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Ansturm auf Führerscheinzentren: Ab dem 1. Januar 2018 strengere Regeln für die theoretische Prüfung

Bei der „Autosécurité“ in Eupen ist die Führerscheinstelle untergebracht (hier beim Ansturm am Mittwoch, 27. Dezember 2017 im Vorfeld der Einführung neuer Regeln für die theoretische Prüfung). Foto: OD

Kurz vor Jahresende erleben die Führerschein-Zentren in der Wallonischen Region einen Ansturm von Kandidaten für die theoretische Prüfung. Hintergrund ist die zum 1. Januar 2018 in Kraft tretende Reform des theoretischen Tests.

In Eupen musste am Mittwoch, 27. Dezember 2017, sogar ein Anmeldungsstopp verhängt werden, weil die Zentrale dem Ansturm nicht mehr gewachsen war. Wie in den anderen Zentren der Wallonischen Region, wollten auch in Eupen Bewerber unbedingt den theoretischen Teil noch unter Anwendung der alten Regeln ablegen.

„Schwere Fehler“

Mit der Reform wird zum 1. Januar 2018 u.a. das Prinzip des „schweren Fehlers“ wieder eingeführt. Bei einer falschen Antwort im Sinne eines „schweren Fehlers“ werden künftig 5 Punkte abgezogen (statt nur 1 Punkt bisher). Bei 2 „schweren Fehlern“ hat der Prüfling automatisch den Test nicht bestanden.

Zu den „schweren Fehlern“ gehört z.B. das Missachten einer roten Ampel, das Befahren einer Autobahn in die falsche Richtung oder das Beschleunigen, wenn man überholt wird.

Bisher musste man 41 Punkte von 50 erreichen – unabhängig davon, ob ein Fehler schwer war oder nicht.

Am Mittwoch, 27. Dezember 2017, wurden im Nachmittag in Eupen schon keine neuen Anmeldungen für die theoretische Führerschein-Prüfung mehr angenommen. Foto: OD

Die Führerschein-Reform beinhaltet nach Angaben der regionalen Abgeordneten Jenny Baltus-Möres (PFF-MR) zudem eine Ausweitung der Prüfungsinhalte: „Die Prüfungsfragen beziehen sich künftig auch auf die Auswirkungen von Müdigkeit und Alkohol am Steuer, auf das korrekte Verhalten am Unfallort sowie das Verständigen der Rettungsdienste.“

Die Reform habe auch einen sprachlichen Aspekt, so die Abgeordnete. Künftig dürfe der Prüfling keinen Übersetzer mehr zu Rate ziehen, wenn er nicht eine der drei Landessprachen oder Englisch spreche. „Die Fragen und das entsprechende Bild- und Tonmaterial sind auf Französisch, Niederländisch, Deutsch und zusätzlich auch auf Englisch verfügbar.“

Bis Mitte des Jahres 2018 würden weitere Änderungen in Bezug auf den praktischen Teil vorbereitet, so Baltus-Möres.

Höheres Risiko bei Fahranfängern?

Zum Sinn einer Führerscheinreform erklärte die liberale Abgeordnete: „In der Wallonischen Region liegt das Risiko eines Unfalls bei Fahranfängern 2- bis 3 Mal höher als bei routinierten Fahrern. Oft ist dies auf das Alter und die mangelnde Fahrpraxis zurückzuführen. Hinzu kommt, dass die Anzahl der Verkehrstoten auf den Straßen in der Wallonie überdurchschnittlich hoch ist.“

Im Jahr 2016 ließen laut Baltus-Mörew 305 Menschen ihr Leben allein auf den Straßen in der Wallonischen Region – weniger als in Brüssel-Hauptstadt, aber mehr als in Flandern. Die Führerscheinreform sei eines der geeigneten Instrumente, um hier effizient gegenzusteuern. (cre)

HIER die Pressemitteilung der Regionalabgeordneten Jenny Baltus-Möres zur Führerschein-Reform in der Wallonischen Region

32 Antworten auf “Ansturm auf Führerscheinzentren: Ab dem 1. Januar 2018 strengere Regeln für die theoretische Prüfung”

  1. Ein Gesicht, mehrere Pässe

    Ein Mitarbeiter erzählen mir vor wenigen Wochen, daß sehr viele dort mit unterschiedlichen Pässen auftauchten, immer wieder – sei es, weil sie die Prüfung nicht schafften, oder weil eine Person für x Personen die prüfung ablegte. Die „Ordnungshüter“ wären benachrichtigt worde, wüssten Bescheid, würden jedoch nicht eingreifen. Natürlich waren nur waschechte Belgier…

    • Alemannia4ever

      Wo steht denn was, dass der Führerschein teurer wird? Wenn durch bessere Führerscheinausbildung die Straßen sicherer werden (ich meine jetzt die Fahrer und nicht die Schlaglöcher …), dann ist das doch in Ordnung.

        • Alemannia4ever

          Das stimmt, Henk. Theorie ist das eine, Praxis das andere. Ich muss mir aber bewusst machen, dass gewissen Verhalten in der Praxis Probleme bereitet (Alkoholisiert fahren, bekifft fahren, völlig übermüdet fahren, entgegen der Fahrtrichtung fahren, etc.). Das muss man Fahranfängern erstmal vermitteln. Und das geht erstmal über Theorie. Am allerbesten ist natürlich, wenn das Umfeld (in erster Linie die Eltern) ein gutes Verhalten vorlebt.

          • deuxtrois

            „(Alkoholisiert fahren, bekifft fahren, völlig übermüdet fahren, entgegen der Fahrtrichtung fahren, etc.). Das muss man Fahranfängern erstmal vermitteln.“

            Nein, muss man nicht, wenn man die theoretische Prüfung geschafft hat, denn dann weiß man auch um diesen Fakt – die Fahrschulen machten schon immer darauf aufmerksam. Die Leute ignorieren diese Gesetze von vorne rein.

            Was mehr bringt – als jede Änderung an Verordnungen, deren Ziel mehr aus fragwürdig ist – wäre die nötige Fahrerfahrung. Daran mangelt es aber am meisten, gerade bei den Studenten die sich noch vor dem Studium entscheiden, den Wisch trotzdem zu machen (auch wenn er gerade nicht benötigt wird). So verlieren viele befristete Lehrführerscheine oft ihre Gültigkeit, weil man es nicht mehr „als so wichtig“ erachtet. Ein Auto kann man sich als Student fast ohnehin nicht leisten. Dann ist man unter der Woche weg und sieht ein Auto nicht 3x von Innen.

            Daran ändern können nur Fahrstunden etwas, aber noch viel mehr Übung mit der Fahrtbegleitung.

            • Was mehr bringt – ….. – wäre die nötige Fahrerfahrung.

              @ deuxtrois

              Ich glaube was mehr bringt ist die Präsenz der Polizei auf der Strasse und eine konsequente Sanktionierung von Verstössen gegen dieselbe.

  2. Knalltüte

    Werden die Prüfungen immer schwerer oder wird unsere Jugend immer dümmer? Wenn ich höre wieveile da durchfallen. Der Sohn von Bekannten sagte sie hätten von 18 nur 7 bestanden. Das war doch bei uns seltener das einer es nicht schaffte, und wir hatten auch schon die Rege mit den Großen Fehler. Ich musste meiner Führerschein noch selber finanzieren, da war man bedacht es schnellst möglich zu schaffen, aber heut zahlen ja meistens die Eltern weil es ja auch einiges Teurer geworden ist.

  3. Alfons Van Compernolle

    Ich habe meinen Deutschen Fuehrerschein Kl. 3 & 1 ( Auto bis 7,5t & Motorrad ) 1970 in Hamburg gemacht ( Kostete inkl.Pruefungen damals DM.400.-) !1979 kam ich fuer drei Jahre nach Gent Studium an der Uni. Hier musste ich meinen Deutschen Fuehrerschein legalisieren lassen ( war damals nach 12 Monaten Pflicht) in Eupen. Sehr simpel die damaligen Theorieexmamen in Deutsch-Nederlands & Franz!
    Simpel auch die Pruefungen in Belgien !! Mit einer damals derartig simple Theoriepruefung haette jeder bestanden. Vor einem Jahr habe ich einmal aus Neugierde hier an einem Theorietest teilgenommen
    ich fand in schlicht „simpel“ , auch wenn sich da einiges seit 1979 veraendert hat.
    Die Theoriepruefung ist in Deutschland um einiges schwerer !!!

      • Alfons Van Compernolle

        Angeber ???? Nein, mit etwas Aufwand an Zeit und anstatt auf’s Smart-phone, die Nase in die Lernunterlagen gesteckt, sind die Examen fuer den Fuehrerschein locker erfolgreich absolvierbar.
        Das hat mit Angeber nichts zu tun. Es ist leider heute so, dass die Beherschung des Smart-Phone’s erheblich wichtiger ist als fuer die Schule , die Uni, die Fuehrerscheinpruefungen zu lernen!
        Ich laufe DURCH Gent /Eupen oder Bruessel, ja selbst in Hamburg und 95 % aller Menschen die mir begegnen sind mit ihrem Smart-Phone am hantieren im Laufen, beim Einkaufen, im Cafe usw.
        Normal, kann ich das nicht finden, oder ????

        • Peter Müller

          Die Fûhrerscheinprüfung wurde in Belgien erst ab 1968 !! eingeführt. bis dahin konnte sich jeder die Fahrerlaubnis auf der Gemeinde einfach ausstellen lassen Ob Motorrad oder LKW. Belgien eben.

          • Alfons Van Compernolle

            Ich weiss, ist mir nicht unbekannt. Ich habe 1967 einen Bekannten meiner Familie begleitet. Erfuhr in Antwerpen einen Ford 17m. Ich habe um mein Leben gefurchtet.
            Bis 1980 gab es in Belgien auch noch die „Selbstversicherer“, einfach zur POLIZEI ein Formular unterschrieben und schon konnte man ohne Versicherung mit dem Auto durch die Lande turnen.
            Gut, das dort Veraenderung rein gekommen ist.

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