Topnews

Harald Schmidt über die Wahl in Sachsen-Anhalt und die AfD: Gibt es auch „ungesichert rechtsextrem“?

14.09.2026, Nordrhein-Westfalen, Köln: Harald Schmidt, Moderator, Musiker und Schauspieler, spricht bei einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Der Entertainer und Fernsehstar Harald Schmidt zeigt sich vom AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt nicht besonders beeindruckt und reagiert darauf deutlich entspannter als die Politiker anderer Parteien, viele Medien und Teile der deutschen Öffentlichkeit.

Im Podcast „Studio 9 – Der Tag mit …“ des Deutschlandfunks meinte der 69-Jährige wörtlich: „Es sind eben Wahlen, und dann gibt es Ergebnisse.“ Wenn man mit Wahlausgängen unzufrieden sei, müsse man entweder Wahlen abschaffen oder die Ergebnisse vorher festlegen.

– „Ich würde mir gerne Sorgen machen, aber ich mache mir keine“: Schmidt kritisierte gewisse Begriffe in der deutschen Debatte. So könne er mit „gelebter Demokratie“ wenig anfangen.

07.09.2026, Sachsen-Anhalt, Berlin: Ulrich Siegmund, AfD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt, kommt zur Bundespressekonferenz. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

„Ich finde ja, der Begriff ‚gelebte‘ stört schon. Es ist Demokratie. Was soll ‚gelebte‘ sein?“, so Schmidt wörtlich. Und wenn die Medien gebetsmühlenhaft betonen, die AfD werde vom Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextrem“ eingestuft, frage er sich, ob es wohl auch „ungesichert rechtsextrem“ gebe.

Er selber habe keine Angst, so der Entertainer, der sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat, er verstehe aber, wenn viele Menschen Angst haben. „Ich würde mir gerne Sorgen machen, aber ich mache mir keine. Ich bitte aber um Entschuldigung dafür, dass ich keine habe.“

Dem AfD-Wahlkampf zollte Schmidt Respekt. „Ulrich Siegmund auf dem Moped – glaubhaft, egal wie Sie politisch zu ihm stehen.“ Über SPD-Chef Lars Klingbeil (48) spottete er dagegen: „Lars Klingbeil auf dem Fahrrad sieht aus, als ob der Medienberater gesagt hat: ‚Mach ihm für das Foto die Stützräder weg.‘“

Bissig wurde Schmidt auch beim Blick auf ältere Wähler: Die „Altparteien“ sollten demnach besser „lieb“ zur „Generation 65 plus“ sein, denn „wir sind die Einzigen, die euch noch wählen“. Allerdings auch nur, „weil wir natürlich mit den Gelenken gar nicht weiter runterkommen auf dem Wahlzettel“.

15.09.2026, Berlin: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) spricht bei dem Empfang für die Preisträger des Bundeswettbewerbs „Jugend forscht“. Foto: Britta Pedersen/dpa

– Schmidt verteidigt Bundeskanzler Friedrich Merz: Schmidt lehnt Rücktrittsforderungen an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ab. „Ich hoffe, dass er die Legislaturperiode durchsteht“, sagte der Entertainer der Deutschen Presse-Agentur in Köln. Für Schmidt, der viele Jahre eine Late-Night-Show moderierte und als „Chef-Zyniker“ bekannt war, ist Merz in einer ähnlichen Situation wie viele andere westliche Regierungschefs: „Nennen Sie einen Regierungschef, der nicht zu Hause Probleme bis unters Dach hat.“

Kanzler Merz bekam sogar eine Prise Mitgefühl ab. „Kommt er zu den Bränden, heißt es: Er steht nur rum. Kommt er nicht, heißt es: Er interessiert sich nicht“, sagte Schmidt. Kritiker und Opposition hatten Merz vorgeworfen, seinen Urlaub während der Waldbrände in NRW nicht unterbrochen zu haben. Als der Kanzler schließlich anreiste, wurde er von einigen Anwohnern mit Buhrufen empfangen. Über Merz’ Versuch, empathischer zu wirken, spottete Schmidt: Es sei schwierig, wenn man Empathie „nicht wirklich hat, ich weiß, wovon ich rede“.

Die Fokussierung auf die angebliche Kanzlerkrise sage sehr viel über Deutschland aus. „Das sind süße, kleine Themen, die wir uns hier leisten. Das kann nur jemanden beschäftigen, der schon lange keine Nachrichten mehr gesehen hat. Egal auf welchem Endgerät.“ (cre/dpa)

Zum Thema siehe auch folgenden Artikel auf OD:

Antworten

Impressum Datenschutzerklärung
Desktop Version anfordern