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LESERBRIEF – Durch jede zusätzliche Norm und Regelung steigen Lebenshaltungskosten

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In der Welt der kleinen Vermieter gestaltet sich das Leben derzeit äußerst anspruchsvoll. Obwohl wir auf föderaler Ebene knapp einer Steuerreform entgangen sind, die darauf abzielte, Steuereinnahmen durch die Besteuerung der tatsächlichen Mieten zu generieren, halten wir den Atem an und blicken mit Spannung auf die nächste Legislaturperiode.

Die aktuelle Situation im Bauwesen gibt Anlass zur Sorge: Der Mangel an Arbeitskräften, insbesondere qualifizierten Facharbeitern, erschwert die Rekrutierung neuer Mitarbeiter und intensiviert den Wettbewerb zwischen den Unternehmen. Dies führt zu einem Anstieg der Löhne, um qualifiziertes Personal zu gewinnen.

Zusätzlich zu diesen Herausforderungen belastet der drastische Anstieg der Baumaterialpreise (innerhalb eines Jahres um 27%) die finanzielle Situation der kleinen Vermieter weiter.

Das Pariser Klimaabkommen, bei dem Belgien zu den Unterzeichnern gehört, wird uns vorschreiben, wie wir leben sollen, und uns zwingen, einen spezifischen Luft-Klima-Energieplan (PACE) mit konkreten Zielen für den Bausektor zu verfolgen. Es wird uns auch klimabezogene Maßnahmen auferlegen, um das Ziel der CO2-Neutralität bis 2050 zu erreichen.

Der „Certificat PEB“, der ursprünglich informativ gedacht war, hat bereits eine strafende Dimension angenommen und wird in Zukunft wohl noch repressiver werden. Ein absurdes Beispiel für belgischen Surrealismus zeigt sich in der bemerkenswerten Divergenz der PEB-Werte in den drei Regionen: Eine Immobilie mit einem Verbrauch von 275 kWh/m²/Jahr erhält in Flandern ein PEB „C“, in Wallonien ein „D“ und in Brüssel ein „E“! Ein Unterschied von immerhin 2 Buchstaben.

Der private Mietmarkt stützt sich auf eine beträchtliche Anzahl kleiner Vermieter, die ihre Immobilieninvestitionen und die daraus resultierenden Einkommen als Ergänzung zu ihrem Vermögen und Einkommen betrachten, insbesondere im Alter. Denken wir nur an die Selbstständigen.

In der Wallonie sind die Mehrheit (über 57%) im Besitz ihrer Eigentümer. Mehr als jeder fünfte Wohnraum (21,4%) wird von einem privaten Vermieter vermietet.

Für kleine Vermieter führen diese vielfältigen Faktoren zu einer finanziell herausfordernden Situation, da die Bau- und Renovierungskosten stetig steigen. Infolgedessen werden diese zusätzlichen Kosten oft auf die Mieter umgelegt, die schlussendlich die Last dieser ungünstigen Konjunktur tragen.

Auch in der Deutschsprachigen Gemeinschaft stehen kleine Immobilieneigentümer vor erheblichen Herausforderungen aufgrund verschärfter Vorschriften, die von der Begrenzung der Mietpreiserhöhungen bis zur Notwendigkeit teurer Renovierungen reichen.

Der schrittweise Renovierungsprozess von Häusern kann sich als komplexe Herausforderung darstellen. Neben den allgemeinen Schwierigkeiten im Bauwesen stehen kleine Vermieter vor weiteren Hindernissen. Die Steuern auf leere Immobilien bremsen die Finanzierung von Renovierungsprojekten erheblich, was die ohnehin schon angespannte finanzielle Lage dieser Eigentümer weiter verschärft.

Die zahlreichen Schwierigkeiten, mit denen die Opfer von Überschwemmungen konfrontiert sind, dürfen ebenfalls nicht übersehen werden. Diese Naturkatastrophen setzen nicht nur die Betroffenen unter emotionalen Stress, sondern führen auch zu erheblichen materiellen Verlusten. Kleine Vermieter, die von solchen Naturereignissen betroffen sind, stehen vor der doppelten Herausforderung, ihre eigenen Verluste zu bewältigen und gleichzeitig ihre Mietobjekte wiederherzustellen.

In dieser Zeit der Unsicherheit und Belastung ist es wichtig, dass staatliche Maßnahmen die kleinen Vermieter unterstützen (auch hier hat der Staat seine Aufgaben nicht erfüllt), sei es durch steuerliche Erleichterungen, Förderprogramme für Renovierungen oder Hilfe für die Opfer von Naturkatastrophen. Nur durch eine umfassende und koordinierte Unterstützung können wir sicherstellen, dass diese Vermieter weiterhin einen Beitrag zum Wohnungsmarkt leisten können, während sie gleichzeitig mit den zahlreichen Herausforderungen umgehen müssen, die auf sie zukommen. Es sei jedoch nicht zu übersehen, dass jede zusätzliche Norm und Regelung die Lebenshaltungskosten erhöht und die belgischen Bürger dazu zwingt, auf Kredit zu leben – die Frage bleibt, wie lange noch.

Man kann nicht ewig über seine Verhältnisse leben, und Klimareformen sind ein Luxus, den wir nicht finanzieren können.

24.11.2023 Pascale Baudimont, Eupen

13 Antworten auf “LESERBRIEF – Durch jede zusätzliche Norm und Regelung steigen Lebenshaltungskosten”

  1. Zuhörer

    Sehr geehrter Herr Baudimont.
    Da kommt noch viel mehr auf uns zu. Ich hatte vor fünf Jahre ein neues Auto gekauft. Das vorige war noch wie neu, aber es nur E4 war, hatte ich mich für ein neues entschieden. Dieses neue Fahrzeug muss ich dann Ende 2029 verschrotten lassen, weil in der Wallonie diese Euronorm auch noch verboten wird. Wie soll ich dann noch zum Arzt kommen? Wo ich wohne ist keine Busverbindung dort hin. (15km)
    Wie können wir noch einkaufen? E-Auto ist nicht mehr bezahlbar. Dann kommt noch Führerschein Erneuerung ab 70.
    Dann zu unserem Haus. in meinem Alter kann ich mir den umbau zur Klmimaneutrzlität nicht mehr leisten, und Kredit geht jetzt sowieso nicht mehr.
    Was sollen wir dann machen?
    Vielleicht Ableben? Danach sind wir auch bestimmt Klimaneutral.
    Wollen die Politiker dass?
    Wie und was denken diese Leute sich dabei? Die leben in einer anderen Welt.

    Übrigens, in Island und Italien werden wieder Vulkanausbrüche befürchtet.
    Was ist da mit CO2 und Feinstaub? Da hört man in den Medien nichts von.
    Der Ukrainekrieg hat in 20 Monate mehr CO2 verursacht wie der Autoverkehr Deutschlands in 600 Jahre nicht produzieren kann.
    Die Politik soll sich auf Frieden und soziale Gerechtigkeit konzentrieren, und nicht auf Hexenjagd. Sind die Menschen noch immer nicht schlauer als im Mittelalter?

  2. Bravo Frau Baudimont - genau so ist es!!

    Man braucht sich nur die Thermo-Drohnenbespitzelung der Eupener Grünen an zu sehen, um zu wissen wohin die Reise geht – von wegen „Hilfe für die Hausbesitzer!“. Da wird noch so mancheiner sein Häuschen „verschenken“ müssen, weil es nicht nach grünen Maßstäben isoliert ist und er sich diese Isolierung nicht leisten kann – wie lange schlafen die Bürger eigentlich noch?!

    • Gastleser

      Und vermutlich auch mehr echte Weiterbildung…
      Aber gut, Arbeitgeber möchte man auch nicht sein.
      Nicht jeder ist für jeden Beruf geeignet, lustige neue Auflagen aus Brüssel und dann absehbar die Bespaßung von zwangsrekrutierten Arbeitslosen…

  3. Alles gut und schön ! Und hier ein paar Fakten !

    „In der Welt des kleinen Vermieter…………………..“

    ich habe mir in der letzten Zeit einige Wohnung in Eupen angesehen, z.B. eine groß angepriesene aus der Zeitung.

    1.- max 25qm für 450€ kalt.
    2.- total runtergekommen.
    3.- 3 Räume ohne Türen dazwischen.
    4.- in der ganzen Wohnung 4 Steckdosen.
    5.- in der Wohnung für Bad, Küche, Wohnzimmer und Schlafzimmer, insgesammt nur 2 Lichtschalter.
    6.- keine möglichkeit für die Waschmaschine oder Kühlschrank zu stellen.
    7.- unmöglich ein Bett im Schlafzimmer aufzustellen.
    8.- unrenoviert, alles alt und verschlissen.
    9.- ein kleiner alter total kaputter Holzofen als Heizung in der Ecke.
    10.- Bad ein 20 Liter Boiler, zum Duschen.
    usw.

    dafür verlangen dann macnche Vermieter viel GELD ! und Kaution !

    Weiter:
    Viele Makler türken die Energiepässe, um mehr für das Objekt zu bekommen, ergo mehr mit dem Objekt zu verdienen. Der Dumme der Käufer und ggf. der Mieter, die dann draufzahlen müssen. Bessere Energiewerte um so mehr ist das Objekt Wert, bzw. kann die Idexierung hochgetrieben werden, usw..

    Makler erzählen den Interessenten dass balue vom Himmel um ggf. unbewohnbare Objekte als goldenes Schnäppchen dastehen zu lassen. Nein dass sind keine Einzelfälle, dass ist die Regel.

    • Baudimont

      Es ist bedauerlich, dass viele Menschen heutzutage Schwierigkeiten haben, sich nicht nur ein eigenes Haus, sondern sogar mehrere Mietwohnungen zu leisten (z. B. um eine kleine Rente zu erhalten).
      Politische Entscheidungen haben dazu geführt, dass sich das Mieten von Wohnungen aufgrund von Einschränkungen und Verpflichtungen nicht mehr lohnt.

      Strenge Vorschriften führen dazu, dass Eigentümer zögern, ihre Immobilien zu vermieten, insbesondere wenn dies mit hohen Kosten und Bürokratie verbunden ist.

      Es muss ein Gleichgewicht gefunden werden, das die Rechte und Bedürfnisse sowohl der Mieter als auch der Vermieter berücksichtigt.
      Zu viele Vorschriften haben dazu geführt, dass sich Vermieter vom Markt zurückgezogen haben, was letztendlich zu einem Mangel an erschwinglichem Wohnraum geführt hat.
      Eine Überprüfung der derzeitigen Politik ist notwendig, um sicherzustellen, dass der Wohnungsmarkt sowohl für Mieter als auch für Vermieter fair und funktional ist. Das Gleichgewicht zwischen dem Schutz der Rechte von Mietern und der Schaffung eines Umfelds, in dem Vermieter profitabel arbeiten können, ist entscheidend für eine gesunde, funktionale und erschwingliche Mietwohnungslandschaft.

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