AKTUALISIERT – Er musste durchgehend stehen und war nicht einmal auf Toilette: Mit seiner Dauerrede für die Geschichtsbücher hat Cory Booker im US-Parlament ein starkes Zeichen gegen Donald Trumps Politik gesetzt.
Um 19.19 Uhr (Ortszeit) wendet sich der demokratische Minderheitsführer im US-Senat, Chuck Schumer, an seinen Parteikollegen Cory Booker: „Weißt Du, dass Du gerade einen Rekord gebrochen hast?“ Auf den Zuschauertribünen, die für einen gewöhnlichen Dienstagabend ungewöhnlich gut gefüllt sind, brandet Applaus auf, es gibt Standing Ovations.
Senator Booker, der den Bundesstaat New Jersey vertritt, hat mit seiner flammenden Rede gegen die Regierungspolitik des Präsidenten Donald Trump soeben ein Stück Kongressgeschichte geschrieben: Mit 25 Stunden und fünf Minuten hält er die bislang längste dokumentierte Rede in der Geschichte des US-Senats. Die Erschöpfung ist Booker anzusehen. Am Montagabend um 19 Uhr (Ortszeit) trat er ans Rednerpult – und auch nach Erreichen der jahrzehntealten Rekordmarke von 24 Stunden 18 Minuten spricht er weiter.

04.03.2025, USA, Washington: Senator Cory Booker trifft ein, bevor US-Präsident Trump vor einer gemeinsamen Sitzung des Kongresses im Kapitol spricht. Foto: Ben Curtis/AP/dpa
Um den denkwürdigen Marathon ohne einen Toilettengang durchzuhalten, habe er vorher tagelang gefastet, erzählt Booker laut US-Medien einer Gruppe von Reportern nach der Rede. „Ich glaube, ich habe am Freitag mit dem Essen aufgehört und dann am Abend vor dem Start am Montag mit dem Trinken. Das hatte seine Vorteile, aber auch seine wirklichen Schattenseiten“, wurde Booker zitiert. In den vielen Stunden am Pult habe er dann Muskelkrämpfe und Spasmen gehabt.
– „Dies sind keine normalen Zeiten“: Mit seinem Kraftakt protestiert Booker gegen den radikalen Einsparungskurs von Trump und dessen Republikanern. Schon zu Beginn seiner Ansprache kündigt der Demokrat an, er werde „die normalen Geschäfte des Senats der Vereinigten Staaten so lange stören, wie ich körperlich dazu in der Lage bin“. Unterstützung erhält er von Parteikollegen, die ihm immer wieder Fragen stellen – eine gängige Praxis im Senat, um dem Redner kurze Verschnaufpausen zu ermöglichen und die Redezeit formal auszudehnen.
„Dies sind keine normalen Zeiten“, ruft Booker seinen Zuhörern in Erinnerung. „Und sie sollten nicht als solche gehandhabt werden.“ Innerhalb von nur 71 Tagen habe Trump den Amerikanern großen Schaden zugefügt – in Bezug auf ihre Sicherheit, ihre finanzielle Stabilität, die grundlegenden Säulen der Demokratie und sogar die gemeinsame Hoffnung, dass auch und insbesondere Menschen in höchsten Ämtern ein Mindestmaß an Anstand wahren.
– Tosender Applaus und ratlose Blicke: Je näher die Rekordmarke rückt, desto mehr Senatorinnen und Senatoren der demokratischen Fraktion erscheinen im Plenum – neben Minderheitsführer Schumer und seinen Parteikolleginnen Elizabeth Warren und Amy Klobuchar ist auch der linke Senator Bernie Sanders dabei. Als schließlich der Applaus losbricht, haben einige von ihnen Tränen in den Augen. Auf der republikanischen Seite der Parlamentskammer herrscht zu diesem Zeitpunkt mehr oder weniger gähnende Leere. Nur Cynthia Lummis, Republikanerin aus Wyoming, steht an ihrem Platz, lächelt und klatscht.

04.03.2025, USA, Washington: Senatsminderheitenführer Charles Schumer, Senator Richard Durbin, Senatorin Amy Klobuchar, Senator Cory Booker und Senatorin Tina Smith sitzen zusammen, bevor US-Präsident Trump vor einer gemeinsamen Sitzung des Kongresses im Kapitol spricht. Foto: Win McNamee/POOL Getty Images/AP/dpa
Applaus aus dem republikanischen Lager für einen Demokraten – das ist in diesen Zeiten ein seltenes Bild. Lummis und Booker haben aber in der Vergangenheit an überparteilicher Gesetzgebung zusammengearbeitet.
Auch auf den Zuschauertribünen spielt sich Bemerkenswertes ab: Einige Touristen, die das Kapitol besichtigen, werden eher zufällig Zeugen des historischen Moments. Drei Besucher in Sportkleidung bleiben während Bookers Rede auffällig regungslos, klatschen kein einziges Mal und schauen grimmig. Als der auch mit Unterstützern Bookers gefüllte Saal schließlich geschlossen applaudiert, schauen sie sich zunächst ratlos an – und stehen dann doch auf und klatschen mit.
– Rekord-Rede macht im Netz die Runde: Übertragen wird die Rede unter anderem live auf Bookers Youtube-Kanal – der politische Stunt macht rasch in sozialen Medien die Runde. Am Dienstagnachmittag verfolgen rund 50.000 Menschen den Livestream, bis zum Abend hat sich diese Zahl mehr als verdoppelt: Mehr als 110.000 Zuschauer sind zu diesem Zeitpunkt dabei.
Nach den Regeln der Kongresskammer darf ein Senator so lange sprechen, wie er will – solange ihm nicht das Wort entzogen wird und keine besonderen Beschränkungen für die Debatte gelten. Dabei muss er durchgehend stehen und darf sich nur mit minimalen Unterbrechungen äußern.
Trotz ihrer beachtlichen Länge erfüllt Bookers Rede allerdings nicht die formalen Kriterien eines sogenannten Filibusters – jener Verzögerungstaktik, mit der durch ausufernde Wortbeiträge Gesetzesvorhaben blockiert werden können. Denn seine Rede findet nicht im Rahmen einer konkreten Debatte über ein Gesetz oder eine Personalie statt.
– Booker zieht durch: 1957 hatte Senator Strom Thurmond mit 24 Stunden und 18 Minuten den bisherigen Rekord aufgestellt – aus Protest gegen das Bürgerrechtsgesetz. Laut US-Medien war er gestärkt mit Pumpernickel, Hamburger-Häppchen und Orangensaft. Ein Eimer in einem Hinterzimmer soll ihm als improvisierte Toilette gedient haben.
Auf eine solche Behelfslösung greift Booker diesmal nicht zurück. Kurz nachdem er Thurmonds Rekord gebrochen hat, verweist er darauf, dass er sich nun doch bald einmal um «biologische Dringlichkeiten» kümmern müsse.
Nachfolgend ein VIDEO über den Rederekord von Cory Booker:
Erste Niederlage für Trump: Richterin gewinn Wahl in Wisconsin
Eines der teuersten Rennen um einen Richterposten in der Geschichte der USA ist entschieden. Und die Demokraten können sich endlich mal wieder freuen.
Erstmals seit dem Wahlsieg von US-Präsident Donald Trump können die Demokraten wieder einen größeren Erfolg für sich verbuchen. Aus der mit Spannung erwarteten Wahl zur Nachbesetzung eines wichtigen Postens am Obersten Gerichtshof im US-Bundesstaat Wisconsin ging die liberale Kandidatin Susan Crawford nach übereinstimmenden Medienberichten als Siegerin hervor.

01.04.2025, USA, Madison: Die Kandidatin für den Obersten Gerichtshof von Wisconsin, Susan Crawford, winkt während ihrer Wahlparty nach ihrem Wahlsieg. Foto: Kayla Wolf/AP/dpa
Das Rennen galt nicht nur als eines der teuersten um ein Richteramt in der US-Geschichte – sondern auch als eine Art Referendum über Trumps Regierung und seinen Vertrauten Elon Musk.
Der inzwischen zu immensem Einfluss gelangte Tech-Milliardär Musk hatte die Abstimmung in Wisconsin zur Schicksalswahl erklärt und den konservativen Kandidaten Brad Schimel mit etwa 20 Millionen Dollar unterstützt. Mehrfach reiste er in den „Swing State“ und setzte sich dort auch mit umstrittenen Geldgeschenken für den Konservativen ein.
Die Wahl in Wisconsin hatte insbesondere deshalb Bedeutung, weil es um die Mehrheit am Obersten Gerichtshof des Bundesstaats ging, der nun liberal geprägt bleibt. Seine sieben Richter entscheiden auch in Fällen, die landesweit Bedeutung haben können – etwa bei der Zuschneidung von Wahlbezirken und Fragen des Abtreibungsrechts. Ebenso wie am Supreme Court, dem – seit Trumps erster Amtszeit konservativ geprägten – höchsten Gericht der Vereinigten Staaten, kann die politische Ausrichtung der Richter gerade bei knappen Mehrheitsentscheidungen eine wichtige Rolle spielen.
Auch zwei Nachwahlen für den US-Kongress im Bundesstaat Florida ließen die Demokraten etwas Hoffnung schöpfen. Zwar unterlagen beide Bewerber der Partei in den republikanischen Hochburgen – aber diesmal nur mit knapp 14 beziehungsweise 15 Prozentpunkten Rückstand. Bei der Wahl im November war der Vorsprung der republikanischen Kandidaten noch mehr als doppelt so groß ausgefallen. Teilweise wurden die Nachwahlergebnisse als Zeichen dafür gewertet, dass das radikale Vorgehen Trumps und Musks seit der Wahl selbst unter eher republikanisch gesinnten Wählern längst nicht unumstritten ist. (dpa)
Wahlbeteiligung? Ach, darüber schreibt .dpa nichts…..
Weg mit ihm und Konsorten!
Gut so!
Dafür gewinnen zwei Republikaner die Nachwahlen in Florida. Also ist Wisconsin kein Zeichen für oder gegen Trump. Wahlen in den USA haben oft regionale Bedeutung. Trotz Musk, der überbewerttet wird.
Auch die Nachwahlen in Florida waren eine Entäuschung für Trump. Die beiden Republikaner haben viel schlechter abgeschnitten, als allgemein von ihnen erwartet wurde. Also auch nur ein Sieg mit fadem Beigeschmack.
Wenn Linke Erfolge der vermeintlich Rechten als Misserfolg zurechtbiegen. Ihr seid einfach nur zum schreien xD
das war dann aber ganz bestimmt Wahlbetrug, dunkle Mächte haben sich gegen die Republikaner zusammengeschlossen 😉
Wann erhebt sich das Amerikanische Volk?
Ich kenne noch ein Land, ziemlich in unserer unmittelbaren Nähe, welches mal eine solche Rede, einen ebenso harten und realistischen Appel, ebenso Resultate bräuchte!? Aber hier lässt man’s ruhig so weiterlaufen wie gehabt! Hauptsache gute Posten und noch besseren Lohn, trotz Misslichen Resultaten in Massen!
Und was soll das bringen? Wer denn da noch zu?
Es geht um Symbolpolitik. Jeder kleine Youtuber hat mehr Zuschauer.
Das Video , welches im Artikel zur Verfügung steht ,ist von YouTube . Ob es 25 Stunden dauert habe ich nicht nachgesehen.
Würde auch kaum jemand schaffen, ohne irgendwann dabei einzunicken?
Wahrscheinlich wird sein Arzt ihm ,eine gesunde Lunge und einen langen Atem diagnostizieren. Hat er danach 10 Stunden geschlafen? und keine Kommentare bei Ostbelgien direkt gelesen ? ,-)
Symbolpolitik ist bei dieser Aktion nicht ausgeschlossen.
Soviel Kürbiskerne könnte ich gar nicht schlucken um 25 Std. nicht zu piseln.
Chapeau!!
HINWEIS – Trump setzt seine aggressive Handelspolitik fort und bringt neues weitreichendes Zollpaket auf den Weg https://ostbelgiendirekt.be/trump-zollpaket-412706