In der Deutschsprachigen Gemeinschaft wächst man mit einem ganz bestimmten Gedanken auf: Hauptsache so schnell wie möglich den Führerschein machen. Endlich unabhängig sein, endlich selbst irgendwo hinfahren können, endlich nicht mehr auf andere angewiesen sein. Es gehört hier einfach dazu.
In vielen Familien hat inzwischen jedes Mitglied sein eigenes Auto, weil man es im Alltag eben braucht.
Ich habe das nie hinterfragt. Warum auch? Solange man selbst fahren kann, funktioniert ja alles. Bis es plötzlich nicht mehr geht.
Aus gesundheitlichen Gründen habe ich vor einem Monat meinen Führerschein verloren. Seitdem hat sich mein Alltag komplett verändert. Nicht, weil ich mein Auto vermisse, sondern weil mir bewusst geworden ist, wie wenig ohne Auto eigentlich noch selbstverständlich ist.
Ein kurzer Termin, schnell etwas einkaufen, jemanden besuchen oder einfach mal rauskommen. Auf einmal ist nichts davon mehr einfach. Für jeden Weg muss ich überlegen, wen ich fragen kann, wer Zeit hat, ob jemand mich fahren würde. Und jedes Mal hat man das Gefühl, zur Last zu fallen, obwohl es früher die normalsten Dinge der Welt waren.
Man wird abhängig für Dinge, für die man nie abhängig sein wollte.
Und ehrlich gesagt hat mich noch etwas anderes getroffen: Vorher habe ich darüber nie nachgedacht. Solange ich selbst mobil war, bin ich wie wahrscheinlich viele andere einfach durch den Alltag gelaufen, ohne zu merken, wie ausgeschlossen Menschen ohne Auto hier eigentlich sind.
Jugendliche, die im Sommer etwas unternehmen wollen.
Ältere Menschen, die sich nicht mehr sicher fühlen zu fahren.
Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen ihren Führerschein abgeben müssen.
Für sie ist mangelnde Mobilität kein kleines Ärgernis. Es bedeutet, ständig organisiert sein zu müssen, ständig um Hilfe bitten zu müssen und oft genug auch einfach zu Hause zu bleiben.
Wir leben im Jahr 2026 und trotzdem ist es innerhalb der Deutschsprachigen Gemeinschaft noch immer keine Selbstverständlichkeit, sich zuverlässig mit öffentlichen Verkehrsmitteln fortzubewegen. Trotz steigender Tarife sind viele Verbindungen nach wie vor ausbaufähig. Zu manchen Zeiten kommt man nur mühsam von einem Ort zum anderen und spontane Wege sind ohne Auto fast unmöglich.
Dabei sollte Mobilität doch kein Privileg sein.
Es kann nicht sein, dass man in einer modernen Region automatisch aufgeschmissen ist, sobald man keinen Autoschlüssel mehr in der Tasche hat.
Mehr Busverbindungen würden nicht nur Menschen helfen, die heute darauf angewiesen sind. Sie würden auch endlich das Vertrauen schaffen, öffentliche Verkehrsmittel im Alltag wirklich zu nutzen.
Vielleicht müsste man erst einmal selbst in diese Situation geraten, um zu verstehen, dass Mobilität weit mehr ist als nur von A nach B zu kommen.
Es geht um Freiheit.
Um Selbstständigkeit.
Und darum, nicht das Gefühl zu haben, am normalen Leben nur noch mit Hilfe anderer teilnehmen zu können.
28.04.2026 Lara Warnke, 4782 Schönberg
HINWEIS – Es wurde ein neuer LESERBRIEF veröffentlicht https://ostbelgiendirekt.be/leserbrief-mobilitaet-438661
Vielleicht hilft Ihnen das weiter: Es gibt Autos, die man ohne Führerschein fahren darf. Zum Beispiel Aixam oder Citroen Ami.
@Sparwasser (29/04/2026 22:05)
Die Dame schreibt: …“Aus GESUNDHEITLICHEN GRÜNDE“ habe ich vor einem Monat meinen Führerschein verloren…
Vielleicht ist es ihr dann, auch, nicht möglich diese erwähnten kleinste Fahrzeuge zu fahren…
Gut in ländlichen Regionen lässt sich ein durchgängiger öffentlicher Nahverkehr einfach nicht aufrecht erhalten. Das ist einfach zu teuer. Es gibt den Rufbus der beschützenden Werkstätte https://www.zukunft.be/dienstleistungen/rufbus.php. Wer den benutzen darf, weiss ich auch nicht. Es ist schwierig. Mit der Mobilität oder Verkehrssicherheit gewinnt keiner die Wahlen. Die Prioritäten in Ostbelgien sind auf die Vereine und die Dorfhäuser gerichtet. In der Region Monschau gibt es Busse, die man sich per App bestellen kann. Nur was gibt es hier in der Belgischen Eifel, um von A nach B zu kommen, ohne auf den lieben Nachbarn zurückgreifen zu müssen? Es ist traurig, was ihnen da passiert.
Was war es früher schön. Der weiteste Weg mit dem Fahrrad war nach Verviers zur Fabrik. Ansonsten war der Bus oder die Bahn da. Jedes Dorf hatte zwei Metzger ,Bäcker, Kolonialwaren, Ärzte, Apotheke, Zeitungsladen, Schuster und fünf Kneipen. Was brauchten wir mehr?. Jetzt wo alle Kaufhäuer alles verkaufen dürfen, ist alles anders. Man konnte einen Monat leben, ohne das Dorf zu verlassen. Mensch was war das noch schön, man sass in der Kneipe, im Garten oder vor der Türe zusammen. Feste gab es jedes Wochenende zuhauf in den Dörfern. Und es gab jede Menge Vereine. Wir waren einfach zufrieden !.
Wahre Worte, Herr Müller.
Diese Entwicklung war nicht aufzuhalten, zumal die Kaufhäuser mit eigenen Bussen die Kunden aus den Dörfern lockten und den Untergang der örtlichen Geschäfte beschleunigten.
Allerdings wurde sehr oft für den Nachbarn mit eingekauft, es gab sie noch, die Rücksicht.
Das was man Mobilität nennt, hat sich für Viele verändert und verbessert – leider aber jeder für sich…