Die Zahl der Kandidaten für den wallonischen Jagdschein steigt deutlich an. Für den ostbelgischen Regionalabgeordneten Patrick Spies (PS) ist diese Entwicklung erfreulich, bringt jedoch auch erhöhte Anforderungen an Qualität und Sicherheit mit sich.
Im Ausschuss für Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Jagd des Wallonischen Parlaments befragte Spies die zuständige Ministerin Anne-Catherine Dalcq (MR) zur Organisation der Jagdscheinprüfung. Dabei machte er deutlich: Die Vorbereitungskurse sollten verpflichtend sein; insbesondere der praktische Unterricht im sicheren Umgang mit der Waffe.
– Deutlich mehr Kandidaten: Wie aus der Antwort der Ministerin hervorgeht, ist die Zahl der gültigen Jagdscheine in der Wallonie in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich gestiegen: von 16.167 im Jahr 1993 auf 20.148 im Jahr 2025.
Während die Zahl der Prüfungsanmeldungen lange zwischen 600 und 800 pro Jahr lag, ist seit 2024 ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen: 1.029 Anmeldungen im Jahr 2024, 1.273 im Jahr 2025 und 1.428 Kandidaten für 2026.
Dieser starke Anstieg ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Wallonische Region die Anerkennung des französischen Jagdscheins abgeschafft hat. Zuvor hatten zahlreiche Kandidaten diese Möglichkeit genutzt, da der Jagdschein in Frankreich einfacher zu erlangen war und so das belgische Prüfungssystem umgangen werden konnte.
Die nun steigende Zahl an direkten Prüfungsanmeldungen in der Wallonie bringt zusätzliche organisatorische Herausforderungen mit sich. 2025 traten 978 Personen zur theoretischen Prüfung an, die 711 bestanden haben. Gleichzeitig lag die Abwesenheitsquote bei rund 30 Prozent in der ersten und sogar 57 Prozent in der zweiten Prüfungsrunde. Die Ministerin kündigte an, das bestehende Prüfungsmodell zu überprüfen und zu modernisieren.
Patrick Spies sprach sich in diesem Zusammenhang für einen moderaten Kostenbeitrag der Kandidaten aus: „Die Organisation der Prüfung bedeutet einen erheblichen administrativen und logistischen Aufwand. Ein symbolischer Beitrag von beispielsweise 15 Euro könnte helfen, die hohe Zahl der Abwesenheiten deutlich zu reduzieren.“
– Verpflichtende Jagdkurse als zentrale Qualitätsgarantie: Im Mittelpunkt der Intervention von Patrick Spies stand jedoch eine andere Forderung: Die Jagdkurse sollen künftig verpflichtend sein, um überhaupt zur Prüfung zugelassen zu werden.
Zwar werden in der Wallonie qualitativ hochwertige Vorbereitungslehrgänge von Verbänden und Vereinigungen angeboten, diese sind jedoch bislang freiwillig. Dabei zeigen die Zahlen, dass Teilnehmer dieser Kurse deutlich bessere Erfolgsquoten erzielen. Eine verpflichtende Vorbereitung wäre im Übrigen kein Sonderweg, da in Luxemburg und Deutschland eine umfassende Ausbildung bereits Voraussetzung für die Zulassung zur Jagdprüfung ist.
Für Spies ist klar: „Wer einen Jagdschein erwerben möchte und damit später Waffen und Munition besitzen darf, muss eine verpflichtende und fundierte Ausbildung durchlaufen.“
Besonders der praktische Unterricht ist unverzichtbar: „Im praktischen Kurs geht es um den sicheren Umgang mit scharfen Waffen. Der Jagdschein berechtigt nicht nur zur Jagdausübung, sondern auch zum Besitz von Gewehren und Munition. Dieser Ausbildungsteil darf demnach keinesfalls nur freiwillig sein.“
Nach Ansicht des ostbelgischen Abgeordneten vermitteln die Kurse weit mehr als reines Prüfungswissen. Sie seien das Fundament für eine verantwortungsvolle Jagdausübung und vermittelten essenzielle Inhalte zu Sicherheit, Ethik, Wildkunde, Naturschutz und Waidmännischkeit.
Spies plädierte daher nicht nur für eine Verpflichtung der Kurse, sondern auch für eine gezielte Unterstützung der Anbieter durch die Wallonische Region: „Wenn wir Qualität einfordern, müssen wir natürlich auch jene Organisationen stärken, die diese Qualität vielfach rein ehrenamtlich vermitteln.“ Er kündigte an, dieses Thema zeitnah erneut mit der Ministerin im Parlament vertiefen zu wollen.
– Jagdschein als Eintrittskarte, Lernen endet nie: Spies unterstrich auch den grundsätzlichen Wert der Jagd in Ostbelgien und in der gesamten Wallonie: „Die Jagd ist in unserer Region tief verwurzelt. Sie ist Leidenschaft, Tradition und gelebte Verantwortung gegenüber Natur und Wild.“
Gleichzeitig stellt er klar: „Der Jagdschein ist die Eintrittskarte zur Jagd, aber er macht noch keinen Jäger. Jäger wird man durch Haltung, Ethik, Erfahrung und einen stetigen Lernprozess. Wobei man in der Jagd nie auslernt.“ Qualität gehe vor Quantität.
Abschließend betonte Patrick Spies: „Es ist positiv, dass sich immer mehr Menschen für die Jagd interessieren. Doch mit steigenden Zahlen wächst auch der Anspruch an Qualität und Sicherheit. Wer jagen möchte, muss fundiert ausgebildet sein. Verpflichtende Jagdkurse sind für mich der logische und notwendige Schritt, um einen hohen Standard in der Wallonie langfristig zu sichern.“
