauptsächlich anhand großräumiger Durchschnittswerte über 24 Stunden. Beim Vennbrand gab es dagegen kurze, örtlich begrenzte, aber teilweise sehr hohe Belastungsspitzen. Genau für solche Ereignisse ist das bestehende System nicht ausreichend ausgelegt.

Die ostbelgische Regionalabgeordnete Christine Mauel (MR-PFF) im Wallonischen Parlament in Namur. Foto: MR
Der Minister will der Wallonischen Regierung deshalb eine reaktivere kontinuierliche Überwachung vorschlagen. Geprüft werden außerdem zusätzliche mobile Messmittel, die Modellierung von Rauchfahnen, eine stärkere Verknüpfung von Umwelt- und Gesundheitsdaten sowie eine mögliche Ausweitung von BE-Alert auf Umwelt- und Gesundheitsgefahren. Auch Drohnen könnten künftig eine Rolle spielen. Beschlossen ist dieses neue System bislang jedoch nicht.
„Die richtigen Ansätze liegen auf dem Tisch. Jetzt brauchen wir einen klaren Zeitplan, eindeutige Zuständigkeiten, vorbereitete Warnmeldungen und die notwendigen personellen, technischen und finanziellen Mittel. Die Bevölkerung darf bei der nächsten Rauchfahne nicht selbst Messwertezusammensuchen und interpretieren müssen“, fordert Mauel.
Der Minister hat vorgeschlagen, in einigen Wochen mit den Ergebnissen der noch laufenden Analysen in den Ausschuss zurückzukehren. Mauel will die Umsetzung weiter eng begleiten: „Seit Beginn der Krise verfolge ich diese Fragen konsequent. Die ersten Antworten sind beruhigend. Aber die Aufarbeitung ist nicht abgeschlossen. Messen allein genügt nicht – die richtige Information muss schnell, verständlich, örtlich gezielt und selbstverständlich auch auf Deutsch bei den Menschen ankommen.“