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Landesweite Proteste gegen Trump in den USA: „Make Democracy great again!“ – Kritik auch an Musk

05.04.2025, USA, Washington: Demonstranten halten Schilder während einer "Hände weg!"-Demonstration gegen US-Präsident Donald Trump am Washington Monument. Foto: Jose Luis Magana/FR159526 AP/AP/dpa

AKTUALISIERT – Nach wochenlanger Schockstarre formiert sich langsam öffentlicher Widerstand gegen den US-Präsidenten und dessen radikalen Kurs. In vielen Städten gibt es große Demonstrationen.

Landesweite Demonstrationen gegen Donald Trump: In den USA haben an vielen Orten Menschen zu Tausenden gegen die Politik des Präsidenten protestiert. Allein in der US-Hauptstadt versammelten sich am Washington Monument nahe dem Weißen Haus mehrere Tausend Demonstranten.

Auch in Dutzenden anderen Städten gab es große Protestaktionen – etwa in New York, Atlanta, Boston, Detroit oder Chicago. Die Veranstalter sprachen von „Millionen“ Teilnehmern bei insgesamt mehr als 1.300 Versammlungen. Offizielle Zahlen oder Schätzungen gab es nicht.

05.04.2025, USA, New York: Demonstranten tragen Schilder mit Bildern die den Unternehmer Elon Musk (l-r), in einer Luftwaffen-Uniform der deutschen Wehrmacht, den US-Vizepräsidenten JD Vance, mit einem Stahlhelm der Infanterie, und den US-Präsidenten Donald Trump, mit einem Totenkopf am Kragenspiegel, zeigen, während einer „Hände weg!“-Demonstration gegen US-Präsident Trump in New York. Foto: Andres Kudacki/AP/dpa

Verschiedene Organisationen hatten gemeinsam zu einem landesweiten Aktionstag und größeren wie kleineren Veranstaltungen in allen US-Bundesstaaten aufgerufen – unter dem Motto „Hände weg“.

Vorab hatten die Veranstalter landesweit mit Hunderttausenden Teilnehmern gerechnet. Am Ende erklärten sie, Millionen Menschen hätten sich beteiligt. Gesicherte Zahlen gab es aber nicht. Die Polizei in der Hauptstadt Washington etwa gab auch auf Nachfrage keine eigene Schätzung zur dortigen Teilnehmerzahl bekannt. In sozialen Medien verbreiteten sich aber rasant Fotos und Videos von großen Menschenansammlungen an vielen Orten im Land.

– „Ein angehender Autokrat“: In Washington forderten Demonstranten auf Plakaten unter anderem, die Verfassung zu verteidigen, Trump des Amtes zu entheben und das Sozialsystem nicht anzutasten. Auf anderen Schildern stand etwa: „Hände weg von der Demokratie“ oder „Stoppt den Coup“.

Unter den Demonstranten in Washington waren vier Frauen – Trish, Laura, Laurel und Jacky. Trish lebt in der US-Hauptstadt, Laura, Laurel und Jacky reisten aus den Bundesstaaten North Carolina und Virginia an. Sie halten das, was derzeit im Land passiert, für gefährlich. Jacky kritisierte, Trump sei ein „angehender Autokrat“, der lieber mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin anbandele als mit demokratisch gewählten Staatschefs. „Wir respektieren die Demokratie, wir respektieren ihre Regeln – und dies ist eine Regierung, die eine Regel nach der anderen bricht“, beklagte Trish. Trump entfremde das Land von seinen traditionellen Verbündeten.

– Proteste auch gegen Musk: Die Kritik richtete sich bei den Versammlungen nicht nur gegen Trump selbst, sondern auch gegen Tech-Milliardär Elon Musk, der sich aus Sicht vieler Demonstrierender zu sehr in Regierungsgeschäfte einmischt.

05.04.2025, USA, Olympia: Lee Telnack schwenkt eine umgedrehte amerikanische Flagge an einer Angelrute während einer „Remove, Reverse, Reclaim“- und „Hands Off!“-Demonstration vor dem State Capitol in Olympia, Washington. Foto: Ivy Ceballo/The Seattle Times via AP/dpa

Auch in New York demonstrierten trotz Nieselregens Tausende gegen Trump und Musk – den Chef des E-Auto-Unternehmens Tesla, der im Weißen Haus ein und aus geht. Im Bryant Park hielten Demonstranten Schilder in die Höhe mit Aufschriften wie „Zieht Elon den Stecker“  oder: „Ich kann das hier überhaupt nur schreiben, weil es ein Bildungsministerium gab“.

Die Menschen protestierten gegen die Zerschlagung von US-Behörden, darunter das Bildungsministerium, gegen die Beschneidung der Entwicklungshilfe, gegen die Migrationspolitik – gegen eigentlich alles, wofür Trump und seine Regierung stehen.

– Trumps radikaler Kurs: Trump hat seit seinem Amtsantritt mit Hilfe Musks damit begonnen, den Staatsapparat rigoros umzubauen, im großen Stil Bundesbedienstete zu feuern und mehrere Behörden ganz auseinanderzunehmen. Er sorgte mit vielen höchst umstrittenen Entscheidungen und Vorstößen für Empörung, sowohl innenpolitisch als auch außenpolitisch. Der Republikaner geht beispielsweise mit großer Härte gegen Migranten und Minderheiten vor. Gleich am ersten Tag im Amt drohte er damit, dass sich die USA den Panamakanal „zurückholen“ werden, notfalls mit Militärgewalt. Seither erhob er auch Anspruch auf Grönland und den Gazastreifen und rief Kanada wiederholt dazu auf, Teil der USA zu werden. Demokraten und Experten werten seinen Kurs als große Gefahr für die Demokratie Amerikas.

– Der Präsident geht golfen: Die Menschen im Land sorgen sich aber auch um die eigene Wirtschaft, nachdem Trump ein globales Zollpaket verkündet hatte, wonach Einfuhren aus allen Ländern in die USA mit Strafabgaben belegt werden. Das dürfte nicht nur die Weltwirtschaft insgesamt schwer belasten, sondern auch die Preise für Amerikaner steigen lassen. Die neuen Zölle kommen hinzu zu diversen anderen bereits eingeführten Strafabgaben.

05.04.2025, USA, Miami: Menschen tragen Schilder und skandieren Slogans während einer Demonstration gegen die Politik von US-Präsident Trump und seinen Berater Musk. Foto: Marta Lavandier/AP/dpa

Kurz nach der Verkündung des neuen umstrittenen Zollpakets hatte sich Trump für ein verlängertes Golf-Wochenende nach Florida verabschiedet, wo er an einer Club-Meisterschaft teilnahm. Er war deshalb nicht im Weißen Haus, als sich die Demonstranten unweit der Regierungszentrale postierten. Doch auch in Florida gab es Protestaktionen gegen ihn.

– Raus aus der Schockstarre: In den ersten Wochen seiner zweiten Amtszeit hatte Trump in schwindelerregendem Tempo Entscheidungen getroffen, Dekrete unterzeichnet und die Welt mit einem Aufreger nach dem anderen in Atem gehalten. Viele Bürger und auch Mitglieder der Demokratischen Partei schienen über Wochen wie in einer Schockstarre. Proteste gab es lange nicht.

Erst langsam formiert sich nun öffentlicher Widerstand der Trump-Gegner, auch bei den Demokraten. Vor wenigen Tagen hatte der demokratische Senator Cory Booker mit einer 25-Stunden-Marathon-Rede gegen Trump im Parlament viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Zuletzt meldeten sich auch der frühere demokratische US-Präsident Barack Obama und Trumps Wahlkampfgegnerin Kamala Harris nach längerem Schweigen kritisch zu Wort.

Obama ruft zum Widerstand gegen Trump auf

Ex-Präsident Barack Obama und die ehemalige demokratische Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris waren länger still. Nun melden sie sich zurück – mit einer klaren Botschaft.

Der frühere US-Präsident Barack Obama hat dazu aufgerufen, sich gegen Einschüchterungsversuche der Regierung von Präsident Donald Trump zu stellen. Er betonte in der Rede vor Studenten laut CNN, dass er  zum ersten Mal seit einer ganzen Weile öffentlich spreche.

„Ich habe ein Weilchen zugeschaut.“ Die Zeitung „Daily Sentinel“ schrieb, Obama habe die US-Bürger, die  Universitäten und die großen Anwaltsfirmen dazu aufgerufen, nicht den Mut zu verlieren.

18.10.2024, USA, Tucson: Der ehemalige US-Präsident Barack Obama spricht während einer Wahlkampfveranstaltung für die demokratische Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris auf dem Campus der University of Arizona. Foto: Mamta Popat/Arizona Daily Star/AP/dpa

Es liege an den Menschen in den USA, das Problem zu lösen. Es werde niemand zur Rettung kommen, zitierte ihn CNN. „Das wichtigste Amt in dieser Demokratie ist der Bürger“, sagte Obama nach Angaben eines CNN-Reporters in der Rede vor über 5.000 Studenten des Hamilton College im Bundesstaat New York. Videoaufnahmen waren bei der Veranstaltung nicht gestattet.

Anwaltskanzleien sollten darauf vorbereitet sein, Aufträge zu verlieren, sagte Obama laut den Berichten. Trump hatte mehrere Anwaltsfirmen massiv unter Druck gesetzt, deren Juristen etwa an Prozessen oder Ermittlungen gegen ihn beteiligt waren.

Die Universitäten, denen die Regierung etwa wegen ihrer Diversitätsprogramme Mittel entzieht, sollten ihre Stiftungsgelder einsetzen oder Kosten einsparen, statt vor Trumps Forderungen zu kapitulieren. Obama sagte, er sei auch besorgt, dass die Regierung Universitäten drohe, die ihre Studenten unterstützen, wenn diese ihr Recht auf Redefreiheit wahrnehmen würden.

Die ehemalige Vize-Präsidentin und demokratische Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris äußerte sich ebenfalls erstmals seit längerer Zeit zur Regierung. In einer Rede vor Frauen sagte sie, sie sei sich bewusst, dass Trumps Rückkehr ins Oval Office „ein großes Gefühl der Angst“  ausgelöst habe. Sie rief zu Mut auf. (dpa)

Zum Thema siehe auch folgenden Artikel auf OD:

24 Antworten auf “Landesweite Proteste gegen Trump in den USA: „Make Democracy great again!“ – Kritik auch an Musk”

  1. Erstaunlich wie sich die Ostbelgier um den US-Präsidenten streiten. Ich denke da sitzen Leute in Eupen, „rue de la loi“, und freuen sich dass die Leute so doof sind und sich für Dinge interessieren die sie gar nicht betreffen während sie die Probleme vor der eigenen Haustüre ignorieren….

    • Hugo Egon Bernhard von Sinnen

      Die Probleme vor der eigenen Haustüre ignorieren nicht alle . Trotzdem ist es ganz lustig, das ausgerechnet Obama sich meldet . Denn wer sich auch in der Vergangenheit auskennt, der weiß dass Obama sich zu seiner Amtszeit ,in einem vollen Saal, vor laufender Kamera ,über Trump lustig gemacht hatte , indem er ironisch meinte, das womöglich noch Trump eines Tages Präsident würde . Trump hatte zu diesem Zeitpunkt auch zwischen den Zuschauern gesessen und das wusste auch Obama .
      Donald Trump ist über den Scherz von Obama so verärgert gewesen, dass er sich kurzer Hand dazu entschlossen hatte, als Präsident zu kandidieren . Aus einem kleinen Gag seitens Obama, wurde Donald Trump zum Präsident , wenn auch nur für die erste Amtszeit .
      Ob Trump sich bei Obama jemals dafür bedankt hat , ist mir nicht bekannt.
      Mit der zweiten Amtszeit von Trump, hat Obama aber nichts zu tun , Er möchte nur davon ablenken, dass er dazu beigetragen hatte, dass Trump überhaupt Präsident wurde, wenn auch unabsichtlich.

      • Hugo hat immer so niedliche Geschichtchen, weiter so !
        Traurig bleibt, dass Trump die halbe Welt in Probleme stürzt, nur um von seiner Unfähigkeit abzulenken, eine Lösung für die Massaker in Palästina und der Ukraine zu finden.
        Er hätte besser den Mund gehalten und keine leeren Versprechungen gemacht, dann könnte er für die wirklichen Probleme vernünftige Lösungen finden.
        Aber leider gewinnen so Populisten eine Wahl, vor allem wenn sie die Möglichkeit haben, mit Geld und „social medias“ zu manipulieren.
        Zwar werden die USA selbst den grössten Schaden haben, Trump zieht aber den gesamten Westen mit in die Rezession.

  2. Boah nee...

    Betrifft:
    Landesweite Proteste gegen Trump in den USA: „Make Democrazy great again!“

    Diese, von der grün-links versifften Presse aufgewiegelten, paar Leutchen sollen sich gefälligst nicht so kindisch anstellen und Trump, diesen großartigen und rechtmäßig gewählten Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika mal gewähren lassen. Der macht das locker mit Links.
    Falls nicht, dann hatte eben ein anderer (wie wär’s mit Musk?) daran schuld!

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