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Interview mit dem Royalexperten Rolf Seelmann-Eggebert zur „Traumhochzeit“ in London

Adelsexperte Rolf Seelmann-Eggebert. Foto: Georg Wendt/dpa

Seit Anfang der 1980er Jahre kommentiert der in Hamburg lebende Königshauskenner Rolf Seelmann-Eggebert alle wichtigen Adelsereignisse als TV-Journalist. Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur spricht der 81-Jährige über Glück und Geheimnis rund um die „Hochzeit des Jahres“ zwischen Prinz Harry und Meghan Markle.

Schon als Prinz Harrys Eltern, Charles und Diana, 1981 heirateten, berichtete TV-Journalist Seelmann-Eggebert aus London. Die Hochzeit von Harry und Meghan wird er von Hamburg aus verfolgen – und ist in vielerlei Hinsicht gespannt darauf.

– Herr Seelmann-Eggebert, worauf sind Sie bei dieser Hochzeit am meisten gespannt – und worauf in der Ehe von Harry und Meghan?

Eine Tasse mit dem Abbild von Prinz Harry und Meghan Markle wird in einem Souvenir-Shop zum Verkauf angeboten. Foto: Silvia Kusidlo/dpa

Seelmann-Eggebert: Normalerweise ist man auf das Brautkleid besonders gespannt. Bei Liveübertragungen war das für mich immer eine Herausforderung, weil ich mit der Haute Couture nicht so vertraut bin. Vor allem aber ist diese Hochzeit das absehbar größte freudige Ereignis für Europas Königshäuser in den nächsten Jahren. Danach wird man auch bei diesem Paar auf Nachwuchs warten, die beiden werden sicherlich recht bald ein eigenes Kind haben wollen. Bei Harrys Auftritten kann man oft sehen, wie sehr er Kinder liebt. Und natürlich wird die große Frage sein: Geht das gut mit den beiden? Ich bin da sehr zuversichtlich, allein schon weil sie viel mehr Freiheiten genießen dürfen als William und Kate. Diesen Vorteil gegenüber seinem Bruder als übernächstem Thronfolger hat Harry schon immer zu genießen gewusst. Die Bedingungen für eine glückliche Ehe sind deutlich besser als bei Charles und Diana.

Revolution im europäischen Adel

– So geheim wie Meghans Brautkleid ist auch die Gästeliste. Was sagen Sie zu den ganzen Spekulationen darum?

Seelmann-Eggebert: Ob da Hollywood neben dem Adel sitzt, interessiert mich persönlich weniger als die Frage, inwieweit die deutsche Verwandtschaft bei den Einladungen berücksichtigt wurde. Prinz Philip hatte ja vier ältere Schwestern: Cecilia ist bereits im Alter von 26 Jahren gestorben, aber die drei anderen – Margarita, Sophie und Theodora – sind mit hoher deutscher Fürstlichkeit aus den Häusern Hannover, Hessen und Baden verheiratet gewesen. Inzwischen sind alle Schwestern längst tot – es wird interessant sein zu beobachten, ob sich die Verbindungen in den nächsten Generationen fortsetzen und die Kontakte zwischen dem englischen Königshaus und dem deutschen Hochadel weiter gepflegt werden.

– Die Mehrheit der Briten ist begeistert von Meghan, aber freut sich auch der Adel tatsächlich über Harrys Wahl?

29.07.1981, London: Nach der kirchlichen Trauung in der Londoner St. Paul’s Kathedrale fahren Prinzessin Diana und Prinz Charles in der State-Landau-Kutsche zum Buckingham Palast. Foto: –/PA/dpa

Seelmann-Eggebert: Es hat im europäischen Adel in den vergangenen Jahren insgesamt eine Revolution stattgefunden. Früher war eine Ehe mit nicht standesgemäßem Partner ausgeschlossen. Wenn man sich heute ansieht, wer in der letzten Zeit nachgerückt ist oder bereits mit den Füßen scharrt, um einzuheiraten, wird man feststellen, dass es schon lange keine derartige Eheschließung mehr gegeben hat. Dass Prinzen und Prinzessinnen der Hochadelshäuser einander heiraten, ist an den europäischen Höfen seit der Hochzeit von Philippe von Belgien und Gräfin Mathilde 1999 nicht mehr passiert. Das hat sich alles verändert und ist in der Form auch wichtig für die Königshäuser, denn eine Monarchie überlebt nur dann, wenn sie noch als zeitgemäß gilt.

– Viele betrachten Meghan als eine neue Diana. Was sehen Sie vor allem, wenn Sie Harrys Mutter und seine künftige Ehefrau vergleichen?

Seelmann-Eggebert: Ich denke, Meghan wird viel mehr als Diana in der Lage sein, in gewissem Maße auch ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Diana war dafür viel zu jung, Charles hat das Problem total unterschätzt und sie alleine gelassen. Harry hat Meghan spätestens von dem Augenblick an, als die Verlobung bekannt gegeben wurde, an die Hand genommen und ins Königshaus eingeführt – er wird sie nicht alleine lassen. Außerdem ist Meghan als 36-jährige Darstellerin einer US-Serie deutlich gefestigter als damals die blutjunge Diana bei ihrer Hochzeit. Meghan dürfte wissen, worauf sie sich einlässt, wenn sie den begehrtesten Junggesellen der Welt heiratet. Immerhin gibt sie auch ihre Schauspielerei dafür auf.

Die Magie der Krone wahren

– Hätte sie überhaupt die Möglichkeit gehabt, Mitglied der Royals und Schauspielerin zu sein?

Seelmann-Eggebert: Sie ist jedenfalls gut beraten, sich nur auf ihre neue Rolle zu konzentrieren. Als Angehörige einer Königsfamilie mit einem solchen Repräsentationsapparat wäre ein weiterer Job eine Überforderung und würde nur Kritik herausfordern. Es sind etwa 15 Mitglieder der Royals, die Repräsentationsaufgaben übernehmen. Seit Prinz Philips Rückzug aus der Öffentlichkeit sind bestimmt rund 700 Patenschaften neu zu besetzen. Auf Meghan warten also so oder so viele neue Aufgaben und Hürden – allein schon, wenn es darum geht, die Magie der Krone zu wahren, also nicht zu viel preiszugeben und einen gewissen Abstand zur Öffentlichkeit zu halten. Aber Harry wird ihr helfen.

– Wie schätzen Sie das Verhältnis der beiden Paare William & Kate und Harry & Meghan ein?

13.05.2018, Windsor: Die britische Königin Elizabeth II. nimmt an der Pferdeschau „Royal Windsor Horse Show“ am Schloss Windsor teil. Foto: Steve Parsons/PA Wire/dpa

Seelmann-Eggebert: Die beiden Brüder – der eine etwas zurückhaltender, der andere lockerer und gelegentlich sogar frech – ergänzen sich perfekt. Die beiden ebenfalls sehr unterschiedlichen Frauen dürften sich auch gut ergänzen – Kate und Meghan können gut befreundet sein. Kate hatte bislang noch nicht so viele Möglichkeiten, eigene Akzente zu setzen, da sie ein Kind nach dem anderen bekommen hat. Man sollte aber die Erwartung zurückschrauben, dass Harry und Meghan so viel im Königshaus verändern werden. Harry steht inzwischen an sechster Stelle der Thronfolge und hat kaum die Chance, jemals König zu werden. Er kann gar nicht so viel frischen Wind in die Bude bringen. Im Moment denken viele, dass es große Veränderungen geben wird, weil eine Schauspielerin aus Amerika einheiratet. Aber nichts wird sich ändern. Dafür sind Harry und Meghan zu weit vom Thron entfernt.

– Haben Sie auch den Eindruck, dass die Queen in letzter Zeit nicht nur fit für ihr Alter, sondern auch viel fröhlicher wirkt?

Seelmann-Eggebert: Wenn ein solches Ereignis wie eine Hochzeit ins Haus steht, strahlt das natürlich auch auf die ältere Generation aus. Vor allem aber darf man das besondere Verhältnis nicht vergessen, dass die Königin und Harry haben. Er hat bei ihr einen Stein im Brett. Schon als Kind, als er noch in Eton zur Schule ging, soll er so manches Mal von dort am Wochenende ausgebüxt sein und im benachbarten Schloss Windsor mit der Oma die ein oder andere Tasse Tee zusammen getrunken haben. Die beiden haben eine ganz besondere freundschaftliche Verbindung. Die Queen ist einfach sehr glücklich über ihren Enkel und freut sich, dass sie seine Hochzeit noch miterleben kann. Dann sind alle erst einmal unter der Haube.

Zur Person

Rolf Seelmann-Eggebert ist Deutschlands bekanntester Adelsexperte. 1978 ging der ARD-Journalist erstmals als TV-Korrespondent und Studioleiter nach London, seitdem hat er sich in zahlreichen Sendungen und Dokumentationen mit den englischen Royals ebenso wie mit anderen Königshäusern befasst. Er ist Träger des Ordens „Commander of the British Empire (CBE)“ und Ehrenmitglied der Deutsch-Britischen Gesellschaft. (dpa)

Zum Thema siehe auch folgenden Artikel auf „Ostbelgien Direkt“:

7 Antworten auf “Interview mit dem Royalexperten Rolf Seelmann-Eggebert zur „Traumhochzeit“ in London”

  1. Zaungast

    „Wir wollen unsern alten Kaiser Wilhelm wiederha’m“ sang man früher … und singen manche wohl auch jetzt noch bzw. denken es mit leiser Wehmut. Ja, die Sehnsucht nach Glanz und Gloria von Monarchie und Adel sitzt tief in der deutschen Volksseele.

    Bei jeder ausländischen Fürstenhochzeit ertrinkt Deutschland in der Hofberichterstattung. So heute Morgen im ‚moma‘, wo „Royalexperte“ Seelmann-Eggebert mit silbernen Locken und beredter Zunge die Welt der blaublütigen Elite und die Zufuhr an frischem Erbgut als Gast kommentieren durfte.

    Auch SPON überschlägt sich förmlich: „56.000 Euro für die Hochzeitstorte, 17.000 Gläser Champagner und ein leerer Balkon im Buckingham Palace: die Royal-Wedding-Smalltalk-Fakten im Video.“
    Tolle Wortschöpfung: „Royal-Wedding-Smalltalk-Fakten“

    • @ Zaungast

      Dieser schillernde Zoo der „Paradiesvögel“ hält eine ganze Industrie am laufen.Tausende Stunden „Fernsehunterhaltung“ werden, für den Gebührenzahler kostengünstig, gestaltet. Eine Minute Tatort kostet mehr als drei royale Hochzeiten.
      Tausende bunte Blätter hängen am Tropf solcher Ereignisse.
      Was glauben Sie wie Ihre Frau sich beim Frisör ohne die „Hofberichterstattung langweilt.
      ….. Und jetzt stellen Sie sich einfach einmal vor das MoMa müsste über die Hochzeit von Olaf Scholz berichten. Das wäre wahrscheinlich der Quotenkiller schlechthin.
      Jetzt lassen wir die Engländer einfach nochmal Kasse machen bevor der Brexit in Kraft tritt, Visumzwang wieder eingeführt wird und keine Sau sich mehr dahin verirrt.

      • Zaungast

        „Was glauben Sie wie Ihre Frau sich beim Frisör ohne die „Hofberichterstattung langweilt.“
        Woher wollen Sie das wissen? Sassen Sie neben ihr unter der Trockenhaube?

        Ich muss Ihnen da vehement widersprechen. Schließlich kenne ich meine Frau seit über 40 Jahren und bin sicher, dass sie sich mit ihrer Frisöse (einen Frisör hat sie nicht) über alles Mögliche unterhält, aber nicht über das Schicksal der Blaublütigen und sonstiger „Promis“, da solche Themen und allgemein die „Frauenzeitschriften“ sie noch nie interessiert haben.

        Ja, die Royals sind ein echter Wirtschaftsfaktor, nicht nur in GB, da haben Sie allerdiings Recht. Tourismus- und Souvenirindustrie spielen die Kosten solcher Ereignisse locker wieder ein. Da können wir mit unserem „Herrscherhaus“ nicht mithalten, das meist negative Schlagzeilen produziert, so wie jetzt mit den Betrugsvorwürfen der N-VA an Prinz Lorenz.

        Eine gute Nachricht: das Problem mit dem Brautvater ist gelöst: Prinz Charles soll angeblich die Auserwählte zum Altar führen. Aber hoffentlich ist das mal kein schlechtes Omen…

        • Woher wollen Sie das wissen?

          @ Zaungast

          Von Zeit zu Zeit lasse ich den paat Haaren die der Zahn der Zeit noch nicht abgenagt hat einen Schnitt zukommen. Dabei sehe ich die holde Weiblichkeit wäjrend sie auf ihre „Behandlung“ wartet. Ich kann Ihnen versichern, die Damen die zur Überbrückung der Wartezeit einen Blick in die Motorzeitschrift oder den Kicker werfen sind da eindeutig in der Minderheit.

          • Zaungast

            Sie gehen zu einem Damenfrisör? Ich dachte immer, Sie seien ein Mann?
            Wie dem auch sei, was Ihre Erfahrungen bei Ihrem Fgaro betrifft, mögen Sie Recht haben. Wenn Sie aber daraus auf die Lieblingslektüre meiner besseren Hälfte schließen, liegen Sie eindeutig falsch.

            Aber wir schweifen vom Thema ab. Wie Sie so zutreffend bemerken: „Jetzt lassen wir die Engländer einfach nochmal Kasse machen bevor der Brexit in Kraft tritt,“ … und das böse Erwachen aus den royalistischen Träumen kommt.

            Gerade jetzt geht der Eiertanz im Hintergrund weiter: Zollunion über 2020 hinaus, ja – Zollunion nein – Keine Zollunion, aber auch keine Zollschranken in Nordirland, nur weiß man nicht, wie das funktionieren soll.

            Und es bleiben nur mehr etwas mehr als 10 Monate bis zum 31.03.2019…

            P.S. 5 Artikel zum „Royal Wedding“ auf SPON. Wenn wir früher als Studenten am Montag den SPIEGEL verschlangen, dann sicher nicht, um solche Hofberichterstattung zu lesen. So ändern sich die Zeiten…

            • Sie gehen zu einem Damenfrisör?

              @ Zaungast

              Es gibt Frisöre bei denen Männlein und Weiblein „behandelt“ werden.

              – Wenn wir früher als Studenten am Montag den SPIEGEL verschlangen, dann sicher nicht, um solche Hofberichterstattung zu lesen.

              Früher haben wir den Spiegel wegen der Poltik gelesen. Müsste der Spiegel von Frau Merkels Politik existieren wäre wahrscheinlich nach 3 Seiten Feierabend.

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