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LESERBRIEF – Für lokale, dezentrale Energieproduktion

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Angesichts der aktuell hohen Energiepreise stellt sich eine einfache, aber entscheidende Frage: Ist es nicht an der Zeit, die Fehler der Vergangenheit ehrlich zu benennen – und daraus zu lernen?

In den letzten Jahren wurde massiv in erneuerbare Energien investiert, begleitet von großen Versprechen. Doch die Realität wirkt deutlich nüchterner. Denn gleichzeitig steigt weltweit die Nachfrage nach Erdgas weiter an – und das in einem Ausmaß, das zu denken geben sollte.

Zwischen 1970 und 2010 blieb die Gasproduktion weitgehend stabil. Danach jedoch kam es zu einem sprunghaften Anstieg: plus 70 Prozent innerhalb eines Jahrzehnts, gefolgt von weiteren 20 Prozent bis heute. Prognosen gehen davon aus, dass die tägliche Produktion bis 2040 auf rund 4,5 Milliarden Kubikmeter steigen könnte. Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung sind ausgerechnet moderne Infrastrukturen wie Datenzentren.

Besonders bemerkenswert ist dabei, dass dieser Anstieg trotz eines massiven Ausbaus erneuerbarer Energien erfolgt – und obwohl der Energieverbrauch in Europa und den USA insgesamt kaum wächst. Erdgas bleibt offenbar unverzichtbar, vor allem wegen seiner Stabilität und Verlässlichkeit im Stromnetz.

Die Entwicklung bei den Rechenzentren verdeutlicht diesen Trend eindrucksvoll: Innerhalb eines Jahres stieg die geplante Gaskapazität in den USA von 4 auf 97 Gigawatt – ein Faktor 25. Das wirft zwangsläufig die Frage auf, ob die bisherigen Strategien wirklich ausreichen.

Auch bei uns in der Region gab es einst innovative Ansätze. In Recht bei Sankt Vith wurde mit der
Anlage der Familie Lenges eines der ersten Projekte zur landwirtschaftlichen Biomethanisierung in Belgien umgesetzt. Ein Beispiel für lokale, dezentrale Energieproduktion – lange bevor solche Konzepte breit diskutiert wurden.

Doch was ist daraus geworden? Und warum setzt man heute so wenig auf solche konkreten, bürgernahen Lösungen?

Vielleicht liegt ein Teil der Antwort darin, dass wir zu lange auf zentrale Steuerung und theoretische Konzepte gesetzt haben. Es wäre an der Zeit, den Menschen wieder mehr Vertrauen zu schenken – und ihnen die Möglichkeit zu geben, selbst zur Energieversorgung beizutragen.

Eine ehrliche Bestandsaufnahme, mehr Pragmatismus und ein stärkerer Fokus auf lokale Initiativen könnten der Schlüssel zu einer sicheren und bezahlbaren Energiezukunft sein.

21.04.2026 Pascale Baudimont, Eupen

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