Standpunkt

Máxima, Mathilde und das Royal Baby: Monarchie im Aufwind

Wenn es in Europas Königshäusern eine Geburt oder eine Hochzeit zu vermelden gibt, geht in den Zeitungen und Illustrierten die Post ab. Die Fernsehanstalten stehen der geschriebenen Presse in nichts nach. Und auch im Hörfunk reiht sich eine Livesendung an die andere. Aber warum nur? Und warum ausgerechnet in einer Zeit, wo die Bürger nach mehr Demokratie schreien? Eine Antwort ist: Europas Monarchen haben offensichtlich die Zeichen der Zeit erkannt.

Die Monarchie ist heute in Großbritannien so beliebt wie nie zuvor. Die große Krise, die in den 1990er Jahre mit dem Rosenkrieg zwischen Charles und Lady Di und vor allem mit Dianas Unfalltod in Paris 1997 ihren tragischen Höhepunkt erreichte, scheint vergessen. Derzeit sehen sich 77% der Briten als Monarchisten.

Auch in Belgien hat der Thronwechsel vom letzten Sonntag den Royals einen Schub gegeben. Und bereits einige Monate zuvor, als in den Niederlanden Königin Beatrix zu Gunsten ihres Sohnes Willem-Alexander abdankte, war die Begeisterung groß. Zwar melden sich auch in solchen Momenten verstärkt Anti-Monarchisten zu Wort, doch ihre Kritik geht im Jubel völlig unter.

Mehr Menschlichkeit in der Monarchie

Es hat viel mit Personen zu tun – insbesondere mit Frauen. Prinzessin Diana stand für mehr Menschlichkeit in der einst abgehobenen Monarchie. Für mehr Schönheit sowieso. Bei Herzogin Kate, der niederländischen Königin Máxima und der neuen belgischen Königin Mathilde paaren sich Glamour und Schlichtheit. Das macht diese Frauen so populär.

Zu Traditionen und Ritualen haben die Republikaner bis heute keine überzeugenden Alternativen gefunden. Es gibt zwar Staatspräsidenten, die sich einen besonderen Glamour verpassen wollen, um sich ebenfalls einen Platz in der Bilderwelt der Boulevardpresse und der Illustrierten zu sichern. Man denke nur an den ehemaligen deutschen Bundespräsidenten Christian Wulff, der mit seiner Frau Bettina lange Zeit die Titelseiten der Boulevardpresse füllte. Doch ohne den ganzen Pomp der Monarchie hat ein republikanisches Glamour-Paar keine Chance.

Das Schreckgespenst der N-VA

Trotzdem müssen sich auch Monarchen die Unterstützung durch das Volk erst verdienen. Am Beispiel von Königin Fabiola zeigt sich, wie verheerend die Folgen sein können, wenn königliche Hoheiten Fehler machen oder falsch beraten werden.

In Belgien wird die Kürzung der Dotation für die königliche Familie Philippe und Mathilde gelegen kommen. Die Bezüge, die das Königshaus bisher bezog, waren unangemessen hoch und vor allem kontraproduktiv. Sie riefen Animositäten gegen das Königshaus hervor.

So aber hat man einen Kompromiss gefunden, der für alle akzeptabel ist. Weniger Geld für weniger Monarchen. Dass man nicht schon viel früher auf diese Formel gekommen ist… Eigentlich müssten alle Royalisten in diesem Land den flämischen Nationalisten der N-VA dankbar sein. Deren Schreckgespenst hat dafür gesorgt, dass Scheuklappen abgelegt und Tabus gebrochen wurden.

GERARD CREMER

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5 Antworten auf “Máxima, Mathilde und das Royal Baby: Monarchie im Aufwind”

  1. Die Monarchie ist nur deshalb die vermeintlich bessere Staatsform, weil die Politik und Parteien nicht den Beweis erbracht haben, dass eine Republik demokratischer und gerechter ist. So hat das Volk lieber undemokratische Monarchen als Staatsoberhäupter als demokratische Politiker, die machtbesessen sind und nur sich selbst und ihrer Partei gehorchen, nicht aber dem Volk. Von möglicher Korruption mag ich nicht sprechen. Das hängt auch davon ab, ob in einer Republik der Präsident tatsächlich Macht ausübt (wie in F oder in den USA) oder nicht (wie in D). Dass sich in den USA ein Präsident seinen Wahlkampf von Konzernen finanzieren lässt, die er dann nachher auch zufriedenstellen muss, ist für mich eine Form von Korruption, wenn auch legal und transparent.

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