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Eyja wie? – Eyjafjallajökull: Vor 10 Jahren legte der Ausbruch eines isländischen Vulkans Flugverkehr lahm

17.04.2010, Island, Reykjavik: Der isländische Vulkan am Eyjafjallajökull-Gletscher stößt eine riesige Aschewolke aus. Die Aschewolke legte tagelang den Flugverkehr lahm. Foto: picture alliance / dpa

Island war für den Rest der Welt lange nur eine Insel irgendwo im Nordatlantik – dann brach vor zehn Jahren der Eyjafjallajökull aus. Die Aschewolke legte tagelang den Flugverkehr lahm. Dann schoss etwas ganz anderes als Asche in die Höhe: die Zahl der Island-Touristen.

Vor zehn Jahren brach der Vulkan inmitten des gleichnamigen Gletschers rund 130 Kilometer südöstlich von Reykjavik mit heftigster Naturgewalt aus, die darauf folgende kilometerhohe Aschewolke legte über mehrere Tage den internationalen Flugverkehr lahm. Es folgte das – bis zur Corona-Krise – größte Reisechaos der jüngeren Geschichte.

Millionen Menschen mussten nach der Eruption des 14. Aprils 2010 am Boden bleiben, weil die Vulkanasche für einen weitgehenden Flugstopp über Nord- und Mitteleuropa gesorgt hatte. Angeblich waren sechs Prozent der Weltbevölkerung von der Aschewolke betroffen, erzählt man sich heute, nicht ganz ohne Stolz, auf Island.

21.08.2019, Island, Hvolsvöllur: Ólafur Eggertsson und seine Frau Gudny Valberg stehen vor einer Tafel mit Informationen zu ihrer Farm. Eggertsson und Valberg gehörten zu den ersten Isländern, die vom Ausbruch des Eyjafjallajökull vor zehn Jahren betroffen waren. Foto: Steffen Trumpf/dpa

„Für uns war es seltsam, dass unser Gletscher schuld daran war, dass Millionen von Menschen irgendwo auf der Welt festsaßen“, erinnert sich Gudny Valberg. Sie und ihr Mann Ólafur Eggertsson hatten damals ganz andere Sorgen als die Nöte gestrandeter Flugpassagiere.

Nach dem Ausbruch legte sich eine sechs Zentimeter dicke Ascheschicht über ihren Hof, der direkt unterhalb des Eyjafjallajökulls steht. Bilder, die damals um die Welt gingen, zeigten immer wieder dasselbe: die Farm mit ihren weißen Häusern und roten Dächern, darüber die brutal riesige Aschewolke.

„Da waren gewaltige Kräfte am Werk“, sagt Eggertsson, als er auf seinem Hof über die Vorkommnisse des Frühjahrs 2010 spricht. Während unzählige Menschen an Flughäfen weltweit frustriert auf die Tafeln mit den roten „Cancelled“-Anzeigen blicken, geht es für ihn und seine Frau um viel mehr als einen ausgefallenen Flug: Die Familie ringt wegen der vulkanischen Aktivitäten erst mit den Fluten eines Flusses, der aufgrund von geschmolzenem Gletscherwasser über die Ufer getreten ist, dann legt sich der schwarze Ascheteppich über die Farm.

“Am helllichten Tag wurde es pechschwarz wie mitten im Winter“, erzählt Eggertsson. Die Familie kämpft in der Folge um ihren Hof, das Vieh auf den ehemals grünen Wiesen und letztlich um ihre Existenz.

In den letzten 1.500 Jahren nur fünfmal ausgebrochen

Zum Glück war Island vorbereitet. In den vergangenen 1.500 Jahren ist der Eyjafjallajökull nur fünfmal ausgebrochen. Dennoch hatten die Isländer eine Vorahnung. „Wir haben vom Anfang des Jahres an erwartet, dass irgendetwas passieren wird. Anfang März war klar, dass etwas Großes vor sich ging“, sagt der Geophysiker Magnús Tumi Gudmundsson im Vulkanischen Zentrum der Universität von Reykjavik.

21.04.2010, Nordrhein-Westfalen, Köln: Ein Passagier steht auf dem Flughafen Köln/Bonn vor einer Anzeigetafel, die nur gestrichene Flüge anzeigt. Foto: picture alliance / dpa

Die Bereits 2006 gab es Notfallübungen für den Fall der Fälle. Als sich am Eyjafjallajökull am 20. März erst geschmolzenes Gletscherwasser in eine Schlucht ergießt, der nahe gelegene Fimmvörduháls dann einen Tag später Lava spuckt und es am 14. April 2010 schließlich zur großen Eruption kommt, sind die Menschen in der Region vorbereitet. „Die meisten von ihnen waren nicht um ihr Leben besorgt, sondern um ihre Existenzgrundlage», sagt Gudmundsson. Angst hätten sie überwiegend aber nicht gehabt. «Feuer und Eis: So ist das eben in Island.“

Die viele Kilometer in die Luft ragende Aschewolke dehnt sich derweil zusehends aus. Aschepartikel erreichen das europäische Festland, Anfang Mai ist zudem der gesamte Nordatlantik mit Partikeln übersät – ein gehöriges Problem für den Flugverkehr, der deshalb mehrere Tage brachliegt.

Island traf die Eruption unmittelbar nach der Finanzkrise, von der sich die Insel nur langsam erholte. Bei den Banken, darunter viele britische, standen die Isländer in der Kreide. In der Region um den Eyjafjallajökull erzählt man sich heute, man habe den Briten nur Asche statt Kohle – „ash“ statt „cash“ – über den Atlantik geschickt.

Riesige Werbung für den Tourismus in Island

Großer Gewinner des Ganzen ist auf lange Sicht Island selbst gewesen: Denn nach der Asche schoss etwas ganz anderes in die Höhe: die Zahl der Island-Touristen. Im Jahr 2010 durfte Island knapp 490.000 Reisende im Land begrüßen – 2018 waren mehr als 2,3 Millionen, nach einen Rückgang 2019 immerhin knapp 2 Millionen.

20.08.2019, Island, Reykjavik: Ein nach dem Vulkangletscher Eyjafjallajökull benanntes Hotel macht mit einem Bild der großen Eruption des Jahres 2010 Werbung für sich. Foto: Steffen Trumpf/dpa

Der Ausbruch sei ein wahrer „Game Changer“ gewesen, sagt die Direktorin der Tourismusbehörde Visit Iceland, Inga Hlín Pálsdóttir. Das bedeutet: Viele Menschen wurden durch den Vorfall auf Island aufmerksam, die Aschewolke pustete die Nordatlantik-Insel ins Bewusstsein zahlreicher Touristen.

“Das war vielleicht die größte Werbung für Island“, sagt auch Valberg vom Hof unterhalb des Eyjafjallajökulls. Irgendwann, als die dicke Ascheschicht vom Hof und den umliegenden Feldern abgetragen war, baute die Familie selbst ein Besucherzentrum am Fuße des Gletschers auf.

Mit der rapiden Zunahme der Touristenzahlen und dem Wegzug der Kinder wurde all das letztlich aber zu viel: Das Zentrum wurde geschlossen, die Eindrücke von damals verwahrt die Familie heute in einem der weißen Häuser des Hofs. In einem dort bewahrten Film sagt Valberg: „Es ist spannend, am Fuß eines aktiven Vulkans zu leben. Wir hoffen aber, dass sich der Gletscher erstmal ausgetobt hat.“

Kleine Aussprachehilfe für den Eyjafjallajökull

Wie wird er denn nun ausgesprochen, dieser Vulkangletscher mit dem so schwierigen Namen? Der Geophysiker Magnús Tumi Gudmundsson ist zwar kein Sprachforscher, hat als Isländer aber einen Tipp parat: Man müsse das Wort einfach in drei zweisilbrige Abschnitte unterteilen, rät der Wissenschaftler des Vulkanischen Zentrums der Universität von Reykjavik.

Das Ganze klingt für Deutschsprachige dann in etwa so: „Eyja – fjatla – jökütl“. Die erste Silbe wird dabei wie in „Ey Mann, wo ist mein Auto?“ ausgesprochen. Für die Isländer ergibt das Wortungetüm übrigens durchaus Sinn: „Eyja“ bedeutet Insel, „fjall“ Berg und „jökull“ – na klar – Gletscher. (dpa)

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