Die verheerenden Waldbrände im Hohen Venn lenken den Blick zunehmend auf eine Frage, die Forstexperten seit Jahren beschäftigt: Wie muss der Wald angesichts von Klimawandel, zunehmender Trockenheit und steigender Waldbrandgefahr künftig aussehen?
Der Ruf nach einem schnelleren Waldumbau wird lauter. Ziel ist es, anfällige und häufig aus gleichartigen Nadelbäumen bestehende Bestände schrittweise in widerstandsfähigere Mischwälder umzuwandeln. Der Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates, Christian Haase, brachte es angesichts der aktuellen Brände deutlich auf den Punkt: Man müsse von reinen Nadelholzbeständen weg und stärker auf Mischwälder setzen. Dass inzwischen auch Regionen mit traditionell feuchterem Klima von extremen Bränden betroffen seien, zeige, wie stark sich die Rahmenbedingungen verändert hätten.

16.08.2026, Belgien, Sourbrodt: Rauch steigt aus dem verbrannten Boden in einem Wald in der Nähe der Ortschaft Sourbrodt . Foto: Christoph Reichwein/dpa
Mischwälder gelten als widerstandsfähiger, weil unterschiedliche Baumarten unterschiedlich auf Hitze, Trockenheit, Schädlinge und Krankheiten reagieren. Fällt eine Baumart unter veränderten Klimabedingungen stärker aus, bleibt der Bestand nicht zwangsläufig insgesamt geschädigt. Zugleich können strukturreiche Wälder dazu beitragen, die Widerstandsfähigkeit eines Waldes insgesamt zu erhöhen.
Doch Waldumbau ist keine schnelle Antwort auf eine akute Brandgefahr. Ein Wald lässt sich nicht innerhalb weniger Jahre grundlegend verändern. Bestehende, vitale Bestände können nicht einfach großflächig abgeholzt werden, um anschließend neue Bäume zu pflanzen. Jungpflanzen müssen zudem zum richtigen Zeitpunkt gesetzt werden und benötigen Jahre oder Jahrzehnte, bis sie selbst einen stabilen Waldbestand bilden. Nach Einschätzung von Experten wird der notwendige Umbau noch mindestens ein Jahrzehnt in Anspruch nehmen.
Der Waldumbau nach dem Großbrand im Hohen Venn könnte eine Chance sein, an geeigneten Standorten neue, vielfältigere Waldstrukturen entstehen zu lassen. Ein Beispiel dafür ist die Zitterpappel (Populus tremula), die 2026 zum „Baum des Jahres“ gewählt wurde. Als heimische Pionierbaumart besiedelt sie bevorzugt offene Flächen und kann nach größeren Störungen wie Sturm, Kahlschlag oder Feuer vergleichsweise schnell wieder Fuß fassen.
Gerade auf vom Brand betroffenen Flächen könnte die Zitterpappel deshalb interessant sein. Sie wächst rasch, benötigt viel Licht und kommt mit unterschiedlichen Bodenverhältnissen zurecht.

16.07.2026, Niedersachsen, Lautenthal: Zitterpappeln wachsen in einem Mischwald im Harz. Die Zitterpappel ist der „Baum des Jahres“ und gilt als wichtige Baumart für die Wiederbewaldung und den Waldumbau im Harz. Foto: Swen Pförtner/dpa
Die aktuellen Brände zeigen, warum der Handlungsdruck zunimmt. Das Feuer im Hohen Venn hat sich innerhalb weniger Tage auf rund 3.000 Hektar ausgedehnt und sich bis an die deutsche Grenze vorgearbeitet. In Monschau mussten am Sonntagabend vorsorglich rund 30 Menschen evakuiert werden. Die Brandbekämpfung wird durch wechselnde Winde und unterirdisch glimmende Torfschichten zusätzlich erschwert.
Dabei wäre es zu kurz gegriffen, den Waldumbau als alleinige Lösung für Waldbrände zu betrachten. Entscheidend sind ebenso eine bessere Früherkennung, ausreichend erreichbare Löschwasserreserven, Waldwege und Zufahrten für Einsatzkräfte sowie eine angepasste Bewirtschaftung der Wälder. Auch die Pflege von Waldrändern und Brandschutzstreifen kann im Ernstfall eine wichtige Rolle spielen.
Die Diskussion über den Wald der Zukunft ist deshalb mehr als eine Reaktion auf die aktuellen Flammen. Die Brände machen sichtbar, wie dringend die Anpassung an ein verändertes Klima geworden ist. Was heute gepflanzt wird, kann den Charakter eines Waldes über Jahrzehnte bestimmen. Der Waldumbau ist damit eine langfristige Aufgabe – aber eine, die angesichts zunehmender Wetterextreme nicht weiter aufgeschoben werden kann.
Während Feuerwehrleute, Landwirte, Freiwillige und internationale Einsatzkräfte derzeit im Hohen Venn gegen die Flammen kämpfen, geht es parallel um eine deutlich längerfristige Aufgabe: einen Wald zu schaffen, der mit den Bedingungen der kommenden Jahrzehnte besser zurechtkommt. Der aktuelle Großeinsatz kann das Feuer löschen. Den Wald klimafester zu machen, ist dagegen eine Generationenaufgabe. (cre/dpa)
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