Donald Trump macht auf Jesus und Triumphbogenbauer. Dafür gibt es Vorbilder, sagt Peter Sloterdijk. Der deutsche Philosoph interpretiert den US-Präsidenten neu – und warnt vor jemand noch Schlimmerem.
Zahllose Trump-Erklärer haben sich schon an dem Mann im Weißen Haus abgearbeitet. Nun entwickelt Deutschlands bekanntester Philosoph einen neuen Ansatz: In seinem kürzlich erschienenen Buch „Der Fürst und seine Erben“ zieht Peter Sloterdijk die klassische Studie „Der Fürst“ von Niccolò Machiavelli zurate.
Dieses vielleicht erste Werk der modernen politischen Philosophie liest Sloterdijk (78) nicht als historisches Zeugnis einer lang vergangenen Epoche, sondern als Analyse der Gegenwartspolitik.
Machiavelli wandelte von 1469 bis 1527 auf dieser Erde einher, nächstes Jahr wird seines 500. Todestags gedacht. Ein halbes Jahrtausend liegt also zwischen ihm und den heute Lebenden. „Dennoch haben wir immer noch das Gefühl, von ihm angesprochen zu werden“, sagt Sloterdijk der Deutschen Presse-Agentur. Bekannt ist der italienische Denker und Diplomat heute in erster Linie für das Attribut „machiavellistisch“: Darunter versteht man gemeinhin eine Politik, für die Erfolg wichtiger ist als Moral.

29.03.2026, USA, an Bord der Air Force One: US-Präsident Donald Trump (r) hält ein Bild des geplanten neuen Ostflügels des Weißen Hauses, während er an Bord der Air Force One auf dem Weg von West Palm Beach zur Joint Base Andrews zu Reportern spricht. Foto: Mark Schiefelbein/AP/dpa
Machiavelli akzeptierte Täuschung und Gewalt als politisches Mittel – aber er pries auch Bürgerfreiheit und eine republikanische Staatsordnung. Seine Wirkungsstätte Florenz etwa war kein Fürstentum, sondern eine Stadtrepublik mit gewählten Ämtern.
„Machiavelli nahm dadurch bereits die moderne Turbulenz wahr, die dadurch entsteht, dass der Platz an der Spitze umkämpft ist“, analysiert Sloterdijk. In seinem bahnbrechenden Werk „Der Fürst“ – im Original „Il Principe“ – sinnierte Machiavelli darüber, wie ein Staat unter realen Bedingungen stabil bleiben kann.
– Machiavellis Fürsten haben die Macht zurückerobert: Heute geht der Trend wieder eher in Richtung Neu-Fürstentum. „Die Fürsten sind vielerorts wieder da, manche schon an der Macht“, konstatiert Sloterdijk. Es ist ein Phänomen, das schon vielfach beschrieben wurde: Wähler sind der Koalitionen und Kompromisse überdrüssig, fordern effizientes Durchregieren ein und projizieren dies auf einen „starken Mann“ an der Spitze. Der soll nicht mehr um Erlaubnis fragen müssen, weder beim Parlament noch bei Gerichten. Als Konsequenz daraus ist die liberale Demokratie vielerorts unter Druck oder auf dem Rückzug.
In den USA ist nach Einschätzung Sloterdijks schon seit langem ein „Staatsstreich in Zeitlupe“ im Gang, eine langsame Aushöhlung der 250 Jahre alten Republik von innen. „Man muss diesen Prozess im Zeitraffer betrachten, um ihn überhaupt wahrzunehmen.“ Der Bundesstaat entmachte Schritt für Schritt die Einzelstaaten. Mittlerweile hätten sich die USA in eine „nur noch demokratisch camouflierte Autokratie“ verwandelt, lautet die vernichtende Bilanz des Autors, der vieldiskutierte Werke wie „Kritik der zynischen Vernunft“ (1983) schrieb. „Wenn man sich diese Entwicklung vergegenwärtigt, ist es nicht mehr so ganz verwunderlich, dass eine Figur wie Trump nach oben kommt.“
– Was hat Trump mit dem bayerischen Märchenkönig gemeinsam? Sloterdijk beschreibt den Neu-Fürsten Trump als „Beinahe-Analphabeten an der Spitze einer Weltmacht“, aber auch als „mad man“ und Neuauflage des „verrückten Königs“.

28.06.2025, Nordrhein-Westfalen, Köln: Peter Sloterdijk, Philosoph, Kulturwissenschaftler und Publizist, aufgenommen bei einem Interview mit der dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH. Foto: Thomas Banneyer/dpa
Dieser Kategorie werden normalerweise Gestalten wie der angeblich wahnsinnige Kaiser Nero aus dem alten Rom (1. Jahrhundert) oder der ebenso blaublütige wie bauwütige bayerische Märchenkönig Ludwig II. (19. Jahrhundert) zugerechnet.
Nach einem Bericht des Magazins „The Atlantic“ vergleicht sich Trump in jüngster Zeit öfter mit Alexander dem Großen, Julius Cäsar und Napoleon und sieht sich als „die mächtigste Person, die jemals lebte“. „Und es ist sicher nicht nur satirisch gedacht, wenn er sich vor kurzem als Wunderheiler Jesus präsentiert hat“, ergänzt Sloterdijk.
Hier ergeben sich Parallelen zu mittelalterlichen Königen, denen man die Fähigkeit zuschrieb, Kranke heilen zu können. In England blieb dieser Glaube bis ins 17. Jahrhundert verbreitet. Der indische Ministerpräsident Narendra Modi wiederum wird von einigen seiner Gefolgsleute als vom Himmel herabgestiegenes „göttliches Wesen“ verehrt.
„Er hat demnach die Gabe der multiplen Location“, weiß der als großer Spötter bekannte Sloterdijk zu berichten. „Das heißt, er kann an mehreren Orten gleichzeitig sein. Das ist für einen Politiker im Wahlkampf ein unschätzbarer Vorteil, noch dazu in einem so riesigen Land wie Indien.“
– Ein größerer Triumphbogen als das Vorbild in Paris: Noch in einer weiteren Hinsicht stellt sich Trump in eine Reihe mit historischen Herrschergestalten: Bekanntlich will der US-Präsident in Washington einen Triumphbogen errichten, der den Pariser Arc de Triomphe noch um mehr als 25 Meter überragen soll. Spottname: Arc de Trump. Auch der Abriss des Ostflügels des Weißen Hauses und der Bau eines Ballsaals nach französischem Vorbild passen in diesen Kontext.
„Seinen Anlagen und Neigungen nach ist Trump kein Politiker, sondern eher ein Clown, der den Diktator gibt“, meint Sloterdijk. Vor allem sei er ein Halbwüchsiger geblieben, der in fortgeschrittenem Alter entdeckt habe, dass der Staat ein Spielzeug mit erheblichem Amüsierpotenzial sei. „Man sollte sich allerdings hüten, von der Größe des Spielzeugs auf die Riesengestalt des Spielers zu schließen.“ Macht ist nicht zu verwechseln mit geschichtlicher Größe.

27.04.2026, Russland, St. Petersburg: Der russische Präsident Wladimir Putin nimmt an den Gesprächen mit dem iranischen Außenminister Araghtschi in St. Petersburg teil. Foto: Dmitri Lovetsky/Pool AP/dpa
Sloterdijk hält Trump deshalb auch für lange nicht so gefährlich wie Russlands Präsidenten Wladimir Putin, einen anderen Neu-Fürsten. Denn Putin habe erstens im Gegensatz zu Trump durchaus einen Plan – die vermeintliche Wiederherstellung eines russischen Imperiums – und zweitens wolle er dessen Verwirklichung noch persönlich erleben.
„Das ist sehr gefährlich, da er merkt, dass ihm langsam die Zeit davonläuft“, warnt Sloterdijk. „Wir müssen uns angesichts seiner begrenzten Lebenszeit darauf gefasst machen, dass Putin vor dem Ende noch schreckliche Fehler begehen wird.“ Hier sei ein „apokalyptisches Szenario“ nicht auszuschließen.
– Was würde Machiavelli heute raten? Wenn Machiavelli heute noch einmal zurückkäme, dann vermutlich als Politikberater, glaubt Sloterdijk. Was würde er den Europäern empfehlen, wenn sie ihn unter Vertrag nehmen würden?
Vielleicht, so der Wahl-Berliner mit Sommersitz in Südfrankreich, würde der nüchterne Analytiker sie darauf hinweisen, dass sie sich von nationalistischer Beschränktheit ebenso verabschieden müssten wie von pazifistischen Illusionen. Im Zeitalter der selbst ernannten „großen Männer“ bestünde die einzige Hoffnung der Europäischen Union auf Selbsterhaltung in der Stärkung ihrer Handlungsfähigkeit. (dpa)
Der Westen wird von Verrückten regiert, Merz, Starmer und Macron die 3 die längst jeden Rückhalt in der Bevölkerung verloren haben klammern sich an der Macht und provozieren tagtäglich China und seine de Facto Verbündeten Russland, Iran und Nord Korea, indem sie sich ständig in deren innere Angelegenheiten einmischen. Und Trump ist der größte Märchenonkel der Geschichte der stets beteuerte, keine Kriege mehr mit uns in Nah Ost aber er tat genau das Gegenteil.
… Philosoph, Kulturwissenschaftler und Publizist,….
Solche Leute vergleiche ich gerne mit den Eunuchen, diese bewegten sich durch den Harem, sahen alles, konnten aber nichts. Der Versuch D. Trump herab zu würdigen ist der verzweifelte Versuch der Machtlosen sich an den Mächtigen zu rächen. Es ist halt wie bei den Eunuchen, sie konnten sich dem Herrscher noch so weit überlegen fühlen, es war immer noch er der über ihr Schicksal bestimmte und das auslebte was sie nur im Kopfkino durchspielen konnten. Sloterdijk und Konsorten können sich intellektuel noch so hoch aufschwingen wie sie wollen, sie schlagen doch nur mit den Flügeln wärend sie am Boden stehen….
Unser täglich Trump-Bashing gib uns heute und vergibt uns unsere Schuld!
Blöd nur, dass die nächsten US-Wahlen nicht in Europa gewonnen oder verloren werden.
Dabei hat das Ganze durchaus Unterhaltungswert, braucht man sich doch nicht mit dem Versagen der EU Politik zu beschäftigen.
Ein sehr gefàhrlicher und unberechenbarer Typus Mensch, dieser fùr Geld in der Tat auch seine
Grossmutter verkaufen und verraten wùrde. Davon haben wir glaube ich noch so ein paar , siehe z.B. Nord-korea !
Was für eine bekloppte Politikergarde uns doch regiert, und dass seit langem!? Einzig volle Taschen zählen, der Rest kann man sich denken!, Herr, erbarme dich unser!? Keiner taugt was! Nicht Einer!
Später werden sie uns fragen, wie konnte dieser Irre Trump bloss so lange sein irrationales/verrücktes/gefährliches Spiel spielen ?
„Er ist kein Politiker, sondern eher ein Clown, der den Philosoph gibt“: abwählbarer und durch Parlamentsbeschlüsse und an Gerichtsentscheidungen gebundener Pseudo-Diktator Trump über Peter Sloterdijk.
😁 😁 😁