Der Sommer 2026 wird in Belgien als außergewöhnlicher Wettersommer in Erinnerung bleiben. Nach Angaben des Königlichen Meteorologischen Instituts Belgiens (KMI) war der Sommer in Uccle, der zentralen Referenzstation für die belgische Klimabeobachtung, der wärmste seit Beginn der Temperaturmessungen im Jahr 1833. Gleichzeitig gehörte er zu den sonnigsten Sommern der Messgeschichte.
Auf einen zunächst eher kühlen Beginn des Junis folgte ab Mitte des Monats eine lang anhaltende Hitzeperiode. Juli und die erste Augusthälfte waren anschließend von außergewöhnlicher Trockenheit und viel Sonnenschein geprägt, bevor sich gegen Ende des Sommers die Niederschläge wieder etwas verstärkten.
Der Temperaturverlauf des Sommers war besonders bemerkenswert. In Uccle wurde eine durchschnittliche Temperatur von 20,3 Grad Celsius registriert. Damit wurde erstmals seit Beginn der dortigen Messungen für den Sommer ein Mittelwert von mehr als 20 Grad erreicht. Der bisherige Rekord von 19,9 Grad aus dem Jahr 2018 wurde übertroffen.
Zum Vergleich: Das langjährige Mittelwert für die Referenzperiode 1991 bis 2020 liegt bei 17,9 Grad. Der Sommer 2026 lag damit rund 2,4 Grad über diesem Vergleichswert.

25.06.2026, Belgien, Brüssel: Im Cinquantenaire-Park in Brüssel erfrischen sich Menschen in einem Springbrunnen. Foto: Omar Havana/AP/dpa
Auch die durchschnittlichen Höchst- und Tiefsttemperaturen erreichten neue Rekordwerte. Die durchschnittliche Tageshöchsttemperatur lag bei 25,2 Grad, während die durchschnittliche Tiefsttemperatur 15,2 Grad erreichte. Besonders auffällig war somit nicht nur die große Hitze während des Tages, sondern auch das ungewöhnlich hohe Temperaturniveau in den Nächten.
Dabei begann der Sommer zunächst keineswegs außergewöhnlich. In der ersten Hälfte des Juni lag die Durchschnittstemperatur in Uccle sogar ungefähr ein Grad unter dem normalen Wert. Das änderte sich jedoch ab dem 16. Juni grundlegend. Von diesem Zeitpunkt an lagen die Temperaturen während eines großen Teils des Sommers über dem langjährigen Durchschnitt.
Besonders eindrucksvoll war eine Serie von 64 aufeinanderfolgenden Tagen vom 16. Juni bis zum 18. August, an denen die Höchsttemperatur in Uccle jeweils mindestens 20 Grad erreichte. Eine derart lange Serie war seit Beginn der entsprechenden Messungen im Jahr 1892 noch nie registriert worden.
Auch bei den sogenannten Sommertagen, also den Tagen mit mindestens 25 Grad, wurden außergewöhnliche Werte erreicht. In Uccle gab es während des Sommers 46 solcher Tage. Für die Referenzperiode 1991 bis 2020 sind durchschnittlich knapp 24 Sommertage zu erwarten.
Noch auffälliger war die Zahl der Tropentage mit mindestens 30 Grad. Davon wurden 15 registriert, gegenüber normalerweise etwa fünf. Damit erreichte der Sommer 2026 in der aktuellen Referenzperiode einen neuen Höchstwert, auch wenn der absolute Rekord aus dem Jahr 1976 mit 18 Tropentagen weiterhin Bestand hat.
Insgesamt wurden in Belgien drei offizielle Hitzewellen registriert. Die erste und zugleich längste und intensivste Hitzewelle dauerte vom 17. bis zum 28. Juni. Am 26. Juni wurden in Uccle 35,5 Grad erreicht. Während dieser zwölf Tage stieg die Höchsttemperatur an sieben Tagen auf mindestens 30 Grad.

23.05.2026, Belgien, Ostende: Menschen genießen das warme Wetter am Strand in Ostende. Foto: Nicolas Maeterlinck/Belga/dpa
Die zweite Hitzewelle erstreckte sich vom 28. Juli bis zum 5. August. Am 29. Juli wurden in Uccle 34,4 Grad gemessen. Die dritte Hitzewelle folgte u
nmittelbar danach vom 8. bis zum 16. August. Ihren Höhepunkt erreichte sie am 14. August mit 35,9 Grad in Ukkel. Damit wurde zugleich die höchste Augusttemperatur des Jahres gemessen und der bisherige belgische Augustrekord in Ukkel aus dem Jahr 2020 erreicht.
Noch extremer waren die Temperaturen außerhalb von Uccle: Am 27. Juni wurden in Houyet 40,4 Grad gemessen. Damit war 2026 erst das dritte Jahr nach 2019 und 2022, in dem in Belgien irgendwo eine Temperatur von mindestens 40 Grad registriert wurde.
Neben der Hitze prägte vor allem der Sonnenschein den Sommer 2026. In Uccle wurden insgesamt 778 Stunden und 41 Minuten Sonnenschein registriert. Damit war der Sommer der zweitsonnigste der aktuellen Referenzperiode 1991 bis 2020. Nur der Sommer 2022 war mit 779 Stunden und 11 Minuten noch etwas sonniger. Der Abstand zwischen den beiden Sommern betrug somit lediglich 30 Minuten.
Besonders auffällig war außerdem die Zahl der Tage mit vollständig oder nahezu vollständig klarem Himmel. Insgesamt wurden 27 solcher Tage gezählt, während im langjährigen Durchschnitt nur etwa zwölf zu erwarten sind. Für die Referenzperiode war dies ein neuer Rekord.
Die außergewöhnliche Sonnenscheindauer spiegelte sich auch in der globalen Sonneneinstrahlung wider. Mit 519,1 Kilowattstunden pro Quadratmeter wurde in Uccle ebenfalls ein Rekordwert für die aktuelle Referenzperiode erreicht. Besonders deutlich zeigte sich der Überschuss an Sonnenschein während der langen Trockenphase im Hochsommer. Zwischen dem 1. Juli und dem 15. August schien die Sonne dort insgesamt 465 Stunden und neun Minuten. Dies war sogar ein absoluter Rekord seit Beginn der entsprechenden Messungen im Jahr 1931.

Ein Außenthermometer in einem Kleingarten zeigt die Temperatur von knapp 40 Grad an. Foto: Jens Büttner/dpa
Die saisonale Gesamtsumme verdeckt allerdings eine sehr ausgeprägte Trockenphase. Vor allem der Zeitraum vom 1. Juli bis zum 15. August war außergewöhnlich trocken. In diesen 46 Tagen fielen in Uccle lediglich 13,0 Millimeter Niederschlag. Normal wären für diesen Zeitraum rund 115,6 Millimeter gewesen.
Damit wurden nur etwa elf Prozent der üblichen Niederschlagsmenge erreicht. Es handelte sich um die zweitniedrigste Niederschlagsmenge der aktuellen Referenzperiode und um die drittniedrigste der gesamten Messreihe seit 1892. Der Regen fiel zudem an nur sechs Tagen, während normalerweise rund 21 Regentage zu erwarten wären.
Interessant ist deshalb auch der große Unterschied zwischen den einzelnen Sommermonaten. Der Juni war trotz seiner zunächst kühlen ersten Hälfte insgesamt sehr niederschlagsreich und gehörte in Ukkel zu den fünf nassesten Junimonaten der aktuellen Referenzperiode. Der Juli entwickelte sich dagegen zum völligen Gegensatz und war der zweitniederschlagsärmste Juli der Referenzperiode.
Auch der August blieb insgesamt trockener als üblich, obwohl gegen Ende des Monats wieder mehr Niederschlag fiel. Die Kombination aus hohen Temperaturen, außergewöhnlich viel Sonnenschein und langen trockenen Phasen führte daher vor allem im Juli und in der ersten Augusthälfte zu einem deutlich sommerlicheren Eindruck.
Trotz der insgesamt trockenen Witterung kam es im Sommer immer wieder zu heftigen Gewittern und lokalen Starkregenereignissen. Insgesamt registrierte das KMI 35 Gewittertage in Belgien, während normalerweise rund 39 solcher Tage zu erwarten sind. Besonders starke Niederschläge wurden an mehreren Tagen im Juni und August gemessen. Die höchste gemeldete Tagessumme in Ukkel betrug 36,3 Millimeter am 27. Juni. Regional waren die Mengen teilweise deutlich höher. In Beitem bei Roeselare wurden 59,6 Millimeter innerhalb eines Tages registriert.

16.08.2026, Nordrhein-Westfalen, Monschau: Blick von dem Ortsteil Monschau-Kalterherberg auf die belgische Seite, wo das Hohe Venn in Flammen steht. Foto: Thomas Banneyer/dpa
Eine weitere Folge der extrem trockenen und warmen Witterung zeigte sich im Hohen Venn. Am 14. August brach dort ein größerer Wald- beziehungsweise Flächenbrand aus. Das KMI unterstützte die zuständigen Einsatzkräfte unter anderem mit speziellen Wettervorhersagen, der Modellierung der Rauchentwicklung und Messungen in der Region. Die Kombination aus hohen Temperaturen, lang anhaltender Trockenheit und intensiver Sonneneinstrahlung verdeutlicht dabei die zunehmende Bedeutung solcher Wetterlagen für die Waldbrandgefahr.
In der Gesamtbetrachtung war der Sommer 2026 in Belgien somit nicht einfach nur ein „schöner Sommer“, sondern ein meteorologisch außergewöhnlicher Sommer mit zahlreichen Rekorden. Die Durchschnittstemperatur erreichte mit 20,3 Grad einen historischen Höchststand, die durchschnittlichen Tageshöchst- und Tiefsttemperaturen lagen ebenfalls auf Rekordniveau, und mit 46 Sommertagen sowie 15 Tropentagen wurden außergewöhnlich viele warme beziehungsweise heiße Tage registriert. Gleichzeitig gehörte der Sommer mit fast 779 Sonnenstunden zu den sonnigsten seit Beginn der modernen Vergleichsperiode. Dem stand eine unterdurchschnittliche Niederschlagsmenge gegenüber, die vor allem durch die extreme Trockenheit von Anfang Juli bis Mitte August geprägt wurde. (cre)
Der Sommer 2026 wird der kälteste Sommer der nächsten Jahre gewesen sein.