Immer mehr Karnevalisten greifen zu alkoholfreien Alternativen. Vor allem Jugendliche feiern laut Veranstaltern zunehmend ohne Bier oder Schnaps.
Närrische Umzüge, Sitzungen und Partys: Beim Karneval gehört Alkohol für viele selbstverständlich dazu. Doch immer mehr Menschen entscheiden sich bewusst dafür, die fünfte Jahreszeit nüchtern zu feiern.
„Wir stellen das über die letzten Jahre extrem fest“, sagt der Präsident der Arbeitsgemeinschaft Trierer Karneval, Andreas Peters. Vor allem: „Wir haben ganz viele Jugendliche, die mit wenig oder ohne Alkohol auch schön feiern können.“
Das Bewusstsein in Bezug auf Alkoholkonsum habe sich verändert, sagt auch der Sprecher des Mainzer Carneval-Vereins (MCV), Michael Bonewitz. „Gefühlt ist es so, dass weniger getrunken wird.“ Er habe den Eindruck, dass es ein Trend sei, könne das aber nicht mit Zahlen belegen. „Vor allem bei jungen Leuten sehe ich aber: Sie brauchen gar keinen Alkohol, um lustig zu sein“, sagt er.

27.02.2017, Nordrhein-Westfalen, Köln: Leere Bierflaschen liegen nach dem Rosenmontagszug auf der Straße. „Früher war es schlimmer.“ Foto: Oliver Berg/dpa
– Straßenfastnacht mit alkoholfreiem Bier, Sekt und Gin: Von Jahr zu Jahr werde mehr alkoholfreies Bier nachgefragt, berichtet Ralf Kraft, der für den MCV die Stände während der Straßenfastnacht in Mainz betreibt. In diesem Jahr werde er neben alkoholfreiem Bier nun neu auch alkoholfreien Gin und alkoholfreien Sekt anbieten, sagt Kraft. „Ich kann mir vorstellen, dass es da einen enormen Trend gibt.“
An Fastnacht sei auch oft „die dünne Weinschorle“ gewünscht. Sie habe ein bisschen Weingeschmack, sei aber nicht stark. Generell gehe es um Genuss. In der Gastronomie Bastion von Schönborn, die Kraft in Mainz betreibt, gingen alkoholfreie Weine, Cocktails und Longdrinks stabil gut.
„Den Trend, dass insgesamt weniger Alkohol getrunken wird, den wird man bei uns auch spüren“, sagt der Präsident der Arbeitsgemeinschaft Koblenzer Karneval, Andreas Münch. Gäste würde häufiger nach alkoholfreiem Wein und Sekt fragen. Aber Alkohol bleibe „ein nicht zu verachtender Faktor“. Es gebe weiter Leute, die Karneval damit verbinden würden, übermäßig zu trinken.
– „Alkohol spielt dritte oder vierte Rolle“: „Wir haben in den letzten Jahren viel Aufklärung in den Vereinen betrieben“, sagt der Präsident des Bundes Deutscher Karneval (BDK), Klaus-Ludwig Fess, im saarländischen Bexbach. Dazu gehöre auch, dass Leute nicht mit einer Flasche Bier in der Hand auf der Bühne stünden. „Sonst hat man gleich den Eindruck: Das ist etwas Normales, das muss man haben.“
Bei der BDK-Jugend habe er bei Feiern den Eindruck, dass Alkohol nur eine dritte oder vierte Rolle spiele, sagt Fess, der selbst an Karneval gar keinen Alkohol trinkt. „Ich kann trotzdem mitfeiern und lachen. Und Menschen wie mich gibt es tausendfach in Deutschland.“ Zum BDK gehören mehr als 5.300 Karnevals- und Fastnachts-Vereine und Zünfte in allen Bundesländern.
– Vor Jahren war es noch extrem: Fakt ist trotzdem, dass es jedes Jahr zu Karneval landesweit viele Betrunkene gibt und auch weiterhin Jugendliche, die bei dieser Gelegenheit viel trinken. In der närrischen Hochburg Mainz gab es laut Polizei im vergangenen Jahr an Rosenmontag 600 Jugendliche, die unter dem Strich zusammen unerlaubt 77 Liter Alkohol dabeihatten.
Doch früher war es schlimmer. So gab es 2012 an Weiberfastnacht in Trier zig betrunkene Jugendliche, die kollabierten und randalierten. Rund 60 Menschen mussten notärztlich behandelt werden. „Dieses Vorglühen mit hochprozentigem Alkohol – das gibt es so nicht mehr“, sagt Andreas Peters. Damals sei es vielen nur darum gegangen, so schnell wie möglich betrunken zu werden.
Dass Party auch ohne Alkohol geht, das zeigen Feierangebote für Teenager, die gut besucht werden. So gibt es in Koblenz seit etlichen Jahren an Rosenmontag (16. Februar) eine Jugendparty unter dem Motto „alkoholfrei und Spaß dabei!“. Im Köln steigt an Karnevalsfreitag „Kölle Alarm – Feiern ohne Zoff und Stoff“, dort feiern rund 850 Teenager bei null Promille.

An einer Bar werden alkoholfreie Cocktails von „Fine Spritz“ angeboten. Fine Spritz ist ein alkoholfreier Orange Aperitivo. Foto: Jens Kalaene/dpa
– Karnevalistische Selbstverklärung: Nach Angaben der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen wurde 2023 ein durchschnittlicher Pro-Kopf-Alkoholkonsum von 10,2 Litern Reinalkohol registriert – das war der niedrigste Wert seit 2012. Es gebe einen kontinuierlich abnehmenden Trend über die letzten Jahre, im Gegensatz zu früheren Jahrzehnten, in denen deutlich mehr Alkohol konsumiert wurde.
Vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen war zuletzt ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. Dennoch bleibt der Konsum wegen gesundheitlicher Risiken Thema. Die Hauptstelle für Suchtfragen warnt: „Alkohol schadet mit jedem Schluck. Es ist ein Zellgift.“
Auch Kommunen und Veranstalter beobachten eine wachsende Sensibilität, denn der Jugendschutz spielt auch bei Umzügen eine größere Rolle als früher. Im Kreis Bernkastel-Wittlich in Rheinland-Pfalz etwa beteiligen sich viele Karnevalsvereine an der Aktion „Jugendschutz im Karneval“: In einer Selbstverpflichtung haben sie sich bereit erklärte, dafür zu sorgen, dass bei Karnevalsumzügen und anderen Veranstaltungen kein Alkohol an junge Menschen unter 16 abgegeben wird. (dpa)
Zum Thema siehe auch folgenden Artikel auf OD:

Dann bin mal gespannt auf die Bilder vom Karnevalszug in Raeren und Kelmis. Da hatte ja fast jeder Zugteilnehmer eine Flasche Bier oder Schnapsglas in der Hand.
Verstehe die Jugend wer will.
Den Eindruck, dass der Karneval nicht mehr so ausgelassen gefeiert wie zu unseren Zeiten, kann sich so oder so niemand aus meiner Generation mehr entziehen.
Was haben wir damals bis in die Morgenstunden hinein in Kneipen und Säalen ausgelassen gefeiert, und danach waren sowohl wir als auch die Kneipeninhaber so was von glücklich.
…und neun Monate später stellte sich mitunter Nachwuchs ein.
Das Problem war vielmehr neben wem.am anderen Tag wach geworden ist. Entweder bist du liegen geblieben oder du hast schnell die Sause gemacht.
# Besorgte Mutter/ Sollte es nicht heißen:
Und danach waren wir so voll und glücklich wie der kneipeninhaber?
;-)
@Noch ene Hondsjong, ….mitunter, aber nicht bei mir, denn es stand immer fest wie weit ich gehe. So richtig gefeiert wurde und wird auch mit meinem Mann zusammen.
Schon lange keinen Zug mehr gesehen wah, Bierflaschen sind seit einigen Jahren schon verboten, zumindest im norden der DG, im Süden weiss ich nicht !
An gewissen Stellen, ja aber sonst kein Alkoholverbot, in Kelmis jedenfalls !
Ich spreche von Flaschen, es darf Bier nur noch in Becher ausgeschüttet werden, Glasflaschen sind verboten !
@ne Hondsjong
Wir haben beide Recht bzw Unrecht. Habe eben mal die Bilder von 2025 geschaut, in Raeren definitiv Bierflaschen in den Händen der Zugteilnehmer, aber in Kelmis haben die Trinkbecher, dann ist das wohl in Kelmis richtigerweise verboten.
OK, ich dachte das wäre für die ganze Polizeizone WESGO so.
Das ist ein Bericht aus Rlp und hat rein garnichts mit dem Karneval bei Uns zu tun.
@Helmuth: Hier geht es um den rheinischen Karneval. Ostbelgien gehört dazu. Was Karneval betrifft, haben wir mehr mit Aachen, Köln, Düsseldorf und Mainz gemeinsam als mit dem Karneval in Binche oder in Aalst. Gruß
Klar ist unser Karneval ein rheinischer. Mir scheint aber, dass -trotz kultureller Beeinflussung durch den großen Nachbarn- in Ostbelgistan die Orthorexie (der zwanghafte Drang sich vermeintlich richtig oder gesund zu ernähren) weniger ausgeprägt ist. Weniger Vegetarier, weniger Veganer, mehr Menschen, die sich vor dem Essen im Restaurant ein Aperitif leisten und zum Essen ein Glas Wein genießen. Könnte also sein, dass sich die Moden aus Köln und Mainz nicht so einfach auf Kelmis, Eupen und Sankt Vith übertragen lassen. Wer den Malmedyer Karneval wallonischer Prägung kennt, weiß das auch dort noch am Mardi-Gras ein Schlückchen mehr getrunken wird.
Jetzt müssten doch die üblichen Miesepeter und Falschmelder hinter dem Ofen hervorkommen und schreiben „Wir lassen uns unseren Alkohol nicht verbieten!‘
Essen Sie Chips ohne Bier? :-))
Bier gehört zum Karneval wie Konfetti. Das Problem ist, dass viele damit nicht umgehen können, oder nicht wissen, wenn sie genug haben.
Andere Frage, was schmeißen die statt dessen ein? Ändert nicht nur die Musik Richtung Techno sondern auch die Drogen?
https://www.tagesschau.de/ausland/europa/drogenbericht-eu-102.html
Nüchtern ist das doch nicht zu ertragen!
HINWEIS – Einheitliche Richtlinie für ganz Belgien: Sofortiger Entzug des Führerscheins für 15 Tage ab 0,8 Promille https://ostbelgiendirekt.be/alkohol-am-steuer-436023