Gesellschaft

Senioren am Steuer eine Gefahr? Fragebogen hilft, Fahrtauglichkeit besser einzuschätzen

Senioren am Steuer - eine Gefahr? Foto: dpa

Sind Senioren am Steuer eine Gefahr? Das Institut für Sicherheit im Straßenverkehr (IBSR) hält nichts von Gesundheitschecks für ältere Autofahrer, sondern empfiehlt einen Fragebogen, um die eigene Fahrtauglichkeit besser einzuschätzen.

Vor einem Jahr hatte „Ostbelgien Direkt“ eine Diskussion zum Thema „Senioren am Steuer“ angeregt. Anlass war damals der Unfall der Regionalabgeordneten Monika Dethier-Neumann (Ecolo), die auf der Autobahn E42 mit einem 80-jährigen Geisterfahrer kollidierte.

Mit dem demografischen Wandel und der Zunahme der Lebenserwartung werden die älteren Mitbürger nicht nur zahlreicher, sondern auch mobiler.

Gleichwohl ist vielen Senioren nicht immer bewusst, dass sie mit fortschreitender Dauer mit körperlichen Leistungseinbußen zu kämpfen haben, die ihre Fahrtauglichkeit auf kurz odet lang beeinträchtigen.

Grünes Licht, Warnung oder Stopp

Das IBSR will die Senioren stärker für die Problematik der stetig abnehmenden Leistungsfähigkeit und deren mögliche Gefahren für ihre Fahrtauglichkeit sensibilisieren. Dies hilft nach Meinung von Verkehrsexperten mehr als Gesundheitschecks oder befristete Führerscheine.

Im Zuge des demografischen Wandels steigt die Zahl der Senioren am Steuer weiter an. Foto: dpa

Im Zuge des demografischen Wandels steigt die Zahl der Senioren am Steuer weiter an. Foto: dpa

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Mobilität der Uni Hasselt (IMOB) hat das IBSR einen Fragebogen erstellt, den ältere Autofahrer ab 65 zwangslos ausfüllen können, um ihre Fahrtauglichkeit einzuschätzen.

Mit der Beantwortung von 15 Fragen können sie selbst das Risiko ermessen, das sie möglicherweise im Straßenverkehr bilden. Die Fragen, die entweder online oder mithilfe einer Broschüre beantwortet werden können, greifen vor allem das Fahrverhalten und die Fahrgewohnheiten, medizinische Aspekte, Übertretungen und Unfälle auf.

Gesundheitschecks bereits infrage gestellt

Die Teilnehmer erhalten dann „grünes Licht“ (keine Probleme), eine Warnung mit Ratschlägen zur Verbesserung des Fahrverhaltens oder ein „Stopp“ (potenzielle Gefahr im Straßenverkehr). Leider gibt es den Fragebogen bisher nur in Niederländisch oder Französisch, nicht aber in Deutsch.

An einem Fahrsimulator testen Senioren während eines Verkehrsseminars der Polizei ihre Fahrtüchtigkeit. Foto: dpa

In Deutschland wird Senioren ein Fahrsimulator empfohlen, um ihre Fahrtauglichkeit zu überprüfen. Foto: dpa

Dass Gesundheitschecks das Problem nicht lösen, beweisen nach Ansicht des IBSR Beispiele aus dem Ausland.

In Dänemark zum Beispiel sind seit der Einführung von Gesundheits- und Leistungschecks ab dem 70. Lebensjahr deutlich mehr Senioren im Straßenverkehr tödlich verunglückt als vorher. Und in den Niederlanden wird bereits erwogen, die Untersuchungen für Senioren wieder abzuschaffen, nachdem man das Mindestalter bereits von 70 auf 75 erhöht hat.

In Deutschland wird Senioren ein Fahrsimulator empfohlen, um ihre Fahrtauglichkeit zu überprüfen. Die Polizei organisiert eigens zu diesem Zweck Verkehrsseminare. (cre)

  • Den Fragebogen, mit dem Senioren ihre eigene Fahrtauglichkeit besser einschätzen sollen, finden Sie unter folgendem Link:

http://www.senior-test.be/fr

18 Antworten auf “Senioren am Steuer eine Gefahr? Fragebogen hilft, Fahrtauglichkeit besser einzuschätzen”

  1. Eine direkte Gefahr sind Senioren im Straßenverkehr eigentlich nicht, jedenfalls nicht mehr als junge Raser. Das Problem ist, dass sie in der Regel Langsamfahrer sind und dadurch andere Verkehrsteilnehmer dazu nötigen, Risiken einzugehen (z.B. Überholmanöver).

  2. R.A. Punzel

    Habe den Fragebogen ausgefüllt. Wer den entwickelt hat, sollte Besuch von kräftigen Herren bekommen, die einem die weiße Jacke verkehrt herum anziehen und hinten zuknöpfen.

    @Onkel: Was verstehen Sie unter „Langsamfahrer“? Eine echte Gefahr sind die Touris (>90%), die am Steuer sitzend, ihrer gelangweilten, sich schminkenden Komparsin, die Landschaft sinnlos gestikulierend erklären.

    • AltEupener

      Ich habe den Fragebogen auch ausgefüllt und ein sehr respektables Resultat erzielt (3/75). Soll heissen: je weniger Punkte, desto besser! Wer mithin 73/75 erzielt, würde besser seinen Führerschein sofort abgeben (inkl. Auto) !

      • R.A. Punzel

        @AltEupener: Was anscheinend nicht rübergekommen ist: Ich wollte sagen, dass wer die Beantwortung der Fragen nicht im Sinne der Fragesteller schafft (0-10Punkte), sowieso keinen Führerschein besitzen dürfte.

    • Fünfziger

      So sehe ich das auch! Und vergessen wir nicht die jungen Mütter, als Gefahrenquelle, die JEDDEN über den Haufen fahren wenn sie in Eile ihren „Nachwuchs“ – Herr Cremer zensiert grundsätzlich das wort „Put“ – bis IN die Schulklasse, oder sonst ein Gebäude fahren wollen…
      Ein 50er!

      • R.A. Punzel

        @Fünfziger: Beim Nachwuchs handelt es sich doch um Output? Warum haben die „Mütter“ es immer so eilig? Erinnert mich an das Ende der 60-er: First-In – First-Out, see you later…

        • Mütter ticken an sich nicht sauber in Sachen Strassenverkehr. Wie oft hab ich mich jetzt schon von einigen visuell grob abmahnen lassen, weil ich mit 40 durch die 50er Zone fuhr. Anscheinend verbiegt ein bisschen lauterer Auspuff die Relativitätstheorie und verdoppelt dabei die Geschwindigkeit.

    • Genau!

      Ironie: An
      Ab sofort entscheidet das jeder selber, wann er Fahrtüchtig ist und wann nicht! Führerscheine mit 14, Selbsteinschätzung beim Alkohol und Drogenkonsum, Behinderung, Krankheit, Medikamentenkonsum, ….
      Ironie: Aus

      Das würde doch auch niemand haben wollen!

    • @Logisch:
      Wie alt sind Sie?
      Ihren Kommentar empfinde ich als Pauschalurteil, ohne sich kundig gemacht zu haben.
      Wie erklären Sie die Tatsache, dass Senioren ihren Führerschein freiwillig abgeben, wenn sie merken, dass sie nicht mehr fahrtüchtig sind?

  3. Schnecke

    @Fünfziger, da gebe ich Ihnen Recht. Am schlimmsten sind berufstätige Mütter mit Schulkinder. Die fahren wie die Bekloppten, Da sind mir Senioren, wenn auch etwas langsamer tausendmal lieber.

  4. Diesen Morgen im Berufsverkehr gegen 7Uhr15 erlebt, ein älterer Herr der andere alte Leute zum Einkaufen, Doktor,… fährt vor mir. Auf der Herbesthalerstr. 30km/h, gerade Strecke vor ihm kein Verkehr wahrscheinlich sieht er nicht mehr genug weil es ja noch dunkel ist.
    An jedem Kreisverkehr braucht er ewig lange bis er wieder abfährt.
    Auf der Vervierserstr. steht rechts der Müllwagen und lädt Säcke auf, der Senior vor mir fährt nicht dran vorbei obwohl es dort 2 Spurig ist. Als er dann endlich überholt fährt er fast einen Fussgänger auf dem Zebrastreifen über dem Haufen. Das alles auf ca 2 km und 10 Minuten (normalerweise braucht man für diese Strecke 4 Min. laut Google).

    • @RB1976 : Dieses Fahrverhalten ist leider fast die Regel, weil die meisten betagten Autofahrer mit der heutigen Situation auf der Straße völlig überfordert sind. Ich habe mal versucht, einem 84-Jährigen die Rechtsvorfahrt zu erklären. Er wurde nur wütend und glaubte mit kein Wort, weil er – was den Verkehr angeht – aus einer ganz anderen Welt kam.

  5. die wahrheit

    jeder macht mal Fehler im Straßenverkehr ob jung oder alt. Ich finde, dass die Senioren weiter Auto fahren sollen. Sie fahren eh doch nur die kurzen Strecken. Es doch die einzige Freiheit, die sie noch haben. Und übrigens, in ein paar Jahren sind wir die ALTEN. Denke darüber nach.

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