Nachrichten

ANALYSE – Vier Gründe für Deutschlands Scheitern bei WM

29.06.2026, USA, Foxborough: Waldemar Anton (l-r, Deutschland), Nathaniel Brown (Deutschland), Jonathan Tah (Deutschland), Malick Thiaw (Deutschland), Leon Goretzka (Deutschland), Nadiem Amiri (Deutschland), Jamal Musiala (Deutschland), Joshua Kimmich (Deutschland), Kai Havertz (Deutschland) und Nick Woltemade (Deutschland) beim Elfmeterschießen. Foto: Tom Weller/dpa

Jahrelang wurde trotz Misserfolgen von Qualität und Potenzial der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gesprochen. Ein fataler Trugschluss. Nach dem dritten frühen WM-Aus ist klar: Die Gründe für das Scheitern sind vielfältig.

Die einstmals große Fußball-Nation Deutschland sucht nach Erklärungen. Dem Aus im Elfmeter-Drama von Foxborough gegen Paraguay folgt nach dem ersten Schock die Frage nach dem Warum. 2018, 2022, 2026. Der schmerzhafte Dreiklang des WM-Scheiterns der Nationalmannschaft muss tieferliegende Gründe haben. Tatsächlich sind es für das aktuelle Turnier in Amerika gleich mehrere.

„Wenn du in der ersten K.o.-Runde ausscheidest bei so einem großen Turnier mit 48 Mannschaften, ist das deutlich zu wenig für den deutschen Fußball“, sagte Bundestrainer Julian Nagelsmann. Abwehrspieler Antonio Rüdiger sieht den Zeitpunkt für eine grundlegende Aufarbeitung der Defizite gekommen. „Wenn man dreimal so kläglich ausscheidet, muss man alles hinterfragen.“

Das sind die wesentlichen Gründe für das erneute Turnier-Aus:

29.06.2026, USA, Foxborough: Torhüter Manuel Neuer (Deutschland) pariert den Schuss von Fabian Balbuena (Paraguay). Foto: Tom Weller/dpa

– Die Qualität: Zwei Wörter gehören jetzt auf den Index, wenn es um die DFB-Elf geht. Qualität und Potenzial. Immer wieder wurden der Nationalmannschaft in den letzten Jahren diese wesentlichen Attribute zugeschrieben. Doch jetzt gibt es kein Herumreden mehr. Der deutsche Fußball gehört nicht mehr zur Weltspitze. Das ist ein unumstößlicher wie schmerzhafter Fakt – den auch alle Beteiligten einräumen.

„Es wäre vermessen, wenn wir nach dem dritten großen Turnier sagen, wir gehören noch zur Weltspitze, das tun wir einfach nicht“, sagte Nagelsmann. Mit seinem Titelziel hatte er schon vor zwei Jahren die Messlatte viel zu hoch gelegt. Einzelspieler sind sicherlich auf Topniveau, auch in ihren Clubs aber von besseren internationalen Akteuren umgeben. Die Bayern sind mit Englands Harry Kane, Frankreichs Michael Olise und Kolumbiens Luis Díaz das beste Beispiel.

Bei den vergangenen Turnier-Enttäuschungen wurde immer noch vom Potenzial gesprochen, das nur nicht abgerufen wurde. Irgendwann werde das Talent schon Erfolg bringen. Es klang wie eine Versicherung für die Zukunft. Diese Police ist abgelaufen. Sie zahlt im Schadensfall nicht aus.

– Die Mentalität: Wer Leistung bringt, muss leiden können. Doch die ganze WM-Kampagne stand von Anfang an unter einem von Nagelsmann eigentümlich formulierten Leitmotto. Der Familiengedanke wurde großgeschrieben. Und damit war nicht gemeint, dass Partnerinnen und Kinder nach jedem Spiel ins Teamhotel The Graylyn Estate einfliegen durften. Das ist noch ein anderes Kapitel einer übertriebenen Wohlfühl-Gesellschaft.

29.06.2026, USA, Foxborough: Bundestrainer Julian Nagelsmann (Deutschland) reagiert nach dem Spiel. Foto: Tom Weller/dpa

„Wir müssen wie eine Familie sein, in der jeder für den anderen da ist“, hatte der Bundestrainer in der Turniervorbereitung gesagt. Nagelsmann setzte unter seinen Spielern auf Harmonie statt Konkurrenzkampf. Die von ihm verteilten Rollen waren die Vorgabe, sie waren ein Mantra. Das sollte Sicherheit geben, lähmte aber auch. Und passte nicht zum ultraharten Profi-Geschäft.

Auch streitbare Spieler wie Antonio Rüdiger, der nicht als Harmoniebolzen gilt, akzeptierten die Vorgabe. Jeder lobte jeden, auch den direkten Stammplatz-Konkurrenten. Es entstand der Eindruck, dass jede Reibung vermieden werden soll. Nur warum? Aus Angst vor Konflikten? Wem hätten sie wehgetan?

Durch Reibung entsteht Energie. Nur wer sich puscht, kommt weiter. Gerade, wenn er dann auf Widerstände stößt – wie gegen vor Ehrgeiz und Aggressivität strotzende Teams aus Südamerika. Eiapopeia funktioniert nicht einmal in der Kreisliga, in der Fußballer nur Kumpels sein dürfen. Joshua Kimmich sagte einen Satz, der passt: „Am Ende geht es nur über den Erfolg – und nicht über Friede, Freude, Eierkuchen.“

– Die Trainerentscheidungen: Julian Nagelsmann ist immer noch ein junger Trainer. Er war der jüngste WM-Trainer aller 48 Teams. Doch als Bundestrainer muss man Fehler vermeiden. Der 38-Jährige lieferte durch seine Entscheidungen zu viele Angriffsflächen, wirkte trotz eines Heers an Beratern beratungsresistent. Er hielt lange, vielleicht zu lange an seinen Überzeugungen fest.

Kimmich nicht im Zentrum zu platzieren, war der Kardinalfehler. Man muss eine Elf von den wichtigen Positionen her denken. Im Zentrum brachten die Turnierneulinge Felix Nmecha und Aleksandar Pavlović keine Stabilität.

29.06.2026, USA, Foxborough: Torhüter Orlando Gill (Paraguay) und Waldemar Anton (Deutschland, Nr.3) stoßen vor dem Tor zusammen. Das anschließende Kopfballtor von Jonathan Tah wird vom Schiedsrichter aberkannt. Foto: Jan Woitas/dpa

Die Rückholaktion von Manuel Neuer führte zwar nicht zum Turnier-Aus. Doch gemessen am Ertrag war die Unruhe, die durch das Torwartthema entstand, nicht produktiv. Aura allein rettete keine Spiele. Und Deniz Undav? Den wollte Nagelsmann erst gar nicht, reizte ihn dann zu Topleistungen als Joker. Doch als er in der Startelf stand, war die Magie verpufft.

– Das Pech: Es ehrt alle Beteiligten von Nagelsmann über Kimmich bis zu Rüdiger: Keiner suchte eine Ausrede. Es hätte sie gegeben. Die VAR-Entscheidung gegen Jonathan Tahs vermeintlichen Siegtreffer zum 2:1 in der Verlängerung, die nicht nur Nagelsmann als «Vollskandal» empfand. Oder die Verletzungen, die auch sinnbildlich richtig weh taten.

Serge Gnabry vor der Nominierung, Lennart Karl kurz nach der Ankunft in Amerika. Und besonders Nico Schlotterbeck als einziger Innenverteidiger mit einem linken Fuß. Drei Spieler, die aus verschiedenen Gründen durch ihre individuellen Qualitäten den besonderen WM-Input hätten liefern können, fehlten.

Dass drei Ausfälle zum Komplett-Einsturz ihren Teil beitragen, führt aber wieder zur Qualitätsfrage. Andere Fußball-Nationen – gerade die Franzosen – haben ein schier unerschöpfliches Reservoir an gleichwertigen Ersatzleuten. Dass Nagelsmann diese nicht zur Verfügung hat, ist ein riesiges Pech, aber vor allem ein strukturelles Problem des deutschen Fußballs. (dpa)

30 Antworten auf “ANALYSE – Vier Gründe für Deutschlands Scheitern bei WM”

  1. Der Artikel widerspricht sich mehrfach.

    Erst wird propagiert, dass „wir müssen ein Falie sein / wohlfühloase“ blabla falsch sei weil “ Reibung Energie erzeuge“

    Um dann später festzustellen: Die Rückholaktion von Manuel Neuer führte zwar nicht zum Turnier-Aus. Doch gemessen am Ertrag war die Unruhe, die durch das Torwartthema entstand, nicht produktiv.

    Wat da nu? Reibung bringt Energie oder doch nicht?

    Ein schwacher Versuch einer Erklärung, liebe dpa

  2. Peter Müller

    Wenn du in der ersten K.o.-Runde ausscheidest bei so einem großen Turnier mit 48 Mannschaften, ist das deutlich zu wenig für den deutschen Fußball“, sagte Bundestrainer Julian Nagelsmann.
    Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen.
    Was sagte er vor der WM: Wir wollen Weltmeister werden ?.
    Leute wie er und Völler sollten besser ihr Amt niederlegen .
    Alle Leute haben gesehen, dass die Mannschaft nur noch seit Jahre Mittelmass ist.
    Wir stehen auch da, und meinen, dass wir besser sind , aber man sieht, dass man sich auch nur immer seit Jahre so durchschleppt. Eine Neue Mannschaft wächst über Jahre, und es muss alles passen.
    Schauen wir mal wo wir landen. auf jeden Fall besser als Deutschland und Holland. das sollte uns doch ein wenig Genugtuung geben.

  3. Hans Eichelberg

    BK Merz lobt das Spiel:
    Bundeskanzler Friedrich Merz : „Auch wenn das Ausscheiden schmerzt: Was für ein Spiel“, hieß es in einem Beitrag des offiziellen Kanzler-Accounts auf der Plattform X. „Mit eurem Einsatz und Teamgeist bei dieser WM habt ihr unser Land begeistert. Wir sind stolz auf euch.“

    „Ich weiß gar nicht, was schlimmer war. Das Spiel oder diese Analyse“, schrieb FDP-Europaabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann.

    X-Kanal der AfD: „Merz hat sich so sehr daran gewöhnt, die miserable Leistung seiner CDU schönzureden, dass er einfach nicht mehr anders kann.“

  4. Blaues Hufeisen

    Ehrlich? Man fragt ernsthaft nach den Gründen fürs Scheitern?
    Wie soll eine Mannschaft, dessen Land die eigene Identität und Nationalstolz getilgt hat, irgendetwas leisten. Ein Land das seine eigene Flagge verleugnet und durch einen Regenbogen ersetzt hat. Die ganze Zeit nur kuschen um bloß niemandem auf die Füße zu treten. Den Fußballfans auf deutschen Straßen wird angeraten doch bitte die Landesflagge einzupacken um keine falschen Eindrücke zu erwecke. Geht’s noch???
    Das Sahnehäubchen ist der „beste“ Bundeskanzler aller Zeiten, der dieses Debakel auch noch schön redet. Dabei sein ist ja bekanntlich alles.
    Woher soll eine Nationalmannschaft da ihren Kampfgeist beziehen?
    Das Ganze ist auch schon lange nicht mehr zum Lachen sondern einfach nur noch traurig.

            • Ex-Fussballprofi

              Das ist alles totaler Quatsch, weil hier Politik und Sport völlig dumm in einen Topf geworfen werden. Ein Fußballspiel wird auf dem Platz entschieden und zwar durch Taktik, Fitness, Einzelfehler und wie gut die Spieler als Team funktionieren. Den Spielern ist es beim Anpfiff völlig egal, welche Flagge draußen auf der Straße hängt oder worüber die Politiker gerade streiten. Das sind Profis, die gewinnen wollen, weil sie ehrgeizig sind und ihren Job lieben, nicht weil ihnen irgendeine Staatsideologie vorgesetzt wird.

              Außerdem zeigt der Blick auf andere Länder, dass dieses Argument hinkt. Mannschaften wie England oder Frankreich haben genau dieselben gesellschaftlichen Diskussionen oder setzen sich für Vielfalt ein und spielen trotzdem ganz oben mit. Das eine hat mit dem anderen also überhaupt nichts zu tun.

              Wer behauptet, dass der Kampfgeist wegen politischer Themen fehlt, projiziert eigentlich nur seinen eigenen politischen Frust auf den Fußball. Anstatt über die echten sportlichen Probleme zu reden, wie die Nachwuchsförderung, Fehler in der Abwehr oder einfach Pech und Tagesform, sucht man die Schuld bei irgendwelchen Symbolen. Das ist einfach nur der billige Versuch, das Turnierende für die eigene politische Meinung auszunutzen.
              Unsere übliche OD-Schwurbelfraktion at it’s best.
              Ab in die Tonne

    • Cocolöres

      Die Nationalmannschaft ist wie das ganze Land weichgespült und trägt mittlerweile lieber Regenbogenbinden anstatt Kampfgeist zu zeigen. Ist genauso, wie wenn deutsche Politiker mit der Kippa zu Gedenktagen rumlaufen, und dann immer diese ewigen Entschuldigungen und Schuldeingeständnisse von Taten die vor über 80 Jahren von anderen Generationen begangen wurden. Da ist kein Platz mehr für Nationalstolz und deutsche Fahnen schwenken.

  5. Völlig abgeschmiert in de Wm, steht jetzt der Reisebus und fährt euch nqch Haus. So geht der Song.
    Wie immerr „Wir werden Weltmeister“;, das neue Sommermärchen… Ihr gehört schon lange nicht mehr zu Weltspitze. Das war einmal. Die Entscheidung vom Schiri völlig in Ordnung. Tchüss ihr Helden, vielleicht klappt es nochmal in 50 Jahren…..

    • Aber damals hier das Liedchen über alles in der Welt und weiter ging’s heute gehört uns Deutschland und morgen die ganze Welt hätten Sie gerne gehabt aber schief gegangen ! Hochmut kommt dem Fall deutsches Sprichwort stimmt genau ! Apropo wo ist das braune Peterchens ? An die Front und von den Russen erschossen ?

  6. Bundesinsolvenzverwalter

    2 Millionen Euro jährlich erhält der Bundestrainer vom DFB und trotz dieser Traumgage war er nicht motiviert genug, um eine schlagkräftige Truppe aufzubauen und auszubilden.

  7. Peter Müller

    Noch ein Grund für das Ausscheiden. Der Trainer ist doch noch so Jung. Dafür hatte er doch auch seine Mutti mitgenommen. Und „Tante Käthe“ hatte sich gefreut, mit jemanden ein Tässchen Kaffee trinken zu können. :-)) anstatt sich um die Mannschaft zu kümmern.

    • Na,na,na, Peter.
      Der Trainer hat doch bei dir nie Schuld.
      Ich erinnere gerne an deine Lobeshymnen auf Tedesco.
      Der andere Klassenprimus der deutschen Trainerschule.
      Beide völlig überbewertet.
      Belgien hat zum Glück die Reißleine nach EM gezogen.
      Deutschland hat sich Heim-EM- Bonus und Cucurella-Gejammer blenden lassen.
      In die Reihe passt noch Tuchel, der auch bald einen neuen Job sucht.

Antworten

Impressum Datenschutzerklärung
Desktop Version anfordern