Leserbriefe

Johann Klos: Geistiger Kollateralschaden

Setzt man die Schlussfolgerung gleich zu Anfang, müsste es heißen: Man glaubt nur noch, was man glauben will, man liest nur noch, – auch hier auf OD – was einem in diesem Glauben bestärkt.

Die Welt hat sich verändert, vielleicht zu schnell für eine Gesellschaft, aufgebaut auf Werten von gestern. Jahrelang reden wir schon über das, was kommt, ohne wirklich realisiert zu haben, dass es uns schon eingeholt hat.

Die digitale Revolution kommt nicht, sie ist da. Der demographische Wandel kommt nicht, er hat uns längst im Griff. Die uns bekannten, zum Teil auch übermittelten Arbeitswelten sind Schnee von gestern. Landflucht wird nicht, sondern ist Wirklichkeit. Das Zeitalter der Megastädte hat begonnen. Die Such nach Sinn im Alltag hat nimmt gestallt an.

Die Dinge verändern sich so rasant, das der Einzelne dem Tempo dieser Veränderungen nicht gewachsen erscheint. Unser Schul- und das gesamte Kommunikationssystem hat in punkto Weitsicht versagt. Die meisten Bürger erleben und leben in einem Zustand der verdrängten Angst. Ein Zustand, der sich, wenn die sich daraus resultierende Angstspirale einen Faktor x erreicht, ein Ventil sucht, in Form von Heilbringer à la Trump.

Die Politik und ihre Hilfsorgane haben es zum einen nicht geschnallt, den Bürgern die Angst zu nehmen vor einer Welt, der die Arbeit ausgeht. Die Politik hat durch ihren Selbsterhaltungstrieb viel zu spät damit begonnen, sich Gedanken zu machen über eine Zeit danach. Statt frühzeitig die Früchte der Automatisierung zu vergesellschaften, hat man durch die Verherrlichung des Neoliberalismus Fenster und Tore weit geöffnet für eine völlig unnötige Verarmung der Massen und die sich daraus ergebende Suche nach dem Strohhalm in Form von Blendern.

Noch schlimmer für mich ist die Tatsache, dass keiner sich traut, über den Verlust der Debattenkultur zu reden, der dazu führte, dass ein vorhandenes Allgemeinwissen über gesellschaftliche und politische Zusammenhänge nach und nach verloren gegangen ist.

Der neue Zeitgeist wird geprägt durch Informierte, Uninformierte und Desinformierte. Dreimal dürfen Sie raten, wo die Mehrheit hin tendiert. Die Politik hat es verschlafen, öffentlich nach Wegen zu suchen, um eine scheinbar immer komplexer werdende Welt zu erklären. Es war wohl einigen wichtiger, oder auch nicht, eine mehr oder weniger ausgeprägte Form von Realitätsflucht aufkommen zu lassen.

Hier und heute noch gegenzusteuern, funktioniert vielleicht nur noch, wenn man z. B die Printmedien den Bürgern täglich kostenlos in Haus liefert. Vielleicht schnappt man ja dann beim „Durchblättern“ das eine oder andere Wissenswerte auf.

Die Verleger müssten allerdings zur den Visionen ihrer Gründerväter zurückfinden. Wir leben in einer Zeit, in welcher man den Wissensstrom vor oder ganz aus konfiguriert. Die Menschen scheinen zurück zu wollen, zurück in die Vergangenheit. Dadurch, dass sie sich der Unmöglichkeit bewusst werden, verfallen sie in ein Muster der negativen Energie mit all den sich daraus ergebenen Konsequenzen.

Das System ist geistig so verarmt, dass es in allen Bereichen neue, unverbrauchte ehrliche Köpfe braucht, um den Karren wieder für einige Generationen flott zu machen und um den Menschen wieder ein lebenswertes Leben aufzuzeigen.

4.2.2017 Johann Klos, Eupen

  1. Wen wundert’s, wie die Welt heute aussieht, wenn so mancher Politiker, gerade noch studiert hat wie man sich selber besserstellt, aber keine Ahnung davon hat, wie diese heutige Welt entstanden ist? Gib auch den einen oder anderen hier bei uns der nicht gerade mit Weitsicht gesegnet wurde.
    Einer aus dieser Ecke soll jetzt bei denen von drüben Kanzler werden. Ja dann Mahlzeit.

  2. Réalité

    Hallo Herr Klos,
    Sie wollen wohl ein bisschen viel auf einmal!? Wenn unsere glorreichen Politiker schon nicht mehr mitkommen, wo will der kleine Bürger das denn noch!?
    Vieles ist schon wahr was Sie da schreiben. Jedoch siehe meinen ersten Satz hier oben.
    Hätten wir „die Brüder“ schon mal soweit, dass sie einsähen was und wie das jetzige Unding zu retten wäre?
    Aber die Leute wollen es eben nicht! Nicht mal einsehen!? Geschweige denn ändern.
    Wohl sich die Sparbücher dicke einfüllen, dafür wird schon immer gesorgt.
    Haben Sie auch die „La Libre“ vom W E des 28-29/1/17 gelesen, wo da auf einer Doppel-Seite das Spinnennetz rund um Publifin-Nettys- VOO und all die zig „Boites aux lettres“ an Firmen erSCHEINen, wetten das das 3/4 SCHEINfirmen sind!?
    Mit all den Namen die da so beigefügt waren!?
    Mein lieber Kokoschinsky!? Da bleibt einem die Spucke weg! Dan dann die treuen Lieutenants und Zinssoldaten, welche da abgebildet waren. Und sowas will und soll uns regieren!?
    Solange solche „Konstruktionen“ erfunden, ausgeübt, gegründet, ausgebeutelt und vorher vom Steuerzahler gefüttert und gemästet wurden, solange können Sie getrost weiter auf „Ihre heile Welt hoffen“!?
    Gut Ding will Weile haben!? Herr Klos, wir werden es hoffentlich bald mal erleben!?
    nb: Nochmals meine freundliche Erinnerung an Sie! Sie wissen schon!?

    (Invers, was Observer oben schreibt!? Einer der bei „so vielem dabei war“ in all den Jahren, will jetzt Kanzler werden!? Warum machte er denn nicht schon vorher die Welt so viel besser…..wie sie noch werden soll…..!? Komischer Prahlhans(Martin)!?)

    • Johann Klos

      Guten Abend werter R.

      Ja recht haben Sie. Parteien die solche Konstrukte auf die Beine stellen müsste man die Lizenz abnehmen. Mafiöse Strukturen ist da schon mehr als ein Kosewort. Vermögen einkasieren und verbieten,

      Dem werten Martin wird es wohl so gehen wie damals dem Rudolf S. Konzentrieren wir uns auf Belgien. Probleme haben wir hier doch zu genüge.

    • Kerstges Angela

      @Realite: „die Leute wollen eben nicht“, die Leute : wer ist für Sie: “ die Leute“ ? DG ? Internatioal ?
      Betreff Ostbelgien sind mir sehr wohl welche bekannt, die „wollen“, sie werden jedoch nicht gelassen, man zieht das Altbewährte vor, Gründe gib t´s Unterschiedliche, war doch so schön, man konnte fast nach Gang und Gebe Absahnen, siehe Skandale der letzten Wochen. Die richtigen Leute an den richtigen Orten, das hilft.

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