Nachrichten

Ryanair-Chef droht Belgien mit Flugstreichungen in Belgien

Eine Passagiermaschine von Ryanair setzt vor dunklen Wolken zum Landeanflug an. Foto: Boris Roessler/dpa

Der Streit zwischen Ryanair und der belgischen Regierung spitzt sich weiter zu. Airline-Chef Michael O’Leary warnt erneut davor, Flugverbindungen ab Belgien einzustellen und Kapazitäten in andere europäische Länder zu verlagern.

Hintergrund sind höhere Steuern und Abgaben auf den Luftverkehr, die nach Ansicht der Billigfluggesellschaft den Standort Belgien im Wettbewerb benachteiligen. Politik und Medien reagieren jedoch erstaunlich gelassen auf die Drohungen.

Die Warnungen von Ryanair-Chef Michael O’Leary sind Teil eines seit Monaten schwelenden Konflikts mit der belgischen Regierung über höhere Abgaben für den Luftverkehr. Ryanair argumentiert, Belgien verschlechtere mit steigenden Passagiersteuern und zusätzlichen lokalen Abgaben – insbesondere am Flughafen Charleroi – seine Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Ländern wie Italien, Schweden, Ungarn oder der Slowakei, die den Luftverkehr steuerlich entlasten.

10.04.2020, Belgien, Charleroi: Ryanair-Flugzeuge stehen auf dem Flughafen Brussels South Charleroi. Foto: Pool Christophe Licoppe/BELGA/dpa

Nach Angaben des Unternehmens will Ryanair deshalb die Kapazitäten in Belgien deutlich reduzieren. Bereits Anfang des Jahres kündigte die Fluggesellschaft an, ihr Angebot in Belgien in zwei Schritten um insgesamt rund zwei Millionen Sitzplätze zu verringern. Nun bekräftigte Michael O’Leary diese Drohung erneut und stellte in Aussicht, Flugverbindungen ab Belgien stillzulegen beziehungsweise die Frequenzen auf zahlreichen Strecken zu senken.

Betroffen wären sowohl der Flughafen Brüssel-Charleroi, der als wichtigste Ryanair-Basis in Belgien gilt, als auch Verbindungen ab Brüssel-Zaventem. Welche einzelnen Strecken tatsächlich gestrichen werden, hat das Unternehmen bislang allerdings nicht bekannt gegeben.

O’Leary begründet diesen Schritt mit den seiner Ansicht nach zu hohen staatlichen Belastungen für Fluggesellschaften. Steigende Steuern führten dazu, dass Ryanair Flugzeuge und Investitionen in Länder verlagere, in denen die Betriebskosten niedriger seien.

Die belgische Regierung hält dagegen. Sie verweist darauf, dass die höheren Abgaben Teil ihrer Haushalts- und Klimapolitik seien und der Luftverkehr einen angemessenen Beitrag leisten müsse. Aus Regierungskreisen heißt es zudem, Belgien werde sich von den Drohungen einer einzelnen Fluggesellschaft nicht unter Druck setzen lassen.

Ryanair-Chef Michael O’Leary äußert sich bei einer Pressekonferenz. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Auch in den belgischen Medien stößt Ryanairs Vorstoß auf wenig Verständnis. Die Zeitung „De Standaard“ schreibt in einem Leitartikel, die Regierung habe sich – anders als manche Nachbarländer – nicht von der „Lobbymaschine Ryanair“ einschüchtern lassen. Michael O’Leary verfolge seit Jahren dieselbe Strategie: Sobald Steuern oder Flughafengebühren erhöht würden, drohe der Billigflieger mit Streckenstreichungen, um politischen Druck aufzubauen. Zwar räumt das Blatt ein, dass insbesondere der stark von Ryanair abhängige Flughafen Charleroi wirtschaftlich unter einer Reduzierung des Angebots leiden könnte. Insgesamt wertet die Zeitung die jüngsten Ankündigungen jedoch vor allem als Verhandlungstaktik.

Tatsächlich hat Ryanair ähnliche Drohungen bereits in mehreren europäischen Ländern ausgesprochen. In Österreich, Deutschland und Italien kündigte die Airline in der Vergangenheit ebenfalls an, Kapazitäten abzuziehen oder Strecken einzustellen, wenn Steuern oder Gebühren erhöht wurden. Häufig folgten zwar einzelne Kürzungen, gleichzeitig wurden nach verbesserten Rahmenbedingungen aber auch wieder neue Verbindungen aufgenommen.

Ob es diesmal tatsächlich zu einem größeren Rückzug Ryanairs aus Belgien kommt, bleibt daher abzuwarten. Für Reisende ändert sich vorerst nichts. Bereits gebuchte Flüge bleiben bestehen, solange Ryanair keine konkreten Änderungen am Flugplan bekannt gibt.

Sollten Verbindungen tatsächlich eingestellt werden, müssten betroffene Passagiere rechtzeitig informiert werden und hätten nach den geltenden europäischen Fluggastrechten Anspruch auf eine Umbuchung oder Erstattung. (cre)

24 Antworten auf “Ryanair-Chef droht Belgien mit Flugstreichungen in Belgien”

  1. Hugo Egon Bernhard von Sinnen

    Jeder wird mit der Zeit,
    schauen müssen wo er bleibt,
    Die Flughäfen von Köln und Düsseldorf sind nicht weit.
    Dort stehen auch andere Maschinen als die von Ryanair bereit.

          • Chips, der Verfassungsschutz ist Weisungsgebunden und unterliegt der CDU, also der politischen Konkurrenz. Derjenige der die Opposition verbieten will, handelt absolut Undemokratisch und verstößt gegen die Verfassung ohne wenn und aber….Das wird sogar von der UN kritisiert. Davon abgesehen ist dieser Bericht schon von etlichen Topjuristen in allen Einzelteilen auseinandergenommen worden…Diese linke Propaganda zieht nicht mehr.
            Worauf warten die Kartellparteien denn, um das AFD-Verbot in Stellung zu bringen? Sie haben nichts und können “noch” nicht…

            • Das ist etwas komplexer als für zwei Zeilen. Erstmal der Wortlaut von Art. 21 Abs. 2 Grundgesetz:
              “ Parteien, die nach ihren Zielen oder nach dem Verhalten ihrer Anhänger darauf ausgehen, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beeinträchtigen oder zu beseitigen oder den Bestand der Bundesrepublik Deutschland zu gefährden, sind verfassungswidrig.“
              Verfassungsfeindlich wird vielfach synonym verstanden, aber (in Kurzform) „verfassungsfeindlich“ ist ein administrativer Begriff, von Behörden verwendet, bezeichnet (vorwiegend) bestimmte Aktivitäten. Die Feststellung, ob eine Partei „verfassungswidrig“ ist, obliegt allein Gerichten. Für ein Verbot (siehe oben Art. 21 GG) hat das Bundesverfassungsgericht das „Monopol“.
              Diese Vorschrift wurde eingeführt, weil die Weimarer Reichsverfassung eine solche Verbotsmöglichkeit nicht kannte, die NSDAP nicht verboten werden konnte und man dieses Problem nicht noch einmal haben wollte. Es gab nach 1949 mehrere Parteienverbote, rechte und linke Parteien betreffend.
              Wenn Sie es ganz genau wissen möchten, sehen Sie tatsächlich mal in das von mir genannte Gutachten. Dort sind die Begrifflichkeiten und ein Verbotsverfahren exzellent erklärt. Oder: Wikipedia o. ä….

  2. Zuhörer

    So machen unsere Politiker alles kaputt, mit immer neuen Steuern. Als nächstes ist die Tourismusbranche dran, wegen der Maut. Nur weiter so, dann Kommen bald überhaupt keine Steuern mehr rein.

    • So ist es. Anstatt zu Sparen wird fleißig gesucht, wo noch mehr Steuern aufgezwungen werden können. Deswegen gehen Firmen ins Ausland. M. O’Leary, man muss seinen Führungsstil nicht mögen, hat die für ihn richtigen Konsequenzen gezogen.

    • Hugo Egon Bernhard von Sinnen

      # Ach. /Wenn sie den Leuten die Urlaubsreise streichen würden, dann haben viele Länder, in denen die Einnahmen durch den Tourismus wirklich gut sind, ein größeres Problem als sie glauben.
      Und wir wahrscheinlich dann gleich mit.
      Könnte mir vorstellen dass diese Länder dann von Uschi mit Milliarden entschädigungen rechnen dürfen. Es würde jedenfalls gut zu ihrer unverständlichen, allgemeinen Strategien passen.
      Wir würden also Steuer Strafe zahlen , weil wir uns Urlaubsflüge nicht mehr leisten könnten .
      In Europa hat man so oder so den Durchblick für eine normale Wirtschaftlichkeit komplett verloren.
      Es braucht dringend jemanden, der im Europaparlament aufräumt, dessen Herz für die Politik schlägt und nicht für die eigenen Tasche oder Handtasche.

      • Sie @HEvS geben sich so als könnten Sie genau der Politiker ohne Fehl und Tadel sein, mit immer genau den richtigen Ideen zur richtigen Zeit. Setzen Sie sich auf ein Wahlliste. Vielleicht schaffen Sie es bis ganz oben und räumen mal so richtig auf. Wahrscheinlich aber würde irgendwer sich finden und Sie beseitigen.
        Verzeihen Sie mir, aber das konnte ich mir jetzt nicht verkneifen.

        • Hugo Egon Bernhard von Sinnen

          # Mungo / Für die richtige Ideen zur richtigen Zeit, ist es zu spät.
          Denn wenn es bei uns fünf Minuten nach zwölf ist, schafft man es weder bei uns, noch auf anderen Kontinenten, die Uhr auf fünf vor zwölf zurückzudrehen. Wer es bis ganz oben schafft, wenn er sich auf eine Wahlliste setzen lässt, erklärt sich damit einverstanden, teils kriminell zu handeln.
          Man organisiert also dann genau das, was man selbst (angeblich) verurteilt.
          Ein Job muss schon einen Sinn ergeben, bei vielen derer, handelt es sich aber nur um die Verkündung von daseinsberechtigtem Schwachsinn, den die Menschheit zu schlucken hat, ob es der Menschheit nun recht ist oder nicht.

          Zu ihrem letzten Abschnitt/ ???
          Wenn ihnen jemand einen Deal anbietet, der nur zustande kommt, wenn sie wiederum, jemand anderen beseitigen.
          Würden Sie sich dazu verleiten lassen ?
          Verzeihen Sie mir, aber diese Frage konnte ich mir jetzt nicht verkneifen.

          • Ich meinte, wenn man oben angekommen ist und nicht mit den Wölfen heult oder den falschen Leuten auf die Füße tritt etc., dann ist die Wahrscheinlichkeit groß das man aus dem Spiel genommen wird. (Einen Unfall erleidet, eine Vergiftung oder einfach nur von einen Geschoss getroffen wird.)

  3. Warum fliegen??
    Hier ist es doch auch schön!
    Zähle zu der Generation, für die es kein Menschenrecht war, 3mal im Jahr im Urlaub zu fliegen.
    Einfach mal auf dem Boden bleiben….🚴🏼‍♂️🏃🏼‍♂️🧘🏼‍♀️

  4. Zuhörer

    Toll unsere Steuer treibende Politiker. Da werden schon wieder Arbeitsplätze vernichtet. Zuerst in der Industrie, jetzt im öffentlichen Dienst. Da kann man nur noch Danke sagen.
    Wir sind nicht alleine in Europa. Dann landen die Flieger eben in ein Nachbarland .

    • Lufthansa

      Michael O’Leary ist wie Infantino.
      Erpressen manipulieren und hier und da mal einem in den A…h kriechen. Wenn es dann in demselben zu warm, zu kalt oder zu stinkig wird…einfach zum nächsten.
      Die Arbeitsplätze, die in Belgien wegfallen, werden sowiso von der Wallonie gesponsort und damit recht teuer. Verdienen tut nur Ryanair

  5. Erwin Haep

    Auf Ryanair kann man und sollte man nicht verzichten. Ryanair alleine ist der Grund, warum die Flugpreise nicht pausenlos in die Höhe gehen. Ryanair ist konkurrenzlos. Die Bahn ist bedeutend teurer. Alle Städte in Europa lassen sich unter 100,-€ buchen. Ryanair ist wie ein Bussunternehmen, welches nur das Notwendigste dem Kunden bietet. Insgesamt wird auch mehr geflogen. Charleroi wollte an Ryanair verdienen, aber das würde die Philosophie von Ryanair verändern oder gar töten. Ryanair würde dann nicht mehr „lowcost“ sein, also nicht mehr am unteren Segment der Flugpreise sein.

Antworten

Impressum Datenschutzerklärung
Desktop Version anfordern