Politik

Spionageverdacht gegen Orbans Regierung: In der Pause von EU-Sitzung Russlands Lawrow informiert?

12.07.2018, Belgien, Brüssel: Ungarns Ministerpäsident Viktor Orban (l) und sein Außenminister Peter Szijjarto (r) beim Nato-Gipfel. Foto: Shutterstock

Hat Ungarn jahrelang Informationen von EU-Treffen an Russland weitergegeben? Den Verdacht gab es seit langem. Nun gibt es offensichtlich auch Beweise.

Die mutmaßliche Weitergabe von EU-internen Informationen durch Ungarn an Russland sorgt in Brüssel für Empörung. Eine Sprecherin der EU-Kommission von Ursula von der Leyen bezeichnete es am Montag als „äußerst besorgniserregend“, dass der ungarische Außenminister seinen russischen Amtskollegen über vertrauliche Beratungen auf Ministerebene unterrichtet haben könnte.

„Ein Vertrauensverhältnis zwischen den Mitgliedstaaten untereinander sowie zwischen ihnen und den Institutionen ist für die Arbeit der EU von grundlegender Bedeutung“, sagte sie. „Wir erwarten daher von der ungarischen Regierung eine Klarstellung.“

23.02.2026, Belgien, Brüssel: Der ungarische Außenminister Peter Szijjarto spricht mit den Medien, als er zu einem Treffen der EU-Außenminister im Gebäude des Europäischen Rates in Brüssel eintrifft. Foto: Virginia Mayo/AP/dpa

Zuvor hatte die US-Zeitung „Washington Post“ unter Berufung auf einen früheren ungarischen Geheimdienstmitarbeiter und Sicherheitsbeamte aus anderen europäischen Ländern berichtet, dass die Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban seit Jahren Moskau Informationen zu sensiblen Diskussionen in der EU übermittle. Außenminister Peter Szijjarto soll demnach sogar während Pausen von EU-Treffen regelmäßig mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow telefoniert haben, um ihn über die Inhalte dieser Gespräche zu informieren.

Zudem berichtete die Zeitung von einer mutmaßlichen Unterstützung des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR für den derzeit laufenden Wahlkampf Orbans. Dieser soll demnach vor einem Monat sogar vorgeschlagen haben, ein Attentat gegen Ungarns Regierungschef zu inszenieren, um damit emotional wirksam dessen Opferrolle zu unterstreichen.

– Verdacht gibt es schon seit Jahren: In Ungarn stehen am 12. April Parlamentswahlen an, bei denen die Partei Fidesz von Orban laut Umfragen verlieren könnte. Reale oder vermeintliche Angriffe von außen nutzt der Rechtspopulist immer wieder, um seine Regierung als Opfer darzustellen.

ARCHIV – 28.11.2025, Russland, Moskau: Der ungarische Außenminister Peter Szijjarto (l) spricht mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow. Foto: Alexander Nemenov/Pool AFP via AP/dpa

In anderen EU-Staaten hielt sich die Aufregung über den Bericht zunächst in Grenzen. Polens Regierungschef Donald Tusk schrieb zu der mutmaßlichen Informationsweitergabe auf X. „Wir haben schon lange so einen Verdacht.“ Dies sei der Grund, warum er sich bei EU-Sitzungen nur zu Wort melde, wenn es unbedingt sein müsse – und auch nur das Nötigste sage, teilte er mit.

Auch Diplomaten verwiesen darauf, dass es bereits seit Jahren den Verdacht gibt, dass Ungarn Informationen aus EU-Sitzungen an Russland weiterleitet. Mitgliedstaaten würden deswegen bestimmte Informationen nicht im großen Kreis teilen – so zum Beispiel mit Blick auf die militärische Unterstützung der Ukraine. Hintergrund ist, dass Orban trotz des russischen Angriffskrieges weiter enge Kontakte nach Moskau pflegt.

Die Vertretung der Mitgliedstaaten in Brüssel wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Eine Sprecherin von EU-Ratspräsident António Costa sagte zu Fragen nach dem Bericht der „Washington Post“: „Dazu haben wir zum jetzigen Zeitpunkt keinen Kommentar.“

– Gegenseitige Abhör-Vorwürfe in Ungarn: Die ungarische Regierung versuchte unterdessen den Blick darauf zu lenken, dass die Geheimdienstinformationen nur über das Abhören von Ungarns Außenminister Peter Szijjarto gewonnen werden konnten.

„Das Abhören eines Regierungsmitglieds ist ein schwerer Angriff gegen Ungarn“, schrieb Ministerpräsident Viktor Orban bei Facebook. Er habe seinen Justizminister angewiesen, die Informationen im Zusammenhang mit den Abhör-Aktionen gegen Szijjarto zu überprüfen.

16.02.2026, Ungarn, Budapest: US-Außenminister Marco Rubio (l) und Ungarns Außenminister Peter Szijjarto schütteln sich die Hände. Foto: Alex Brandon/Pool AP/AP/dpa

Im Fokus steht dabei der regierungskritische, gut vernetzte ungarische Investigativ-Journalist Szabolcs Panyi. Dieser hatte nach eigenen Angaben schon 2024 unter Berufung auf ihm zugespielte Tonaufnahmen berichtet, dass Szijjarto im Jahr 2020 Lawrow um Unterstützung seines politischen Gesinnungsgenossen, des damaligen slowakischen Premiers Peter Pellegrini in dessen Wahlkampf gebeten habe.

Jetzt behauptete die regierungsnahe Internet-Zeitung „mandiner.hu“, dass Panyi ausländischen Geheimdiensten mit Informationen zu Szijjartos Telefonnummern geholfen habe, diesen abzuhören. Offenbar spielt Orban mit der Prüfanweisung an seinen Justizminister darauf an.

Panyi wiederum schrieb jetzt bei Facebook, dass er offenbar er abgehört worden sei. Denn „mandiner.hu“ hatte als Quelle Tonaufnahmen von Telefongesprächen Panyis mit einer nicht genannten Person genannt, die der Redaktion zugespielt worden seien. Darauf sei Panyi zu hören, wie er darüber berichte, dass er Szijjartos Telefonnummer ausländischen Geheimdiensten gegeben habe. (dpa)

Zum Thema siehe auch folgenden Artikel auf OD:

38 Antworten auf “Spionageverdacht gegen Orbans Regierung: In der Pause von EU-Sitzung Russlands Lawrow informiert?”

  1. DR ALBERN

    In Ungarn wird gewählt!!! Kommt diese Nachricht nicht gerade wunschgemäss von der Gegenpartei und der EU um ORBAN zu entmachten??? Woher bezieht Ungarn bei einem Regierungswechsel dann noch das billige Gas und Öl aus Russland, welches wir auch so gerne hätten???

  2. Hugo Egon Bernhard von Sinnen

    Ob man jetzt schon geheimdienstliche Informationen erfindet, um diese Welt ins Chaos zu stürzen, sei mal dahingestellt.
    Persönlich würde ich meine Hand nicht dafür ins Feuer legen, dass dem nicht so ist.
    Es erscheint mir immer wichtiger, nicht jede, an den Medien weitergeleitete information, sofort zu glauben.
    Denn in letzter Zeit haben doch die Medien selbst, ihre erhaltenen Informationen nachträglich, nicht selten korrigieren müssen.
    Was eigentlich als ein gutes Zeichen, der Medien zu betrachten ist.
    Schließlich haben sich dadurch nicht die Medien blamiert, sondern die politischen Informanten, die den Medien oft den größten Blödsinn mitgeteilt haben.

  3. „Ungarn will Gaslieferungen in die Ukraine schrittweise einstellen“ (Spiegel/Berliner Zeitung, heute)
    Wer versteht das?
    Liefert Ungarn Gas in die Ukraine und die Ukraine liefert kein Öl nach Ungarn?

  4. Gerad van Oche

    Mal schauen was der Schaumschläger noch versucht. Ich hörte von Vorschlägen des KGB eines vorgetäuschten Attentat auf ihn. Das Wasser steht ihm definitiv bis zum Hals. Das gute an Autokraten ist sie kommen und gehen, weil selbst der dümmste Bauer die Versprechungen irgendwann satt hat

  5. Eine „deutsche EU-Kommissionspräsidentin, die Milliarden-Impfstoffverträge per SMS vereinbart hat und dann dem Europäischen Parlament die Herausgabe der SMS verweigert maßt sich an Orban zu kritisieren und ihm gemeinsame Sache mit Putin vorzuwerfen.
    Wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen werfen.
    Aber so ist das mit der EU, was nicht passt wird passend gemacht. Wer unbequem ist muß weg.

  6. Nun, wenn der ungarische Aussenminister selbst vor Kameras aussagt, er habe in den Verhandlungspausen bei EU Gesprächen mit ausländischen Regierungen (Russland, USA, afrikanische Staaten?) telefoniert zu „Koordinationszwecken“, so muss das einem wohl zu denken geben
    Wenn ein ungarisches Regierungsmitglied bei Verhandlungen sich mal schnell mit nicht EU Regierungen absprechen will, so ist das nicht banal, schon gar nicht wenn er mit Russland telefoniert.

    • Cocolöres

      Wozu ist er dann Außenminister, wenn er ausländische Regierungen nicht kontaktieren darf um sich abzusprechen. Wenn die Außenminister eines jeden EU-Landes nur unter sich Informationen austauschen dürfen, dann brauchen wir sie nicht.

      • Hugo Egon Bernhard von Sinnen

        #Schelm/ Der Zusammenhalt in der EU, ist beispielhaft 😉
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        Merz: Ukraine braucht Geld und keine weitreichenden Waffen aus dem Westen
        Bei einer Fragestunde im Bundestag sagte Bundeskanzler Friedrich Merz, die Ukraine sei heute besser bewaffnet als je zuvor. Sie brauche keine zusätzlichen Waffen, sondern Geld.

        Quelle MDR

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        • Hugo Egon Bernhard von Sinnen

          In der Statistik ist also festzuhalten, dass wir der Ukraine nur noch Geld schicken müssen, weil Putin die Vorratskammer vom Selenskyj noch nicht entdeckt hat. Wozu braucht er denn das Geld?
          Oh, glaube ich habe da was gelesen.
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          In einem Interview am Sonntag mit dem US-Sender CBS hatte Rutte über Trumps Entscheidung, den Iran anzugreifen, gesagt: „Er tut dies, um die ganze Welt sicherer zu machen.“ In Bezug auf die Forderung von Trump an die Nato-Verbündeten, sich einer Mission anzuschließen, um Schiffe durch die Straße von Hormus zu eskortieren, fügte er hinzu: „Es ist nur logisch, dass die europäischen Länder ein paar Wochen brauchen, um sich abzustimmen.“

          Quelle welt.de

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          Ich tue mich ja ein bisschen schwer mit dem Lesen solcher Texte .
          Könnte es sein, das Rutte gemeint hat:
          Daddy ich habe dich ganz doll lieb und werde die anderen europäischen Schnabeltassen, innerhalb von ein paar Wochen, dazu überreden, dein Spielchen mitzuspielen ?

          Jetzt könnte man vermuten, dass der Selenskyj sich auch einmischen wird und unser Geld benötigt, um wiederum den Daddy von Rutte zu beeindrucken, um auch beim Bösen Spielchen mitmachen zu dürfen?

          • Hugo Egon Bernhard von Sinnen

            Angesichts der blockierten EU-Hilfen und der ins Stocken geratenen diplomatischen Gespräche mit den USA und Russland sucht die Ukraine nach neuen Partnern im Nahen Osten und in der Golfregion, wo die Länder die Hilfe Kyjiws suchen.
            Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat erklärt, dass Kyjiw angesichts der blockierten Unterstützung durch die Europäische Union nach neuen Partnerschaften sucht.

            Wir werden in Europa blockiert, räumte Selenskyj ein und sagte: Solange dieses Risiko besteht, müssen wir nach zusätzlichen Möglichkeiten suchen, um uns zu stärken.

            Der Nahe Osten und die Golfregion sind die richtige Richtung und eine ernsthafte Möglichkeit, die Ukraine zu stärken.

            Das Kyjiwer Team verhandelt derzeit über die Zusammenarbeit der Ukraine mit mehreren Ländern der Nahost-Region. Selenskyj bestätigte am Donnerstag die Anfragen von Saudi-Arabien, Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain, Jordanien und Kuwait sowie von den USA bezüglich ihrer Militärstützpunkte im Nahen Osten.

            Die Ukraine bietet eine für beide Seiten vorteilhafte Partnerschaft an: Wir können diejenigen stärken, die uns stärken können, betonte Selenskyj und erklärte, dass die Ukraine ihr beispielloses Fachwissen bei der Abwehr iranischer Drohnen vom Typ Shahed anbieten könne.

            Als Gegenleistung für unsere Unterstützung verlangen wir entsprechende Unterstützung in Bereichen, in denen wir hier vor größeren Herausforderungen stehen – nämlich beim Schutz vor ballistischen Bedrohungen und bei den finanziellen Ressourcen für die Verteidigung.
            Er bestätigte auch, dass ukrainische Teams in einigen dieser Länder bereits vor Ort sind.

            Gelesen bei euronews.com
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            Er bestätigte auch, das ukrainische Teams in einigen dieser Länder bereits vor Ort sind?
            Ach dafür meinte Merz gestern ….?
            Hilfe🙈 Diese Welt wird mir zu kompliziert.

  7. Cocakauer

    Ihr überseht da einfach dass ein Außenminister zwar mit jedem reden darf aber nicht die internen Pläne seiner eigenen Leute an andere verraten sollte weil man sich sonst die ganzen geheimen Treffen in der EU direkt sparen und alles live im Internet streamen könnte damit Ungarn sich die Arbeit beim Petzen spart wer Interna und Gegenmaßnahmen an die Gegenseite ausplaudert macht sich als Partner komplett unglaubwürdig und sorgt am Ende nur dafür dass unser Bündnis nach außen hin völlig machtlos dasteht weil keiner mehr dem anderen trauen kann.
    Ihr plappert mal wieder nur das Narrativ der Russen nach. Orban ist ein Handlanger Putins.
    Zum Glück endet das Kapitel bald

    • Hugo Egon Bernhard von Sinnen

      #Cocakauer/ Sicher, sicher. Aber der Merz darf dem Putin indirekt über die Medien mitteilen, dass der Selenskyj über eine Industrie verfügt, die es ihm ermöglicht, keine Rüstungsgüter mehr von anderen Ländern zu beziehen.
      Weshalb hat der Merz nicht gleich die Koordinaten mitgeliefert ?
      Wir werden nur noch durch die Politik verschaukelt, da ist nichts mit Geheimnissen.
      Das einzige Geheimnis an der Sache ist, dass man uns in gemeinschaftlicher Zusammenarbeit das Geld raubt. Und selbst dies, hat der Merz doch eigentlich indirekt zugegeben?

    • Ich glaube Sie haben zu viel Fernsehen geschaut. Diese Treffen sind nicht öffentlich, aber auch nicht geheim. Dort verhandeln die Minister der Länder untereinander und jeder Minister ist als erstes seinem Land und den Interessen seines Landes verpflichtet, nicht der EU!

      • Gerad van Oche

        Wenn man sich nur die Rosinen rauspicken will, kann man das so interpretieren. Was Ungarn spricht allerdings klar gegen einige EU-Vertragsgesetze. War man ja auch gewohnt, daher die ganzen Strafen in den letzten Jahren. Die konnte Orban, Dank russischen Geld , Gas und Öl noch ausgleichen. Da das jetzt alles weggefallen ist steht ihm dss Wasser bis zum Hals. Wenn Ungarn nicht schon der EU wäre hätte sie bereits das gleiche Schicksal wie Weißrussland ereilt.

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