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Jürgen Klopp wie er leibt und lebt – Ehemaliger Coach von Liverpool als deutscher Bundestrainer vorgestellt

24.07.2026, Hessen, Frankfurt/Main: Jürgen Klopp spricht bei einer Pressekonferenz. Rechts sitzt Hans-Joachim Watzke, DFB-Vizepräsident. Foto: Florian Wiegand/dpa

Mit einer knallharten Warnung und einer kollektiven Forderung zu Veränderung ist Jürgen Klopp in seine Aufgabe als Bundestrainer gestartet. „Wer Jürgen holt, kriegt ihn“, postulierte der 59-Jährige.

Das war die Quintessenz eines für ihn typischen Auftritts auf dem Podium in der DFB-Zentrale in Frankfurt mit einem Wortschwall gleich zum Start, der ihn selbst überraschte.

„Ich bin mutig, und ich werde es auch bleiben“, sagte Klopp. Versprechungen für schnelle Erfolge mit der Fußball-Nationalmannschaft werde er aber nicht machen – im Gegensatz zu seinem bei der WM gescheiterten Vorgänger Julian Nagelmann. Aber einen Traum will er sich doch bewahren. Das Land könne sich verändern, beschrieb Klopp die Strahlkraft des Fußballs.

– Augen zu für den WM-Traum: Wenn er die Augen schließe und sich vorstelle, Deutschland sei 2030 Weltmeister, dann sei das eine wunderbare Vorstellung, sagte er und forderte alle auf, die Augen mit dem gleichen Traum zu schließen.

24.07.2026, Hessen, Frankfurt/Main: DFB, Nationalmannschaft, Pk zur Vorstellung des neuen Bundestrainers, Bernd Neuendorf (l-r), DFB-Präsident, Jürgen Klopp und Hans-Joachim Watzke, DFB-Vizepräsident, stehen zu Beginn einer Pressekonferenz auf dem Podium. Foto: Florian Wiegand/dpa

Man dürfe nicht immer die Vergleiche mit Spanien, Argentinien und Frankreich als Fußball-Supermächte ziehen. Nur weil die besser seien und mehr Top-Spieler hätten, könne man dennoch gewinnen. «Erfolg ist Leistung in Relation zur Erwartungshaltung», machte Klopp seine Rechnung auf.

Gleich zum Start seiner Vorstellung sprach Klopp aber auch eine Warnung aus. Aus der Erfahrung, wie zuletzt mit Nagelsmann und Thomas Tuchel in England umgegangen wurde. „Wenn ihr euch daneben benehmt oder meine Familie nicht in Ruhe lasst, bin ich weg“, sagte Klopp bei seiner Vorstellung als Coach der deutschen Nationalmannschaft in Frankfurt am Main.

„Wenn ihr morgen sagt, der ist scheiße, dann bin ich weg“, sagte der 59-Jährige und ergänzte, das müssten schon mehrere Kritiker sein, ein einzelner reiche da nicht. Er wolle dann auch keine Abfindung. „Ich mache das nicht gegen euch, sondern für euch.“ Eine klare Ansage: Spielchen will er nicht akzeptieren.

Keine Aussagen traf Klopp zu anstehenden Personalentscheidungen. Nicht zur Rolle von Kapitän Joshua Kimmich oder zur nach dem Rücktritt von Manuel Neuer offenen Torwartfrage. Fest steht aber: Klopp will an der Viererkette in der Abwehr festhalten und die Flügel stärken. Dort sieht er die «modernen Spielmacher».

24.07.2026, Hessen, Frankfurt/Main: Jürgen Klopp spricht bei der Pressekonferenz. Foto: Florian Wiegand/dpa

– Spielerbeobachtung per YouTube: 57 Spieler habe er sich auf einem Zettel notiert. Beobachtungen habe er aber nur via YouTube machen können bislang. Erste Aufklärung wird es mit dem Start der Nations League geben, wenn die Klopp-Premiere mit der Partie am 24. September in den Niederlanden ansteht.

Die Klopp-Personalie war nicht die einzige DFB-Entscheidung. Mit der Bundestrainer-Verkündung gab der DFB auch noch bekannt, dass Per Mertesacker ab Januar 2027 die Position des DFB-Geschäftsführers übernehmen wird.

– Premiere gegen Niederlande: Die ersten Länderspiele stehen für Klopp in zwei Monaten an. Ende September startet die DFB-Auswahl mit gleich vier Partien gegen die Niederlande, Serbien und zweimal Griechenland in die nächste Auflage der Nations League. Seine langjährigen Assistenten Peter Krawietz und Pepijn Lijnders sowie sein Dortmunder Ex-Spieler Sven Bender werden ihm als Co-Trainer zuarbeiten. Und auch sein Berater Marc Kosicke kommt in sein DFB-Team als enger Begleiter.

„Jetzt freue ich mich auf diese besondere Aufgabe im deutschen Fußball, die wir gemeinsam mit Demut und Geduld angehen werden: eine Mannschaft zu entwickeln, die füreinander kämpft, die Freude am Fußball hat und hinter der sich die Menschen in unserem Land mit voller Überzeugung versammeln können“, sagte Klopp.

– EM 2028 als erstes großes Ziel: Das erste ganz große Ziel für Klopp ist die Europameisterschaft 2028 in England, Schottland, Wales und Irland. Dafür muss sich das DFB-Team aber noch qualifizieren. Die EM-Qualifikation findet im kommenden Jahr statt.

30.06.2026, USA, Foxborough: Jürgen Klopp bei der WM als Experte für MagentaTV im Einsatz. Foto: Tom Weller/dpa

Klopp war von der DFB-Führung um Neuendorf direkt nach dem alternativlosen vorzeitigen Aus von Nagelsmann als DFB-Chefcoach zur Wunschlösung erklärt worden. Andere Optionen wurden nicht geprüft.

– Große Erfolge als Vereinscoach: Der Job des Nationaltrainers ist neu für Klopp. Aber der gebürtige Stuttgarter war über viele Jahre einer der besten Vereinstrainer in Europa. Klopp führte den FSV Mainz 05 in die Bundesliga (2004). Mit Borussia Dortmund wurde er zweimal deutscher Meister (2011, 2012) und einmal DFB-Pokalsieger (2012). Er kratzte in seinen BVB-Jahren zeitweise an der nationalen Vormachtstellung des FC Bayern München.

2015 wechselte er nach England und übernahm den FC Liverpool. Auch die Reds leitete er als Chefcoach zum Meistertitel (2020) und Pokalsieg (2022). Der größte Triumph gelang ihm 2019 mit dem Gewinn der Champions League, dem sportlich bedeutendsten Titel im Club-Fußball.

Nach neun Jahren in der Premier-League-Mühle ging Klopp die Energie aus, wie er bei seinem Abschied vom FC Liverpool erklärte. Das Energie-Thema hatte er aber gleich bei der Bekundung seines Interesses am DFB-Job abgeräumt. „Ich bin mehr als aufgetankt, ich bin bereit“, sagte Klopp. Jetzt kann er loslegen. (dpa)

Eine Antwort auf “Jürgen Klopp wie er leibt und lebt – Ehemaliger Coach von Liverpool als deutscher Bundestrainer vorgestellt”

  1. Hugo Egon Bernhard von Sinnen

    Wenn es sich bei den Stars des Sports so verhält, wie bei den Stars aus der Politik, dann befürchte ich, dass sich die Bergauffahrt eher zum fahren auf flachen Gebiet entwickelt, wenn nicht sogar zur Bergabfahrt 😉.
    Und ja, die Fußballfans haben recht, wenn sie jetzt schreiben : (dass ich vom Fußball keine Ahnung habe :-)))

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