Politik

DG-Ministerin Klinkenberg kündigt weitere Maßnahmen zur Förderung der Mehrsprachigkeit im Schulwesen an

Schüler beim Erdkundeunterricht in einer Schulklasse: In vielen Sekundarschulen in der DG wird auch Sachfachunterricht in französischer Sprache erteilt. Foto: Shutterstock

Die Regierung der DG ergreift weitere Maßnahmen im Grund- und Sekundarschulwesen, um die Schülerkompetenzen in der ersten Fremdsprache zu verbessern.

Nach Angaben von Ministerin Lydia Klinkenberg (ProDG), zuständig für Bildung und Unterricht, treten diese diese bereits zu Beginn des neuen Schuljahres im September 2022 in Kraft.

Aufgrund des Dekrets vom 19. April 2004 zur Vermittlung und zum Gebrauch der Sprachen im Unterrichtswesen wurden zahlreiche Maßnahmen in den Regelschulen durchgeführt, um die Kompetenzen der Schüler in der ersten Fremdsprache Französisch bzw. Deutsch zu fördern und zu stärken. Durch eine Anpassung des Dekrets bringt die Bildungsministerin ab dem Schuljahr 2022-2023 eine Reihe von weiteren Maßnahmen auf den Weg.

In Ostbelgien gibt es zwei Unterrichtsprachen: Deutsch und Französisch.

Das Dekret zur Vermittlung und zum Gebrauch der Sprachen im Unterrichtswesen, das nun angepasst wird, regelt unter anderem den Umfang der fremdsprachlichen Aktivitäten im Kindergarten, des Fremdsprachenunterrichts und des fremdsprachlichen Sachfachunterrichts in der Grund- und Sekundarschule sowie die sprachlichen Anforderungen, welche die Lehrer jeweils in der Unterrichts- und in der Fremd- oder Zielsprache erfüllen müssen.

In Ostbelgien gibt es zwei Unterrichtsprachen: Deutsch und Französisch. In den meisten Schulen ist Deutsch die Unterrichtssprache. In der Regel wird daher in Ostbelgien in den Grundschulen als erste Fremdsprache Französisch unterrichtet.

In der städtischen französischsprachigen Schule in Eupen (ECEF) und in den französischsprachigen Abteilungen in den Grundschulen des Königlichen Athenäums Eupen, des César Franck Athenäums Kelmis sowie der Gemeindeschulen Herbesthal und Kelmis ist Französisch Unterrichtssprache, hier wird Deutsch als erste Fremdsprache unterrichtet. In allen Sekundarschulen ist die offizielle Unterrichtssprache Deutsch und die erste Fremdsprache Französisch.

Illustration: Pixabay

In vielen Sekundarschulen wird auch Sachfachunterricht in französischer Sprache erteilt. Ist der Anteil des Sachfachunterrichts in Französisch besonders hoch, spricht man landläufig auch von bilingualem Unterricht.

Der Entwurf eines Dekretes über die Förderung der Fremdsprachenkompetenzen im Unterrichtswesen, den Bildungsministerin Klinkenberg im Parlament hinterlegt hat, sieht folgende Änderungen am Sprachendekret vor:

Im Kindergarten werden zukünftig Fachlehrer für fremdsprachliche Aktivitäten zweimal pro Woche Aktivitäten in der ersten Fremdsprache erteilen können. Dazu schafft die Regierung ein neues Amt und erhöht das Stundenkapital für Kindergärtner.

Durch den Einsatz von Fachlehrern für fremdsprachliche Aktivitäten im Kindergarten – entweder Native Speaker oder Personen, die die Fremdsprache gründlich beherrschen – sollen die Kinder möglichst früh und regelmäßig mit der französischen Sprache in Kontakt kommen. Die fremdsprachlichen Aktivitäten werden im Teamteaching mit der Kindergärtnerin/dem Kindergärtner durchgeführt.

Zugang zum Amt des Fachlehrers für fremdsprachliche Aktivitäten haben Native Speaker sowie Kindergärtner oder Primarschullehrer, die die Ziel- bzw. Fremdsprache mindestens gründlich (Sprachniveau B2) und die Unterrichtssprache mindestens ausreichend (Sprachniveau B1) beherrschen.

Zusätzlich müssen sie fremdsprachendidaktische Kenntnisse nachweisen. Dieser Nachweis erfolgt für Primarschullehrer, indem sie eine Zusatzausbildung in Fremdsprachendidaktik absolvieren.

Bildungsministerin Lydia Klinkenberg (ProDG). Foto: Gerd Comouth

Für Kindergärtner erfolgt dieser Nachweis, indem sie Zusatzmodule in Fremdsprachendidaktik im Kindergarten an der Autonomen Hochschule absolvieren. Kindergärtner, die ihre Erstausbildung an der Autonomen Hochschule absolviert haben, haben diesen Nachweis in Fremdsprachendidaktik schon in ihrer Erstausbildung erbracht.

In den Primarschulen wird die Anzahl an Fächern, die in der ersten Fremdsprache erteilt werden können, erweitert. Das bedeutet, dass neben den Fächern Sport, Kunst und Musik auch eine Stunde Geografie und Mathematik pro Woche in der ersten Fremdsprache erteilt werden können, ohne dass die Schulen dazu ein Pilotprojekt initiieren müssen.

Somit können die Primarschulen bis zu sieben Stunden Sachfachunterricht (in allen Fächern mit Ausnahme der modernen Sprachen) in der ersten Fremdsprache erteilen. Diese Änderung führt zudem dazu, dass Pilotprojekte aus dem Kindergarten in der Primarschule fortgeführt werden können.

Für besonders starke Schüler im Bereich Fremdsprache (zum Beispiel bilinguale Schüler) können die Grundschulen bei Bedarf zudem jeweils eine Stunde Französisch- bzw. Deutschunterricht mehr pro Stufe organisieren.

Auch in den Sekundarschulen setzt die Regierung zukünftig verstärkt auf den Einsatz von Native Speakern. Um dem Lehrermangel entgegenzuwirken und mehr Muttersprachler einsetzen zu können, wird der gesetzliche Rahmen in puncto Dienstrecht und Sprachgesetzgebung angepasst.

Foto: Shutterstock

So werden die sprachlichen Anforderungen an die frankophonen Lehrer, die in den Sekundarschulen Sachfachunterricht in französischer Sprache unterrichten, herabgesetzt. Sie brauchen künftig nur mehr über ausreichende Kompetenzen (B1), statt gründliche Kompetenzen (B2), zu verfügen.

Bildungsministerin Lydia Klinkenberg erläutert ihr Vorhaben: „Anfang des Jahres hat uns die Universität Lüttich, die die jährliche DELF-Vollerhebung auswertet, bestätigt, dass unsere Schülerinnen und Schüler über ein gutes und stabiles Sprachniveau in Französisch als erste Fremdsprache verfügen.“

78 Prozent aller Teilnehmer erreichten das angestrebte Sprachniveau. „Wir arbeiten aber fortlaufend daran, einerseits die Qualität und andererseits die Quantität des Sprachenunterrichts zu erhöhen. Durch die Anpassungen am Fremdsprachendekret eröffnen wir den Schulen die Möglichkeit, mehr Unterricht auf Französisch zu erteilen und dazu Muttersprachler, die sogenannten Native Speaker, einzusetzen“, unterstreicht die Bildungsministerin.

Das gute sprachliche Vorbild der Fachlehrer soll sich laut Klinkenberg positiv auf die Kompetenzen der Schüler auswirken: „Mit der Erweiterung der Fächer, die in der ersten Fremdsprache erteilt werden können, folgen wir zudem einer Empfehlung der Universität Lüttich, die im Rahmen der DELF-Vollerhebung ausgesprochen wurde. Eine Sprache lernt man bekanntlich vor allen Dingen durch ausreichend Praxis. Diese möchten wir nun in den Schulen noch weiter verstärken.“

26 Antworten auf “DG-Ministerin Klinkenberg kündigt weitere Maßnahmen zur Förderung der Mehrsprachigkeit im Schulwesen an”

  1. OMG. Schon wieder! War der zuletzt durchgeführte DELF-Test denn so schlecht?
    Und wo bleibt die Qualität des Deutschunterrichts?
    Zurzeit zeichnen sich die Verantwortlichen des Unterrichtswesens vor allem durch Aktionismus aus. Wahlen finden dort erst in 2024 statt.
    Armes Unterrichtswesen. Es ist nur noch vergleichbar mit einem alten Flickenteppich.
    Große und überteuerte Untersuchungen bringen nur etwas, wenn im Anschluss daran, kompetente Menschen einen Masterplan ausarbeiten und umsetzen.

  2. ….
    Eine Sprache lernt man bekanntlich vor allen Dingen durch ausreichend Praxis. Diese möchten wir nun in den Schulen noch weiter verstärken.“
    …..
    Hört sich gut an, hoffentlich wird es auch umgesetzt….

  3. Et si on parlait encore mieux une fois ;-)

    Der „Fremd“-Sprachunterricht müsste nicht verbessert/erneuert werden, wenn der konsequente Unterricht in zwei Sprachen, wie ich in noch gekannt habe, nicht von ein paar Schlaumeiern zu Grabe getragen worden wäre. Aus welcher Ecke die wohl kamen…

  4. Ein guter Fremdsprachenlehrer…

    muss die Sprache, die er unterrichtet, selbst als Fremdsprache erlernt haben, damit er sich der Mühen und Schwierigkeiten bewusst sein kann, die damit verbunden sind. Dieser Native-Speaker-Bullshit ist eine politische Theorie, die gewissen französischen Nationalisten in der Wallonie gut gefällt. Das war’s auch.

    sollte idealerweise selbst Kinder haben, um verstehen zu können, wie Sprache funktioniert, wie sie erlernt wird.

    darf auf gar keinen Fall die quasi-bundestoitsche AHS/AHO besucht haben. Der Laden gehört eingestampft. Er hat mehr als genug Schaden angerichtet.

    • Walter Keutgen

      Fluppz, Ihre Kriterien für den guten Fremdsprachenlehrer sind richtig. Aber die Wege, die Sie als einzige aufzeichnen, das zu erreichen sind falsch. In der Ausbildung der Sprachenlehrer sollte auf jeden Fall das Fach Unterricht für fremdsprachige Schüler stehen. Und natürlich sollte vergleichende Sprachkunde auch dazu gehören. Er muss nämlich wissen, in welche Fallen seine Schüler tappen würden.

  5. Machen wir uns nichts vor, das wird dazu führen dass weniger Schüler das erforderliche Niveau erreichen. Damit sinkt die Abiturientenquote und die Politik gerät in einen Zielkonflikt. Die Gefahr ist groß dass dann doch wieder das Niveau abgesenkt wird und es, mal wieder, nur bei guten Vorsätzen bleibt…..

  6. Was soll dieser Quatsch, in der D.G. sind keine fähigen Lehrer die die französische Sprache perfekt beherrschen.
    Unsere Kinder müssen nach Malmedy, Verviers, Liège um diese Sprache zu lernen.
    In Eupen und St.Vith kann man diese Sprache nicht lernen, und den kompetenten Minister einbegriffen.

    • Walter Keutgen

      Klara, da zeigen Sie ein Problem auf: Wie bekommt man fremde Muttersprachler in die DG? Vor dem Krieg schickten einige Eltern ihre Kinder nach Dolhain. Glauben Sie, dass die Staatsuniversität zu Lüttich Dozenten einställt die Französisch nur mangelhaft beherrschen? Aus Wikipedia: „Zudem arbeitete sie von 2015 bis 2019 als Dozentin für politische Wissenschaften an der Universität Lüttich und als Referentin für Menschenrechte.“ und das nicht im Fach Deutsch. https://de.wikipedia.org/wiki/Lydia_Klinkenberg.

  7. Die Wahrheit

    Die Ministerin soll zuerst mal sorgen, dass in den Ministerien nicht alles verenglicht wird, damit die besonders ältere Generation es auch versteht.
    Tracecenter, Callcenter
    BOOSTER
    ETC.
    (es gibt auch deutsche Wörter)
    oder werden in naher Zukunft den Bürgern Wörterbücher per Post verteilt.
    Ferner sollen unsere Kinder zuerst unsere Muttersprache richtig lernen, damit sie in Zukunft auch in der Lage sind, einen Brief korrekt zu schreiben.
    Schreiben wir mal so.
    Frau Ministerin bleiben sie cool, es ist doch alles easy. Sie machen doch nur publicity. und entertainment.

  8. Zu meiner Zeit wurden alle wissenschaftlichen Fächer in Französich unterrichtet, das kam mir zu Gute da ich zweisprachig aufgewachsen bin, aber auch meine Mitschüler kannten genügend Französisch um die Uni zu bestehen, alle ausnahmslos.
    Dieses System würde auch heute genügen, wird aber in gewissen Kreisen verhindert, ich kann auch sagen wo, sag ich aber nicht, sonst werde ich gesperrt.

  9. Das mögen ja alles gute Vorsätze und Initiativen sein, aber so einfach wird die Sache nicht werden. Aktuell herrscht nicht gerade eine Überfluß an Lehrer. Beim aktuellen Lehrermangel nehmen die Unterrichtsanstalten in Ostbelgien, egal ob Primar oder Sekundar, an Lehrpersonal was sie bekommen können. Da ist die Sprachenqualifikation dieser Lehrer nebensächlich.

  10. Frank Mandel

    Das gesamte Spektrum hinsichtlich Förderung von Schülern ist ein Armutszeugnis und entspricht somit dem Können der Zuständigen. Da hält man sich gern an den Händen fest, um nichts anpacken zu müssen.
    Zaubergärten werden ins Leben gerufen, Achtsamkeit groß geschrieben aber von Förderung die ankommt und langfristig Nutzen bringt- weit gefehlt. Man feiert sich lieber selbst und guckt was man geschaffen hat.
    Zäune zwischen Schulen die selbstverständlicher zusammen arbeiten sollten, fehl am Platz.
    Alles sauber getrennt für sich, Perspektiven weit gefehlt.
    So ist wer sonderpädagogische Unterstützung benötigt weiter im Fangnetz der Angebotspalette und bleibt sonderbar.
    Die Heranführung an die französische Sprache ist nur ein I Tüpfelchen aufm heißen Stein.
    Außer dem politisch motivierten und ausgebadeten schulischen Druck- von Förderung keine Spur.
    Wie gesagt: der Fisch stinkt vom Kopf her!

  11. Walther Janssen

    Wohlwissend, dass ich jetzt in ein Wespennest stochere, habe ich eine ganz andere Vision und Lösungsansatz, um zu der vielgelobten und wenig realen Mehrsprachigkeit zu kommen. Wir müssen weg von der seit 70 Jahren bestehenden einseitigen Festlegung auf Französisch als erste Fremdsprache im Unterrichtswesen der DG. Die Leitsprache im Unterricht muss Deutsch sein, und es soll auch kein Fachunterricht auf Französisch erteilt werden. Als erste Fremdsprache muss Englisch eingeführt werden, und diese Wahl muss man den Eltern überlassen. Die französischsprachigen Abteilungen können es dann selbst anders entscheiden, wenn sie wünschen. Als zweite und dritte Fremdsprache kommen dann Niederländisch und Französisch hinzu, auch mit starker digitaler Unterstützung, wenn die Unterrichtsstunden nicht reichen sollten. Die Kenntnisse müssen es nach dem Abitur den Studierenden ermöglichen, an einer französisch- oder niederländischsprachigen Universität zu studieren, sowohl in Belgien als auch anderswo. Bei guten Englischkenntnissen werden die Studierenden das allemal schaffen, und es stehen ihnen alle Möglichkeiten der Welt offen, auch in Belgien. Das wäre eine gelebte Mehrsprachigkeit hier im Herzen Europas. Ob die Politik dazu den Mut hat?

    • Krisenmanagement

      @Walther Janssen Ich gebe ihnen zu 100% Recht. Erst wenn man wirklich gefestigt in der eigenen Sprache, ist man auch in der Lage die andere Sprache zu lernen. Auch sollte man die Begabungen der Schüler etwas beachten. Deswegen ist der Fachunterricht in Französisch eine ganz schlechte Idee. Es kann sogar dazu führen, dass viele Schüler regelrecht die Französische Sprache ablehnen. Das ist kein Vorstoss zur Mehrsprachigkeit. Die Ministerin scheint nicht in der heutigen Realität angekommen zu sein. Englisch ist essentiell wichtig, gerade in den technischen Fächern. Viele Schüler in der DG haben gar keine Gelegenheit, um Niederländisch zu lernen. Aber ist die ProDG wirklich in der Lage aktuelle Unterrichtskonzepte zu fördern. Es fehlt die Sachkenntnis im Ministerium. Man hat es ja immer so gemacht. Ich denke Schüler sind eben keine Wähler der Regierung. Die Prioritäten liegen ganz und gar nicht auf dem Unterrichtswesen. Viele Schüler haben die Corona-Massnahmen noch nicht aufholen können. Aber die Hilfe wurde gestoppt.

      • Walther Janssen

        @QUANTSCH!!!!!!!!! Das mit den Landessprachen ist nicht visionär und nicht europäisch. Und wieso Französisch? Vor unserer Haustüre sprechen mehr als 20 Millionen Menschen Niederländisch. Jeder von uns kann sich auch mit geringen Französischkenntnissen mit unseren Nachbarn in Welkenraedt und Baelen unterhalten, auch sogar auf Platt. Nach meinem Modell hat jeder ausreichend Kenntnisse der französischen Sprache. Da müssen die in Baelen und Welkenraedt erstmal nachziehen.

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