Politik

Angriffe im Iran ein Rettungsanker oder Stolperstein für Donald Trump? – Der US-Präsident pokert hoch

01.03.2026, USA, West Palm Beach: Präsident Donald Trump gestikuliert, als er am International Airport in West Palm Beach in die Air Force One einsteigt. Foto: Matt Rourke/AP/dpa

Als mächtigster Mann der Welt versprach Donald Trump ein Ende von Kriegen. Doch allein seit Jahresbeginn sind die USA bereits in mehreren Ländern militärisch vorgegangen. Wie kommt das an?

Donald Trump inszeniert sich gerne als Friedenspräsident. Bei nahezu jeder seiner Ansprachen reklamiert er für sich, eine Vielzahl von Konflikten beendet zu haben. „Keine Kriege“ war bereits 2024 ein zentrales Motto seines Wahlkampfes, mit dem er Anhänger der „Make America Great Again“-Bewegung (MAGA) um sich scharen wollte.

„Ich war der erste Präsident der Neuzeit, der keine neuen Kriege begonnen hat.“ In der öffentlichen Wahrnehmung fallen die Vereinigten Staaten zuletzt allerdings weniger als Friedensbringer auf – stattdessen bestimmen militärische Eskalationen in Venezuela und im Iran die Schlagzeilen.

27.02.2026, USA, West Palm Beach: US-Präsident Donald Trump reckt die Faust in die Höhe, nachdem er aus der Air Force One am Palm Beach International Airport in West Palm Beach, Florida, ausgestiegen ist. Foto: Matt Rourke/AP/dpa

Am Samstag hatten Israel und die USA den Iran angegriffen und dabei unter anderem das iranische Staatsoberhaupt, den Religionsführer Ajatollah Ali Chamenei, getötet. Teheran reagierte seinerseits mit Angriffen auf Ziele in Israel sowie auf mehrere US-Militärstützpunkte in der Golfregion.

– Kritik an Iran-Einsatz aus eigener Partei: Bereits wenige Stunden später kritisierten sowohl demokratische als auch republikanische Spitzenpolitiker den Einsatz. Das amerikanische Volk werde erneut in einen Krieg hineingezogen, den es nicht wolle, schrieb die demokratische Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez – „von einem Präsidenten, dem die langfristigen Folgen seines Handelns gleichgültig sind“. Der Republikaner Thomas Massie resümierte: „Das entspricht nicht America First.“

Dabei trat auch Trump an, um in einem zutiefst gespaltenen Amerika den Fokus weg von außenpolitischen Krisenherden Tausende Kilometer entfernt von der Heimat wieder auf innenpolitische Angelegenheiten zu lenken. Er punktete vor allem bei Anhängern des eher isolationistischen „America First“-Flügels der Republikaner, der sich primär den Problemen der einfachen Bürger widmen will – und nicht internationalen Krisen wie etwa in Nahost oder dem Ukraine-Krieg.

– Überraschende Umfrage unter Trump-Anhängern: Es sollte also kaum verwundern, wenn einige Trump-Wähler die jüngste Offensive im Iran als klaren Bruch mit dem bisherigen Kurs betrachten. Allerdings gab es zuletzt Umfragen, die dieser Vermutung entgegenstehen.

Aus einer Umfrage des Portals „Politico“ zwei Wochen nach der Gefangennahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch das US-Militär geht hervor, dass fast zwei Drittel der Trump-Wähler einen US-Militäreinsatz in mindestens einem Land wie dem Iran, in Kuba oder Grönland befürworten. Ein Land sticht besonders hervor: Rund 50 Prozent befürworteten eine militärische Intervention im Iran – so viele wie bei keinem anderen Ziel.

28.02.2026, USA, Palm Beach: US-Präsident Donald Trump (l) überwacht die Operation Epic Fury in Mar-a-Lago, Palm Beach, Florida. Foto: Daniel Torok/White House/dpa

Eine Erklärung dürfte die Dauer des Konflikts zwischen Washington und Teheran sein. „Der Iran greift die USA seit mehr als 47 Jahren an. Und nun beendet der 47. Präsident der Vereinigten Staaten diese Schreckensherrschaft“, kommentierte die ultrarechte Aktivistin Laura Loomer.

– Für Republikaner steht viel auf dem Spiel: „Politico“ verweist nun aber auch darauf, dass 30 Prozent der Trump-Wähler sich bei der Umfrage gegen einen solchen Einsatz ausgesprochen hätten und auch demokratische Wähler überwiegend dagegen seien. Insgesamt überwog – zumindest vor den Angriffen – also die allgemeine Ablehnung einer Intervention im Iran in der Öffentlichkeit. Auch wenn manche Republikaner das entschlossene Vorgehen des Präsidenten feiern – damit müsse sich Trump nun auseinandersetzen.

Und für die Republikaner, die sich ohnehin mit einer schwierigen Lage vor den Zwischenwahlen konfrontiert sehen, steht Beobachtern zufolge besonders viel auf dem Spiel – selbst kleine Abwanderungen an Wählern könnten überproportionale Folgen haben.

Trump verärgerte seine „MAGA“-Anhänger zuletzt auch bei anderen Themen – allen voran bei der Affäre um den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Im Wahlkampf hatte er mehrfach eine Veröffentlichung der Ermittlungsakten in Aussicht gestellt. Tatsächlich dauerte es aber Monate, bis der Präsident deutlichem Druck nachgab. Dabei überwarf er sich auch mit seiner langjährigen Vertrauten, der rechten Hardlinerin Marjorie Taylor Greene, die daraufhin auf Konfrontationskurs zum Präsidenten ging. „Wir haben für ‚America First‘ und KEINE Kriege gestimmt“, kommentierte sie jüngst.

– Zerreißprobe vor Kongresswahlen im Herbst: Zuletzt verbuchte der Präsident immer weniger Zufriedenheit unter seinen Landsleuten. Eine Umfrage vor Trumps Rede zur Lage der Nation vergangene Woche ergab, dass sechs von zehn Amerikanern nicht mit der Art und Weise seiner Regierungsführung einverstanden sind.

28.02.2026, USA, Los Angeles: Iranische Amerikaner halten Schilder während einer Demonstration als Reaktion auf die US-amerikanischen und israelischen Angriffe auf den Iran zur Unterstützung von US-Präsident Trump vor dem Federal Building in Westwood, Los Angeles, Kalifornien. Foto: Jackson Tammariello/ZUMA Press Wire/dpa

Für Trump könnte die US-Offensive damit zur Zerreißprobe Monate vor den wichtigen Kongresswahlen werden. Ein noch größerer Bruch in der eigenen Basis wäre fatal: Am 3. November stehen beide Parlamentskammern zur Wahl. Dann werden alle Sitze im Repräsentantenhaus und etwa ein Drittel des Senats neu bestimmt.

– Was von den US-Angriffen für die USA bleiben wird: Wie Trumps Militäroffensive sich auf die Wahlen auswirken wird, bleibt abzuwarten. Viel dürfte auch davon abhängen, ob Trump die Ziele des US-Einsatzes in kurzer Zeit erreichen kann – oder er sich wochen- oder gar monatelang damit herumschlagen muss.

Dabei dürfte es spannend sein zu beobachten, ob der Fokus auf US-Einsätze im Ausland von sinkenden Umfragewerten und innenpolitischen Problemen ablenken kann. Zuletzt versuchte Trump, beim vor allem unter demokratischen Wählern beliebten Thema Bezahlbarkeit zu punkten. Die Lebenshaltungskosten bleiben allerdings infolge seiner aggressiven Zollpolitik hoch – viele Kritiker sehen darin eine Steuer, die am Ende von US-Bürgern getragen wird.

Zudem könnte eine weitere Eskalation im Iran die Inflation durch steigende Energiepreise weiter befeuern. Spätestens wenn die Ölpreise steigen und damit Tanken teurer wird, könnte sich Trumps außenpolitischer Befreiungsversuch als innenpolitisches Eigentor erweisen. (dpa)

21 Antworten auf “Angriffe im Iran ein Rettungsanker oder Stolperstein für Donald Trump? – Der US-Präsident pokert hoch”

  1. Hugo Egon Bernhard von Sinnen

    Das erste Eigentor wurde schon kurz nach seiner zweiten Amtszeit ersichtlich.
    Von seinem versprochenen Frieden steuerenden Kurs, zum Ukraine Krieg, ist er abgekommen. Sein Navigationsgerät hatte wahrscheinlich versagt.

    Als er sein Versprechen eine Zeit später noch immer nicht eingelöst hatte, sollte eigentlich jeder Europäer und auch die ukrainische, so wie die russische Bevölkerung, den Glauben an ihn verloren haben.

    Für mich persönlich bleibt aber der Verdacht, dass die Welt führenden Kriegstreiber, in gemeinschaftlicher Zusammenarbeit nichts taugen.

    • Joseph Meyer

      @Hugo E. v. S.
      Auf der Webseite “ Unter Kontrolle “ wird eine kluge Analyse unter dem Titel ‚Die USA greifen Iran an – doch der Schlag gilt China‘ veröffentlicht.
      Der Plan Chinas eine neue Seidenstraße zu bauen, mit den wichtigsten Handels- und Transportwegen über Land an Stelle von über das Meer, klappt nur, wenn der Transit über den Iran funktioniert. Deshalb werden China und Russland sehr wahrscheinlich auch den Iran mit Waffen und Logistik unterstützen.

      • Hugo Egon Bernhard von Sinnen

        #Joseph Meyer/ Interessant, denn die Schlussfolgerung wäre, dass es sich auch um die Macht der Übernahme des Nadelhöhrs allgemein, wegen den Transportmöglichkeiten handeln könnte.

        Ein weitere Grund für den Angriff könnten auch vergleichsweise, zwei Feuerwehrleute sein, die absichtlich ein Haus in Brand stecken, es im Anschluss selber löschen, um sich der Bestrafung zu entziehen, der vergangenen Straftaten.
        Man möchte schließlich weder nach seiner letzten Amtszeit mit einer Gefängnisstrafe rechnen, noch den Rest des Lebens in Den Haag verbringen.
        Man lässt sich lieber als Helden feiern, auch wenn das dadurch entstehende Chaos, noch so groß ist.

        Der Angriff könnte also noch viele Gründe haben, über die man in den unteren politische Reihen absichtlich nicht informiert wurde.
        Und die offiziellen staatlichen Medien, dürfen mit Sicherheit nicht, solche Vermutungen veröffentlichen.
        In unseren beiden Kommentaren wäre es zusammengefasst eine Win-Win-Situation.
        Aber wer weiß wie oft das Wort 《 Win 》
        noch angewendet werden könnte, beim Angriffskrieg der USA und Israel.

        Auch der Ukraine Krieg, verbirgt wahrscheinlich noch einige win..win-Situationen.

      • Hugo Egon Bernhard von Sinnen

        Und # Peter’s Trollbot hatte den Link wegen beschränkten Möglichkeiten, nicht aufbekommen, sonst wüsstest du dass die Frau recht hat. Aber gut, es ist sowieso kein Video für den weniger intelligenten teil der Gesellschaft. Und dein Programm, braucht bekanntlich mindestens ein Update.

    • zahnloser Tiger

      Das Völkerrecht wurde nachweislich gebrochen, und zwar von den USA und Israel. Deutschland und Frankreich erwägen sogar, sich mit Defensivaufgaben daran zu beteiligen.
      Doch dieser Völkerrechtsbruch ist ein anderer, weil die bösen Mullahs Gewalt gegen ihre Bevökerung ausüben.
      So die Meinung des belgischen Aussenministers.
      Sanktionspakete schnüren, … bisher keine Rede davon. Die bisherigen Schreihälse und Befürworter sind plötzlich stumm und wagen sich nicht aus aus der Deckung.

      • Nix Sanktionspakete, Sie Honk! Ich würde selber jeden Knopf drücken, um dieses bärtigen Steinzeitmonster samt ihrem Anhang in die Hölle zu bomben, aus der sie entwichen sind. Basta!

        Mittlerweile haben die Israelis und Amis die Lufthoheit über dem Iran. Der Abschuss der drei F15 Bomber war ein trotteliger Fehler der kuwaitischen Luftabwehr (friendly fire). Shit happens …
        Die Piloten haben sich alle mit dem Schleudersitz retten können und wurde teils von kuwaitischen Zivilisten versorgt und unter Jubel der Bevölkerung zu ihren Einheiten bzw. Basen gefahren .

        Es gibt noch viel zu tun für Trump (der mir normalerweise sehr suspekt ist) und für Bibi (auch nicht gerade ein Sympathiebolzen). Die beiden machen mal wieder die Drecksarbeit für die europäischen EU-Sesselfurzer!

        Jeder der in oder bei den Revolutionsgardisten war oder ist, muß liquidiert werden, damit ein freier Iran wieder durchatmen kann. Und das waren noch nicht mal die aller schlimmsten.

        Die Basidsch-Milizen sind aus der tiefsten Hölle aller Höllen emporgekrochen und verantwortlich für Jahrzehnte lange brutalste Repressalien des iranischen Volkes.

        https://de.wikipedia.org/wiki/Basidsch

        Realistisch gerechnet hat diese ultrabrutale Terror-Miliz vier bis fünf Millionen Mitglieder und es können 12 bis 13 Millionen kurzfristig in Marsch gesetzt werden .

        Die müßen ALLE!!! ausnahmslos ALLE ausgelöscht werden, sonst wird das mittel- und langfristig nichts mit einem iranischen Frühling.

        Lasst es krachen Donald und Bibi.

    • Für Wagenknecht ist also kein Unterschied zwischen dem Eingriff der USA und Israel auf den , an der Atombombe bastelden Gottestaat Iran und dem Angriffskrieg (bis zur Zerstörung) Russlands auf die Demokratie Ukraine.

      • Robin Wood

        @Hans L.
        Trump will verhindern, dass der Iran eine Atombombe baut, weil der Iran eine Bedrohung für die USA ist und begann den Angriffskrieg.
        Putin will verhindern, dass die Ukraine in die EU eintritt und dort von der EU oder anderen Ländern wie die USA Atombomben-Anlagen eingerichtet werden, weil der Westen eine Bedrohung für Russland ist und begann den Angriffskrieg.
        Beide Länder sorgen sich also – angeblich? – um ihre Sicherheit, also kann man schon beide Kriege vergleichen.
        Westliche Doppelmoral ist, einen Angriffskrieg zu verurteilen, den anderen zu beklatschen. Wer leidet, sind immer die Menschen vor Ort und die Soldaten auf beiden Seiten.
        Egal, wie man zu diesen beiden Kriegen steht, es ist nie nur schwarz-weiss.

  2. Bittere Realität

    Es ist das beste was dem Regime im Iran passieren konnte, ein großmäuliger Präsident im weißen Haus der von den Zusammenhängen im Iran keine Ahnung hat, greift an und tötet den obersten Revolutionsführer der sich weil er wusste was kommt selbst opferte, er war ja auch alt und krank und setzte damit ein Zeichen in seine Gefolgschaft. Der Kampf beginnt umfassend jetzt und in Zukunft.

  3. Robin Wood

    „Angriffe im Iran ein Rettungsanker oder Stolperstein für Donald Trump?“
    Ich würde sagen, das hängt von der Länge des Krieges ab. Wenn es über Monate und vielleicht noch länger gehen wird, hat Trump wohl zu hoch gepokert.

    • Hugo Egon Bernhard von Sinnen

      #/ Robin Wood/ Stimmt genau. Aber nicht nur Donald Trump hätte dann zu hoch gepokert. Meiner Meinung nach sollte die Überschrift im Artikel: 《 Rettungsanker oder Stolperstein für Donald Trump und Benjamin Netanjahu ?》 lauten .
      Schließlich spielen die beiden zusammen, mit gezinkten Karten gegen den Iran.
      Die Dauer ist wohl auch davon abhängig, wie viele Spieler im Iran den gleichen Trick anwenden werden. Wenn man nach fünf Wochen, effektiv nichts mehr entgegenzusetzen hat, dürfte Trump und Netanyahu (Vorläufig) als Sieger hervorgehen. Die sollten sich dann aber nicht zu früh freuen.
      Andererseits will vermutlich auch keiner, einen niemals enden wollenden Krieg, wie in der Ukraine.
      Es ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Sache für Netanyahu und Trump, noch Folgen haben wird.

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