Meinung, Sport

Julian Nagelsmann sollte bei Vincent Kompany einen Kurs in Sachen Teambuilding belegen [Zwischenruf]

30.03.2026, Baden-Württemberg, Stuttgart: Trainer Julian Nagelsmann (Deutschland) steht vor dem Spiel im Stadion. Foto: Tom Weller/dpa

AKTUALISIERT – An diesem Donnerstag hat Deutschlands Bundestrainer Julian Nagelsmann sein WM-Aufgebot bekannt gegeben (siehe weiter unten). Überschattet wurde dieser Startschuss jedoch durch das Hickhack um die Nominierung von Manuel Neuer als Torhüter Nummer eins – zu Lasten von Oliver Baumann. Ein Zwischenruf.

Niemand wird bestreiten, dass Nagelsmann fachlich zu den brillantesten Trainern seiner Generation gehört. Taktisch innovativ, analytisch stark, mutig in seinen Ideen – all das bringt er zweifellos mit.

Doch ein Bundestrainer muss mehr sein als ein Fußballlehrer. Er muss Moderator, Menschenfänger und Identifikationsfigur sein. Gerade bei einem Nationalteam, das nur wenige Wochen im Jahr zusammenarbeitet, entsteht Erfolg nicht allein durch Spielsysteme, sondern durch Zusammenhalt, Klarheit und Glaubwürdigkeit.

19.04.2026, Bayern, München: Trainer Vincent Kompany (vorn, Bayern München) und seine Spieler jubeln nach Spielende über den Gewinn der Deutschen Meisterschaft. Foto: Tom Weller/dpa

Und genau hier wirkt Nagelsmann bislang nicht immer überzeugend. Das Hickhack um Neuer steht sinnbildlich dafür. Statt frühzeitig klare Linien zu ziehen, entstand erneut der Eindruck, dass einzelne Namen im deutschen Fußball noch immer größer sind als die Mannschaft selbst. Für ein Team, das nach Jahren sportlicher und emotionaler Enttäuschungen eigentlich Geschlossenheit ausstrahlen müsste, ist das ein problematisches Signal.

Vielleicht täte Nagelsmann deshalb gut daran, vor der WM noch einmal bei Vincent Kompany in die Lehre zu gehen. Der Trainer des FC Bayern hat in München in erstaunlich kurzer Zeit gezeigt, wie man aus vielen Individualisten wieder eine echte Mannschaft formt. Unter Kompany entstand nicht nur taktische Ordnung, sondern vor allem ein neues Wir-Gefühl. Spieler wirken eingebunden, wertgeschätzt und gleichzeitig in die Pflicht genommen. Genau diese Mischung macht moderne Spitzenführung aus.

Gerade mit Blick auf eine Weltmeisterschaft in USA, Mexiko und Kanada wird dieser Faktor wichtiger denn je. Ein derart langes und kräftezehrendes Turnier entscheidet sich nicht nur auf dem Trainingsplatz oder anhand taktischer Feinheiten.

16.05.2026, Bayern, München: Trainer Vincent Kompany (Bayern München) umarmt Leon Goretzka (Bayern München) bei dessen Auswechslung. Foto: Sven Hoppe/dpa

Wochenlanges Reisen, unterschiedliche Zeitzonen, permanenter öffentlicher Druck und das enge Zusammenleben verlangen vor allem mentale Stabilität und ein funktionierendes Innenleben der Mannschaft. Wer bei einer WM erfolgreich sein will, braucht nicht nur Stars – sondern eine Gruppe, die auch zwischenmenschlich funktioniert.

Kompany verkörpert dabei etwas, das im heutigen Spitzenfußball oft unterschätzt wird: natürliche Autorität durch Persönlichkeit. Er erreicht seine Spieler nicht nur über Fachwissen, sondern auch über Haltung, Kommunikation und Glaubwürdigkeit. Die Mannschaft folgt ihm nicht allein wegen seiner Ideen – sondern weil sie ihm vertraut.

Davon könnte auch Nagelsmann profitieren. Denn bei aller fachlichen Klasse bleibt bei ihm bisweilen der Eindruck eines Trainers, der vor allem über Konzepte definiert wird, weniger über menschliche Führung. Doch gerade bei einer Weltmeisterschaft entscheiden oft nicht die ausgefeiltesten Matchpläne, sondern Charakter, Atmosphäre und das Gefühl, gemeinsam für etwas Größeres zu kämpfen.

Deutschland braucht deshalb nicht nur einen guten Taktiker an der Seitenlinie. Deutschland braucht einen Bundestrainer, der Menschen mitnimmt, Orientierung gibt und aus einer Ansammlung hochbegabter Fußballer wieder eine echte Einheit formt. (cre)

DFB-Kader für die WM in Kanada, Mexiko und USA

Der Kader der Fußball-Nationalmannschaft für die WM-Endrunde in Kanada, Mexiko und USA (11. Juni bis 19. Juli):

Tor: Oliver Baumann (TSG Hoffenheim), Manuel Neuer (FC Bayern München), Alexander Nübel (VfB Stuttgart)

Abwehr: Waldemar Anton (Borussia Dortmund), Nathaniel Brown (Eintracht Frankfurt), Pascal Groß (Brighton & Hove Albion), Joshua Kimmich (FC Bayern München), David Raum (RB Leipzig), Antonio Rüdiger (Real Madrid), Nico Schlotterbeck (Borussia Dortmund), Jonathan Tah (Bayern München), Malick Thiaw (Newcastle United)

Mittelfeld: Aleksandar Pavlovic (FC Bayern München), Jamal Musiala (FC Bayern München), Nadiem Amiri (FSV Mainz 05), Jamie Leweling (VfB Stuttgart), Felix Nmecha (Borussia Dortmund), Angelo Stiller (VfB Stuttgart), Leon Goretzka (FC Bayern München), Lennart Karl (FC Bayern München), Florian Wirtz (FC Liverpool)

Angriff: Deniz Undav (VfB Stuttgart), Kai Havertz (FC Arsenal), Maximilian Beier (Borussia Dortmund), Leroy Sané (Galatasaray Istanbul), Nick Woltemade (Newcastle United)

15 Antworten auf “Julian Nagelsmann sollte bei Vincent Kompany einen Kurs in Sachen Teambuilding belegen [Zwischenruf]”

  1. Gärlinde

    Der gute Julian sollte jetzt schonzurücktreten. Einen größeren Versager (Klinsmann?) haben die bunten Republikaner bisher nicht der Öffentlichkeit vorgestellt. 1/4 Finale ist wohl schon der „wohlverdiente“ Feierabend. Aber lassen wie es ie beim Eifelturm bewenden: Die größten Nieten….

  2. Ein alter Eupener

    Bei allem Respekt vor dem „Seelsorger“ Kompany.: Es reicht wenn Nagelsmann mal in den Biografien von Sepp Herberger, Helmut Schön, Jupp Derwall oder von Kaiser Franz blättert. Möglichst vor dem Flug in die andere Zeitzone. Gezerre und Enttäuschungen bei den Nominierungen gab es schon immer und überall.

    Ein noch lebender Zeitzeuge: Michel Pfeiffer von Alemania Aachen.

  3. meine Heimat

    Hallo OD,
    vielleicht sollten wir uns fussballerisch eher mit unseren belgischen Problemchen beschäftigen statt unseren Nachbarn Ratschläge erteilen zu wollen.
    Oder sind ihnen die deutsche Nationalelf und vor allem die deutschen Kommentarschreiber hier in ihrem Forum so extrem wichtig?

    • Ostbelgien Direkt

      @meine Heimat: Sie müssten eigentlich wissen, dass vor und während einer WM und EM die ostbelgischen Fußballfreunde, von denen viele Fan eines Bundesligavereins sind, sich brennend auch für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft interessieren. Das war übrigens immer schon so. Auch während der WM wird hier auf OD das Abschneiden der DFB-Auswahl oft ein Thema sein, so wie dies in den letzten 14 Jahren, seit OD existiert, immer der Fall war. Gruß

    • https://ostbelgiendirekt.be/rote-teufel-aufgebot-wm-2026-438957

      War schon kommen nur wenig sinnvolle Kommentare

      Reden wir über Belgien.
      Also, Garcia find ich gut. Macht einen guten Job.
      Ehrlich bemüht und menschlich.
      Eines hat er zu spät verstanden. Vielleicht durch seine Menschlichkeit
      Openda, so leid mir das für Lois tut, hätte er schon aussortieren sollen. Vertane Chance z.bsp Ketelaere da vorne einzuspielen und eventuell jemand anderen zu testen.Waru. nicht auch Lukebakio. Oder zumindest Batsman statt Openda als es noch im.die Quali ging.
      Bei Witsel bin ich skeptisch. Er war damals schon zu langsam und bremse jedes Spiel nach vorne aus. Schneller ist er nicht geworden.
      Dass Mechele dabei ist gefâllt mir wiederum gut.
      Wer mir fehlt, ist Bakayoko.Wrnn er auch in Leipzig keine echte Chance bekommt

  4. OD: Niemand wird bestreiten, dass Nagelsmann fachlich zu den brillantesten Trainern seiner Generation gehört. Taktisch innovativ, analytisch stark, mutig in seinen Ideen – all das bringt er zweifellos mit.

    Doch ich. Genau wie Tedesco. Der war auch Klassenbester bei der Trainerausbildung.
    Was Nagelsmann kann ist im richtigen Moment an der richtigen Stelle zu sein.
    Was er bisher erreicht hat. Sei es mit Bayern oder der DFB-Elf ist keine besondere Leistung. Das hätten die auch geschafft, wenn sie sich selbst aufgestellt hätten.

    Was Kompany mitbringt. Charisma, Charakter, Feingefühl und Intelligenz…kann man nicht lernen.

    • Peter Müller

      Es geht nur um Titel, und nicht Feingefühl oder oder. und was hat Kompany denn schon erreicht mit Bayern ?.nicht mehr und nicht weniger. Die Liste von Nagelsmann als Trainer ist schon beachtlich.
      Das hätten die auch geschafft, wenn sie sich selbst aufgestellt hätten !. dann ist Kompany auch überflüssig? Hoffentlich verkackt er das Pokalfinale nicht, dann nützt ihm seine Intelligenz und Charisma auch nichts.
      Und Nagelsmann ist Natioanltrainer. Warum sind wir nicht auf die Idee gekommen Kompany zu holen ?
      Weil er bis dahin nur einer unter vielen war. Deine Analyse ist schwach.
      Nagelsmann ist Nationaltrainer.
      Ich bin auch kein Freund von Nagelsmann, er ist nur zum DFB gekommen weil kein anderer da war, und man muss ein jasager sein, wenn du die Stelle bei der Mafia bekommen möchtest !.

      • Na ja Peter, in Leipzig hat Nagelsmann ein gutes Team von Rangnick ubernommen und die Früchte geerntet und in Bayern durfte er Flick beerben und dessen Früchte ernten.
        Bei dem Rausschmiss und Ersatz durch Tuchel, war ich eher auf Seiten Nagelsmann.
        Von Tuchel halte ich noch weniger😁

        Zur Titelstory und dem Bezug zu meinem vorherigen Kommentar.
        Kompany hat einen nicht funktionierenden Haufen in Bayern übernommen und zu einem Team mit geformt.
        Dazu braucht es menschliche Qualitäten die über blankes Fussballverständniss hinaus gehen.
        Hat man oder hat man nicht.
        Kann Nagelsmann nicht lernen.

    • Nagelprobe

      „Nagelsmann ein fachlich brillianter Trainer?“ Ich finde er ist vor allem eine selbstverliebte Labertasche, wenn man sich seine sonderbaren Kommentare bei Pressekonferenzen anhört. Mag sein, dass die flapsige Art und coolen Sprüche bei bestimmten Sportjournalisten drüben gut ankommen, aber das ist auch nur eine Masche. Ebenfalls die Verwendung infantiler Kürzel und Kosenamen (Schlotti, Lenny, Manu, etc.). Genau wie bei in den PK von Flo Kohfeldt. Da lob ich mir doch eher die nüchternen Antworten von „normalen“ Trainern.

  5. Ostbelgien Direkt

    DFB-Kader für die WM in Kanada, Mexiko und USA

    Der Kader der deutschen Fußball-Nationalmannschaft für die WM-Endrunde in Kanada, Mexiko und USA (11. Juni bis 19. Juli):

    Tor: Oliver Baumann (TSG Hoffenheim), Manuel Neuer (FC Bayern München), Alexander Nübel (VfB Stuttgart)

    Abwehr: Waldemar Anton (Borussia Dortmund), Nathaniel Brown (Eintracht Frankfurt), Pascal Groß (Brighton & Hove Albion), Joshua Kimmich (FC Bayern München), David Raum (RB Leipzig), Antonio Rüdiger (Real Madrid), Nico Schlotterbeck (Borussia Dortmund), Jonathan Tah (Bayern München), Malick Thiaw (Newcastle United)

    Mittelfeld: Aleksandar Pavlovic (FC Bayern München), Jamal Musiala (FC Bayern München), Nadiem Amiri (FSV Mainz 05), Jamie Leweling (VfB Stuttgart), Felix Nmecha (Borussia Dortmund), Angelo Stiller (VfB Stuttgart), Leon Goretzka (FC Bayern München), Lennart Karl (FC Bayern München), Florian Wirtz (FC Liverpool)

    Angriff: Deniz Undav (VfB Stuttgart), Kai Havertz (FC Arsenal), Maximilian Beier (Borussia Dortmund), Leroy Sané (Galatasaray Istanbul), Nick Woltemade (Newcastle United)

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