Der slowakische Ministerpräsident Robert Fico hat als einziger Regierungschef eines EU-Mitgliedstaates an den Feierlichkeiten zum 81. Jahrestag des sowjetischen Sieges über Nazi-Deutschland in Moskau teilgenommen. Bei seinem Besuch traf Fico im Grossen Kremlpalast auch den russischen Präsidenten Wladimir Putin.
Mit seiner Teilnahme setzte sich Fico demonstrativ von der Linie der meisten europäischen Regierungen ab, die wegen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine den Feierlichkeiten fernblieben. Beobachter sehen darin eine weitere Annäherung der Slowakei an Moskau. Der Kurs erinnert zunehmend an jenen des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán, der innerhalb der EU seit Jahren als wichtigster Verbündeter des Kremls gilt.
Scharfe Kritik kam aus Berlin. Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem schwedischen Ministerpräsidenten Ulf Kristersson in Stockholm: «Robert Fico weiss, dass wir da nicht einer Meinung sind. Ich bedaure das zutiefst und wir werden mit ihm über diesen Tag in Moskau sprechen.»
Auch in der Slowakei selbst löste der Besuch heftige Reaktionen aus. Vertreter der Opposition warfen Fico «Verrat» vor und kritisierten, er beschädige die europäische Glaubwürdigkeit des Landes. Seit seiner Rückkehr ins Amt verfolgt Fico gegenüber Russland einen deutlich weniger konfrontativen Kurs und lehnt weitere Waffenlieferungen an die Ukraine ab.
Fico verteidigte seinen Besuch hingegen mit dem Hinweis auf die historische Bedeutung des Gedenktages. Die Erinnerung an den Sieg über den Nationalsozialismus dürfe nicht geopolitisch instrumentalisiert werden, erklärte der slowakische Regierungschef in Moskau. (cre)