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TV-TIPP – Wie „Holocaust“ vor 40 Jahren ins Fernsehen kam“ (WDR Mo., SWR Mi.)

Herr Lowy (George Rose) und seine Frau (Kate Jaenicke) werden gemeinsam mit Josef (Fritz Weaver) und Berta Weiss (Rosemary Harris) nach Auschwitz deportiert. Foto: -/WDR/Worldvision Enterprises Inc./dpa

Vor 40 Jahren ging eine Serie um die Welt – „Holocaust“. Nur in Deutschland gab es erbitterten Widerstand gegen die Ausstrahlung. Am Ende lief sie im Dritten Programm. Eine Dokumentation zeigt, was dann geschah.

Man kann es sich heute nicht mehr vorstellen, aber das Wort „Holocaust“ war bis vor 40 Jahren in der deutschen Bevölkerung unbekannt. Erst mit der US-Serie dieses Namens, die ab 22. Januar 1979 erstmals ausgestrahlt wurde, etablierte sich der Begriff. Und erst mit „Holocaust“ wurde der Völkermord an den Juden für Millionen Deutsche konkret. Viele Ältere, die noch selbst die Nazizeit miterlebt hatten, vergossen damals Tränen – nicht über reale Menschen, sondern über die fiktive Familie Weiss.

Der Ankauf der US-Serie war überaus umstritten – das dokumentiert jetzt der Film „Wie ‚Holocaust’ ins Fernsehen kam“, der am Montag im WDR (14. Januar, 22.10 Uhr) im WDR und am Mittwoch im SER (16. Januar, 23.35 Uhr) gezeigt wird. Auch die Serie selbst wird derzeit wiederholt.

Eine Szene aus Folge 3 der TV-Serie „Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss“: Inga Helms-Weiss (Meryl Streep) muss hilflos mitansehen, wie ihr Mann abgeholt und in ein Konzentrationslager gebracht wird. Foto: -/WDR/Worldvision Enterprises Inc./dpa

„Diese Sendung ‚Holocaust‘ war nach meiner Erinnerung die umstrittenste Sendung, die der WDR je hatte“, sagt Petra Witting-Nöthen, die das historische Archiv des Senders leitet. Der damalige WDR-Fernsehspielchef Günter Rohrbach bekam Morddrohungen, auf zwei Sendemasten wurden Sprengstoffanschläge verübt.

In der Politik, in der Presse und in der Bevölkerung – überall gab es Bedenken: Die Rechten ereiferten sich über die „Hetzserie“, die Linken lehnten das „kommerzielle Hollywood-Melodram“ aus Amerika ab. Viele Intellektuelle waren der Meinung, dass man die Massenvernichtung überhaupt nicht in Unterhaltungsfilmen aufbereiten dürfe. Und deutsche Filmemacher äußerten sich abfällig über manche Kameraeinstellung.

„Stellen Sie sich mal vor: Die ganze Welt sendet es – aber die Deutschen haben ästhetische Bedenken“, sagt der heute 90 Jahre alte Rohrbach. Eine Ausstrahlung in der ARD konnte aber auch er nicht durchsetzen – als Kompromiss landete die Serie in den Dritten Programmen, die sich dafür immerhin auf gemeinsame Sendetermine einigten. An den meisten DDR-Bürgern ging die Serie dadurch vorbei: Sie konnten nur ARD und ZDF empfangen.

Als der Vierteiler erst einmal lief, entfaltete er sofort eine enorme Wirkung. Nach WDR-Angaben hat damals fast die Hälfte der Bundesdeutschen über 14 Jahren wenigstens einen Teil der Serie gesehen. „Es war ein gewaltiger Erfolg“, erinnert sich Rohrbach, „und der Erfolg bestand aber in einem Entsetzen“.

„Wie erklären wir, dass wir das nicht verhindert haben“

Deutsche Filmemacher und Schriftsteller fragten sich, warum ihnen keine vergleichbare Erschütterung gelungen war. Zumal „Holocaust“ noch nicht einmal für das deutsche Publikum konzipiert war, sondern eben für amerikanische Zuschauer.

Die Antwort ist wohl: „Holocaust“ erzählte das Geschehen einerseits aus der Opferperspektive. Das Leid von Millionen wurde in einem Einzelschicksal verdichtet – ähnlich wie dies auf andere Weise das „Tagebuch der Anne Frank“ tut. Mit den Hauptfiguren der Serie konnte man sich identifizieren, es waren richtige deutsche Bildungsbürger mit Flügel und Goethe-Gesamtausgabe.

Das Konzentrationslager Auschwitz. Foto: Shutterstock

Dadurch dass jedoch gleichzeitig in einem zweiten Handlungsstrang die Karriere des Nazis Erik Dorf nachgezeichnet wurde, war es den Zuschauern, die selbst noch die Nazizeit erlebt hatten, nicht möglich, sich auch zum Opfer zu stilisieren. Die Frage, wo man selbst gestanden hatte, war unausweichlich. Und so wollten denn auch viele Zuschauerinnen und Zuschauer in den anschließenden Diskussionsrunden wissen: „Wie erklären wir unseren Kindern, dass wir das nicht verhindert haben?“ Die Antwort darauf konnte ihnen kein Studioexperte geben.

Einer Umfrage zufolge zeigten sich nach der Ausstrahlung 64 Prozent der Zuschauer erschüttert, 22 Prozent gaben an, fast geweint zu haben. Das war für die damalige Zeit außergewöhnlich, denn das Deutschland des Jahres 1979 war den Verbrechen noch sehr nahe. Wenn man von dort noch einmal 40 Jahre zurückrechnet, befindet man sich im Jahr 1939. Wie die Filmemacherin Alice Agneskirchner recherchiert hat, schickten sogar viele ehemalige Wehrmachtssoldaten Fotos ein, die die Massenmorde während des Russlandfeldzugs dokumentierten.

„Erst durch diesen Film ist so etwas wie Erinnerungskultur in Deutschland entstanden“, sagt der Direktor des NS-Dokumentationszentrums Köln, Werner Jung. Wenige Monate später entschied der Bundestag in einer Abstimmung, dass die Massenmorde aus der Zeit des Nationalsozialismus nicht verjähren sollten. Die Mehrheit dafür war nur knapp: 255 zu 222. Man kann sich fragen, wie sie ohne die „Holocaust“-Serie ausgefallen wäre. (dpa)

14 Antworten auf “TV-TIPP – Wie „Holocaust“ vor 40 Jahren ins Fernsehen kam“ (WDR Mo., SWR Mi.)”

  1. Alfons van Compernolle

    Hier muss wohl angemerkt werden, dass in den Jahren von 1949 bis 1985 sowohl in den Landes.-als auch in der Bundesregierung , aber auch in den Deutschen Bundestag und in den Behoerden, noch eine erhebliche Anzahl „Alt-Nazis“ bzw. NS.-Belastete Beamte Dienst taten. Fuer meine Heimatstadt Hamburg kann ich sagen : Eine Tochter v.H.Goering Vorsitzende der 1.Grossen Strafkammer am Landgericht Hamburg – Prof.Dr. Schoenfelder Chefaerztin der Kinderpsychiatrie am UKE Hamburg ( hatte im KZ.-Neuengamme Untersuchungen an Zwillingskindern vorgenommen) – SS-Stadartenfuehrer Horst Stanski Lehrer an einer Sonderschule ( heute Foerdrschule) – HJ.-Jungschaarfuehrer und Lehrer
    an einer NS.-Fuehrerschule n nach dem Krieg leitender Jugendfuehrsorger beim Jugendamt Hamburg Altona – BDM.-Jungschaarfuehrerin Agathe Kunze , nach dem Krieg stellvert.Heimleiterin des Jugendheims Jugendheims Hamburg Altengamme – SS.-Standartenfuehrer Dr. A. Scheer, leitender Erziehungsdirektor des Hamburger Jugendamts und und und.
    Und die Gemeinsamkeinen : Immer dann , wenn sich Alt-Nazis im Festsaal der Gaststaette Uwe Seemann in Hamburg Osdorf traffen , an denen damals auch noch NS.-General Rudel teilgenommen hat, waren diese Menschen auch bei diesen Veranstaltungen dort !
    Es kann daher mich nicht verwundern, dass diese Holocaust Serie nicht in der ARD gesendet wurde zumal ich durch meine eigene Familie die besten Info-Quellen hatte, Zeitzeugen / Ueberlebende eines KZ! Schlimmer noch ist, dass auch 40 Jahre nach dem Krieg zumindest in Hamburg, hochintelligente Kinder als Geisteskrank angesehen wurden und geregelt zur Feststellung ihrer angeblichen geistigen Behinderung in das UKE.-Hamburg eingewiesen wurden , wo dann mit Hilfe von zum Beispiel Rueckenmarkpunktionen und Elektrotherapie , versucht wurde den Behinderungsgrad festzustellen mit nachfolgender Einweisung in die Kinder & Jugendheime Altengamme und Dibbersen.

    • Zaungast

      „Eine Tochter v.H.Goering Vorsitzende der 1.Grossen Strafkammer am Landgericht Hamburg“

      Neugierig geworden, habe ich ein wenig recherchiert, mit meinen begrenzten Mitteln.

      Mit seiner ersten Frau Carin scheint Hermann Göring keine Kinder gehabt zu haben.
      Das Paar wurde 1923 getraut, Carin verstarb bereits 1931.

      „1935 heiratete Göring die Schauspielerin Emmy Sonnemann. Hitler war bei dieser Hochzeit Trauzeuge. Mit Emmy hatte er eine Tochter, Edda Göring, die am 2. Juni 1938 geboren wurde.“ (Wikipedia)

      Zu Edda Göring gibt es einen Wikipedia-Eintrag, in dem nirgends steht, dass sie Gerichtsvorsitzende gewesen sei, hatte sie doch anscheinend noch nicht mal ein abgeschlossenes Jurastudium vorzuweisen. Ansonsten bietet ihre Biografie allerlei Interessantes. https://de.wikipedia.org/wiki/Edda_G%C3%B6ring

      Selbst wenn dem so wäre, wie Sie sagen, könnte man sie schwerlich als Altnazi bezeichnen, war sie doch bei Kriegsende erst 7 Jahre alt und wohl kaum für die Untaten ihres Vaters verantwortlich zu machen.

      Könnten Sie da zusätzliche Angaben liefern?

  2. von dem „erbitterten“ widerstand hat der „normale“ mensch nichts mitbekommen. Ich war damals 28 und sicher hat die sendung auch mich erschüttert. Ja, gut das sie gesendet wurde. Jeder (nicht nur deutsche) soll sehen was geschen ist und zu welchen taten der mensch schlechthin fähig ist. Für uns nachkriegsdeutsche ein sehr beschämendes „erbe“.

    • abendland

      viele vôlker haben massenmorde im geschichtlichen hintergrund. im römischen reich, auch belgien, auch die marxisten, auch die amerikaner, die chinesen sowieso, der islam ohnehin…und alle anderen auch.
      wer war meistens der organisator und damit der schuldige dieser massenmorde?die politik oder die volksmassen? die politik natürlich, und im holocaust-gedenken hat man zusätzlich auch dem tätervolk die schuld mitzugewiesen. und das auch noch nachträglich mit der sogenannten holocaust-keule. und als das funktionierte ging die holocaust-industrie soweit zu behaupten, das der holocaust der größte völkermord der menschheitsgeschichte gewesen sei, die sogenannte „Singularität des Holocaust“. wer ab den 1980er jahren dieses bestritt, war schon ein holocaust-leugner. soweit ging man.
      ‚holocaust‘ war der versuch einer moralischen zurechtweisung, und zwar auch, um von amerikanischem und israelischem unrecht abzulenken. US-politik und zionismus und die medien gingen einen nutzvolle symbiose ein. die serie ‚holocaust‘ war der mediale höhepunkt dieser einseitigen verlogenheit. verlogenheit deshalb nicht nur, weil die deutschen als alleinige täter des angeblich groessten verbrechens der weltgeschichte dargestellt wurden (ohne mittäter in osteuropa hâtten die nazis nie was machen können); sondern auch, weil auch die JUDEN ALS VOLK das angeblich groesste leid der menschheitsgeschichte ertragen mussten. das schicksal der juden als auserwaehltes volk sollte bestaetigt werden; hier im leid, damit alle anderen mitleid mit denen haben sollten bis in alle ewigkeit. im amerika, in europa, im nahen osten, überall. der ‚holocaust‘ war der perfekte schild gegen alle kritik am zionistischen establishment und daraus resultierender politik.

      die zionistisch ideologische bezeichnung ‚holocaust‘ sollte man ersetzen durch SHOA. den millionen toten sollte man gedenken so wie alle anderen toten von massenmorden. man sollte die deutsche politik der DAMALIGEN ZEIT an den pranger stellen, nicht die deutschen als volk, was auch noch heute versucht wird.
      die meisten massenmorde des 20.jharhunderts wurden von sozialistischen regimen vollzogen. hitler war nicht schlechter als stalin und mao, und auch nicht der erste. alle waren sie ebenbuerdig im negativen.
      man sollte die politik der nationalsozialisten nicht einseitig anprangern weil sie deutsch war (was seit jahrzehnten gemacht wird), sondern weil die sozialistisch war.

      ein gutes buch zu diesem thema ist die HOLOCAUST-INDUSTRIE von norman finkelstein,

      http://aaargh.vho.org/fran/livres5/NFHolInd%3Dall.pdf

      • Alfons van Compernolle

        Sie haben in beinahe allem Recht ! Aber 21 Millionen verstuemmelte & ermordete Menschen im Kongo oder die gezielte Vernichtung der amerikanischen Ureinwohner durch Spanien / Frankreich/ England und den spaeteren Amerikanern, diese nur eine Mixture unser europaeischen Auswanderer sind , haben noch ein paar mehr Voelkermorde auf dem Gewissen.
        Zwischen Hitler & Stalin gibt es nur zwei Unterschiede , die Vornamen und die Familiennamen!
        Sozialisten etc waren das bestimmt nicht, auch wenn das bis 1989 von sich selbst vielfach
        behauptet wurde. Es sind nicht mehr und nicht weniger Massenmoerder , aber keine Sozialisten. Bis zum heutigen Tage gab und gibt es einen echten sozialistischen Staat , sondern nur eine sogenannte „sozialistische Diktatur“ zur Rechtfertigung des Machtanspruchs einiger
        sehr kranker Gehirne !! Ich denke wuerde Marx & Engels noch Leben und muessten die damaligen und heutigen Zustaende erleben , sie waehren auch mit dem Ruderboot Richtung
        Robinson Cruse Inseln unterwegs !

        • abendland

          sie wollen mir doch nicht etwa sagen, dass ein wirklicher sozialismus möglich ist? und wovon träumen sie nachts? sorry, ich will nicht mehr ausfallend werden als nötig, aber wenn sie mir sagen, dass sie ein vertreter einer sozialdemokratie sind, dann akzeptiere und respektiere ich das sogar, auch wenn es nicht meine politische richtung ist.
          marx und engels unterstützten teilweise die demokratie, aber auch nur als übergangsform, bis eine sozialistische gesellform erreicht ist, die wiederum als übergang zum kommunismus. genau wie hitler, der die demokratie auch nur nutze zur machtübernahme.
          auch nach dem krieg glaubten viele deutsche noch an den nationalen sozialismus, weil sie darin etwas positives sahen, nur eben hitler war schlecht und hat es schlecht umgesetzt. bei landtagswahlen gewann die SRP zweistellige ergebnisse. warum konnte es sowas wie hitler überhaupt geben? weil es sowas wie nationalsozialismus gab. diese politische idee war genauso schlecht wie deren erfinder und vertreter.
          man hat in den letzten hundert jahren so oft versucht, den sozialismus zu verwirklichen, es hat nie funktioniert und es wird nicht funktionieren. das letzte opfer dieses verhängnisvollen irrtums der geschichte ist venezuela.
          der allerneueste nationale sozialismus ist in…. china!
          machthaber xi jinping liess sich 2018 als präsident auf lebenszeit „wählen“. eine verfassungsänderung machte ihn zum diktator. ein ‚führerprinzip‘ ist im sozialismus keine ausnahme, sondern die regel.
          und was hat das mit juden zu tun? auch in china gibt es internierungslager für uiguren, die moslems des reichs der mitte. angeblich sind hunderttausende bis 1 million in lagern. niemand weiss genaues.
          geschichte wiederholt sich bekanntlich.
          ja, herr compernolle, so funktioniert sozialismus. marx hätte besser das maul gehalten. entweder hat man demokratie oder sozialismus, beides zusammen gibt es nicht. sozialismus ist die modernste form der diktatur. egal ob braun oder rot oder grün.

          https://www.sueddeutsche.de/politik/china-xi-jinping-praesident-auf-lebenszeit-1.3901314
          https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/china-gibt-festhaltung-von-uiguren-in-lagern-zu-15843454.html

  3. Diese Serie zeigt wozu Menschen, egal ob Deutsche oder nicht, fähig sind.
    Heute ist es ganz Europa welched zynisch Flüchtlinge im Mittelmeer ertinken lässt.
    Schlimmer noch: wir werden täglich über die Greuel informiert und suchen weiterhin nach Ausreden nichts zu unternehmen.

    • abendland

      wenn menschen in nordafrika sich freiwillig auf den gefährlichen weg über mittelameer begeben, und die ertrinken, dann ist europa das nicht unbedingt schuld. ist das boot voll? ja. aber nicht nur die boote im mittelmeer, sondern auch das boot namens europäische gesellschaft ist überladen. ist das eine ausrede? nein, das ist ein existenz sichernder grund. es gibt etwas, was einem näher steht als das eigene hemd, und das ist die eigene haut.
      während der nazi-zeit wurden auch juden an der schweizer grenze ab und zurückgewiesen. die holocaust-industrie machte später der schweiz einen vorwurf daraus, man hätte juden retten können. was hâtte die kleine schweiz denn machen sollen? hitler hätte auch die schweiz überfallen, das wäre geschehen.
      die „moral“, die aus dem holocaust geschöpft wird (erfunden wird) ist eine politische show, um irgendwelche „humanitären Ziele“ zu erreichen, mehr nicht.

      • Zuschauer

        Glauben Sie das wirklich, was Sie da schreiben?
        Moral (auch zwischen Anführungszeichen) und Holocaust in einem Satz zu erwähnen – und dann auch noch von erfundener Moral zu sprechen – ist einfach entsetzlich. Wenn Ihre Meinung die des Abendlandes – in Bezug auch Ihren Nickname – ist, dann gute Nacht. Ihr Kommentar ist einfach nur menschenverachtend und unwürdig.

  4. Zaungast

    Aus dem Wortschwall, den ein ‚abendland‘ hier loslässt, nur ein Zitat:
    „wer war meistens der organisator und damit der schuldige dieser massenmorde?die politik oder die volksmassen? die politik natürlich, und im holocaust-gedenken hat man zusätzlich auch dem tätervolk die schuld mitzugewiesen.“

    Ja, so hätten Sie (wir) es gerne: Die Verbrechen, die von 1933 bis 1945 verübt wurden, daran war die anonyme „Politik“ schuld, oder allenfalls ein paar Individuen, die man dann in Nürnberg verurteilt und hingerichtet hat.

    Die gewöhnlichen Bürger, darunter auch unsere Vorfahren, konnten sich danach die Hände in Unschuld waschen. Man hatte nie etwas gegen die Juden, hatte auch keine Kriegsverbrechen begangen und sah sich als völlig unschuldiges Opfer.

    Nein, ohne die tätige Mithilfe der Bevölkerung wären all diese Verbrechen, die in ihrer bürokratischen Akribie einzigartig sind, nicht möglich gewesen.

    Ein grelles Schlaglicht auf diese Mittäterschaft im Kleinen wirft eine Dokumentation, die vor einigen Tagen im Fernsehen lief: „Die Versteigerer“.
    https://www.mdr.de/zeitreise/die-versteigerer-der-film-100.html

    Wenn da gezeigt wird, wie sich die braven Bürger zu den Versteigerungen drängten, bei denen die Habseligkeiten ihrer gerade erst deportierten Nachbarn unter den Hammer kamen, der kann wohl kaum allen Ernstes behaupten, nur „die Politik“ sei schuldig geworden.
    Wenn da penibel Buch geführt wurde über Kinderkleidchen und -schürzchen, die für ein paar Pfennige verscherbelt wurden, dann ist das schon „einzigartig“ für ein Volk, das sich so gerne als „einzigartig“ empfand: „Uns, dem deutschen Volke, sind die großen Ideale zu dauernden Gütern geworden, während sie anderen Völkern mehr oder weniger verloren gegangen sind.“ (Kaiser Wilhelm II.)

    Was nun die Vergleichbarkeit – sozusagen eine Hitparade – der verschiedenen Massenmorde angeht, die beinahe jedes Volk im Laufe seiner Geschichte begangen hat:
    https://www.nzz.ch/article7HUGA-1.453317
    Solche Vergleiche sind aber für die kleinen Kinder irrelevant, die damals nach Auschwitz deportiert wurden und deren Kleidchen eine brave deutsche Mutter ersteigert hat.

  5. senseless

    Als die Sendungen „Holocaust“ ausgestrahlt wurden war ich gerade 20 Jahre und wusste vom 1. und 2. Weltkrieg nur das, was ich in der Schule darüber gelernt hatte. Und das war nicht wirklich viel. Und vor allem mangelte es in der Vermittlung an Deutlichkeit.
    Wenn auch im Film viele Schauspieler eingesetzt wurden, so wurden auch echte Filmaufnahmen und Bilder gezeigt, die ich seitdem nicht vergessen habe. Ich bin mir bewusst, dass in diesen Filmen nur die „Spitze des Eisbergs“ gezeigt wurde und das war bereits fürchterlich. Seit „Holocaust“ habe ich nie wieder einen Kriegsfilm angeschaut…Nein, auch nicht „Schindlers Liste“… Diese Filmbeiträge haben mich, mehr als 30 Jahre nach Kriegsende, das Grauen gelehrt.

    • @senseless: An Ihrer Stelle würde ich mir trotzdem „Schindlers Liste“ unbedingt anschauen. Ich denke, die DVD kann man bestimmt im Medienzentrum ausleihen. Kann man nur empfehlen. Ich habe den Film von Steven Spielberg schon zweimal gesehen und werde ihn auch irgendwann ein drittes Mal schauen.

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