Politik

Mauel (PFF/MR): „Regeln für die Gülleausbringung müssen sich endlich an den Realitäten orientieren“

Die Regeln für die Gülleausbringung in der Wallonischen Region sind nicht mehr zeitgemäß. Foto: Shutterstock

Die wallonische Abgeordnete Christine Mauel (PFF/MR) hat Umweltminister Yves Coppieters (LE) im Parlament in Namur zur geplanten Lockerung der Regeln für die Gülleausbringung befragt.

Noch hält die Wallonische Region an einem sehr starren System mit festen Stichtagen fest. Zwar wurde schon im Jahr 2019 eingeräumt, dass es im Herbst oder Winter durchaus günstige Wetterfenster für eine sinnvolle Ausbringung geben kann. Trotzdem blieb es bei einer pauschalen Regelung, welche die tatsächlichen Bedingungen auf den Feldern nur unzureichend berücksichtigt.

In seiner Antwort auf die Frage der Abgeordneten Mauel räumte Minister Coppieters ein, dass viele der heute noch geltenden Bestimmungen aus einer Zeit stammen, in der weder die heutigen Wetterdaten noch moderne agronomische Werkzeuge oder die Folgen des Klimawandels ausreichend berücksichtigt werden konnten.

Coppieters kündigte an, dass für Anfang 2027 eine Überarbeitung des PGDA vorgesehen sei. Dieses Programm für ein nachhaltiges Stickstoffmanagement legt unter anderem fest, wann und unter welchen Bedingungen organische Dünger wie Gülle ausgebracht werden dürfen.

Die ostbelgische Regionalabgeordnete Christine Mauel (MR-PFF) im Wallonischen Parlament in Namur. Foto: MR

Für Christine Mauel wäre dies ein wichtiger Schritt. „Die Forderung der Landwirte ist nicht neu, sie ist so alt wie der Klimawandel selbst“, betonte sie in ihrer Replik. Seit Jahren machten die Betriebe darauf aufmerksam, dass starre Kalenderregeln immer weniger zur Realität auf dem Feld passen. Wetter, Bodenverhältnisse und Vegetationsentwicklung lassen sich nicht mehr sinnvoll allein nach einem festgelegten Datum beurteilen.

Mauel machte deutlich, dass sie keine Aufweichung um jeden Preis wolle. Es geht aus ihrer Sicht nicht darum, den Umweltschutz infrage zu stellen, sondern darum, Praxisnähe, Verantwortung und Schutz der natürlichen Ressourcen besser miteinander zu verbinden. Die Landwirte bräuchten keine zusätzliche Bevormundung, sondern einen verlässlichen Rahmen, der ihre Erfahrung, die realen Wetterbedingungen und den technischen Fortschritt ernst nimmt.

„Gerade in ländlichen Gebieten ist das Thema für viele Menschen konkret spürbar. Wenn Gülle ausgebracht wird, betrifft das nicht nur die landwirtschaftlichen Betriebe, sondern auch die Anwohnerinnen und Anwohner. Umso wichtiger ist aus Sicht von Christine Mauel ein System, das nachvollziehbar, vernünftig und an die Realität angepasst ist – statt an Regeln festzuhalten, die aus einer anderen Zeit stammen.“

Mauel verweist darauf, dass der Wille zur Vereinfachung und zur Bekämpfung von Überregulierung ausdrücklich in der wallonischen Regierungserklärung verankert sei. Deshalb erwartet sie nun, dass den Ankündigungen auch Taten folgen. Mauel zählt auf Minister Coppieters, dass dieser Kurs jetzt konkret umgesetzt wird. (cre)

27 Antworten auf “Mauel (PFF/MR): „Regeln für die Gülleausbringung müssen sich endlich an den Realitäten orientieren“”

  1. Cocolöres

    Die würden sich in Namur besser auch mal an den Realitäten orientieren. Diskutieren diese Woche darüber, ob wir Wallonen sind oder nicht, und wann der Strunz ausgefahren wird. Währenddessen stehen unsere Rentner am Ende des Monats mit leeren Brieftaschen da, an den Zapfsäulen werden wir abgezockt und demnächst flattern uns wieder Strom- und Gasrechnungen ins Haus, die es in sich haben.

    • Ärgern sie sich nicht über den Preis an den Zapfsäulen:
      Als Reaktion auf bösartige deutsche Tanktouristen, die das tun, was ein Belgier in Deutschland nie tun würde, hat man die Preise dankenswerter Weise auf deutsches Niveau angehoben, damit sich kein Einheimischer mehr beschweren kann.

      • Alfons van Compernolle

        Hans A.: Das stimmt wohl so auch nicht. Gehen sie mal in Aachen etc nach Aldi oder Lidl
        und dann vorab auf dem Parkplatz auf die Autokennzeichen achten ! 60% rot-weiss aus Belgien!
        Nicht alles ist goldig in Belgien. z.B. die KFZ.-Steuer mein 130 PS / 2,02 hub SAAB kostet jàhrlich € 750.- KFZ.-Steuer, das KFZ meiner Schwester in Hamburg mit 130 PS / 2,0 hub kostet nur € 230.
        KFZ.-Steuer !

          • Alfons van Compernolle

            DR.ALBERN : Protzkarre ??? wenn Sie einen alten SAAB 900 , frùher Mittelkasse,
            Protzkarre nennen, na dann Bitte.
            Ja stimmt , weniger Steuern bei EU.-Norm 6 (a-b-c-) oder Tesla ! Aber ich fahre meinen alten SAAB met Kat & nachtraeglich montierten Partikelfilter seit 1998 ohne
            mechanische Probleme 758.320 km. Bremse / Oel / Kupplung /Reifen, den normalen Unterhalt mit einem Benzinverbrauch von 7,00 l pro 100 km (95 okt.) !
            Das gr. Problem war nach 700.000 km musste die Kupplung erneuert werden.
            Protzauto DR.ALBRERN , mal weiter so , wenn es sie befriedigt!

        • also in der Wallonie kostet das etwas weniger.
          Wo ich ihnen aber Recht geben muss, Belgiens Steuersystem für Autos ist totaler Schwachsinn und veraltet.
          Seit cocolores auch unverhältnismäßig indexiert,wenn das so weiter geht bezahlt der normale Bürger in 10 Jahren für 1000ccm 1000 Euro.
          Hut ab vor der Laufleistung des Saab,das nennt man wirtschaftlich rentiert.
          Nicht wie die drecks Batterieschleudern.

          ergo leben sie in Flandern oder Brüssel?

          • Alfons van Compernolle

            Ich lebe in Oost-Vlanderen seit 2004 vorher Hamburg als meine Geburtsstadt.
            Ja, Vlaanderen ist einiges teurer was KFZ.-Belastung anbelangt als Deutschland und
            eventuell die Wallonie.

    • Alfons van Compernolle

      Ob Wallonnen oder Flamen oder Deutschsprachige, was fùr Gedankengànge ??
      Fùr mich sind wir alle schlicht „Mitmenschen & Nachbarn!!“. Nun ja, was die Renten & Pensionen in Belgien anbelangt, sind wir hier doch erheblich besser gestellt als die Rentner und Nachbarn in Deutschland.

  2. Das Wetter hält sich nicht an den Vorgaben der EU-Beamten. Skandal, wie es nur möglich… Schuld ist natürlich der Klimawandel, wer auch sonst. Gut dass wir Politiker haben die zuerst diese EU-Bürokratie aufbauen um sich dann dagegen zu profilieren. Die EU ist der Verlierer der neuen Weltordnung, wer solche Politiker hat braucht keine Feinde….

  3. Die Frau sollte sich mal um wichtigere Dinge kümmern. Den Landwirten wird es so schon schwer gemacht mit den ganzen Auflagen. Und wie bereits in einem vorigen Kommentar erwähnt, weis das Wetter nicht welche Auflagen heute gelten.

  4. Die Wahrheit

    Früher arbeitete der Landwirt und Forstwirt nach den Regeln der Natur, sprich Mondphase oder Bodenbeschaffenheit etc.
    Heute müssen die Landwirte und Forstwirte nach den Regeln der Politiker und Fantasten arbeiten.

    Der Landwirt und Forstwirt weiß selbst Bescheid, wann er was und wo zu pflügen, zu sähen oder zu pflanzen hat.

    Das Problem unser heutigen Zeit ist, dass sich viel zu viele Menschen mit Dingen aufhalten, wovon sie keine Ahnung.

  5. Krisenmanagement

    Wer bestimmt die ganzen Regeln wirklich in der Landwirtschaft?
    Warum gibt es Subventionen?
    Wer hat die heutigen Missstände verursacht?
    Wer kann realistische kostendeckende Lebensmittelpreise bezahlen?
    Welche Motivation hat die liebe Frau Mauel?

  6. Mich würde interessieren, ob es tatsächlich stimmt, dass flämische bzw. niederländische Betriebe ihre Gülle nachts per Tanklastwagen in unsere Region liefern und diese anschließend von hiesigen Landwirten auf ihre Felder ausgebracht wird.
    Außerdem stellt sich mir die Frage, ob die Gülle aus Biogasanlagen legal Rückstände von Plastikbehältnissen enthalten kann.
    Falls sich jemand damit auskennt, freue ich mich über eine fachkundige Einschätzung.

  7. Neneewaa

    Also letztens hier in Raeren hat es am Tag nach der Düngung anders gerochen als sonst, und das war sicherlich Schweinemist.
    Da würd mich interessieren wenn dieses geerntete Heu dann an zur Schlachtung vorgesehene Rinder gegeben wird, es sich bei eventueller islamischer Schächtung noch um Halal Fleisch handelt? Weiss das jemand?

  8. Der Frau Mauel (MR) geht es nur vordergründig um „Praxisnähe, Verantwortung und Schutz der natürlichen Ressourcen“. Ihre gehätschelte Klientel (Landwirten Jäger, …) von jeglicher sogenannter „Bevormundung“ zu befreien gehört seit jeher zum Standard-Repertoire der Liberalen. Durchaus nachvollziehbar, dass die Düngeverordnung in der Wallonie aktualisiert werden könnte, aber sie soll auch künftig prioritär den Schutz des Grundwassers (Nitrat …) und der Umwelt zum Ziel haben. Nicht jede Änderung ist automatisch sinnvoll. Was hat eigentlich ihren liberalen Parteifreund Willy Borsus daran gehindert, schon in der letzten Legislaturperiode aktiv zu werden?

  9. Die Wahrheit

    An Strunz,
    Ich möchte hier mal klar stellen, dass die Landwirtschaft fast immer als schwarzes Schaf hingestellt wird, aber das ist unfair. Zur Info :
    Bestimmte Phosphonate (DTPMP) in Waschmitteln können in Kläranlagen zu Glyphosat und anderen Stoffen umgewandelt werden.

  10. Es geht aber nicht um die Rückstände aus konventionellen Waschmitteln, sondern um das Ausbringen der anfallenden Gülle zum richtigen Zeitpunkt. Dass wir in Belgien ein großes Stickstoffproblem haben ist eine Binsenweisheit. Glücklicherweise ist die Lage in der Wallonie nicht ganz so katastrophal wie in Flandern. Die Lockerung der Regeln (Anpassung des Kalenders) wird aber nicht das Problem lösen, sondern langfristig nur die Reduzierung des zu hohen Viehbestands.

  11. Die Wahrheit

    Wie viel Urin und Kot fabrizieren wir Menschen! Diese Reststoffe gehen auch wieder in den Kreislauf der Natur.
    Wie viel menschliche Gülle produzieren die Einwohner der Stadt Eupen pro Tag? Haben Sie sich schon mal Gedanken gemacht, was damit passiert?

Antworten

Impressum Datenschutzerklärung
Desktop Version anfordern