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Belgien setzt auf Vorsorge: Regierung empfiehlt der Bevölkerung Notfallpakete für Krisensituationen

Das Notfallset für den Haushalt. Foto: Shutterstock

Die Föderalregierung hat die Bevölkerung offiziell dazu aufgerufen, ein Notfallpaket für den Ernstfall bereitzuhalten. Die Maßnahme ist Teil einer landesweiten Kampagne zur Stärkung der Krisenvorsorge und soll Bürger befähigen, kurzfristige Ausnahmesituationen eigenständig zu bewältigen.

Im Zentrum der Empfehlungen steht ein Notfallset für den Haushalt. Dieses soll unter anderem Lebensmittel und Trinkwasser für mindestens drei Tage enthalten. Ergänzt wird die Liste durch wichtige Hilfsmittel wie eine Taschenlampe, Ersatzbatterien und ein Notfallradio, um auch bei Stromausfällen informiert zu bleiben.

Die Initiative geht jedoch über die reine Vorratshaltung hinaus. Laut dem belgisches Krisenzentrum wird empfohlen, Notfallausrüstung auch an anderen Orten vorzuhalten, etwa im Auto, am Arbeitsplatz oder in öffentlichen Einrichtungen.

Ein Erste-Hilfe-Kasten im Kofferraum eines Fahrzeuges. Foto: Shutterstock

Für Fahrzeuge werden beispielsweise zusätzliche Gegenstände wie ein Erste-Hilfe-Kasten, Warnwesten, Decken oder saisonabhängige Ausrüstung angeraten.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Eigenverantwortung der Bevölkerung. Ziel ist es, dass Bürgerinnen und Bürger die ersten Stunden einer Krise selbstständig überbrücken können. Dadurch sollen Einsatzkräfte entlastet und die allgemeine Widerstandsfähigkeit der Gesellschaft gestärkt werden.

Diese Einschätzung unterstreicht auch Innenminister Bernard Quintin (MR). Bürger müssten in der Lage sein, im Ernstfall mindestens 72 Stunden eigenständig zurechtzukommen. Dazu zählten Wasser, haltbare Lebensmittel, ein Vorrat an Medikamenten sowie einfache Ausrüstung wie Taschenlampen. Es handle sich dabei „um nichts Dramatisches oder Beängstigendes“, sondern um eine grundlegende Vorbereitung. In vielen Gefahrensituationen sei es zudem ratsam, zunächst zu Hause zu bleiben.

Das Warnsystem Be-Alert hat sich bereits während der Covid-Pandemie bewährt. Foto: Shutterstock

Mit Blick auf die Hintergründe verwies der Minister auf veränderte Rahmenbedingungen: Klimawandel und geopolitische Entwicklungen hätten die Risikolage in Europa spürbar verändert. Ziel sei es nicht, Angst zu schüren, jedoch dürfe man die Augen vor möglichen Gefahren nicht verschließen. Europa habe zwar eine außergewöhnlich lange Friedensphase erlebt, doch die aktuelle Lage erfordere ein höheres Maß an Wachsamkeit und Vorbereitung. Als Beispiel nannte Quintin insbesondere Regionen in Nordeuropa, die stärker sicherheitspolitischen Spannungen ausgesetzt seien.

Neben materieller Vorsorge empfiehlt das Krisenzentrum auch organisatorische Maßnahmen. Dazu gehört die Erstellung eines persönlichen Notfallplans, in dem wichtige Kontakte, Treffpunkte und Dokumente festgehalten werden. Ebenso wird geraten, sich im Vorfeld mit grundlegenden Verhaltensregeln für verschiedene Krisenszenarien vertraut zu machen – etwa bei Naturkatastrophen oder technischen Störungen.

Ein zentraler Bestandteil der staatlichen Krisenkommunikation ist zudem das Warnsystem BE-Alert. Über dieses System können Behörden die Bevölkerung per SMS, E-Mail oder Telefonanruf schnell und gezielt über Gefahrenlagen informieren. Eine Registrierung wird ausdrücklich empfohlen, um im Ernstfall zeitnah gewarnt zu werden. (cre)

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