Politik

Scholl geht im Groll: Ex-Bauschöffe macht Schluss

Der Eupener PFF-Politiker und ehemalige Bauschöffe Michael Scholl. Foto: Patrick von Staufenberg

Es war abzusehen, aber jetzt ist es offiziell: Der ehemalige Eupener Bauschöffe Michael Scholl (PFF) kehrt im Groll der Politik den Rücken und scheidet jetzt auch als einfaches Mitglied des Stadtrates aus.

Nach den letzten Kommunalwahlen vom 13. Oktober 2024 wäre der heute 60-Jährige gerne Schöffe geblieben, doch war er im neuen Gemeindekollegium von CSP, OBL und PFF nicht mehr erwünscht.

„Ich habe einige Monate wirklich stark daran geknabbert“, gestand Scholl in einem Gespräch mit dem Grenz-Echo: „Es war schwer zu verdauen, da sich von heute auf morgen viele Menschen nicht mehr meldeten. Das war definitiv keine schöne Erfahrung. Hinzu kam die Art und Weise, wie meine Ausbootung ablief – diese empfand ich als undemokratisch und mir gegenüber sehr unfair.“

26.08.2024, Belgien, Eupen: Bauschöffe Michael Scholl und die Eupener Bürgermeisterin Claudia Niessen bei der Einweihung der neuen Weserbrücke in der Unterstadt. Foto: Belga

Zunächst wurde gemunkelt, Scholl könnte zu Ecolo überwechseln. Immerhin ist seine Lebensgefährtin bei den Grünen aktiv und mit der ehemaligen Bürgermeisterin Claudia Niessen versteht er sich nach eigenen Worten sehr gut. Ein „fliegender Wechsel“ von Blau nach Grün kam aber bisher nicht infrage.

Die Vorbehalte gegen einen Verbleib Scholls im Gemeindekollegium waren lange bekannt. Scholl kann einerseits liebenswürdig und zuvorkommend sein, genauso aber auch autoritär und nachtragend, wenn ihm etwas nicht passt. Die Art und Weise, wie er von 2012 bis 2024 sowohl mit dem politischen Gegner als auch mit Teilen der Presse umgesprungen ist, wurde ihm nach der Stadtratswahl 2024 zum Verhängnis. Scholls Ausscheiden aus einem Schöffenamt wurde von einigen nicht ohne Schadenfreude zur Kenntnis genommen.

Ganz aus der Politik wird Scholl in Zukunft nicht sein. Er bleibt Mitglied der PFF und Präsident des Öffentlichen Wohnungsbaus Ostbelgien (ÖWOB). „Langeweile wird bei mir nicht aufkommen“, bekannte er im GE-Interview. Und lachen kann er auch noch – als Präsident der Eupener Ex-Prinzen… (cre)

37 Antworten auf “Scholl geht im Groll: Ex-Bauschöffe macht Schluss”

    • Gehabt is Gehabt

      Das sind diese „(Neben)Jobkenner“, wie sie im Buche stehn! Dabei kommt so richtig raus um was es immer geht bei der Politik! Möglichst viele Flocken sammeln, der Steuerzahler kann herhalten! Ob er will, oder nicht! Ungerechte Welt!

  1. Haifischbecken

    Heute rufen sie noch hochgelobt der da kommt im Namen des Herrn, das ist unser Mann und morgen jagen sie dich mit Häme vom Rathausplatz. Das ist in der Politik ein ganz normaler Vorgang, deshalb scheuen sich viele dort Verantwortung zu übernehmen. Denn schlimmer als jeder Feind ist der Parteifreund.

  2. Ex-Prinz

    Wenn der Typ Rückgrat und Anstand hätte, müsste er seinen Rücktritt vom gutbezahlten Job als Präsident von Öwob erklären. Macht er es nicht, sollte die PFF Ihn Rausschmeissen und einen richtigen Liberalen in diese Position bringen.

  3. Schade!
    Einer der sagt was er denkt! Auch wenns nicht immer gut angekommen ist!
    Ein Macher!
    Noch schlimmer finde ich aber wie er von den Kaolitionsleuten rausgekickt worden ist!
    Da sieht man wieder mal wieder das es nicht immer darum geht fähige und motivierte Leute in Verantwortung zu haben!
    Da geht man lieber den bequemen Weg!

    Und da wundert man sich wenn die Leute keinen Bock mehr auf Politik haben!
    Danke Michael!!

  4. Auch das gibt's noch im süden

    Herr Scholl hatte festgestellt , daß mit 60 Jahren der richtige Zeitpunkt gekommen ist um sich von der Gemeinepolitik zu verabschieden .
    Im allgemeinen hatten die Bürgermeister und Schöffen sich mit diesem Alter im Norden und Süden sich mit diesem Alter ebenfalls aus diesen Jobs zurückgezogen .
    Es ist eben die Ausnahme , das unter dem Venn sich noch einige gierige Zeitgenossen mit über 70 zig noch so richtig abkassieren wollten und das mit aller Gewalt.

    • Oscar Mennicken

      Zum einen haben verschiedene BM sich nicht mehr zur Wahl gestellt weil sie nicht mehr gewählt wurden, zum anderen gibt es auch im Süden Politiker die auch nach 60 Jahren noch richtig absahnen. Als ob im Süden die Menschen weniger hinter Geld her wären.

  5. Herr Scholl hat seinen Job als Bauschöffe mit Herzblut gelebt und sich immer für den Bürger eingesetzt. Solche Leute sucht man in der jetzigen Mehrheit vergebens.
    Ich weiss nicht mal ohne zu googeln, wer jetzt Bauschöffe ist.
    Auf jeden Fall, Danke Herr Scholl. Sie dürfen stolz auf sich sein.

  6. Ein alter Eupener

    Michael Scholl gehört nicht zu den Menschen die auf einen Nebenjob anwiesen sind. Wie sein Vater ist er ein kerniger Eupener, ein Anpacker mit Fachkenntnis , der es zu etwas gebracht hat. Zwar manchmal brummig, viel mehr jedoch eine karnevalistische Frohnatur. Dass ihn die ohnehin gebeutelte PFF rausekelt , wird sie nicht populärer machen. Unter einem Fred Evers wären solche Peinlichkeiten nicht passiert.
    Und noch eins: die kleinlichen Geldmotzer sollten sich nicht anmaßen, im Namen der „Steuerzahler“ zu
    zu klagen und global auf alle Politiker dreinschlagen. Hier wird nicht fair argumentiert, sondern aus Brotneid und Unkenntnis gestänkert und diffamiert.

    • Profiteur des Systems?

      @ Ein alter Eupener

      Sind Sie evtl. ein Profiteur des Systems?

      Ich gehöre als ewiger Netto–Steuerzahler auch zu den „kleinlichen Geldmotzern“ die gegen die Verschwendung von Steuergelder sind. Auch in „Scholl‘s Zeiten“ wurden aus meiner Sicht Steuergelder verbrannt um grüne Idiotien einzuführen. Das fängt mit sichtbehindernden gefährlichen Blumenkübeln an, geht über Fahrradstraßen auf denen man kaum mal ein Fahrrad sieht und über unnötige Einbahnstraßen (Simarstraße) zum Nachteil der Anwohner, die jedesmal um halb Eupen fahren müssen, um zu Ihrem Haus zu kommen, „es sei denn, sie fahren Fahrrad“!

      Weitere Steuergeldverschwendung sehe ich in den städtischen Bauten. Das teuere Hallenbad in Eupen, ist nach ca. 40 Jahren (!!!) dem Verfall preisgegeben worden, die Unterstädter Schule musste auch nach 50 Jahren schon abgerissen werden, während das Scheiblerhaus mit einer kleinen Investition heute noch stehen würde und ein Kleinod der Unterstadt wäre. Die Turnhalle auf Schönefeld wurde auch nach 50 Jahren verschrottet … so könnte man sich als KLEINLICHER GELDMOTZER dranhalten!

  7. Sehr ulkig und labhaft

    Sehr richtig @Oscar .
    Genau richtig wie sie verlauten lassen , im Süden gibt es noch im betagten Alter Staatsbeamten mit hohen Pensionen und mit weit über siebzig noch immer geiler nach noch mehr Flocken waren und immer noch sind , indem diese sich noch hohe Ämter zugeschustert haben .
    Es könnte im Bereiche des möglichen liegen , das diese Sorte mal so richtig satt wird nach deren Verlangen.

  8. Peter Müller

    “ diese empfand ich als undemokratisch und mir gegenüber sehr unfair.“
    Och ne, jetzt aber nicht weinen. Ob ihn das früher auch gestôrt hat ?.
    Ich habe nichts gegen Michael, nur er war zu lange dabei. Und wer in einer sicheren Position sitzt kann leicht andere kritisieren. Ob er etwas von bauen versteht, lasse ich mal so stehen. Ich glaube da gibt es kompetentere Personen !.

    • Pitterche

      Der Michael ist ein Exempel wie die meisten in der Politik, da verpassen die allermeisten den Ausstieg! Dermassen super sind die Entlohnungen, und die will man nicht verpassen!
      Die beste Lösung ist sowieso: Zwei mal dabei, und Aufwiedersehen!
      Dass würde vieles lösen, und besser machen!

    • „diese empfand ich als undemokratisch und mir gegenüber sehr unfair.“ Er meint sicher, die Vorzugsstimmen gäben ihm Anspruch auf ein Schöffenamt. In der Tat, die Damen auf Position Nr. 2 und 4 brauchten Kopfstimmen, um überhaupt gewählt zu sein. Wurde ihm da seine Nähe zu Ecolo zum Verhängnis?

  9. Schlusspfiff verpasst

    Tja, in der vorherigen Legislaturperiode mit den Grũnen angebǎndelt und so einiges in den (ökologischen) Sand gesetzt und deutlich abgewählt worden … die PFF hat mehr als Glũck, nach dem Debakel noch im Boot zu sein. Wenn man dann den Schlusspfiff nicht gehört bzw den Wink mit dem Zaunpfahl des Wählers und Koalitionspartners nicht verstehen will und an diversen Pöstchen klebt, darf sich nicht wundern… da wird’s leider einfach nur Nico h peinlich und man hǎtte rechtzeitig neue Wege einschlagen sollen. Und tschüss!

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