Gesellschaft

Wird in der Wallonie eine neue Stadt aus dem Boden gestampft?

Auf einem Acker im Hennegau oder in der Provinz Lüttich könnte nach dem Vorbild von Neu-Löwen eine neue Stadt entstehen. Foto: Shutterstock

Mit einem ungewöhnlichen Vorschlag hat der Präsident der CdH, Benoît Lutgen, am Wochenende Aufmerksamkeit erregt. Aufgrund einer stetig steigenden Bevölkerungszahl in der Wallonie regte Lutgen den Bau einer völlig neuen Stadt an – auf einer grünen Wiese, wie vor rund 40 Jahren Louvain-La-Neuve (Neu-Löwen). Und diese Stadt soll Modellcharakter in jeder Hinsicht haben.

In den nächsten 10 bis 15 Jahren wird die Einwohnerzahl in der Wallonie deutlich ansteigen. Erwartet werden bis zu 400.000 Neubürger. Deshalb erachtet der CdH-Vorsitzende Benoît Lutgen die Schaffung einer neuen Stadt nach dem Vorbild von Neu-Löwen als möglich. Als Standort käme laut Lutgen ein Areal in den Provinzen Hennegau oder Lüttich infrage. Etwa im Hespengau (Hesbaye) nahe der Autobahn E40 und der TGV-Trasse?

Eine Stadt aus dem Nichts war Louvain-La-Neuve Anfang der 70er Jahre. Foto: Wikipedia

Eine Stadt aus dem Nichts war Louvain-La-Neuve Anfang der 70er Jahre. Foto: Wikipedia

Es sollte aber nach Auffassung des Präsidenten der CdH nicht irgendeine Stadt sein. Wenn schon, dann auch eine Stadt, die Modellcharakter hat. Lutgen denkt an „eine revolutionäre Stadt, die innovativ ist in Sachen menschlicher Beziehungen, Zusammenleben zwischen den Generationen, Mobilität usw.“ Zudem soll sie natürlich energiesparend sein. Kurzum, eine Musterstadt.

Als Ende der 60er Jahre entschieden wurde, dass der frankophone Teil der Katholischen Universität Löwen aus Leuven (UCL) abziehen müsse und irgendwo in der Wallonie eine völlig neue Stadt entstehen würde, schien das Vorhaben ziemlich utopisch. Und doch wurde es möglich.

Ab 1971 entstand so in der Nähe von Ottignies die Stadt Louvain-la-Neuve (Neu-Löwen), die erste Städtegründung in Belgien seit jener von Charleroi (1666). Als Vorbild diente unter anderem die Konzeption der französischen „Ville nouvelle“. Heute zählt Louvain-la Neuve zirka 10.000 ständige Einwohner. An der UCL studieren rund 19.600 Studenten, von denen etwa die Hälfte während des Studiums in Neu-Löwen wohnt.

Die Frage, die sich stellt, lautet: Ist Benoît Lutgen ein Visionär? Oder will er nur Aufmerksamkeit für sich und seine Partei erregen? (cre)

 

15 Antworten auf “Wird in der Wallonie eine neue Stadt aus dem Boden gestampft?”

  1. Aequitas&Veritas

    Heißt es nicht immer: eines unserer größsten Probleme im Bezug auf den Generationenvertrag (Alterspensionen) sind die stetig rückläufigen Geburtenraten?

    Ist das in der Wallonie anders?

    Haben wir jetzt schon soviele „Neubelgier“ das wenigstens die Geburtenraten wieder stimmen.

    Nun, dann sollte man darüber nachdenken diese Stadt vielleicht Sadat-City, Benri Abes oder vielleicht Bordy Omar DRISS oder änlich zu benennen und dann die wichtige diesbezügliche Infrastruktur nicht vergessen!

    Mit dem Generationenvertrag ist das dann so eine Sache.

    Nun wenigsten kann man in der Planungsphase „CPAS“ und ähnliche vertrauensbildende Einrichtungen den Anforderungen dieser Enklave mit einer heimischen Architektur aufwerten. Somit wäre dem Modellcharakter genüge getan.

  2. Werner Pelzer

    Die Idee ist nicht falsch. Angesichts des schon jetzt vorhandenen Verkehrskollaps (siehe Eupen), ist es besser, in neue, zukunftsorientierte Stadtmodelle zu investieren. Eine Umgehungsstrasse gehört zu einer modernen Stadt auf jeden Fall hinzu. Eupen, Verviers und die meisten aus dem Mittelalter stammenden Städte können da ein Lied von singen. Ausserdem ist es besser, die 250 Milliarden, die die Belgier auf ihrem Sparbuch haben, in die Zukunft zu investieren statt in zu viele Bahamas- und Türkei-Reisen.

  3. Die meisten der « Neubelgier » sind Stammgäste beim ÖSHZ (CPAS). Denen baut man also eine schöne neue „Musterstadt“, und wer zahlt die Rechnung??? Die Wallonischen Politiker sind augenscheinlich alle Wahnsinnig geworden! Wird höchste Zeit, das Bart De Wever dem ganzen Spuk ein Ende setzt….

  4. gerhards

    Super Idee! Dann können die reichlich Sozialhilfe beziehenden Wallonen mit samt ihren Politikern dort einziehen. Mit dem Rest schafft man es vielleicht die Wallonie wieder auf ‚Zack‘ zubringen. Dann wäre auch ich endlich mit den Wallonen zufrieden. ( das war Satirisch, zumindest teilweise).

  5. @Aequitas…..Laut Statistiken steigt die Bevölkerungszahl in Belgien immer noch. Daran Schuld ist einerseits die älter werdende Bevölkerung und andererseits die im europäischen Vergleich überdurchschnittliche Geburtenrate.
    Was mich aber zu diesem Thema nachdenklich macht ist die Frage: Soll man alles abreissen und grundsätzlich alles neu auf der grünen Wiese bauen, oder soll man das Alte renovieren? Eine Frage die sich (hoffentlich) unsere Politiker auch gestellt haben als sie sich dazu entschieden haben das alte Sana zum Parlament zu renovieren. Ich persönlich habe da auch keine direkte Antwort parat.

    • Werner Pelzer

      Soll man alles abreissen und grundsätzlich alles neu auf der grünen Wiese bauen, oder soll man das Alte renovieren?

      Beides, Erhaltung und das Bauen zeitgemäßer Wohngebiete! Wenn es klug durchdacht ist, kann es für die Zukunft nur von Vorteil sein.

  6. R.A. Punzel

    Nun denn, anscheinend hat der Präsident der CdH, Benoît Lutgen, noch nicht alle Latten an seinem heimischen Zaun befestigt. Vielleicht sollte er sich mal aus seinem Furzsessel erheben und die Leerstände von Wohnraum, nur in Lüttich, inspizieren. Straßenzüge verkommen, da leerstehende Häuser seit Jahren vergammeln.

    Bei dem Herrn, ist selbst Tassen im Schrank sortieren vergebene Lebensmüh.

  7. Anonymous

    Ich verstehe nicht, warum Lutgen ausgerechnet in den Provinzen Lüttich oder Hennegau eine neue Stadt aus dem Boden stampfen will. In seiner eigenen Provinz Luxemburg ist doch mehr als genug Platz für einen neue Stadt…

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