Sechs Wochen vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 befindet sich die mögliche Teilnahme der iranischen Nationalmannschaft in einer ungewöhnlichen Schwebe zwischen sportlicher Klarheit und politischer Unsicherheit.
Rein sportlich ist die Lage eindeutig: Der Iran hat sich regulär qualifiziert und wird von der FIFA als Teilnehmer geführt. Auch FIFA-Präsident Gianni Infantino hat mehrfach betont, dass es keine sportlichen oder formalen Gründe für einen Ausschluss gebe. In den offiziellen Planungen gehört das Team somit weiterhin zum Teilnehmerfeld des Turniers.
Gleichzeitig wird diese scheinbar klare Ausgangslage durch die geopolitische Situation überlagert. Die Weltmeisterschaft wird unter anderem in den Vereinigte Staaten ausgetragen, einem Land, zu dem der Iran seit Jahrzehnten ein angespanntes Verhältnis pflegt. Aktuelle politische Spannungen und militärische Konflikte in der Region verstärken diese Problematik zusätzlich.

05.12.2025, USA, Washington: Auf dem Bildschirm sind die Mannschaften von Gruppe G aufgelistet (Belgien, Ägypten, Iran, Neuseeland). Foto: Sam Corum/PA Wire/dpa
Aus Teheran kamen zuletzt widersprüchliche Signale: Während einige Regierungsvertreter eine Teilnahme grundsätzlich infrage stellten, betonten andere Stimmen, man bereite sich weiterhin auf das Turnier vor. Auch von US-Seite gibt es keine einheitlich wahrgenommene politische Symbolik, wenngleich offiziell erklärt wurde, dass einer Teilnahme Irans nicht widersprochen werde.
Neben der großen politischen Dimension treten konkrete praktische Fragen in den Vordergrund. Dazu gehören insbesondere Einreise- und Visabestimmungen. Die USA haben klare Regularien, die Personen mit bestimmten politischen oder militärischen Verbindungen betreffen könnten, was Teile der iranischen Delegation einschließen würde.
Dies wirft die Frage auf, ob tatsächlich alle Spieler, Betreuer und Funktionäre problemlos einreisen könnten. Hinzu kommen Sicherheitsaspekte: Sowohl für die Mannschaft als auch für Fans besteht ein erhöhtes Risiko politisch motivierter Spannungen oder Proteste während des Turniers. In diesem Zusammenhang hatte der Iran auch angeregt, seine Spiele möglichst nicht auf US-amerikanischem Boden auszutragen, sondern in andere Gastgeberländer wie Mexiko auszuweichen – ein Vorschlag, den die FIFA bislang nicht aufgegriffen hat.
05.12.2025, USA, Washington: Fifa-Präsident Gianni Infantino (l) macht ein Selfie mit US-Präsident Donald Trump. Foto: Evan Vucci/AP/dpa
Die anhaltende Unsicherheit hat zudem Spekulationen über mögliche Ersatzszenarien ausgelöst. Diskutiert wurde etwa, ob im Falle eines kurzfristigen Rückzugs ein nicht qualifiziertes Team wie die Italienische Fußballnationalmannschaft nachrücken könnte. Auch andere Optionen wurden vereinzelt genannt. Konkrete Pläne oder offizielle Mechanismen hat die FIFA jedoch nicht kommuniziert, sodass solche Szenarien derzeit als hypothetisch gelten.
Insgesamt zeigt sich die Situation als komplexes Zusammenspiel von Sport, Politik und Organisation. Während die Teilnahme Irans aus sportlicher Sicht außer Frage steht, bleibt sie politisch und praktisch von mehreren Unsicherheiten abhängig.
Entscheidend wird sein, wie sich die geopolitische Lage in den kommenden Wochen entwickelt, ob Einreise- und Sicherheitsfragen zufriedenstellend geklärt werden können und ob es zu keiner kurzfristigen Eskalation kommt. Derzeit erscheint eine Teilnahme wahrscheinlich, doch endgültige Gewissheit könnte tatsächlich erst unmittelbar vor Turnierbeginn bestehen. (cre)