An diesem Donnerstag um 13 Uhr gibt Deutschlands Bundestrainer Julian Nagelsmann sein WM-Aufgebot bekannt. Überschattet wird dieser Startschuss jedoch durch das Hickhack um die Nominierung von Manuel Neuer als Torhüter Nummer eins – zu Lasten von Oliver Baumann. Ein Zwischenruf.
Niemand wird bestreiten, dass Nagelsmann fachlich zu den brillantesten Trainern seiner Generation gehört. Taktisch innovativ, analytisch stark, mutig in seinen Ideen – all das bringt er zweifellos mit.
Doch ein Bundestrainer muss mehr sein als ein Fußballlehrer. Er muss Moderator, Menschenfänger und Identifikationsfigur sein. Gerade bei einem Nationalteam, das nur wenige Wochen im Jahr zusammenarbeitet, entsteht Erfolg nicht allein durch Spielsysteme, sondern durch Zusammenhalt, Klarheit und Glaubwürdigkeit.

19.04.2026, Bayern, München: Trainer Vincent Kompany (vorn, Bayern München) und seine Spieler jubeln nach Spielende über den Gewinn der Deutschen Meisterschaft. Foto: Tom Weller/dpa
Und genau hier wirkt Nagelsmann bislang nicht immer überzeugend. Das Hickhack um Neuer steht sinnbildlich dafür. Statt frühzeitig klare Linien zu ziehen, entstand erneut der Eindruck, dass einzelne Namen im deutschen Fußball noch immer größer sind als die Mannschaft selbst. Für ein Team, das nach Jahren sportlicher und emotionaler Enttäuschungen eigentlich Geschlossenheit ausstrahlen müsste, ist das ein problematisches Signal.
Vielleicht täte Nagelsmann deshalb gut daran, vor der WM noch einmal bei Vincent Kompany in die Lehre zu gehen. Der Trainer des FC Bayern hat in München in erstaunlich kurzer Zeit gezeigt, wie man aus vielen Individualisten wieder eine echte Mannschaft formt. Unter Kompany entstand nicht nur taktische Ordnung, sondern vor allem ein neues Wir-Gefühl. Spieler wirken eingebunden, wertgeschätzt und gleichzeitig in die Pflicht genommen. Genau diese Mischung macht moderne Spitzenführung aus.
Gerade mit Blick auf eine Weltmeisterschaft in USA, Mexiko und Kanada wird dieser Faktor wichtiger denn je. Ein derart langes und kräftezehrendes Turnier entscheidet sich nicht nur auf dem Trainingsplatz oder anhand taktischer Feinheiten.

16.05.2026, Bayern, München: Trainer Vincent Kompany (Bayern München) umarmt Leon Goretzka (Bayern München) bei dessen Auswechslung. Foto: Sven Hoppe/dpa
Kompany verkörpert dabei etwas, das im heutigen Spitzenfußball oft unterschätzt wird: natürliche Autorität durch Persönlichkeit. Er erreicht seine Spieler nicht nur über Fachwissen, sondern auch über Haltung, Kommunikation und Glaubwürdigkeit. Die Mannschaft folgt ihm nicht allein wegen seiner Ideen – sondern weil sie ihm vertraut.
Davon könnte auch Nagelsmann profitieren. Denn bei aller fachlichen Klasse bleibt bei ihm bisweilen der Eindruck eines Trainers, der vor allem über Konzepte definiert wird, weniger über menschliche Führung. Doch gerade bei einer Weltmeisterschaft entscheiden oft nicht die ausgefeiltesten Matchpläne, sondern Charakter, Atmosphäre und das Gefühl, gemeinsam für etwas Größeres zu kämpfen.
Deutschland braucht deshalb nicht nur einen guten Taktiker an der Seitenlinie. Deutschland braucht einen Bundestrainer, der Menschen mitnimmt, Orientierung gibt und aus einer Ansammlung hochbegabter Fußballer wieder eine echte Einheit formt. (cre)
Der gute Julian sollte jetzt schonzurücktreten. Einen größeren Versager (Klinsmann?) haben die bunten Republikaner bisher nicht der Öffentlichkeit vorgestellt. 1/4 Finale ist wohl schon der „wohlverdiente“ Feierabend. Aber lassen wie es ie beim Eifelturm bewenden: Die größten Nieten….