Politik

Bildungsministerin Lydia Klinkenberg: „Veränderung des Schuljahresrhythmus hat derzeit keine Priorität“

Bildungsministerin Lydia Klinkenberg bei der Vorstellung der DG-spezifischen Ergebnisse der PISA-Studie. Foto: Patrick von Staufenberg

In der DG wird darüber diskutiert, ob man sich dem Schuljahresrhythmus der Französischen Gemeinschaft anschließen sollte oder nicht. Jetzt spricht sich Bildungsministerin Lydia Klinkenberg (ProDG) klar gegen eine Anpassung des Schuljahresrhythmus aus.

Der Entscheidung der Ministerin sei eine umfassende Sondierungsphase vorausgegangen, heißt es in einer Pressemitteilung. Klinkenberg holte über 70 Stellungnahmen hiesiger Akteure ein, ließ ein chronobiologisches Gutachten erstellen und eine repräsentative Online-Befragung durchführen.

Nun ist die Entscheidung gefallen: „In der Deutschsprachigen Gemeinschaft werden wir den Rhythmus des Schuljahres nicht verändern, bevor nicht dringendere Reformen umgesetzt wurden,“ verkündet die Ministerin.

Der Ferienkalender für das Schuljahr 2023/2024 in der Französischen Gemeinschaft (Zum Vergrößern Kalender anklicken).

Klinkenberg: „Mit ihrer Entscheidung, den Rhythmus des Schuljahres anzupassen und auf sieben Wochen Unterricht zwei Wochen Ferien folgen zu lassen, stellte die Französische Gemeinschaft den Rest des Landes vor vollendete Tatsachen – mit weitreichenden Auswirkungen für viele Sektoren. Im Sinne der Schülerinnen und Schüler beschäftigen wir uns in der Deutschsprachigen Gemeinschaft deshalb seit geraumer Zeit im Rahmen der Erstellung der Vision für das Bildungssystem mit der Frage, ob eine Anpassung des Schuljahresrhythmus sinnvoll und umsetzbar ist. Mir war es wichtig, dieses Thema breit und ergebnisoffen zu diskutieren, bevor ich eine Entscheidung treffe, da eine Umstellung weitreichende Folgen in zahlreichen Bereichen hätte.“

Der Sondierungsprozess, bei dem im vergangenen Jahr über 70 Stellungnahmen der Schulnetze und Elternräte, aber auch zahlreicher Verbände und Einrichtungen aus Bereichen wie Jugend, Wirtschaft, Kinderbetreuung, Sport und Freizeit eingeholt wurden, habe kein klares Bild gezeigt, heißt es weiter. Neben der Sorge vor organisatorischen Herausforderungen bei einer Umstellung des Schuljahresrhythmus teilten viele Akteure mit, den Nutzen der Maßnahme nicht beurteilen zu können.

Deshalb hat Ministerin Klinkenberg in diesem Jahr eine wissenschaftliche Analyse durch die University of Surrey erstellen lassen, an der Forscherinnen aus unterschiedlichen Ländern mitgewirkt haben. Im Bericht wird festgestellt, dass es aus chronobiologischer Sicht zwar sinnvoll wäre, Ferienzeiten vom Sommer in den Winter zu verlegen, dass es aber derzeit keinerlei wissenschaftliche Belege für oder gegen den 7/2-Rhythmus der Französischen Gemeinschaft gibt. Empfohlen wird daher, dieses Modell wissenschaftlich begleiten zu lassen. Des Weiteren wird zu einer ganzheitlichen Betrachtung der Schulzeitgestaltung geraten, die sowohl den Jahres- als auch den Tagesrhythmus der Lernenden berücksichtigt.

10.02.2022, Belgien, Brüssel: Die Schulferien-Reform der Französischen Reform hat nicht nur Befürworter, wie dieses Plakat auf einer Kundgebung von Lehrern in Brüssel zeigt. Foto: Shutterstock

Anhand der ersten vorliegenden Ergebnisse der zweiten repräsentativen Online-Befragung zur Bildungsvision 2040, an der sich im Oktober dieses Jahres 3.944 Personen beteiligt haben, zeichnet sich bereits jetzt ab, dass die Meinung der ostbelgischen Bevölkerung zu diesem Thema sehr unterschiedlich ausfallen.

In einer ersten repräsentativen Online-Befragung, die 2019 im Rahmen der Diagnosephase zur Erstellung einer Bildungsvision durchgeführt wurde, hatte sich bereits eine Mehrheit gegen eine Veränderung des Schuljahresrhythmus ausgesprochen. Das war jedoch vor der Anpassung des Schuljahresrhythmus in der Französischen Gemeinschaft.

Ministerin Klinkenberg erläutert das Ergebnis der Befragung: „Die jüngste Umfrage, die zurzeit noch ausgewertet wird, zeigt, dass die Meinung nach der Umstellung im frankophonen Landesteil sich nur unwesentlich verändert hat und weiterhin sehr gespalten ist: 56 Prozent der Befragten lehnt eine Anpassung des aktuellen Schuljahresrhythmus in Ostbelgien nach wie vor ab. Ein nicht unwesentlicher Teil der Befragten würde eine Veränderung jedoch befürworten. Doch nicht alle, die eine Veränderung befürworten würden, sind unbedingt für den Rhythmus, der jetzt in der Französischen Gemeinschaft existiert.“

Nach Analyse aller vorliegenden Fakten und Informationen hat die Bildungsministerin nun entscheiden, die Schuljahrestaktung nicht prioritär anzugehen, da andere Reformen dringender nötig seien und eine größere Wirkung auf den Lernerfolg der Schüler hätten. (cre)

20 Antworten auf “Bildungsministerin Lydia Klinkenberg: „Veränderung des Schuljahresrhythmus hat derzeit keine Priorität“”

  1. Erfahrener

    Im Gegenteil, ich würde den Haufen Ferien mal etwas verkürzen, besonders die grossen Ferien im Sommer, damit die Pisa Studie mal etwas besser ausfallen würde wie bisher. Aber daran ist Covid ja schuld. Auf dieser Art und Weise würden die Schüler das aufholen was sie durch Covid verspielt haben. Wenn eine solche Massnahme durchgeführt würde, dann möchte ich wohl nicht mehr gern Ministerin sein, denn dann ständen morgen alle Lehrer von Ostbelgien bei Ihr vor der Türe. Denn die Lehrer brauchen den Haufen Ferien mehr als die Schüler. Die Lehrer müssen die Erziehungsarbeit der Eltern ja heutzutage mit übernehmen da die Eltern ja meistens beide berufstätig sind und keine Zeit mehr haben sich um ihre Kinder zu kümmern.

  2. Besorgte Mutter

    „Veränderung des Schuljahresrhytmus hat derzeit keine Priorität“
    Und genau so ist es auch gut!
    Herr Jerusalem, seien Sie doch bitte nicht so nervig hiermit. Sie haben es doch gehört, auch die meisten Schüler wollen keine Veränderung.
    Die Grünen wollen einfach alles was gut ist über den Haufen schmeißen. Die Grünen und ihre heimlichen Bewunderer haben doch schon viel zu viel Waldorfpädagogig in die Schulen gebracht und jetzt hat man den Salat mit immer weniger fähigen Schülern. Am besten kehren wir wieder zum Frontalunterricht zurück.

  3. Sehr schade, dass die Politik hier nicht zugunsten der Ferienänderung entscheidet.
    Die jetzige Ferienregelung ist einfach nicht mehr zeitgemäß, wie so vieles im Unterrichtswesen.
    Bitte befragen Sie doch nicht immer Jott und Pott, wenn Sie etwas ändern möchten. Befragen Sie bitte die Fachleute und treffen Entscheidungen zum Wohle unserer Schüler. Das ist Ihre Aufgabe als Unterrichtsministerin!

  4. @Oooh! Es wäre schön, wenn Sie Ihre Meinung auch begründen würden. Warum sollte Ihrer Meinung nach die Politik sich für eine Änderung der Ferienzeit aussprechen und warum ist die jetzige Regelung nicht zeitgemäß? Obschon das Für und Wider hier oft genug diskutiert wurde.

    • @Mungo
      Schon lange ist bewiesen, dass eine Woche Urlaub nicht den gewünschten Erholungseffekt bringt. Wenn dagegen entschieden worden ist, stehen nicht die Bedürfnisse der Schüler sondern die Bedürfnisse von zig anderen Gruppen im Vordergrund. Und das finde ich nicht korrekt. Wie lautet der abgedroschene Satz, der in Schule und Politik so oft wiederholt wird? Das Wohl der Schüler steht im Mittelpunkt?!
      Ich habe Kontakt mit vielen Schülern aus der FG, die die neue Ferienregelung sehr wohl begrüßen. Dabei handelt es sich auch um Schüler, die in der DG wohnen.

  5. Fassungslos

    Das Schulsystem soll so bleiben wie es ist ! Es hat ALL die Jahre so funktioniert da muss nichts umgeändert werden… Das was man ggf kürzen könnte wären die Sommerferien die mut 8-10 Wochen definitiv VIEL zu lang sind!!! Aber den Rest eben so lassen wie bisher!!
    oder bezahlen die ganzen Politiker und/oder der Staat dann jede 7 Wochen die Ferienbetreuung?!?

    • @Fassungslos: Wenn Ihnen 8 bis 10 Wochen Sommerferien zu lang sind, ist das System hier in der Wallonie das Richtige für Sie. Hier haben die Kinder jeden Sommer genau sieben Wochen Ferien. Ab dann folgen dann immer sieben Wochen Schule und zwei Wochen Ferien bis wieder die Sommerferien anstehen. Die Kinder haben so genau so viel Schulzeit und Ferien wie in der DG, nur mit dem Unterschied, dass beide immer im selben Rhythmus erfolgen.

  6. Fassungslos

    @logisch …Eben nicht!
    so wie das aktuelle Schulsystem ist soll es auch bleiben!!!!
    oder bezahlen Sie alle 7 Wochen die Betreuung ALLER KINDER wo die Eltern arbeiten müssen und/oder Alleinerziehende & Geringverdiener.. Wo keine Verwandtschaft vorhanden ist?!

  7. Brunhilde

    Die Regierung macht schon alles richtig! Siehe nur die Phrasen des MP, welcher unsere Schulden in den Himmel lobt!? Und den anderen die Kompetenzen abschreibt. Schulden sind OK, jedoch nicht in dem Übermass! Ein Grossteil ist zur Selbsträucherung gedacht, dass man ja wieder gewählt wird, und den Rest!? Den können die Nachfolgenden Generationen ja bezahlen!? Wenn dies gutes Haushalten ist, ja dann ?! Nein danke!

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