Kultur

Bruno Kartheuser auf den Spuren seines Großvaters Baltes von Recht über Swansea bis Schlommefurth

Autor Bruno Kartheuser und das Cover des Buches „Baltes von Schlommefurth“.

In der „edition Krautgarten“ ist soeben ein neues Geschichtsbuch veröffentlicht worden. Autor Bruno Kartheuser hat sich auf die Spuren seines Großvaters Baltes begeben, der einst über Chênée bei Lüttich nach Wales auswanderte. „Baltes von Schlommefurth“ lautet der Titel des Buches, das einen Einblick in das Leben der Menschen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts gewährt.

Stephan Pesch, der Chefredakteur des BRF, stellt seiner Reportage über diese Arbeit des Neundorfer Autors, die folgende Einschätzung voran: „Familiengeschichte, Heimatgeschichte, Wirtschafts- und Sozialgeschichte – das alles vereint eine neue Veröffentlichung, die Bruno Kartheuser jetzt vorgelegt hat. Das Buch mit dem Titel ‘Baltes von Schlommefurth’ handelt im Besonderen von seinem Großvater, aber generell auch von der Lebenssituation der Menschen in der zweiten Hälfte des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts.“

Bruno Kartheuser

Der Großvater lebte von 1877 bis 1962. Geboren war er in Recht. Nach dem Schulabschluss wurde er Industriearbeiter, zuerst in Lüttich, dann in der Schwerindustrie im walisischen Swansea, zusammen mit der Rechter Familie Schommers.

Auf die Arbeitsjahre folgte der Weltkrieg. Dann heiratete Baltes 1920 Regina Rose von der Rodter Mühle in Schlommefurth. Seine Ehefrau entstammt einer umtriebigen Eifeler Müllerfamilie, die schließlich in Crombach sesshaft wurde. In dieser historischen Erzählung wird auch zum ersten Mal die Entstehung der beiden Schlommefurther Mühlen dokumentarisch rekonstruiert.

Das Leben der beiden Familien in den 1930er und 1940er Jahren wird in einem Folgeband geschildert, der im Herbst erscheinen soll. Els Herrebout, die Leiterin des Staatsarchivs in Eupen, war eine der vier Lektorenpersönlichkeiten. Sie schrieb dem Autor: „Ich habe inzwischen den ersten Teil deiner Familiengeschichte durchgelesen und sehr gerne gelesen! Was für ein interessantes Leben! Man fragt sich effektiv, wie die Leute damals so ’rumgekommen’ sind. Die Geschichte mit Swansea war auch komplett neu für mich. Interessant dabei finde ich auch, dass Baltes zurückgekommen ist. Der Text ist in einer eleganten, gepflegten und literarischen Sprache geschrieben und liest sich sehr angenehm. Gehoben, aber angenehm.“

Einer der ersten Leser schrieb: „Ich habe dein Buch schon durch. Es hat mir sehr gefallen, obwohl ich kein Rodter bin. Ich freue mich schon auf die nächsten aus der Reihe.“

“Baltes von Schlommefurth” ist der Auftakt zu einer Serie, die unter dem Titel “Rodter Bilderbogen” das Dorf Rodt chronikartig für die Zeitspanne 1920-1950 erzählen und dokumentieren wird.

Weitere Infos unter www.krautgarten.be

31 Antworten auf “Bruno Kartheuser auf den Spuren seines Großvaters Baltes von Recht über Swansea bis Schlommefurth”

  1. Alle Achtung vor Herr Kartheuser .
    Er ist absolut ein hochintelligenter Mann.
    In all seinen Memoiren ist leicht festzustellen , daß viele seiner Kontrahenten ihm längst nicht das Wasser reichen können .

  2. Freddy Derwahl

    GRATULATION BRUNO,

    welch schöne Fleißarbeit, welche Ehre für die tapfere Familie und die ganze Region.
    Eine Geschichte, die weit über Ostbelgien hinaus ihresgleichen sucht.
    Hart recherchierte Fakten statt schmalzige Emotionen, stille Helden statt tumbe Lokalpatrioten.
    Ländlichkeit, die Respekt und staunende Verehrung fordert. Heimat bis in die
    tieferen Schichten der Seele.

    Und der Autor? Ein verkannter, verleumdeter und verfolgter Meister, der sich seine
    Liebe für Land und Leute der Eifel nicht nehmen ließ. Mehr noch: bei Bruno Kartheuser waltet
    eine bäuerliche Demut und Sprachkunst, die illusionslos um die Jahreszeiten des Lebens wissen
    und, wie die Eremiten der Grande Chartreuse, die Sprache der Sternennächte verstehen.

    Bestens,
    Freddy Derwahl

  3. Siegfried Lenz

    Wenn Freddy Derwahl der „Heinrich Böll von Ostbelgien“ ist, so kann man Bruno Kartheuser als „Siegfried Lenz von Ostbelgien“ bezeichnen. Sein neues Buch ist einfach fabelhaft.

  4. Erzähler

    „Baltes von Schlommefurth“ hat mir viel besser gefallen als das „Haus der Briefe“ von Alfred Küchenberg. Bruno Karheuser ist eben ein sehr guter Erzähler.
    Es war schon eine Schande, als Isabelle Weykmans dem „Krautgarten“ den Geldhahn abdrehte. „Der Krautgarten“ war ein wichtiger Baustein in der ostbelgischen Kultur.

    • Krautgarten

      „Der Krautgarten“, das Lebenswerk von Bruno Kartheuser, sollte wieder erscheinen. Die Kulturministerin, Isabelle Weykmans sollte ihre falsche Entscheidung revidieren. Wie konnte sie den intelligenten und hochbegabten Literaten Bruno Karheuser so abfertigen !!!

    • Ostbelgier

      Zu Erzähler: Sie können doch nicht eine Kapazität wie Bruno Kartheuser mit einem Gelegenheitsschreiber vergleichen. Was bei Küchenberg oft bemüht wirkt, ist bei Kartheuser literarisch kompetent.

  5. Recherche

    Obgleich „Baltes von Schlommefurth“ nicht ganz das Niveau des Romans „Schattenkinder“ von Marcel Bauer – ein Meilenstein in der ostbelgischen Literatur – erreicht, so hat mir das neue Buch von Bruno Kartheuser doch sehr gut gefallen – nicht zuletzt wegen der genauen Recherche und des gekonnten Erzählstils.

  6. „Baltes von Schlommefurth“

    Das neue Buch „Baltes von Schlommefurth“ wird auch viele Nichteifeler begeistern, denn Bruno Kartheuser versteht es sehr gut, den Leser in seinen Bann zu ziehen.
    Ich glaube, dass viele den nimmermüden und talentierten Schriftsteller unterschätzt haben.

  7. Fortsetzung

    Das neue Buch von Kartheuser ist so packend, dass man sich bereits auf die Fortsetzung des Werks freut. Viele haben gewiss den guten Bruno Kartheuser verkannt – nicht zuletzt die Kulturministerin Isabelle Weykmans, die von Literatur gar nichts versteht.

  8. Erwin Haep

    Beim Buchtitel „Baltes von Schlommefurth“ und dann vom Autor Bruno Kartheuser konnte man davon ausgehen, es nicht nur um Geschichtsschreibung ging. In der Tat, schon die zutreffende, sehr gelungene, weit ins Künstlerische hineinreichende deutsche Sprache ist für einen Ostbelgier mit seinem Kauderwelch ein tiefgreifender Genuss. Hinzu kommt die genaue, mit kritischer Beobachtung vorgetragene Beschreibung, die dem Leser Freiraum fürs Mitdenken gibt, etwa „Recht – ein Dorf in der Eifel“.

    Na sowas… Der zweisprachig, mit jeweiligem Dorfplatt, aufgewachsenen Ostbelgier erlebt einen Gewinn in der vom Autor gekonnt genutzten Begrifflichkeit. Der Leser findet das ihn selbst betreffenden Alltagsleben zurück. Eine Würdigung auf dem Totenzettel von Jon: „in seinem ganzen Wesen war er schlicht und einfach, aufrichtig und treu“. Einfache Wörter und doch so zutreffend.

    Diese Selbstverständlichkeit weckt Neugierde, verbunden mit einem unentwegten Schmunzeln, und bringt einem zum Weiterlesen. So erfährt man, ein dominantes Kriterium für die Ernennung des Bürgermeisters war das Vermögen; oder Baltes hatte nicht immer Zeit für die Schule; oder die Bedeutung der Pfarrer, die unentwegt auf Kirchenreichtum drängten.

    Eine Arbeit ist immer gut, wenn uns eigene Erinnerungen und Einfälle kommen: wir Kinder hatten schon den Sonntagsanzug, „Fruchtmühlen“ bezieht sich auf Platt die Fruut, die Frucht, das Getreide. Die Preußen waren nicht sehr beliebt, obwohl sie Bildung und Psychiatrie brachten, dennoch; „Der Vorübergang der Franzosen hat unsere Mobilität begünstigt“ und uns den Karneval gebracht. Die Auswanderung nach Wales brachte Wohlstand. Ganze Teile der Dörfer Weismes und des deutschen Rodts/ Auw sind nach Kanada ausgewandert.

    Ich kann ohnehin nicht anders als anzunehmen, dass in Ostbelgien die Orientierung Richtung Westen ging und das Französische als ein kultureller, wirtschaftlicher Gewinn anzusehen war und wohl noch ist, und den Pioniergeist anfacht.

    Da es im zu erwartenden zweiten Buch bis 1960 geht, wird sicher auch etwas über den väterlichen Zweig des Autors zu erfahren sein und womöglich über die Neugier der Mutter der Ostbelgierin in der Welt. Ausgangspunkt ist Schlommefurth
    Ubi bene ibi patria… eben Schlommefurth

    Erwin Haep

  9. Buch ohne Rührseligkeit

    Der Autor Bruno Kartheuser schafft es, die Geschichte seines Großvaters ohne Rührseligkeit zu erzählen. „Baltes von Schlommefurth“ ist ein gutes Buch, weil es so echt wirkt.

  10. Wie ein guter Wein

    Bruno Kartheuser ist wie ein guter Wein: Je älter, um so besser. „Baltes von Schlommefurth“ ist m.E. das beste Buch, das er bisher geschrieben: Ein Heimatbuch ohne Pathos.

  11. Gerd Havenith

    Herzlichen Glückwunsch zu Deinem neuen Buch. Die Lektüre war sehr anregend. Dein neues Werk überzeugt durch genaue Recherche, gute Illustrierung und einen literarisch anspruchsvollen Erzählton. Prima.

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