Am Montag ist die Maschine der Brussels Airlines mit Spielern, Trainern und Begleitern der Roten Teufel von Brüssel aus nach Seattle in die USA gestartet. Und ich muss zugeben, ich habe ähnlich positive Gefühle verspürt wie im Juni 2018, als die „goldene Generation“ nach Russland aufbrach und dort WM-Dritter wurde.
Natürlich nützen Gefühle nichts, wenn man mit der Realität auf dem Platz konfrontiert wird. Stimmungen können sehr schnell ins Gegenteil umschlagen. Fußball ist oft nur eine Frage von Details: ein umstrittenes Handspiel, ein dummer Abwehrfehler, ein vergebener Elfmeter, ein Pfostenschuss…
Und dennoch: Die heutige belgische Fußball-Nationalmannschaft hat das nötige Zeug, um bei der am Donnerstag beginnenden WM in den USA, Mexiko und Kanada eine gute Figur zu machen und vielleicht sogar eine der Überraschungen zu werden.

06.06.2026, Belgien, Brüssel: Der belgische Spieler Jeremy Doku (M) bei einem Schuss aufs Tor. Allenfalls Dokus Ausfall wäre schwer zu verkraften. Foto: Omar Havana/AP/dpa
Dass von den sogenannten Experten niemand Belgien zu den Mitfavoriten zählt, kann sich nur positiv auswirken, denn der Druck liegt dann erst recht auf anderen Teilnehmern. Die Roten Teufel können in den USA viel befreiter aufspielen als bei der WM 2022 in Katar oder der EM 2024 in Deutschland.
Der Umbruch ist unter Trainer Rudi Garcia geglückt. Belgien hat wieder ein starkes Nationalteam mit einer guten Mischung aus altbewährten Spielern wie u.a. Thibaut Courtois, Thomas Meunier, Kevin De Bruyne, Youri Tielemans oder Axel Witsel und hungrigen Youngstern wie Jérémy Doku, Amadou Onana, Charles De Ketelaere, Nicolas Raskin, Nathan Ngoy, Dodi Lukebakio, Diego Moreira oder Matias Fernandez-Pardo.
Was das Besondere am heutigen Nationalteam ist: Mit Ausnahme der Sturmspitze, auf der Romelu Lukaku nur mithilfe einer „falschen Neun“ (Charles De Ketelaere, Leandro Trossard, Matias Fernandez-Pardo …) zu ersetzen ist, und der Linksaußen-Position (Jérémy Doku) verfügt Trainer Rudi Garcia auf allen anderen Plätzen über mehr oder weniger gleichwertige Alternativen. Das gab es nicht einmal unter der „goldenen Generation“.

02.06.2026, Kroatien, Rijeka: Belgiens Cheftrainer Rudi Garcia gibt Anweisungen von der Seitenlinie aus. Foto: Darko Bandic/AP/dpa
Sollte Thibaut Courtois verletzt ausfallen, hätten wir mit Senne Lammens immerhin den Stammtorhüter von Manchester United, der kürzlich zum besten Transfer der Premier League gewählt wurde. Als sich Zeno Debast verletzte, glaubten einige schon an ein unlösbares Problem. Zwei Testspiele genügten, um zu der Einsicht zu gelangen, dass Nathan Ngoy wahrscheinlich sogar noch besser ist als der Innenverteidiger von Sporting Lissabon.
Auf der rechten und linken Abwehrseite hat Garcia mit Thomas Meunier, Timothy Castagne, Joaquin Seys, Arthur Theate und Maxime De Cuyper die Qual der Wahl. Inzwischen kann der Coach sogar auf eine Dreierabwehr umstellen mit Amadou Onana als Abwehrchef, wie sich beim Testspiel in Rijeka gegen Kroatien gezeigt hat.
Im Mittelfeld laufen Spieler wie Hans Vanaken und Nicolas Raskin Gefahr, vorerst auf der Ersatzbank starten zu müssen. Und stellen Sie sich vor: Nicht einmal der Ausfall von Kevin De Bruyne wäre heute eine Katastrophe, denn mit Vanaken steht ein Spieler bereit, der die Rolle von KDB ohne weiteres übernehmen kann. Es gibt sogar Experten, die zum gegenwärtigen Zeitpunkt Vanaken für besser halten als De Bruyne, der nicht mehr der De Bruyne von Manchester City ist, auch wenn er in Kroatien und gegen Tunesien aufsteigende Form zeigte und so motiviert wirkte wie schon lange nicht mehr.

02.06.2026, Kroatien, Rijeka: Belgiens Romelu Lukaku (r) erzielt das zweite Tor seiner Mannschaft gegen Kroatien. Foto: Darko Bandic/AP/dpa
Allenfalls ein Ausfall von Jérémy Doku wäre schwer zu verkraften. Doku hat inzwischen Weltklasse-Niveau. Man kann nur beten, dass sich der 24-Jährige nicht verletzt. Auf der rechten Seite hingegen gibt es mit Leandro Drossard, Dodi Lukebakio, Alexis Saelemaekers und Diego Moreira gleich mehrere Möglichkeiten.
Schließlich sollte man auch die Arbeit des Trainers hervorheben: Mit Rudi Garcia scheint der belgische Fußballverband genau den richtigen Mann gefunden zu haben, jedenfalls nach bisherigen Erkenntnissen. Anfängliche Schwierigkeiten vor allem im Umgang mit flämischen Journalisten wurden wahrscheinlich auch mit tatkräftiger Unterstützung von Sportdirektor Vincent Mannaert schnell gelöst. Nach dem Scheitern unter Garcias Vorgänger Domenico Tedesco hat die Union Belge auch nicht mehr den Fehler gemacht, den Vertrag mit dem Coach noch vor dem Turnier zu verlängern.
Garcia hat zwar seine beiden ersten Ziele erreicht, nämlich den Verbleib in der A-Liga der Nations League und die direkte Qualifikation für die WM 2026, aber gemessen wird er vor allem daran, wie sich die Roten Teufel unter seiner Führung bei der WM in den USA, Mexiko und Kanada aus der Affäre ziehen. (cre)
Dieses Gefühl habe ich auch. Wie Sie die einzelnen Spieler sehen, bzw einordnen gehe ich mit. Was die linke Angriffsseite angeht und J.Doku dort wegen einer eventuellen Verletzung ausfallen sollte, wäre das zwar bitter, aber dadurch dass Leandro Trossard diese Position bei Arsenal durchaus erfüllt, könnte er Doku dort ersetzen. Denn seine Effektivität hat er diesbezüglich
regelmäßig bei seinem Verein in London bewiesen, besonders zum Ende der Saison in der PL. Klar, Doku ist derzeit überragend,und Weltklasse, aber Leandro ist auch überdurchschnittlich gut
Gut gesehen, Herr Cremer! Wir haben in der Tat eine tolle Truppe mit Spielern, die jede Menge Erfahrung haben und jungen Spielern, die jede Menge Talent besitzen. Ich glaube, dass wir weit kommen und nicht enttäuschen werden.
Das gewisse „Gute Gefühl“ hab ich auch! Eine gut bestückte Mannschaft, mit Routine, von Führung und Jugend gemische Truppe! Viel Talent ist auch dabei! Wir hoffen das Beste! Go Devils!