Politik

Behandlungen wie Akupunktur oder Homöopathie in Zukunft nicht mehr von Krankenkassen erstattet?

Eine Apothekerin bei der Arbeit. Foto: Shutterstock

Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke (Vooruit) hat einen „Reformpakt“ für die Krankenkassen vorgestellt, der auf eine tiefgreifende Neuordnung ihres Verhältnisses zum Staat abzielt.

Hintergrund ist die Sorge der Regierung, dass das belgische Gesundheitssystem zu teuer, zu komplex und administrativ ineffizient geworden ist. Vandenbroucke möchte deshalb die Aktivitäten und Ausgaben der Krankenkassen stärker kontrollieren und ihre Rolle klarer definieren.

Im Mittelpunkt der Reform steht der Wunsch nach mehr Transparenz und Effizienz. Die Krankenkassen sollen künftig genauer nach ihrer tatsächlichen Leistung bewertet werden, etwa danach, wie effizient sie öffentliche Gelder verwalten, wie gut sie Patienten betreuen oder welchen Beitrag sie zur Prävention leisten.

Ein Arzt bereitet die Behandlung seiner Patienten mit alternativer Homöopathie-Therapie vor. Foto: Shutterstock

Gleichzeitig will der Minister die Verwaltungskosten senken, Doppelstrukturen abbauen und die Digitalisierung beschleunigen. Die Krankenkassen sollen sich stärker auf aktive Gesundheitspolitik konzentrieren, also nicht nur Kosten erstatten, sondern auch chronisch Kranke begleiten, Präventionsprogramme fördern und Menschen schneller zurück in den Arbeitsalltag führen.

Zudem sollen Leistungen künftig stärker nach wissenschaftlichen Kriterien beurteilt werden. So soll es beispielsweise nicht mehr möglich sein, Kosten für Homöopathie, Akupunktur oder Sophrologie zu erstatten.

Sophrologie ist eine Entspannungs- und Achtsamkeitsmethode, die Atemübungen, Körperwahrnehmung und mentale Visualisierung kombiniert, um Stress abzubauen und das Wohlbefinden zu fördern. Sie wird häufig zur Entspannung, Stressbewältigung und mentalen Vorbereitung eingesetzt.

Frank Vandenbroucke, föderaler Gesundheitsminister. Foto: Pool Yves Herman/BELGA/dpa

Die Vorschläge sind politisch sensibel, weil die belgischen Krankenkassen historisch Teil der sogenannten „Versäulung“ der Gesellschaft sind. Damit ist gemeint, dass sich Belgien lange entlang großer ideologischer Strömungen organisierte — vor allem der christlich-demokratischen, sozialistischen und liberalen Säule. Zu diesen Netzwerken gehörten nicht nur Parteien, sondern auch Gewerkschaften, Sozialverbände, Medien, Schulen und Krankenkassen. Auch wenn diese Bindungen heute schwächer geworden sind, verfügen die Krankenkassen weiterhin über erheblichen politischen und gesellschaftlichen Einfluss.

Kritiker sehen in der Reform die Gefahr einer stärkeren Zentralisierung und einer Schwächung der Autonomie der Krankenkassen. Befürworter halten die Reform dagegen für notwendig, um die steigenden Gesundheitsausgaben besser in den Griff zu bekommen und das System langfristig finanzierbar zu halten. Insgesamt deutet der Reformpakt auf einen grundlegenden Wandel im belgischen Gesundheitswesen hin, bei dem der Staat künftig deutlich mehr Einfluss auf die Arbeitsweise der Krankenkassen ausüben würde. (cre)

27 Antworten auf “Behandlungen wie Akupunktur oder Homöopathie in Zukunft nicht mehr von Krankenkassen erstattet?”

  1. Volkskrankenkasse für Alle

    Man könnte doch gleich mehrere Krankenkassen zusammen legen, Vorstände und Aufsichtsräte und auch all die Doppelstrukturen abbauen und so große Summen im Interesse der Versicherten einsparen.

      • Alfons van Compernolle

        Nein, ganz sicher macht man sich mit solchen Ideen keine Freunde.
        Aber im ERNST einmal die Frage, geht es in der Politik darum sich Freunde zu machen ????
        ODER das Beste fùr die Bevoelkerung / Mitmenschen soweit moeglich zu erreichen/aufzubauen?
        Ich sitze nicht in Vorstand von Vooruit Gent-oost ( wo die meisten Minister und Schepen von Vooruit Mitglied sind ) um mir Freunde zu machen . Meine Freunde kenne ich seit 1952, von denen ein teil bereits verstorben ist.

    • Alfons van Compernolle

      Das habe ich im Parteivorstand auch schon mehrfach angefùhrt mit dem nachprùfbaren Hinweis auf eine moegliche Millionersparnis. Eine Antwort habe ich nie bekommen, nur die Anmerkung „Genosse Alfons nun wieder “ !

  2. 08/15 Eupener

    Aber +- 15.000 langzeit Kranke bezahlen im .Ausland das ist normal

    « Malades à Costa del Sol ou Marbella » : 15.000 malades longue durée indemnisés par la Belgique vivent à l’étranger… et c’est légal, à certaines conditions
    https://www.rtl.be/actu/belgique/societe/malades-costa-del-sol-ou-marbella-15000-malades-longue-duree-indemnises-par-la/2026-05-21/article/789250?utm_source=RTL_INFO&utm_medium=share_button

        • Pascale Baudimont

          Echte Erholung braucht Zeit: In den ersten Wochen baut der Körper nur Stress ab, aber erst nach zwei bis drei Monaten erreicht man eine tiefe, nachhaltige Regeneration.
          Kreativität und neue Ideen entstehen nicht im Zeitdruck: Wer nur zwei Wochen frei hat, denkt noch wie im Arbeitsmodus – erst nach längerer Zeit beginnt der Geist wirklich frei zu werden.
          Gesundheit lässt sich nicht im Schnellformat reparieren: Chronische Erschöpfung, Schlafmangel und mentale Belastung brauchen Monate, um sich wirklich zu normalisieren.
          Ein Perspektivwechsel entsteht nur durch Distanz: Erst wenn man lange genug aus dem Alltag raus ist, hinterfragt man Gewohnheiten, Prioritäten und Lebensentscheidungen.
          Viele Kulturen kannten lange Ruhephasen als selbstverständlich: Ob früher in der Landwirtschaft oder in traditionellen Gesellschaften – längere Erholungszeiten waren notwendig, um langfristig leistungsfähig zu bleiben.

  3. Auch das noch

    naja , es ist leider nicht mehr zu übersehen und es ist immer mehr aktuell , das fast immer dieselben Zeitgenossen sich die Klinken der Bäckereien und Feinkostrestaurants in die Hand geben .
    Anderseits sind dieselben dann auch wider permamament Stammkunden bei den im diesem Text oben angegebenen krankenkassenabzocker .

    • Pascale Baudimont

      @ DAX, „Ach so – wer daran glaubt, soll selbst zahlen. Interessant. Dann müsste man konsequenterweise auch sagen: Wer nicht an bestimmte Teile der sogenannten Schulmedizin glaubt oder sie gar nicht nutzt, sollte ebenfalls nicht gezwungen sein, dafür zu zahlen. Es gibt nämlich genug Menschen, die ihre Behandlungen ohnehin komplett aus eigener Tasche finanzieren.“

  4. Wissenschaftler

    Seit Corona wissen wir wer ‚im wissenschaftlichen Kontext‘ die Hosen an hat. Es ist den Politikern egal, was die wirkliche Wissenschaft sagt, meint oder was die kundtun, denn eigentlich kann die nur bestätigen, dass sie in Sachen ‚Heilung‘ keine Ahnung (mangels Wissen) hat, was, wie und warum ‚Heilung‘ funktionniert.. Da ist es nur natürlich für die unwissenden Excel-Tabellen-Entscheider und GeldprostituiertePolitik, eher die Unwissenheit zu verordnen und zu kultivieren, und neidig den ‚Heilkonzepten‘ einen Riegel vorschieben, die eher auf ‚Selbstheilungsfähigkeiten (was Homöopathie, Akupunktur oder Sophrologie anregt)‘ setzen.
    Unsere ‚Constitution/Verfassung‘ verbietet ja grundsätzlich ‚Versklaverei‘. Unsere Politiker scheinen das wohlwollend zu ignorieren und scheinen die Krankenkassen eher als mögliche Sklaventreiber wahr zu nehemen oder ins Visier zu nehmen, als nützliche politische Gehilfen. Es ist ja nur der Geld-sklaverei zu verdanken, dass es überhaupt so viele Kranke im System gibt, die nur im ‚Hamsterrad dieser Sklaverei‘ ihre Gesundheit dank der ‚von Aussen bestimmenden Antriebe dieses Hamsterades‘ zerstört bekommen, und dafür auch noch schief angesehen werden… Da liegt doch das wahre Problem.
    Da System ist in sich krank, und auch schon so lange krank, dass es diesen Zustand als ‚Norm und normale Gesundheitsreferenz‘ ansieht und weiterhin kultiviert !

  5. Pascale Baudimont

    Am Ende ist es doch so: Die Behandlungen, die wirklich heilen sollen, werden ohnehin nicht erstattet. Wer echte Hilfe will, zahlt aus eigener Tasche – oder bewegt sich sogar in rechtlichen Grauzonen.
    Die eigentliche Frage ist eine andere: Mit welchem Recht erklärt ein Staat bestimmte Formen von Medizin für illegal? Gehört unser Körper nicht uns selbst? Oder entscheidet der Staat, was wir dürfen, was uns helfen darf – und was nicht?
    Und wenn wir diesen Gedanken weiterführen: Wird der Staat dann auch festlegen, wer leben darf und wer sterben soll?
    Bei der Euthanasie scheint genau diese Grenze bereits zu verschwimmen.
    Wo endet Fürsorge – und wo beginnt Bevormundung?

  6. @Wissenschaftler: Sie schreiben schlichtweg Blödsinn, ohne Schulmedizin wären meine Frau und ich schon 10 mal tot.
    Für Homeopathie gibt es keine wissenschaftliche Basis, es beruht auf Einbildung.

  7. Alfons van Compernolle

    Worùber leider immer keine Redaktion berichtet ist das Einsparpotenzial bei den vom Hausarzt etc.
    verschriebenen Medikamenten. Wenn in Gent ein vorgeschriebenes Medikament € 29.- kostet , kostet das gleiche Medikament in Antwerpen in Doppelpack ( das ist eine Tatsache) € 24.- in Luik € 12.-
    In Kortrijk und Wavre € 9,80 . Alle Apotheker innerhalb der EU sind verpflichtet bei Vorlage eine nationalen Rezepts eines Hausarztes etc. dieses Medikament zu verkaufen.
    In Griechenland kostet dann das gleiche Medikament von selber Produzenten nur noch € 6,00 inkl. Porto. Der Nachteil ist, die griechischen Apotheker sind vertraglich verpflichtet keine Medikamente nach Belgien zu liefern . Ich habe das unseren Federal. Gesundheitsminister gefragt, voor 6 Monaten, die Antwort steht aus und wird auch niemals kommen.

    • Willi Müller

      AZ GANDA ist der neue Name eines großen Fusions-Krankenhauses in Gent in Belgien.
      Es entsteht aus den beiden Krankenhäusern:
      AZ Sint‑Lucas
      AZ Jan Palfijn
      Ab 2027 sollen sie offiziell ein gemeinsames Stadtkrankenhaus bilden.

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