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Ex-Holland-Star Gullit fordert FIFA-Chef Infantino zum Rücktritt auf: „Grundlegendste Pflicht verfehlt“

FIFA-Präsident Gianni Infantino (l) und Ex-Holland-Star Ruud Gullit (r). Fotos: Tony Gutierrez/AP/dpa - Shutterstock

Ruud Gullit ist einer der bekanntesten Fußballer der 1980er- und 1990er Jahre und gilt als einer der besten niederländischen Spieler aller Zeiten. Er spielte unter anderem für Feyenoord, PSV Eindhoven, den AC Mailand und Chelsea.

In einem längeren Schreiben fordert der heute 63-jährige Ruud Gullit FIFA-Präsideht Gianni Infantino zum Rücktritt auf – angesichts wachsender Kontroversen um die Weltmeisterschaft.

„Ich habe lange geschwiegen, weil ich diese Weltmeisterschaft anhand ihrer fußballerischen Aspekte beurteilen wollte. Doch je tiefer wir in die Vorbereitungen eintauchen, desto deutlicher wird, dass Fußball nicht mehr die Hauptgeschichte ist. Aus diesem Grund bin ich der Meinung, dass Gianni Infantino ernsthaft darüber nachdenken sollte, als FIFA-Präsident zurückzutreten.

Eine Weltmeisterschaft sollte Menschen zusammenbringen. Stattdessen entwickelt sich dieses Turnier zu einem Symbol für Spaltung, politische Konflikte, Reisebeschränkungen und organisatorisches Versagen.

05.12.2025, USA, Washington: Fußball: WM, Auslosung der Vorrunde im John F. Kennedy Center for the Performing Arts. US-Präsident Donald Trump (l) erhält den FIFA-Friedenspreis von FIFA-Präsident Gianni Infantino. Foto: Chris Carlson/AP/dpa

Wir hören Berichte darüber, dass iranischen Fans ihre Ticketkontingente entzogen wurden. Wir haben den Fall des somalischen Schiedsrichters Omar Artan gesehen, der von der FIFA aufgrund seiner Qualifikation für Einsätze auf höchstem Niveau ausgewählt wurde, dem jedoch Berichten zufolge die Einreise in das Gastgeberland verweigert wurde. Das sind keine Nebensächlichkeiten. Sie treffen den Kern dessen, wofür eine Weltmeisterschaft stehen sollte.

Die FIFA kann nicht weiterhin Fußball als universelles Spiel vermarkten, während qualifizierte Fans, Offizielle und Teilnehmer mit Hindernissen konfrontiert werden, die offenbar nichts mit dem Fußball selbst zu tun haben. Die erste Verantwortung der Organisation besteht darin, die Integrität und Zugänglichkeit des Wettbewerbs zu schützen.

Was mich am meisten beunruhigt, ist, dass diese Probleme vorhersehbar waren. Die FIFA hat das Turnier vergeben, die FIFA hat die Rahmenbedingungen genehmigt, und die FIFA hat der Fußballwelt wiederholt versichert, dass alle willkommen sein würden. Wenn sich diese Zusicherungen nun als unzuverlässig erweisen, dann muss die Verantwortung ganz oben beginnen.

24.05.2026, Marokko, Rabat: Der somalische Schiedsrichter Omar Artan (M) zeigt einen Elfmeter an. Foto: Mosa’ab Elshamy/AP/dpa

Führung bedeutet nicht, mit Politikern für Fotos zu posieren oder kommerzielle Erfolge zu feiern. Führung bedeutet, Verantwortung zu übernehmen, wenn etwas schiefläuft. Deshalb glaube ich, dass Herr Infantino sich fragen muss, ob er noch die richtige Person ist, um den Weltfußball zu führen.

Die steigenden Kosten für den Besuch von Spielen sind ein weiteres ernstes Problem. Viele treue Fans, die ihre Nationalmannschaften durch die gesamte Qualifikation begleitet haben, können es sich schlicht nicht mehr leisten, am Turnier teilzunehmen. Fußball läuft Gefahr, zu einer exklusiven Veranstaltung für Konzerne und wohlhabende Zuschauer zu werden, anstatt für die gewöhnlichen Fans, die diesen Sport groß gemacht haben.

Die Weltmeisterschaft gehört der Welt – nicht Regierungen, politischen Interessen oder Fußballfunktionären. Sie gehört den Spielern, den Schiedsrichtern und den Fans.

Wenn die FIFA nicht garantieren kann, dass alle drei fair und gleich behandelt werden, dann hat sie ihre grundlegendste Pflicht verfehlt.

Die Fußballwelt verdient Antworten, Verantwortlichkeit und Führung. Wenn dies unter der derzeitigen Führung nicht gewährleistet werden kann, dann ist vielleicht die Zeit für eine neue Führung an der Spitze der FIFA gekommen.“ (cre)

45 Antworten auf “Ex-Holland-Star Gullit fordert FIFA-Chef Infantino zum Rücktritt auf: „Grundlegendste Pflicht verfehlt“”

  1. Rundes Leder

    Recht hat der Gullit! Fussball ist nur mehr Spielball zwischen Geldgierigen und Machtbessessenen und Stiefelleckenden Typen, wie Infantino und Trump geworden! Go home Giani und Trump!

  2. Leider steht die Fußballführung nicht über der der Gastgeberländer. Bei den USA musste man von vorneherein denken. Man denke an die langen Formulare, die man vor und bei der Einreise ausfüllen muss. Jetzt natürlich dem Infantino vorzuwerfen, er ginge nicht gegen Trump vor, ist töricht, denn man so eine Veranstaltung nicht so einfach verlegen oder absagen.

    Als Infantino Blatter ersetzte, hat sich eine Mehrheit in der FIFA dafür ausgesprochen. Infantino will nur Geld für die FIFA einnehmen. Das ist eine Schweizer GoE, die keine Dividenden verteilen darf. Also verteilt Infantino die Gewinne durch Subventionen, wodurch die afrikanischen Verbände, die so von der Weltmeisterschaft zu 48 profitieren, für ihn stimmen. Aber auch die europäischen Verbände, die eine zahlenmäßige Minderheit in der FIFA darstellen – 1 Land 1 Stimme – stimmen nicht geschlossen gegen Infantino.

  3. Max Weller

    Die Problematik war schon beim Vergabeprozess vorhersehbar. Eine elegante Lösung fällt mir auf die Schnelle nicht ein. Aber grundsätzlich sollte eine WM nicht in einem Land stattfinden das sich im Krieg befindet. Vielleicht hätte man den Rummel absagen sollen, aber ich glaube da standen zuviele $ auf dem Spiel.

  4. Das große Turnier findet so oder so statt, dennoch halte ich es für richtig, dass sich die kritischen Stimmen erheben und vermehren.
    Russland 2018 war schon fragwürdig, Katar 2022 mehr als nur fragwürdig – und die USA 2026 unter Trump und den politischen Gegebenheiten absolut indiskutabel. Der Fußball wird weiter gespielt, allein der Gedanke des Sports und des sportlichen MITEINANDER bleiben komplett auf der Strecke.
    Ruud Gullit hat mehr als recht mit allem, was er an- und ausspricht, wobei er es im Ergebnis viel zu freundlich formuliert („… Infantino sollte darüber nachdenken, ob er zurücktritt…“).
    Dieser amtierende Fifa-Präsident ist schon seit Jahren eine kaum mehr steigerungsfähige Enttäuschung und Blamage für die gesamte Fußballwelt – und es gelingt ihm nur noch eines: die weutere Steigerung der offenkundigen Inkompetenz und Korruptheit seines Verbandes. Das ist bitter.

  5. Die WM 2006 in Deutschland stand unter dem – meiner Meinung nach gelungenen Slogan:
    „die Welt zu Gast bei Freunden“
    Unter welche Überschrift darf man nun die WM 2026 im „Gastgeberland“ USA stellen!?! (Antwort überflüssig.)
    Ruud Gullit hat völlig recht mit dem, was er anspricht. In seiner Ausdrucksweise bleibt er dabei eher besonnen. Dem amtierenden Fifa-Präsidenten nahe zu legen, dass er über seinen „Rücktritt nachdenken“ solle, das ist die wohl freundlichste Art der Formulierung.
    Die Fifa war auch in der Vergangenheit nicht als moralische Instanz bekannt – und Korruption ist im Weltverband nicht erst unter Infantino aufgetreten. Aber eben jener Infantino schafft es tatsächlich, die kaum mehr steigerungsfähige Fragwürdigkeit von WM-Vergabe und Ausrichtung in Katar 2022 nunmehr im Politikum des Trump-Amerika noch zu toppen.
    Der Fußball, um den es ja eigentlich geht bzw. gehen soll, wird zwar weiter gespielt, allein das Sportliche und vor allem das sportlich Verbindende ist längst auf der Strecke geblieben und findet in den USA 2026 schlicht nicht statt. Und diese Erkenntnis gibt es nicht erst nach Ablauf der WM, sondern schon vor der Eröffnung derselben. Die ganze Veranstaltung ist bereits von Vorherein indiskutabel, genauso wie die jeweilige Präsidentschaft von Trump und Infantino.

  6. Karl-Heinz

    Es tut mir in der Seele leid, was aus dem Massensport Fußball geworden ist und das alles nur wegen Geld und korrupten Funktionären, angefangen bei den Landesverband bis UEFA und FIFA und Sklaven Handel mit den Spielern.
    Aber in den USA haben sich die beiden richtigen gefunden um der Fußball Welt zu zeigen vor welchen Abgrund wir stehen. Ich werde mir kein einziges Spiel anschauen.

  7. Der Alte

    Seit wann ist Profifußball auf höchstem Niveau etwas anderes als big money, Politik und PR-Aktion? Auch ein selbsternannter moralischer Sauberman wie Gullit war Teil des Systems und hat sich schwer die Konten voll gemacht. Alles nur doppelmoralige Heuchler, von Blatter, Platini, Infantino bis zu Gullit. Ganz zu schweigen von bestochenen Schiris und Mafiosi im Spielermanager-Milieu. Wer Sport sehen will muss zur 2. Provinzklasse gehen.

  8. Peter S.

    Man hätte die WM auf Mexiko und Kanada beschränken können, ohne die USA. Die in Kolumbien 1986 geplante WM ist auch kurzfristig nach Mexiko verlegt worden. Das Problem, das damals Pablo Escobar hieß, heißt heute Donald Trump.

  9. Hinterlisstige Bande

    Es ist doch viel interissanter im Walde Fuchs und Hase zu beobachten beim Liebesspiel , als von solchen hinterlisstigen und korrupten Typen wie Trump und Infantino im Fernseher belästigt zu werden .

  10. Reinhard

    Ruud Gullit hat mit allem zu 100% recht !!! Ich schlage Ruud Gullit,- nach einer hoffentlich stattfindenden Abwahl von Infantino (den Charakter zum Rücktritthat er nicht) als neuen FIFA-Präsidenten vor.

    • Der Alte

      Koennen Sie machen aber glauben Sie, dass die afrikanischen und lateinamerikanischen Staaten bereit sind, das aktuelle System, das auf Geld und Korruption gruendet, abzuaendern. Ist wie die UNO, einst eurozentristisch gegruendet, mittlerweile von anderen Erdteilen dominiert, deren Kultur, Werte und Interessen den westlichen fast diametral entgegengesetzt sind.

  11. Es ist immer ein Krieg Reich gegen Arm, egal ob beim Fußball, im richtigen Krieg oder in der Wirtschaft. Und die Reichen wissen, dass sie immer gewinnen werden. Immer! Und die Superreichen, die in ihrer Blase leben, in die kein Normalo je Zutritt bekommt, kennen sich alle und schieben sich die Pfründe hin und her. Reiche werden immer reicher! Und all das hat System. Da nützt auch kein Jammern. Die Reichen wissen, dass sie immer gewinnen werden.

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