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Wissenswertes zum Eurovision Song Contest 2021: Popband Hooverphonic tritt für Belgien an [VIDEO]

18.05.2019, Israel, Tel Aviv: Duncan Laurence aus den Niederlanden, Gewinner des Eurovision Song Contest (ESC) 2019, freut sich mit der Trophäe. Foto: Sebastian Scheiner/AP/dpa

Gäbe es die Corona-Pandemie nicht, dann fände in diesem Jahr der 66. Eurovision Song Contest statt. Weil er aber im vergangenen Jahr wegen Corona ausfiel, wird 2021 der 65. ESC in Rotterdam nachgeholt – mit neuen Liedern. Fragen und Antworten zur Riesenmusikshow.

Der bis vor 20 Jahren meist Grand Prix Eurovision de la Chanson genannte Eurovision Song Contest (ESC) existiert seit 1956. Somit wäre es dieses Jahr eigentlich der 66. „Eurovision-Liederwettbewerb“ – doch die Corona-Pandemie führte 2020 erstmals zur Absage. Deshalb wird 2021 der 65. nachgeholt.

Was man zu den drei Shows – zwei Halbfinals (18. und 20. Mai) und dem Finale (22. Mai, ab 21 Uhr) – noch wissen sollte, in Fragen und Antworten:

30.08.2019, Niederlande, Rotterdam: Außenansicht des „Ahoy“-Veranstaltungszentrums, wo der ESC stattfindet. Foto: Koen Van Weel/ANP/dpa

Wo findet der ESC statt?

Der 65. Eurovision Song Contest wird im Veranstaltungszentrum Ahoy in Rotterdam ausgetragen, weil 2019 die Niederlande gewonnen und so die Show zu sich geholt hatten. Das fast vierstündige Finale beginnt am 22. Mai um 21.00 Uhr und wird in Belgien vom RTBF-Fernsehen und in Deutschland von der ARD ausgestrahlt. Die RTBF gut auch die zweistündigen Halbfinalshows am Dienstag und Donnerstag, 18. und 20. Mai, ab 21.00 Uhr (Dienstag) bzw. zeitversetzt ab 22.28 Uhr (Donnerstag).

– Wie läuft das mit dem Publikum vor Ort?

Beim ESC in der Halle wird es Publikum geben, allerdings unter Corona-Bedingungen. Der Wettbewerb wird ein sogenanntes „Fieldlab-Experiment“, bei dem getestet wird, wie Großereignisse auch in Corona-Zeiten stattfinden können. Das entschied das niederländische Kultur-Ministerium Ende April. In den drei Live-Shows und bei den sechs öffentlichen Proben dürfen jeweils 3.500 Zuschauer dabei sein. Das entspricht etwa 20 Prozent der Kapazität des Ahoy. Es wird vor der Mega-Bühne keine Stehplätze geben, stattdessen ist dort der „Green Room“. Alle Zuschauer müssen sich zuvor und fünf Tage nach dem Event testen lassen. Ausländische Fans sind im Prinzip zugelassen, doch werden wegen der Reisebeschränkungen nur wenige erwartet.

Belgien konnte bisher einmal den ESC gewinnen. Das war im Jahr 1986 mit Sandra Kim (rechts, hier bei ihrer triumphalen Rückkehr aus Norwegen am Flughafen Zaventem am 4. Mai 1986). Foto: Belga

– Was geschieht bei einem Corona-Fall?

Sollte ein Sänger positiv auf den Corona-Virus getestet werden, darf er nicht auftreten – zumindest nicht live. Dann wird ein Video von dem Beitrag gezeigt. Alle Teilnehmerländer mussten – als Vorbereitung für den Notfall – so ein Video einschicken. Übrigens wurden auch diese Videos nach Wettkampfbedingungen aufgenommen.

– Welche Länder und Acts treten 2021 an?

Nach dem Rückzug von Armenien Anfang März und der Disqualifikation von Belarus (wegen eines zu politischen Beitrags, der den Wettbewerb laut Veranstalterin EBU instrumentalisieren oder in Verruf bringen könnte) nehmen nur noch 39 Länder am ESC 2021 teil. Australien tritt – wegen der Reisebeschränkungen – als einziges Land nur mit einem Video an.

– Schicken alle Länder ihre Beiträge vom letzten Jahr?

Kein einziges Land kann noch einmal den Beitrag von 2020 ins Rennen schicken. Alle mussten neue Lieder einreichen. Das legte die Rundfunkunion EBU als Veranstalterin früh fest. 26 Länder halten jedoch – teils nach Vorentscheiden – an ihren für 2020 ausgewählten Interpreten fest. 13 schicken neue Acts, darunter Deutschland.

– Wer tritt für Belgien an?

Die flämische Popband Hooverphonic tritt mit „The Wrong Place“ bei der 65. Ausgabe des Eurovision Song Contest in Rotterdam an (siehe VIDEO unten). Geike Arnaert, die Sängerin, mit der Hooverphonic vor rund 20 Jahren den Durchbruch schaffte, findet den Song „cool“. Andere halten den Beitrag für etwas monoton, jedenfalls nicht stimmungsvoll genug. Das Trio von Hooverphonic muss sich am Dienstag im ersten Halbfinale (Startnummer 11) für das große Finale am Samstag qualifizieren.

Die flämische Popband Hooverphonic bei einem Auftritt am 7. Oktober 2019 in Krakau (Polen). Foto: Shutterstock

– Wer und was ist der deutsche Beitrag?

Der Hamburger Musiker Jendrik Sigwart (26) wurde in einem vom Norddeutschen Rundfunk (NDR) organisierten Verfahren ausgewählt. Der NDR hat innerhalb der ARD-Rundfunkanstalten die ESC-Federführung. Am 25. Februar veröffentlichte der Sänger sein Lied „I don’t feel hate“. Es geht darum, über dem Hass anderer zu stehen. Das Lied kommt betont fröhlich daher, die Strophen werden von Jendriks Ukulele untermalt, der Refrain von Trompeten.

– Wer könnte den ESC 2021 gewinnen?

Wer sich bei Fans und Buchmachern umhört, bekommt als Favoriten immer wieder die Beiträge der Länder Malta und Schweiz genannt. Für den kleinen Inselstaat Malta wäre es der erste Sieg überhaupt, für die Schweiz der dritte – nach 1956 mit Lys Assia und 1988 mit Céline Dion. Auch Frankreich und Italien gehören zum Favoritenkreis. Im weiteren Favoriten-Feld kommen Island, Litauen, Bulgarien, Schweden und Zypern vor. Belgien wird nicht genannt, auch Deutschland werden kaum Chancen eingeräumt. Der Sieger steht nach den traditionell komplizierten Punktevergaben der Länder gegen 1.00 Uhr nachts (Pfingstsonntag früh, 23.5.) fest.

– Wer moderiert den ESC?

Das Trio Chantal Janzen, Edsilia Rombley und Jan Smit, das schon 2020 durch die Show führen sollte, moderiert den ESC 2021. Dazu kommt die Vloggerin Nikkie de Jager alias NikkieTutorials. Smit ist auch in Deutschland populär, da er Teil des Schlagertrios Klubbb3 ist – neben dem Belgier Christoff De Bolle und Florian Silbereisen. Die Sängerin Rombley hatte ihr Land 1998 auf dem ESC vertreten und wurde vierte. Chantal Janzen ist ebenfalls Sängerin und prominente TV-Moderatorin.

30.04.2021, Hamburg: Peter Urban, Moderator und Musiker, bei einem Fototermin. Der langjährige Kommentator und Musikexperte kommentiert den Eurovision Song Contest (ESC) seit 1997. Foto: Georg Wendt/dpa

– Moderiert noch immer Peter Urban den ESC in der ARD?

Ja. Peter Urban (73) kommentiert den ESC seit 1997. Dabei ist er nicht nur todernst, sondern begeistert viele ESC-Fans auch mit seinen kleinen, bissigen, ironischen Seitenbemerkungen. Bei denen müsse man aber durchaus sehr vorsichtig sein, sagt Urban dazu. „Ich will ja auch keinen beleidigen oder lächerlich machen. Das ist ein feiner Drahtseilakt. Weil ich auch fair sein will.“ Urban ist ein ausgewiesener Musikexperte, der schon mehr als 5.000 Konzerte besucht und mit den Größen der Musikwelt gesprochen hat. Er ist seit 40 Jahren Teil einer Blues-Soul-Band und moderierte bei NDR 2 mehrere Musiksendungen. Im Moment geht er zudem regelmäßig mit dem NDR-Podcast „Urban Pop“ auf Sendung.

– Und sonst?

Im letzten Jahr galt der Isländer Daði Freyr mit seiner Band als ein Favorit. Viele sagen auch, dass die litauische Band The Roop 2020 gewonnen hätte, ihr Lied „Discoteque“ dieses Jahr finden viele aber schwächer. Zyperns Song „El Diablo“ (Der Teufel) wurde angefeindet, eine christliche Gruppe versuchte mit einer Petition, die ESC-Teilnahme zu verhindern, weil sie das Lied als satanistisch empfanden. Der zyprische Sender wies das zurück, das sei eindeutig metaphorisch. Sommerhit-Potenzial haben zum Beispiel die Songs aus Griechenland („Last Dance“ von Stefania), San Marino („Adrenalina“ von Senhit) und Kroatien („Tick-Tock“ von Albina).

– Welches Land konnte bisher am häufigsten den ESC gewinnen?

Bisher erfolgreichstes Teilnehmerland ist Irland mit sieben Siegen, in den Jahren 1992 bis 1994 sogar drei in Folge. Bisher haben 27 Länder gewonnen, wobei Jugoslawien, das 1989 gewann, nicht mehr existiert. Begien gewann einmal den ESC. Das was 1986 in Bergen (Norwegen) mit Sandra Kim („J‘aime la vie“). Deshalb fand der ESC 1987 in Belgien statt, im Palais du Centenaire in Brüssel. Mit 13 Jahren ist Sandra Kim die jüngste Siegerin überhaupt seit Beginn des Wettbewerbs. (dpa/cre)

HIER ALLE ESC-GEWINNER VON 1956 BIS HEUTE

Nachfolgendes VIDEO zeigt den begischen Beitrag der flämischen Popband Hooverphonic („The Wrong Place“). Ein mystischer Mid-Tempo-Popsong, der von einem One-Night-Stand handelt, der schief lief. Die Sängerin fühlt sich am falschen Ort. Hören und urteilen Sie selbst:

5 Antworten auf “Wissenswertes zum Eurovision Song Contest 2021: Popband Hooverphonic tritt für Belgien an [VIDEO]”

  1. Peer van Daalen

    Mit der neuen und alten Frontfrau Geike Arnaert wird das nichts. Wie kann man jemanden nach 12 Jahren aus einer verquasten Mottenkiste raus krabbeln lassen … Was für ein Gequake.

    Luka Cruysberghs aus Leuven hätte sogar eine bessere Chance gehabt. Die habt ihr auch gecancelt.

    Noémie Wolfs – das Beste, was Hooverphonic jemals am Mikrophon hatte – bräuchte nicht mal singen. Nur da stehen … Und sie würde abräumen, diese Göttin …

    https://www.youtube.com/watch?v=tJ2Rxnpt_LU

    https://www.youtube.com/watch?v=SS2dGjBCguQ

    Hier gibt es keine voice samples oder loops, keine Maschinenmusik, kein lächerliches Gehampel, keine mit Blech vollgepiercten Grimassen, keine Mittelfinger oder rausgestreckte Zungen mit Gerümpel drinnen. Hier ist alles echte Hand- Fuß- und Mundarbeit.
    —-

    Ansonsten @Clifford Unger, haben Sie Recht, – mich graust es jetzt schon, bei den zu erwartenden Ganz-Körper-beschmierten Epileptikern und Schreihälsen.

  2. DerPostbote

    Der ESC ist in seiner Umsetzung nicht mehr zeitgemäß. Letztlich geht es nicht mehr um Musik, sondern um Politik, Gesellschaft und Gefälligkeiten…
    Um einen fairen und vor allem allein der Musik verpflichteten Wettbewerb durchführen zu können, müsste das Voting ALLEIN den Zuschauern überlassen werden. Die selbsternannten Musikexperten der jeweiligen Länder können ja immer noch die Punkte vorlesen, aber die Entscheidung muss von der Bevölkerung getroffen werden.

    Jeder Dorfverein könnte da ein faireres, gerechteres, der Kunst verpflichtetes Konzept aufstellen. Aber wahrscheinlich sitzen in den Führungsriegen des ESC Leute des gleichen Schlags wie beim olympischen Komitee…

  3. Musik ist Geschmackssache. Wo der eine für schwärmt, ist dem anderen eine Zumutung. Der belgische Beitrag ist für mich gutes Mittelmaß. Mal schauen, wer gewinnt. Die Musikshow an und für sich ist schon von den Lichteffekten ein Spektakel und deshalb durchaus sehenswert.

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