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Frankreich-Urlauber aufgepasst: Ab heute Tempo 80 auf Landstraßen

02.07.2015, Frankreich, Valence: Autos fahren an der Nationalstraße N7 an einem Verkehrsschild vorbei, das 80 km/h als Höchstgeschwindigkeit ausweist. Das Tempolimit von 80 km/h gilt ab 01.07.2018 auf Land- und Nebenstraßen. Foto: Philippe Desmazes/AFP/dpa

Das Tempolimit auf französischen Landstraßen sinkt ab dem heutigen Sonntag, 1. Juli 2018, auf 80 km/h. Der Schritt hat vor allem in ländlichen Gebieten einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.

Frankreichs Premierminister Édouard Philippe wusste, dass er mit diesem Thema bei vielen seiner Landsleute keine Beliebtheitspunkte sammelt. Seit Monaten grollen Autofahrer darüber, dass sie auf vielen französischen Straßen künftig früher den Fuß vom Gas nehmen müssen.

15.04.2018, Frankreich, Paris: Luftballons und Aufkleber mit durchkreuzten Verkehrszeichen für 80 km/h als Höchstgeschwindigkeit, sind bei einer Demonstration gegen die neue Geschwindigkeitsbegrenzung zu sehen. Das Tempolimit von 80 km/h gilt ab 01.07.2018 auf Land- und Nebenstraßen. Foto: Christophe Archambault/AFP/dpa

Am heutigen Sonntag tritt eine umstrittene Verschärfung des Tempolimits in Kraft – auf Landstraßen sind dann nur noch 80 statt 90 Kilometer pro Stunde erlaubt. Alle Radarfallen sollen pünktlich auf das niedrigere Limit scharfgestellt werden.

„Wenn man unbeliebt sein muss, um Leben zu retten, akzeptiere ich das“, sagte Philippe schon Anfang des Jahres. Die Regierung will die Zahl der Unfalltoten senken, die zwar 2013 einen Tiefststand erreicht hatte, dann aber drei Jahre nacheinander leicht anstieg. 300 bis 400 Leben könne man mit der niedrigeren Höchstgeschwindigkeit auf Landstraßen retten, lautet das Mantra. Und gut für die Umwelt sei sie auch noch, weil die Luftverschmutzung bei Tempo 80 geringer sei.

Drei Viertel der Franzosen dagegen

Doch laut Umfragen sind etwa drei Viertel der Franzosen gegen das neue Tempolimit. „Das geht mir auf den Wecker“, sagte ein Autofahrer dem Sender CNews. Ein anderer meint: „Das bringt nichts. Das ist noch eine Maßnahme, um Geld zu machen.“ Das Argument ist häufiger zu hören – da kann Paris noch so oft versichern, dass mögliche zusätzliche Bußgeldeinnahmen in die Versorgung von Unfallopfern fließen sollen.

Gerade aus ländlichen Regionen tönt Unverständnis. Im Département Hautes-Alpes im Südosten hat die Politik bereits angekündigt, im Gegenzug manche lokale Tempo-70-Begrenzungen zu streichen.

11.06.2018, Frankreich, Paris: Édouard Philippe, Premierminister von Frankreich (r, hier mit Belgiens Premier Charles Michel bei einer Pressekonferenz zum Thema Sicherheit): „Wenn man unbeliebt sein muss, um Leben zu retten, akzeptiere ich das.“ Foto: Benoit Doppagne/BELGA/dpa

3.448 Menschen wurden im vergangenen Jahr auf Frankreichs Straßen getötet (Überseegebiete nicht eingeschlossen).

Das neue Tempolimit gilt für alle Straßen mit jeweils nur einer Fahrspur pro Richtung, bei denen die Fahrtrichtungen nicht etwa mit einer Leitplanke getrennt sind. Mehr als die Hälfte aller Unfalltoten in Frankreich sind auf solchen Straßen zu beklagen.

Ein Beispiel: Im Elsass sinkt auf mehr als 3.500 Kilometern Département-Straßen die Höchstgeschwindigkeit. Im Verwaltungsbezirk Bas-Rhin, der Nordhälfte des Elsass, sollen Anfang kommender Woche etwa 150 Straßenschilder ausgetauscht werden. Die größeren Schilder an den Grenzübergängen würden ebenfalls verändert, sagte eine Sprecherin des Départements.

In Frankreich hat die Regierung zugesagt, dass die Neuregelung erstmal zwei Jahre versuchsweise gelten soll. „Wenn das nicht läuft, werden wir nicht weitermachen“, versicherte Staatschef Emmanuel Macron in einem TV-Interview. (dpa)

  1. Die meisten Franzosen haben sich nach meinen Erfahrungen schon nicht an die 90 km/h gehalten. Was soll denn dann das mit den 80 km/h. Der Staat macht sich nur lächerlich!

      • nicht DIE deutschen, aber vielleicht die regierenden deutschen. Wir sind ein exportland und werden auch die autobauernation genannt. Hier hat diese großindustrie großen einfluss auf die politik.

        An 5 fingern kann man sich die individuellen als auch gesellschaftlichen vorteile einer geringeren geschwindigkeit für den individualverkehr aufgführen. Zudem, der wirtschaftverkehr (warenfluss) ist nicht tangiert

        • Sie schreiben richtig, dass Deutschland eine Autobauernation ist. Große Teile seines Wohlstands entstammen dem Automobilbau und den Zulieferbereichen. Jedwedes Herumexperementieren an den rechtlichen Rahmenbedingungen schadet diesem Wirtschaftsbereich.
          Benennen und belegen Sie doch mal bitte, welche Vorteile durch ein Tempolimit, an das sich im Ausland schon jetzt kaum einer hält, gesellschaftlich hat.

          • Ja genau das ist das Problem, wuerde man sich an die vorgegebene Geschwindigkeit halten muessen solchen Massnahmen erst gar nicht ergriffen werden. Und die Dummkoepfe sind die, die meinen die Gesetze waeren fuer alle anderen nur nicht fuer sich selbst. Und das ist das Hauptproblem

            • überlegt mal kurz, was sich alles zum VORTEIL verändern würde. Es gibt KEINE nachteile als die individuelle gefühlswallung, erstmal GEGEN den persönliche freiheitsanspruch die dizipülin angelegt zu bekommen, die andere „selbstedizipilin aus einsicht“ nennen. und praktizieren.

              Die uns umgebeenden länder sind uns – auch diesbezüglich- mal wieder weit voraus.

              • @ gast

                Bei 2/3 der deutschen Autobahnen gelten Geschwindigkeitsbeschränkungen. das restliche Drittel befindet sich in der Regel auf Nebenautobahnen die kaum befahren werden.
                Fahren Sie einfach mal von hier nach Frankfurt Sie werden sich wundern wie wenig „freie Fahrt“ Sie haben.
                Das einzige was die Nachbarn uns voraus haben isr die Tatsache das sie weniger Schilder aufstellen müssen.

          • deuxtrois

            „Benennen und belegen Sie doch mal bitte, welche Vorteile durch ein Tempolimit, an das sich im Ausland schon jetzt kaum einer hält, gesellschaftlich hat.“

            Es hat einige Vorteile, wenn man sich z.B. die Autofahrer in Holland ansieht: Dort sind Verkehrsteilnehmer keine „Arschlöcher“, Radfahrer haben dort ein recht sicheres Leben (im Vergleich zu BEL/DEU). Es gibt dort eine ganz andere Mentalität und dort gilt nicht „wer zuletzt bremst, fährt länger schnell“, man kann ruhig und stressfrei im Verkehr mitschwimmen und wird nicht drangsaliert gefolgt von der Lichthupe. Und ja, das kann man auf einige strenge Gesetze zurück führen.

            • Und ja, das kann man auf einige strenge Gesetze zurück führen.

              @ deuxtrois

              Andernorts sind die Gesetze genauso streng. In den Niederlanden werden sie aber, im Gegensatz zu anderen Ländern, konsequent angewendeet.

            • Und ja, das kann man auf einige strenge Gesetze zurück führen.

              @ deuxtrois

              Andernorts sind die Gesetze genauso streng. In den Niederlanden werden sie aber, im Gegensatz zu anderen Ländern, konsequent angewendet.

  2. German angst

    Das Problem liegt bei unseren Politikern.
    Die einzigen Lösungen für Probleme sind neue Steuern,Steuererhöhungen, Verbote und Strafen.
    Dauerhafte Verhaltensänderung erzielt aber nicht durch ständigen Druck und Bestrafungen. Nicht mal bei einem Hund.
    Die Mischung machts.
    Die Lösung wäre im Strassenverkehr simpel. Falsches Verhalten weiterhin bestrafen und richtiges belohnen. Die Versicherungen machen es seit Jahren vor. Unfallfrei – der Versicherungsbeitrag sinkt. Unfall verursacht und die Kosten steigen. Simpel -oder ? Funktioniert in allen Ländern mit unterschiedlichen Systemen so.
    Warum nicht auch ein ähnliches System bei der Kraftfahrzeugsteuer einführen ?
    Sündenfrei der Beitrag sinkt. Raser,Falschparker,….es wird teurer.

    • Sockenschuss

      Gute Idee! Sehr guter Vorschlag.
      Würde Sinn machen
      Mit unseren 4 Fahrzeugen wären wir steuermässig dann auch bei bonus malus 0.
      Schon über 20 Jahre knöllchenfrei.
      Mit der ersparten Steuer würde sich ein Urlaub finanzieren lassen. Wenn das mal kein Ansporn wäre sich an die Verkehrsregeln zu halten. Urlaub auf Staatskosten bekommt da einen ganz anderen Sinn

  3. also der einsoichtige wird auch jetzt bereits eine der situation anapepasste geschwindigkeit fahren. Aber das ist nicht genug. Eine verlangamerung de sverkehrs kommt nicht nur einer älter werden gesellschaft entgegen.. Umweltgifte,Unfälle. Betriebskosten sinken…..alleon DAS ist schon grund genug, an der schraube zu drehen.
    Bei uns ist zu sehr der verkehrsminister ein wirtschaftsminister. Makaber, aber auch unfälle werden auis wirtschaftsgründen in kauf genommen……….NEIN, ich halte diese sichtweise NICHT für verständlich.und förderwürdig.

  4. Wir waren vor Kurzem in den Niederlanden unterwegs, Delft und Tilburg.
    Viel Autobahn, reger bis dichter Verkehr, vor allem im Großraum Amsterdam-Rotterdam.
    130 km/h, oft auch 120 km/h, dennoch auch bei dieser Geschwindigkeit und Verkehrsdichte völlig entspanntes Fahren, weil alle sich daran hielten.

    Ob das daran liegt, dass Verstöße konsequent geahndet werden? Ein Freund von mir geriet mal in eine Verkehrskontrolle, weil er 85 statt der erlaubten 80 km/h gefahren war. er wollte noch mit den Beamten diskutieren, bekam aber die lakonische Antwort: „Meneer, te snel is te snel“ und musste blechen.

    Allerdings muss man zu dem entspannten Fahren auch sagen, dass dort alle, aber wirklich alle Verkehrswege in einem tadellosen Zustand sind, was die Straßendecke, die Markierungen und die Beschilderung angeht, so als sei alles erst ein paar Tage alt.

    Hier dagegen… Selbst viele Autobahnstücke sind in einem schauderhaften Zustand, so dass man immer mit einem Auge auf die Fahrbahn achten muss, um halbwegs stossfrei zu fahren.

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