Das war es nun mit „Timmy“: Eine private Initiative wollte dem mehrfach an der Ostseeküste gestrandeten Buckelwal ein weiteres Leben in Freiheit im offenen Meer ermöglichen. Doch daraus wurde nichts.
Ein Buckelwal strandet mehrfach vor der deutschen Ostseeküste. Eine Gruppe aus Privatleuten nimmt sich vor, ihn mit viel Geld und Aufwand zurück ins offene Meer zu transportieren – allen Warnungen renommierter Experten zum Trotz. Knapp zwei Wochen später strandet genau dieser Wal tot vor der dänischen Insel Anholt. Möwen machen sich über sein Kadaver her. So endet die Geschichte von „Timmy“ – dem wohl ersten Buckelwal, dessen Spitznamen ganz Deutschland kennt.
Als der tote Wal am Donnerstag gesichtet wurde, war die Aufregung in Deutschland groß: Ist es „Timmy“ oder nicht? Man schnitt dem Wal ein Stück Schwanzflosse um, um per Laboranalyse Gewissheit zu bekommen. Doch letztlich war es ein an dem Wal angebrachter GPS-Sender, der Gewissheit brachte.

15.05.2026, Dänemark, Anholt: Ein toter Wal liegt vor der dänischen Insel Anholt. Foto: Marcus Golejewski/dpa
Die private Initiative, die den Wal per Lastkahn in die Nordsee verschiffte, hatte diesen angebracht, um nachverfolgen zu können, wo sich das Tier aufhält. Eine nach Anholt gereiste Tierärztin der Initiative fand gemeinsam mit zwei dänischen Tauchern letztlich den Tracker mit der gleichen Seriennummer am Wal, wie die Behörden mitteilten.
– Versuch der Rettung ist gescheitert: Damit ist auch klar: Der Rettungsaktion der privaten Initiative ist gescheitert. Der mehrmals an der Küste Schleswig-Holsteins und Mecklenburg-Vorpommerns gestrandete Wal war von der privaten Initiative mit Hilfe eines Lastkahns ins offene Meer gebracht und am 2. Mai etwa 70 Kilometer von Skagen entfernt im Skagerrak ausgesetzt worden. Nach seiner Freilassung blieb unklar, was mit dem Wal geschah, da das Schweriner Umweltministerium anders als angekündigt keine Standortdaten übermittelt bekam.
Experten von Tierschutzorganisationen sowie dem Deutschen Meeresmuseum hatten die langfristigen Überlebenschancen des Wals übereinstimmend als sehr gering eingeschätzt und dringend von der Aktion abgeraten. Mutmaßlich habe sich das Tier mehrfach stranden lassen, um in Ruhe sterben zu können, hieß es von ihnen.

16.05.2026, Dänemark, Anholt: Möwen machen sich über den roten Wal vor der dänischen Insel Anholt her. Foto: Marcus Golejewski/dpa
Die Unternehmer Walter Gunz und Karin Walter-Mommert und ihre Mitstreiter ließen sich jedoch nicht von ihren Plänen abbringen. Über die immensen Kosten der Aktion bewahrten die Geldgeber Stillschweigen. Letztlich endete das Unterfangen in Zoff, weil sich die Initiative, die Behörden und die beteiligte Reederei gegenseitig Vorwürfe über das Vorgehen rund um Transport und Freilassung machten.
– Große Anteilnahme an dem Tier: Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) rechtfertigte sich trotzdem dafür, grünes Licht gegeben zu haben: Viele Menschen hätten großen Anteil an dem Schicksal des Tieres genommen und gehofft, dass es gelingen würde, den Wal wieder in die Freiheit zu entlassen. Wissenschaftler hätten nicht ausschließen können, dass der Wal trotz seines sicher schlechten Gesundheitszustandes überleben könnte. «Deswegen hat mein Haus entschieden, den Bergungsversuch zu dulden. Leider hat das Tier seine Chance nicht nutzen können.»
Mit Blick auf Warnungen betonte Backhaus weiter, die Duldung des Rettungsversuchs sei keine Wissenschaftskritik gewesen. „Ich halte es für absolut menschlich, auch die geringste Chance zu nutzen, wenn es um ein Leben geht. Wer das kritisieren will, möge das tun.“ (dpa)
Zum Thema siehe auch folgenden Artikel auf OD: