Der französische Sänger und Schauspieler Patrick Bruel steht derzeit im Zentrum einer schweren Affäre um sexuelle Gewalt. Mehrere Frauen in Frankreich und Belgien beschuldigen ihn sexueller Übergriffe, versuchter Vergewaltigung oder Vergewaltigung.
Die Vorwürfe reichen teilweise bis in die frühen 1990er Jahre zurück und haben in Frankreich eine breite Debatte über Machtmissbrauch in der Unterhaltungsbranche ausgelöst. Bruel weist sämtliche Anschuldigungen zurück und beruft sich auf die Unschuldsvermutung.
Bruel (67) gehört seit Jahrzehnten zu den bekanntesten Unterhaltungskünstlern Frankreichs. Mit mehr als acht Millionen verkauften Tonträgern ist Bruel einer der erfolgreichsten französischsprachigen Musiker. Musikalisch lässt er sich im deutschsprachigen Raum am ehesten mit Herbert Grönemeyer vergleichen: Beide verbinden Pop und Chanson mit persönlichen, emotionalen Texten, haben generationsübergreifenden Erfolg und genießen beziehungsweise genossen in ihrem Land einen beinahe ikonischen Status.
Wie Grönemeyer in Deutschland war Bruel in Frankreich nicht nur Musiker, sondern auch Schauspieler und eine öffentliche Persönlichkeit mit großer emotionaler Bindung zu seinem Publikum.
Die Affäre weitete sich nach Recherchen der französischen Investigativplattform Mediapart deutlich aus. Dort berichteten zunächst mehrere Frauen über mutmaßliche Vorfälle aus den frühen 1990er Jahren bis 2019 – etwa nach Konzerten, bei beruflichen Treffen, während Dreharbeiten oder in Hotels.
Inzwischen sprechen verschiedene Medien von rund dreißig Frauen, die Bruel sexuelles Fehlverhalten vorwerfen. Einige schildern grenzüberschreitendes Verhalten und unerwünschte Berührungen, andere sprechen ausdrücklich von sexueller Gewalt oder Vergewaltigung.
Besonders große Aufmerksamkeit erhielt die Aussage der französischen Moderatorin Flavie Flament. Sie erklärte öffentlich, Bruel habe sie Anfang der 1990er Jahre vergewaltigt, als sie noch minderjährig gewesen sei. Nach ihrer Darstellung sei sie nach einem Treffen in seiner Wohnung benommen geworden und später desorientiert wieder zu sich gekommen.
Bruel hat diese Darstellung entschieden zurückgewiesen. Seine Anwälte erklärten, zwischen beiden habe damals eine einvernehmliche Beziehung bestanden; Gewalt oder Betäubung habe es nicht gegeben.
Parallel dazu laufen mehrere juristische Verfahren. In Frankreich befassen sich verschiedene Staatsanwaltschaften mit den Vorwürfen, unter anderem wegen mutmaßlicher Vergewaltigung beim Filmfestival von Dinard im Jahr 2012 sowie wegen sexueller Übergriffe im beruflichen Umfeld.
Auch in Belgien wurde eine Untersuchung wegen mutmaßlicher sexueller Aggression eingeleitet. Belgische Journalistinnen und PR-Mitarbeiterinnen schilderten gegenüber Medien Situationen, in denen Bruel Grenzen überschritten haben soll.
Die Affäre wird in Frankreich häufig im Zusammenhang mit der breiteren #MeToo-Debatte in der Kultur- und Filmbranche diskutiert. Beobachter ziehen Parallelen zu anderen prominenten Fällen aus den vergangenen Jahren. Bruel selbst bestreitet sämtliche Anschuldigungen und erklärte öffentlich, er habe „niemals eine Frau gezwungen“.
Trotz der Kontroverse setzt der Chansonstar seine Konzerttournee fort. Inzwischen wurden jedoch einzelne Auftritte abgesagt oder infrage gestellt, unter anderem in Québec. Feministische Gruppen und zahlreiche Kulturschaffende fordern darüber hinaus die Absage weiterer Konzerte. (cre)

Dieser „Me too Kram“ schon wieder.