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Mario Kohnen soll die Talfahrt von Charleroi beenden – Eupener zum Interimstrainer der „Zebras“ ernannt

07.04.2026, Belgien, Charleroi: Mario Kohnen bei seiner Vorstellung als Interimstrainer von Erstligist Sporting Charleroi am Dienstag. Foto: Belga

Mario Kohnen steht exemplarisch für einen neuen Trainertyp: fundiert ausgebildet, vielseitig erfahren und im Hintergrund gereift. Mit seiner Ernennung als Interimscoach von Erstligist Sporting Charleroi bekommt der Eupener nun die Chance, sich erstmals nachhaltig auf der großen Bühne zu beweisen.

Mario Kohnen, 39 Jahre alt, gehört zu jener Generation moderner Fußballtrainer, die sich ihren Weg nicht über eine große Spielerkarriere, sondern über Ausbildung, Analyse und kontinuierliche Arbeit im Hintergrund erarbeitet haben. Seit Dienstag steht der Ostbelgier nun erstmals im Rampenlicht: Er wurde beim Erstligisten Sporting Charleroi zum Interimscoach ernannt.

Die Beförderung erfolgte nach der Entlassung von Cheftrainer Hans Cornelis, nachdem die Mannschaft in eine sportliche Krise geraten war. Kohnen, zuvor Assistenztrainer, gilt intern als logische Lösung: Er kennt den Kader, die Abläufe im Klub und die Anforderungen der Liga genau.

Mario Kohnen (M) mit Cheftrainer Florian Kohfeldt (l) und Kristoffer Andersen (r) beim Trainingsauftakt von Erstligist AS Eupen im Juni 2023. Foto: Patrick von Staufenberg

Kohnens Aufgabe ist klar umrissen – die Mannschaft in den verbleibenden Spielen der Europa Playoffs (oder Playoffs 2) stabilisieren und möglichst schnell wieder zu Ergebnissen führen.

– Ein Trainer, der „von unten“ kommt: Kohnens Werdegang ist eng mit seiner Heimatregion verbunden. Seine ersten Schritte machte er beim FC Eupen, wo er im Nachwuchsbereich tätig war. Dort sammelte er grundlegende Erfahrungen in der Ausbildung junger Spieler – ein Fundament, das seinen späteren Ansatz stark geprägt hat.

Der nächste Schritt führte ihn zur AS Eupen, wo er über viele Jahre hinweg unterschiedliche Rollen übernahm. Vom Jugendtrainer über Videoanalyst bis hin zum Assistenztrainer (zuletzt an der Seite von Cheftrainer Florian Kohfeldt) arbeitete er sich systematisch nach oben. Diese vielseitige Ausbildung machte ihn zu einem detailorientierten Fachmann mit taktischem Verständnis.

Mario Kohnen bei der Vorstellung der neuen Spiel- und Trainingsgemeinschaft von AS und FC Eupen im Jugendbereich im März 2014 im Presseraum des Kehrweg-Stadions. Foto: OD

Im Jahr 2022 übernahm Kohnen in Eupen zudem erstmals kurzzeitig Verantwortung als Interimstrainer der Profimannschaft zusammen mit Kristoffer Andersen. Auch wenn diese Phase nur von begrenzter Dauer war, verschaffte sie ihm wertvolle Einblicke in die Rolle des Cheftrainers auf höchstem Niveau in Belgien.

– Entwicklung über Assistenzrollen: Nach seiner Zeit in Eupen blieb Kohnen im Profifußball und sammelte weitere Erfahrung als Co-Trainer, unter anderem beim KV Kortrijk sowie beim FCV Dender EH. Besonders die Station in Dender, die mit dem Aufstieg in die Jupiler Pro League verbunden war, stärkte seinen Ruf als kompetenter Mitarbeiter im Trainerstab.

Im März 2025 wechselte der heute 39-Jâhrige schließlich zu Sporting Charleroi, erneut als Assistenztrainer. Dort arbeitete er unter Rik De Mil und dann unter Hans Cornelis am täglichen Trainingsbetrieb, an Spielanalysen und an der individuellen Entwicklung der Spieler – klassische Aufgaben eines modernen „T2“, wie der Co-Trainer im belgischen Fußball oft genannt wird.

– Trainerprofil und Herausforderungen: Kohnen gilt als strukturierter, analytischer Trainer mit klarem Fokus auf Organisation und Entwicklung. Seine Stärke liegt weniger im großen öffentlichen Auftreten als vielmehr in der Detailarbeit: Spielvorbereitung, taktische Feinabstimmung und individuelle Förderung.

Gerade in einer Krisensituation wie der von heute bei Charleroi kann dieses Profil ein Vorteil sein. Als interne Lösung bringt er keine Unruhe, sondern Kontinuität – gleichzeitig aber auch die Chance auf einen kurzfristigen Impuls.

Die kommenden Wochen werden entscheidend dafür sein, ob Kohnen sich über die Rolle des Interimscoaches hinaus empfehlen kann. Fest steht: Für den 39-Jährigen ist es die bislang größte Herausforderung seiner Trainerlaufbahn – und möglicherweise der Schritt in eine dauerhafte Position als Cheftrainer im Profifußball. (cre)

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